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Der Ursprung der Heraldik

Seminararbeit 2011 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Heraldik
2.1 Farbgebung, Tinkturen
2.2 Blasonierung
2.3 Marshalling
2.4 Rolls of Arms
2.5 Ergänzungen

3. Theorien der Herkunft und Funktion

4. Analyse der Theorien anhand der Quellen

5. Schlusswort

Bibliographie

Quellen

Literatur

Abbildungen

1. Einleitung

Der Ursprung der Heraldik ist ein umstrittenes Thema. Zahlreiche Theorien existieren, welche versuchen die Existenz, aber auch die Funktion der Heraldik zu erklären. Wieso begann man ein Wappen auf einem Schild zu führen? Robert Jones und Adrian Ailes sind zwei Historiker, welche sich diesbezüglich uneinig sind. Während Ailes argumentiert, dass Heraldik in erster Linie der Identifikation auf dem Schlachtfeld dienen sollte und es davor beinahe unmöglich war einen einzelnen Kämpfer zu erkennen, ist Jones der Meinung, dass es zahlreiche andere Varianten gab, wie man einen Krieger identifizieren konnte und sich die Heraldik aus diesen entwickelte.[1] Daneben gibt es noch weitere Annahmen, was der Ursprung und die Funktion der Heraldik sein könnte. Ziel dieser Arbeit ist es, einige dieser Theorien – welche alle ihre Pro- und Contraargumente haben – miteinander zu vergleichen und herauszufiltern, was der eigentliche Ursprung der Heraldik sein könnte. Als Primärquelle soll der Bayeux-Teppich dienen, welcher auch in zahlreichen dieser Theorien verwendet wird, um die jeweilige Argumentation zu stützen. Die Darstellungen der verschiedenen Banner und Schilde auf dem Bayeux-Teppich liefern zumindest Hinweise, was der Ursprung der Heraldik sein könnte. Weitere Quellen, die verwendet werden, sind Darstellungen wie die „Trinity Apocalypse“ oder Wappen im Einzelnen, welche ebenfalls Hinweise auf mögliche Verwendungen der Heraldik geben. Die Leitfragen, welche die Arbeit stützen, sind folgende: „Wo liegt der Ursprung der Heraldik? Was ist ihre Funktion? In wie weit ist ihre Herkunft bestimmbar und auf welche Fakten stützen sich Historiker bei der Ausarbeitung ihrer Theorien zum Ursprung der Heraldik?“. In erster Linie bezieht sich die Arbeit auf den englischen und britischen Raum und den dortigen Ursprung der Heraldik. Wo es für die Arbeit hilfreich oder notwendig ist, auch andere geographische Regionen und die dortige Heraldik, oder ihren Ursprung allgemein, mit einzubeziehen, wird das selbstverständlich getan.

Die Arbeit ist so aufgebaut, dass zunächst eine Einleitung in die Heraldik allgemein gegeben wird, damit ein Überblick entsteht, was sie eigentlich ist und wie sie funktioniert. Danach werden die Theorien zum Ursprung und der Funktion der Heraldik präsentiert, anschliessend miteinander verglichen und anhand der Quellen analysiert. Daraus soll dann ein Fazit gezogen werden, welches folgende Ergebnisse beinhaltet: Inwiefern kann der Ursprung der Heraldik anhand dieser Theorien und den Quellen überhaupt bestimmt werden? Stützen sich die Theorien gegenseitig oder schliessen sie sich aus und sind sie plausibel oder können sie anhand anderer Theorien, historischer Fakten und des Quellenmaterials widerlegt werden?

2. Die Heraldik

In diesem Kapitel soll die Heraldik als Wissenschaft, beziehungsweise Hilfswissenschaft zur Geschichte, aber auch als Kunstform, näher präsentiert werden.

Die Heraldik ist die Lehre von den Wappen und Zeichen: das heisst über ihre Entstehung, ihre Geschichte, ihre Form und über die Art, sie graphisch darzustellen. Aus diesem Grund ist die Heraldik gleichzeitig eine Wissenschaft und eine Kunst („Wappenkunde“ und „Wappenkunst“). Viele Heraldiker waren und sind daher nicht selten nicht nur Wissenschaftler, sondern auch gute Graphiker, und natürlich umgekehrt.[2]

In ihrer dualen Rolle hat die Heraldik auch eigene Regeln entwickelt, nach welchen sie funktioniert. Diese betreffen die Farbgebung, aber auch die Art und Weise wie ein Wappen dargestellt und diese Darstellung beschrieben werden muss, die sogenannte „Blasonierung“. Diese erfolgt in einer eigenen Fachsprache. Die am weitesten zurückliegenden Hinweise für eine Form der Heraldik finden sich in den persönlichen und militärischen Insignien der Sumerer, Assyrer und Ägypter.[3] Auf weitere Formen der sogenannten „Proto-Heraldik“ und die Ursprünge der Heraldik im Allgemeinen wird in den Kapiteln 3 und 4 eingegangen.

2.1 Farbgebung, Tinkturen

Bei der Farbgebung in der Heraldik spricht man von „Tinkturen“. Der Grund dafür ist die Unterscheidung der verschiedenen Tinkturen in Metalle (Gold und Silber) sowie Farben (Rot, Schwarz, Blau, Grün und Purpur). Seltener auch andere Farbtöne. Die Regelung dabei besagt, dass neben einer Farbe auf einem Schild zwingend ein Metall sein muss, um den Kontrast zu erhöhen. Deshalb werden auch Wappenfiguren nicht in ihren natürlichen Farben abgebildet. Man nimmt entweder eine Tinktur, welche der natürlichen Farbe am nächsten ist – ein brauner Bär wird beispielsweise in Rot, Gold oder Schwarz dargestellt – oder man wählt eine der anderen, primären sieben Tinkturen. Es ist erlaubt, deutlich von den natürlichen Farben abzuweichen. Ein Baum darf auch blau dargestellt werden, sofern er auf einem Metallgrund ist. Um die Tinkturen in Schriftstücken darzustellen, entwickelte man ein Schraffursystem, wobei jede Tinktur ihre eigene Schraffur hatte, mit der sie dargestellt wurde. Neben den Farben und Metallen gibt es auch sogenannte „Furs“, also Pelzwerke. Das sind Muster, die an Tierfelle, speziell des Hermelin, des Fehs und des Kürschs erinnern. Von diesen Mustern gibt es verschiedene Variationen. Sie dürfen sowohl neben einer Farbe, als auch neben einem Metall abgebildet werden. Unter gewissen Umständen kann die Regel, dass keine Farbe neben einer anderen und kein Metall neben einem anderen sein darf, auch vernachlässigt werden.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[5]

2.2 Blasonierung

Die Blasonierung ist die Beschreibung eines Wappens. Wenn man blasoniert, dann erklärt man, was auf einem Wappenschild zu sehen ist, wobei eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden muss. Das Ganze erfolgt in der heraldischen Fachsprache. Man beginnt zunächst mit dem Feld und dessen Farbe. Je nach dem wird ergänzt, ob und wie das Feld geteilt ist und welche Farben die einzelnen Teile haben. Danach beschreibt man das Hauptmotiv des Wappens, wie es abgebildet ist (z.B. bei Tieren, „stehend“, „liegend“, „gehend“) und welche Farbe es trägt. Sollten mehrere Motive abgebildet sein, werden diese danach beschrieben. Bei mehreren Motiven existiert auch eine fixe Reihenfolge, in welcher diese beschrieben werden müssen. Dabei beginnt man immer oben rechts aus der Sicht des Schildträgers, also oben links aus der Sicht des Betrachters.[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[7]

So in etwa sieht eine solche Reihenfolge der Blasonierung aus.

Dabei werden die Begriffe der heraldischen Fachsprache verwendet, welche – zumindest in der englischen Heraldik – teilweise aus der englischen, teilweise aus der französischen Sprache stammen. So wird bei den Tinkturen beispielsweise „Gules“ für Rot oder „Azure“ für Blau verwendet, während die Figuren Löwe, Drache und Einhorn „Lion“, „Dragon“ und „Unicorn“ genannt werden.[8]

2.3 Marshalling

Ein wichtiges Element der Heraldik ist das „Marshalling“, welches das Zusammenfügen von zwei oder mehreren Wappen beschreibt. Dies geschieht, um Allianzen, die Abstammung, Ansprüche an ein bestimmtes Hoheitsgebiet oder auch eine Herrschaft darzustellen. Wappen können also beispielsweise sowohl bei der Allianz zweier Familien – also einer Heirat – wie auch bei der Vereinigung zweier Staaten oder Reiche zusammengefügt werden. Auch das „Marshalling“ hat seine eigenen Regeln.[9] Besonders in England wurden zahlreiche Wappen „gehäuft“. Dabei ging es oft nur noch darum, politische Macht oder den Einfluss der Familie zu demonstrieren. Oft wurden hunderte von Wappenfeldern zusammengefügt, was dazu führte, dass die Übersichtlichkeit verlorenging. Die Farbregeln galten in diesen Fällen ohnehin nur für die einzelnen Wappenfelder.[10]

„Marshalling“ existiert in unterschiedlichen Formen, wobei das Vierteln von Wappen wohl die Häufigste ist, da so auch gewisse Symmetrien eingehalten werden können.[11]

2.4 Rolls of Arms

Die Wappen des englischen Adels wurden in sogenannten „Rolls of Arms“ dokumentiert. Solche Wappenrollen wurden in einzelnen Fällen in Buchform, grösstenteils aber in Schriftrollen verfasst, was dazu führte, dass auch die Bücher „Rolls of Arms“ genannt wurden. Teilweise wurden diese Listen mit Illustrationen der Wappen versehen, andere bestanden nur aus Blasonierungen. In den einzelnen Rollen gab es oft keine klar definierte Reihenfolge, in welcher die Personen festgehalten wurden. Einzelne Rollen versuchten zumindest eine Hierarchie anhand des Standes in die Rollen zu bringen (Ritter, Barone, Earls, alle jeweils unter sich), aber innerhalb dieser Stände war wiederum keine klare Reihenfolge ersichtlich. Die „Rolls of Arms“ konnten von der Länge stark variieren. Es gab kleinere Rollen mit weniger als hundert Namen und grössere mit über tausend Namen. Es existierten sowohl offizielle Rollen, welche Teilnahmen an Turnieren, Schlachten oder Belagerungen dokumentierten, aber auch solche, deren Funktion unklar ist. Es waren offizielle Heralde, welche solche Rollen erstellten. Diese wurden zum Kauf und Verkauf angeboten und waren für die private Nutzung gedacht. Dabei suchten die Heralde häufig auch Sponsoren, welche ihnen die Herstellung solcher Rollen finanzierten. Als Gegenzug wurden die Patrone, welche die Rollen finanzierten, in diesen auch erwähnt, was ihnen zu mehr Ansehen verhalf. Genauso wie die Wappen selber, dienten auch die Wappenrollen häufig dazu, die politischen und privaten Interessen und das Ansehen von Familien, Staaten und Einzelpersonen zu fördern, aber auch um unauthorisierte Personen am Tragen eines Wappens zu hindern. Ebenso konnte man Dank der „Rolls of Arms“ Duplikate unter den Wappen vermeiden.[12]

2.5 Ergänzungen

In den Kapiteln 2.1 bis 2.4 sollte ein Überblick entstehen, auf welche Art und Weise und anhand welcher Regeln die Wappen eingeteilt, eingefärbt und beschrieben werden müssen. Wie bereits erwähnt bezieht sich das in erster Linie auf die englische Heraldik. Je nach Region gab es in Europa Unterschiede in der Heraldik. Gerade das „Marshalling“, wobei die Wappen der Ahnen in einem Schild zusammengefasst werden, ist eine englische Besonderheit.[13] Ähnliche Formen davon gab es aber auch in Deutschland.[14] So wurde die Heraldik einer Region oft von derjenigen eines anderen Gebietes geprägt. Die italienische Heraldik weist Merkmale der deutschen, spanischen und französischen auf. In den Niederlanden und Belgien weist die Heraldik Eigenheiten der französischen, deutschen und englischen auf. Je nach geographischer Lage oder Herrschaftszugehörigkeit nahm die Heraldik dieser Staaten und Regionen Eigenheiten aus der Wappenkunde anderer Gebiete auf.[15] Das erschwert die Analyse natürlich, da es teilweise schwierig zu sehen ist, wer auf wessen Heraldik effektiv Einflüsse ausgeübt hat. Insofern soll in den folgenden Kapiteln in erster Linie die englische Heraldik auf ihren Ursprung untersucht werden. Eine Abgrenzung ist in diesem Sinne nicht immer einfach, doch die Theorien, welche untersucht werden, beziehen sich primär auf die englische Geschichtsschreibung und auf deren Quellen. Somit sollte es möglich sein, die Analyse dieser Theorien auf die englische Heraldik zu reduzieren.

[...]


[1] Vgl. Jones, Identifying the warrior on the pre-heraldic battlefield, S. 154.

[2] Filip, Einführung in die Heraldik, S. 11.

[3] Vgl. Ailes, The Origins of the royal arms of England, S. 21.

[4] Vgl. Filip, Einführung in die Heraldik, S. 23–26.

[5] Vgl. Tinctures.gif, 31. 8. 2009. <http://www.knowledgerush.com/wiki_image/3/34/Tinctures.gif> [Stand: 7. Juni 2011].

[6] Vgl. Fox-Davies, A complete guide to heraldry, S. 99–105.

[7] Blasonieren.gif, 9. 12. 2005. <http://home.datacomm.ch/hofer.harri/assets/images/Blasonieren.gif> [Stand: 7. Juni 2011].

[8] Vgl. Woodcock/Robinson, The Oxford guide to heraldry, S. 198–206.

[9] Vgl. Fox-Davies, A complete guide to heraldry, S. 523.

[10] Vgl. Filip, Einführung in die Heraldik, S. 31.

[11] Vgl. Fox-Davies, A complete guide to heraldry, S. 523.

[12] Vgl. Denholm-Young, History and heraldry, S. 1–16.

[13] Vgl. Filip, Einführung in die Heraldik, S. 78–86.

[14] Vgl. Ebd., S. 31.

[15] Vgl. Ebd., S. 78–86.

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640993161
ISBN (Buch)
9783640993307
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177577
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Historisches Seminar
Note
5.5 (Schweizer Note)
Schlagworte
ursprung heraldik note)

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