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Erprobung des Wochenplankonzepts zur Verbesserung der Rechtschreibung

Ein Vorhaben im integrativen Deutschunterricht einer 9. Klasse

von Frida Bliesweiler (Autor)

Masterarbeit 2011 35 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung.

1 Begriffsklärung zentraler Titelschlagworte
1.1 Der Wochenpla
1.2 Verbesserung der Rechtschreibung
1.3 Integrativer Deutschunterricht

2 Darstellung und Wertung zweier Wochenplanübungen
2.1 Darstellung einer Übung zur Großschreibung
2.1.1 Begründung der Auswahl
2.1.2 Wertung
2.2 Darstellung einer Übung zur dass/das-Schreibung
2.2.1 Begründung der Auswahl
2.2.2 Wertung

Zusammenfassung und Bilanz

Literaturverzeichnis

Einleitung

Kompetenzorientierung

Durch den Wandel von der Lernzielorientierung hin zur Kompetenzorientierung ist eine zunehmende Öffnung des Unterrichts erforderlich, um den Schülern2 einen Lernraum zu bieten, in dem sie in höchstmöglichem Maß selbst handeln können. Denn Fähig- und Fertigkeiten werden v. a. durch aktives Selbsttun erworben. Damit erhält die Selbst- ständigkeit der Schüler einen neuen Stellenwert im Unterricht.

Die KMK-Bildungsstandards für den mittleren Schulabschluss geben vier Kom- petenzbereiche an, die es im Deutschunterricht zu fördern gilt:

- Sprechen und Zuhören
- Schreiben
- Lesen - mit Texten und Medien umgehen
- Sprachwissen und Sprachbewusstsein3

Wie der Titel des zugrunde liegenden Beitrags verrät, geht es im Folgenden v. a. um die Fähigkeit des „Recht-Schreibens“4, die in der Unterrichtseinheit integrativ (vgl. 1.3) mithilfe von sog. Wochenplänen gefördert werden soll. Der Wochenplan ist allerdings nicht nur ein Instrument, um Schüler mit curricularen Inhalten wie der Rechtschreibung zu konfrontieren; er impliziert ebenfalls eine Organisationsform, die den Schülern hoch- gradige Selbstständigkeit abverlangt. Die Förderung der Selbstständigkeit - auch im expliziten Bezug auf die Rechtschreibung - ist ein mehrfach erwähntes Ziel der Institu- tion Schule.5 So heißt es im Berliner Rahmenlehrplan z. B.:

Standards lt. RLP

- Die Schüler „zeigen größere Selbstständigkeit und Sicherheit im richtigen Schreiben und steigern ihre Fehlersensibilität.“6
- Die Schüler „verwenden zunehmend selbstständig Proben zur Feststellung der Schreibung.“7
- Die Schüler „korrigieren und vermeiden Fehler zunehmend selbstständig mit Hilfe einer Fehleranalyse.“8
- Die Schüler „wenden […] wichtige Rechtschreibregeln“ und „geeignete Hilfsmit- tel gezielt und selbstständig an.“9
- Die Schüler „überarbeiten gemeinsam fremde und eigene Texte unter Verwen- dung von Überarbeitungsstrategien zunehmend selbstständig.“10

Der Hintergrund bei der Idee der zunehmenden Selbstständigkeit ist, dass Menschen i. d. R. dann am nachhaltigsten lernen, wenn sie etwas selbst tun, da beim konkreten

Erhöhte Unter- richtsquali- tät

Handeln verschiedene Sinne angesprochen werden, die sich kumulativ ergänzen.11 Außerdem kann sich - so der Autor und Lehrer Jürgen Moosecker - die Lernmotivati- on durch die Erfahrung der Selbstwirksamkeit erhöhen.12 Gleichzeitig eignen sich selbstständige Lerner Strategien an, die ein lebenslanges, unabhängiges Lernen er- möglichen.13

Hinzu kommt, dass der Deutschunterricht aufgrund der Heterogenität einer je- den Lerngruppe grundsätzlich differenziert zu gestalten ist, um einen möglichst optima- len Kompetenzzuwachs jedes Einzelnen zu ebnen. Andernfalls bestünde die Gefahr, einzelne Schüler zu über- oder zu unterfordern und damit Lernpotenzial unausge- schöpft zu lassen.

Insgesamt verwundert es somit nicht, dass eine hohe Schüleraktivierung sowie eine innere Differenzierung als Indikatoren für eine hohe Unterrichtsqualität gelten.14 Beide Qualitätsmerkmale finden in der sog. Wochenplanarbeit Berücksichtigung, da der Wochenplan durch die individuelle Aufbereitungsmöglichkeit der Heterogenität von Lerngruppen gerecht wird und den Schülern die Chance zur Selbstständigkeit einräumt. So kann er u. a. im Umfang, in der Auswahl der Aufgaben und im Grad der Hilfestellung auf den Kompetenzstand und die Interessen des Individuums zugeschnitten werden (vgl. 1.1).

Da die Bereitstellung individualisierter Angebote im Rahmenlehrplan fest veran- kert ist, geht die Wochenplanarbeit auch in diesem Punkt mit den Forderungen des Rahmenlehrplans konform.15

Bedeutsamkeit des Themas

Im Rahmenlehrplan heißt es weiterhin, dass die Schüler ihre Fähig- und Fertig- keiten in der Sekundarstufe I mit dem Ziel erweitern, auf die Anforderungen der zukünf- tigen Lebens- und Arbeitswelt vorbereitet zu sein. Das ist die zentrale Aufgabe von Schule.16 Der Fähigkeit des richtigen Schreibens wird im Rahmenlehrplan ein eigener Standard17 zugeordnet, womit dem „Recht-Schreiben“ eine Bedeutung zur Bewältigung der Lebens- und Arbeitsweltanforderungen beigemessen wird. Beispielsweise ist diese Fähigkeit wichtig, um seinem Gedankengang zur Klarheit zu verhelfen und ihn für ande- re verständlich darzulegen,18 was z. B. beim Verfassen von Briefen, Kurzmitteilungen oder E-Mails im Alltag erforderlich ist. Eine fehlerhafte Rechtschreibung erschwert dem Leser die Rezeption, begünstigt Missverständnisse und kann einen schlechten Eindruck vom Autor provozieren. Vor allem aber gilt es in der Arbeitswelt als „unschicklich“, wenn das Bewerbungsschreiben, der Aufnahmetest u. Ä. Rechtschreibfehler enthält, zumal dies gleichzeitig ein Ausschlusskriterium für jene Berufe sein kann, in denen die Schriftlichkeit einen festen Tätigkeitsbestandteil darstellt.19

An dieser Stelle rückt die Fähigkeit des selbstständigen Handelns in den Fokus: Da der Lehrer nach dem Schulabschluss nicht mehr als ständiger Ansprechpartner für den Schüler zur Verfügung steht, ist der Schüler darauf angewiesen, sich selbst helfen zu können. D. h., er muss für ein lebenslanges Lernen wissen, wie man gesuchte Informationen ermittelt, wie man sich Wissen selbst aneignet und wie man seine Produkte selbstständig überprüfen und überarbeiten kann.

Alle fachlichen Kompetenzen sind demnach mit überfachlichen Kompetenzen wie der Fähigkeit zum selbstständigen Handeln verzahnt.20 Der Wochenplan ermöglicht diese Verzahnung auf schülergerechte Weise (vgl. 1.1) und fördert damit Fähigkeiten, über die Berufsanfänger oftmals nicht ausreichend verfügen, wie diese Zitate aus der Wirtschaft exemplarisch belegen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten21 22

Praxisbe zug

Trotz der Bedeutsamkeit für die Lebens- und Arbeitswelt bereitet das korrekte Schrei- zug ben selbst noch Schülern des 9. Jahrgangs große Schwierigkeiten, die am Ende des 10. Schuljahres die Schullaufbahn beenden wollen. Mangelnde Selbstständigkeit, wenn es z. B. um das Hinzuziehen von Nachschlagewerken geht, und die ungenügende Nut- zung von Kooperationen spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. So resultiert meine Motivation für das Vorhaben, individuelle Rechtschreibdefizite mithilfe von Wochenplänen zu minimieren, aus einem jüngsten Unterrichtserlebnis: Als ich zuletzt meiner 9. Klasse ihre korrigierten Klassenarbeiten zurückgab, artikulierten einige Schüler ihre Enttäuschung darüber, dass ihre Rechtschreibung mangelhaft ist. Da die Rechtschreibung zu einem Fünftel in die Gesamtnote einfließt, wurden viele Aufsätze aufgrund der immensen Rechtschreibfehleranzahl eine ganze Note schlechter bewertet.

Ziel

In der neuen Unterrichtseinheit zum Thema „Lineares Erörtern“ sollen nun individuali- sierte Wochenpläne als Instrument zur gezielten Verbesserung individueller Rechtschreibdefizite erprobt werden. In Anlehnung an die Forderungen des Rahmenlehrplans sollen die Schüler während der Einheit insbesondere aufgefordert sein,

- selbstständig Nachschlagmöglichkeiten hinzuzuziehen und
- das Kooperationspotenzial zwischen den Schülern selbstorganisiert zu nutzen.

Die Qualitätsmerkmale für den Unterricht beachtend, ist beim Wochenplankonzept unter Berücksichtigung dieser zwei Indikatoren ein hohes Potenzial zur Verbesserung der Rechtschreibung zu vermuten.

Ziel dieses empirischen Beitrags ist es nun, zwei der Rechtschreibübungen aus einem Wochenplan exemplarisch vorzustellen und auf erreichte Erfolge und erfahrene Grenzen zu reflektieren. Daraus leitet sich die Untersuchungsfrage ab, inwiefern mit individualisierten Wochenplänen eine Verbesserung der Rechtschreibung erzielt werden kann. Die zwei Indikatoren sind dabei auf ihre Wirksamkeit zu hinterfragen.

Wohl wissend, dass v. a. ältere Schüler auch ohne konkrete Handlungen zu tragfähigen Erkenntnissen kommen können, nämlich ]durch Analogienbildung und theoretisches Kombinieren23, greife ich mit der Untersuchungsfrage das Ergebnis einer Grundschulstudie auf, aus der u. a. hervorgeht, dass die Rechtschreibleistung im ersten Schuljahr tendenziell bei offenem Unterricht besser war.24 Auch Piaget konstatiert, dass Schüler zumindest bis zum 11. Lebensjahr elementar auf praktsiches Tun angewiesen sind, wenn sie wirksam lernen und behalten wollen.25 Doch lässt sich diese Beobachtung auch in der Sekundarstufe I machen?

Aufbau

Die Ergebnisse werden zur Klärung der Untersuchungsfrage explizit im Schlusswort abgewägt. Vorangestellt sind dem Schlusswort zwei Kapitel:

1. Im ersten Kapitel gilt es, die im Titel enthaltenen Schlagworte „Individualisierte Wochenpläne“, „Verbesserung der Rechtschreibung“ und „Integrativer Deutschunterricht“ für den Rahmen dieser Arbeit zu definieren. Diese Defition ist unerlässlich, um das unterrichtliche Vorgehen nachvollziehbar und Erfolge messbar zu machen. Auch stelle ich hier exemplarisch einen Wochenplan vor, mit dem ein Schüler gearbeitet hatte und aus dem die Aufgabenstellung hervorgeht, auf die sich die vorzustellenden Übungen im zweiten Kapitel beziehen.
2. Im zweiten Kapitel werden zwei Übungen, die jeweils aus der Erarbeitung/Wiederholung des Regelwissens und aus Anwendungsaufgaben bestehen, vorgestellt. Danach lege ich meine Überlegungen dar, wieso ich mich für diese Übungen entschieden habe und ziehe abschließend eine Teilbilanz mit Blick auf die Untersuchungsfrage.

Kapitel I Begriffsklärung zentraler Titelschlagworte

1.1 Der Wochenplan

Ursprung

Die historischen Wurzeln des Wochenplankonzepts sind eingebettet in die Bewegung zur Humanisierung von Schule, die ihren Ursprung in der Reformpädagogik hat und vorrangig in Grundschulen Anwendung findet. Um 1900 machten z. B. die deutschen Reformpädagogen Georg Kerschensteiner und Hugo Gaudig die Aktivität des Schülers zum Ausgangspunkt ihres Ansatzes: Der Schüler sollte während der gesamten Arbeitsvorgänge selbst tätig sein; beim Ordnen des Arbeitsganges, bei der Entscheidung der Lösungswege, bei der Korrektur usw. Der Grundsatz der Selbstständigkeit findet sich heute in allen Wochenplankonzepten wieder.

Im Zusammenhang mit der Wochenplanarbeit muss zudem Celestin Freinet erwähnt sein. Sein Konzept ist vorwiegend durch drei Merkmale gekennzeichnet, die ebenfalls noch heute für die Wochenplanarbeit charakteristisch sind:

1. Der Klassenraum ist für das offene, handlungsorientierte Arbeiten vorbereitet. Es wurden z. B. Arbeitsecken eingerichtet.
2. Am Ende jeder Woche wird über die Aufgaben und Themen für die kommende Woche beraten. Fragen wie „Welche Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen?“ sollen dabei besprochen werden.
3. Jeder erhält zu Beginn der Arbeitswoche seinen individuellen Wochenplan, in dem die Stärken und Schwächen des Individuums berücksichtigt worden sind. In diesem Plan dokumentiert jeder Schüler, was er erledigt hat.

Maria Montessori (Abb. 1) - die wohl berühmteste Reformpädagogin - greift diese Grundsätze um 1907 auf und entwickelt ein Bildungskonzept, das heute als „Montessoripädagogik“ bekannt ist. Ein zentrales Leitmotiv der Montessoripädagogik ist, dass die Erwachsenen dem Schüler keine Arbeit abnehmen sollen, die es mit geeigneter Hilfe selbt bewältigen könnte („Hilf mir, es selbst zu tun“). Damit ist die Selbstständigkeit der Lernenden auch in der Montessoripädagogik ein Kerngedanke.

Abb. 1) Maria Montessori26 (* 1870; † 1952)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Maria Montessori betonte darüber hinaus, dass Schülern die Möglichkeit eingeräumt werden muss, in ihrem eigenen Lerntempo zu arbeiten. Ihr Ansatz findet sich noch heute an vielen Stellen in der Wochenplandiskussion wieder27, zumal nachgewiesen ist, dass Zeitdruck Leistungen beeinträchtigt.28

Definition

Alle bisher genannten Merkmale sind als Prinzipien der Wochenplanarbeit zu verstehen:

- Selbstständigkeit
- vorbereitete Lernumgebung
- Beratung
- individualisierte Pläne
- Differenzierung im Arbeitstempo

Darüber herrscht in der Fachliteratur Einigkeit.29 Demzufolge bilden diese Merkmale in angepasster Form die Grundlage bei der Durchführung des zugrundeliegenden Unterrichtsvohabens.

Dennoch werden in der Fachliteratur sehr differente Durchführungsempfehlungen und verschiedene Gestaltungsvarianten von Wochenplänen vorgestellt, wie folgende zwei Beispiele veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2) Wochenplanbeispiel mit Fächerübergreifung in handschriftlicher Fassung (Primarstufe).30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3) Wochenplanbeispiel mit Instruktion und ohne Dokumentationsraum (Sekundarstufe).31

Daher soll zunächst geklärt werden, was im Rahmen dieses Beitrags unter „Wochenplan(arbeit)“ verstanden wird:

- Selbstständigkeit: Das Leitmotiv der Montessoripädagogik beachtend, soll die Hilfe des Lehrers nur dann in Anspruch genommen werden, wenn alle anderen Möglichkeiten zur Selbsthilfe ausgeschöpft wurden. Zur Selbsthilfe gehört v. a. das Nutzen von Nachschlagemöglichkeiten und die Kooperation mit Klassenkameraden. Die Selbstständigkeit zeigt sich aber nicht nur im selbstständigen Arbeiten, sondern auch darin, dass die Schüler selbstorganisiert sicherstellen müssen, dass alle Pflicht- und Wahlpflichtaufgaben bis zum vereinbarten Zeitpunkt bearbeitet wurden und zur Einsicht vorliegen. An vielen Stellen können die Schüler zudem entscheiden, in welcher Sozialform sie die Aufgabe lösen.32

Wie bereits von Kerschensteiner und Gaudig praktiziert, müssen die Schüler außerdem die meisten ihrer Aufgaben selbst kontrollieren und korrigieren. Damit erhalten die Schüler eine unmittelbare Rückmeldung. Gleichzeitig ist sichergestellt, dass jede Rückmeldung vom Schüler registriert wird. Der Lehrer beobachtet und überprüft zeitweise, ob alle bisher bearbeiteten Aufgaben gewissenhaft bearbeitet, kontrolliert und korrigiert wurden. Ist dies nicht der Fall, müssen die Aufgaben als Hausaufgabe vervollständigt oder korrigiert werden.

- Vorbereitete Lernumgebung: Der Klassen- raum wird entsprechend Freinets Handhabung vorbereitet (Abb. 4): Hilfsmittel wie Duden, Lehrbücher oder Internetzugänge sind bereitgestellt; Arbeitsblätter sind ausgelegt. Ferner werden Partner- und Gruppenarbeitsplätze eingerichtet. Auf dem Flur (u. a.) stehen Stillarbeitsplätze für die Einzelarbeit bereit. Selbstkontrollmöglich- keiten sind ausgehängt und übersichtlich ausgeschildert.33 Die Pinnwand und Wandflächen im Klassenraum sind für die Präsentation von Plakaten vorbereitet; die Tafel enthält v. a. aufgabenbezogene Checklisten, die den Schülern ein kriterienorientiertes Arbeiten ermöglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4) Aufriss des vorbereiteten Klassenraums.

- Beratung: Die Wochenplanarbeit umfasst insgesamt viereinhalb Wochen, in denen drei von fünf Deutschstunden pro Woche für das selbstständige Arbeiten mit dem Wochenplan genutzt werden.34 In der ersten Wochenstunde erfolgt im Stuhlkreis jeweils ein Austausch darüber, wer was in dieser Woche von seinem Plan erreichen wolle/müsse (Zielsetzung) und welche Kooperation sich bei welcher Aufgabe anböte. Außerdem wird über die Erfahrung mit bestimmten Aufgaben gesprochen sowie die Sinnhaftigkeit der Aufgaben (Kompetenzförderung) und die Effektivität bestimmter Lernwege reflektiert. Verbleibende Zeit wird zur inhaltlichen Systematisierung durch den Lehrer genutzt. Die letzte Wochenstunde dient jeweils als Präsentationsstunde. In dieser Stunde können die Schüler dem Plenum ihre Ergebnisse vorstellen, unabhängig davon, ob es sich um ein materielles (z. B. ein Plakat), ein szenisches (z. B. die Inszenierung einer Talkshow) oder ein kognitives Produkt (z. B. was ein Schüler allgemein dazugelernt hat) handelt. Jeder Präsentation folgt ein konstruktives Feedback durch die Mitschüler und den Lehrer.
- Individualisierte Wochenpläne: Den Wochenplangrundsätzen Eiko Jürgens‘35 folgend, erhält jeder Schüler in seinem Plan individuelle Pflicht-, Wahlpflicht- und Zusatzaufgaben, die mit Bedacht vom Lehrer ausgewählt worden sind.36 Die Pflichtaufgaben sichern das Basiswissen, die Wahlpflichtaufgaben ermöglichen eine Interessenorientierung und die Zusatzaufgaben bieten besonders fleißigen Schülern zusätzliches „Futter“. Bei der Aufgabenauswahl wurde der Kompetenz- und Wissensstand sowie das Arbeitstempo des einzelnen Schülers berücksichtigt. Die vorgegebene Aufgabenreihenfolge ist von jedem Schüler einzuhalten.

Beispiel

Zur Veranschaulichung soll nun ein individualisierter Wochenplan vorgestellt werden, mit dem einer der Neuntklässler gearbeitet hatte und auf dessen Rechtschreibübungen im zweiten Kapitel Bezug genommen wird.

[...]


2 Zugunsten des Leseflusses wird in der vorliegenden Arbeit nur die maskuline Form verwendet. Selbstredend sind aber auch Schülerinnen gemeint. Selbiges gilt für die Lehrperson.

3 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): Rahmenlehrplan für die Berliner Schule. Deutsch. Sekundarstufe I, 1. Auflage, Berlin 2006, S. 10, 30.

4 Im Sinne des integrativen Unterrichts ist das Schreiben und Rechtschreiben als etwas Zusammenhängendes zu betrachten. Vgl. hierzu: Jacobs, August-Bernhard: Rechtschreiben im integrativen Deutschunterricht. Didaktisch-methodische Hilfen für den Unterricht in den Klassen 5 und 6 mit praktischen Hinweisen und einem Unterrichtsbeispiel von Christiane Hanenberg, 1. Auflage, Soest 1990, S. 15.

5 Vgl. z. B. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 6, 8, 64.

6 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 61.

7 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 24.

8 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 47.

9 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 47.

10 Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 17.

11 Vgl. Klippert, Heinz: Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen. Bausteine für den Fachunterricht, Weinheim und Basel 2001, S. 31.

12 Vgl. Moosecker, Jürgen: Der Wochenplan im Unterricht der Förderschule, Stuttgart 2008, S. 19.

13 Vgl. z. B.: Sütterlin, Petra: Vier Lerntypen und wie Sie am effektivsten Lernen. In: http://www.philognosie.net/index.php/article/articleview/163/, 15.3.2011. Oder: Noa- web.de (Hg.): Selbstständiges Lernen. In: http://www.noa-web.ch/pdf/Lernen.pdf, 15.3.2011. Oder: Vaupel, Dieter: Das Wochenplanbuch für die Sekundarstufe. Schritte zum selbstständigen Lernen, (u. a.) Weinheim 1995, S. 13.

14 Vgl. u. a. Universität Oldenburg (Hg.): Zehn Merkmale guten Unterrichts. In: http://www.member.uni-oldenburg.de/hilbert.meyer/9290.html, 15.3.2011. Oder: Helmke, Andreas [u. a.]: Schlüsselmerkmale der Unterrichtsqualität. In: Arnold, Karl-Heinz (Hg.): Unterrichtsqualität und Fachdidaktik, Düsseldorf 2007, S. 56f.

15 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, u. a. S. 5, 6, 9.

16 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 5.

17 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 24.

18 Vgl. Augst, Gerhard / Dehn, Mechthild: Rechtschreibung und Rechtschreibunterricht. Können - Lehren - Lernen. Eine Einführung für Studierende und Lehrende aller Schulformen, 3. Auflage, Stuttgart 2007, S. 18.

19 Vgl. Engst, Judith: Erfolgreich bewerben - kurz gefasst, 2. Auflage, Mannheim 2006, S. 7.

20 Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 10.

21 Bildung konkret: 8-9/1995, 10/1995, 1-2/1996. Zitiert nach: Klippert: 2001, S. 21.

22 Bildung konkret: 8-9/1995, 10/1995, 1-2/1996. Zitiert nach: Klippert: 2001, S. 21.

23 Aebli, Hans: Zwölf Grundformen des Lehrens. Eine Allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage, Stuttgart 1983. Nach: Klippert, Heinz: 2001, S. 32.

24 Hanke, Petra: Öffnung des Unterrichts in der Grundschule. Lehr-Lernkulturen und orthografische Lernprozesse im Grundschulbereich, Münster 2005, S. 216, 223.

25 Piaget, Jean: Psychologie der Intelligenz, München 1976. Nach: Klippert, Heinz: 2001, S. 30.

26 Foto entnommen aus: Erziehungskunst. Waldorfpädagogik heute (Hg): Montessoris gesammelten Werke erstmals auf Deutsch. In: http://www.erziehungskunst.de/uploads/pics/montessori.jpg, 20.3.2011.

27 Vgl. Vaupel: 1995, S. 15f.

28 Vgl. Augst / Dehn: 2007, S. 199.

Darstellung und Wertung zweier Wochenplanübungen 10

29 Vgl. z. B: Bönsch, Manfred (Hg.): Selbstgesteuertes Lernen in der Schule. Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Schulformen, Kriftel 2002, S.193-195. Oder: Krüger, Rudolf: Projekt Offener [sic!] Unterricht. Wochenplan - Freiarbeit - Projekte - Informeller Unterricht (Schulleiter-Handbuch), Band 60, Braunschweig 1991, S. 44f. Oder: Claussen, Claus u. a. (Hg.): Wochenplan- und Freiarbeit, 1. Auflage, Braunschweig 1993, S. 54f.

30 Entnommen aus: Huschke, Peter / Mangelsdorf, Marei: Wochenplanunterricht. Eine Einführung in die praktische Arbeit, Weinheim und Basel 1995, S. 99.

31 Entnommen aus: Vaupel: 1995, S. 25.

32 Vgl. Huschke / Mangelsdorf: 1995, S. 11. Das selbstständige Treffen von Entscheidungen ist zudem etwas, was explizit im Rahmenlehrplan gefordert wird. Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 6. Darstellung und Wertung zweier Wochenplanübungen 11

33 Vgl. zur Vorbereitung des Raumes z. B.: Strote, Ingo: Das Wochenplanbuch für die Grundschule. Lernen zwischen Pflicht und Kür, Heinsberg 1985, S. 25-27.

34 Anmerkung: Gängiger ist es, die Wochenplanarbeit fest in den Unterricht zu integrieren und z. B. während des gesamten Schuljahres zwei Wochenstunden Wochenplanarbeit durchzuführen. Da die Schüler aber mit der Wochenplanarbeit nicht ausreichend vertraut waren, sollte auf diese Weise zunächst eine Annäherung erolgen. Da sich der ausgeteilte Plan demnach auf einen wochenübergreifenden Arbeitszeitraum bezog, in dem selbstständig gearbeitet werden sollte, wäre daher der Begriff „Arbeitsplan“ treffender als „Wochenplan“.

35 Anmerkung: Prof. Dr. Eiko Jürgens ist an der Universität Bielefeld Professor für Schulpädagogik und war bis 1992 selbst als Lehrer tätig. Er hat mehrere Monografien zum Thema „Offener Unterricht“ publiziert und ist somit anerkannter Experte für die Wochenplanarbeit [u. a.].

36 Vgl. Eiko Jürgens (Hrsg.): Erprobte Wochenplan- und Freiarbeits-Ideen in der Sekundarstufe I. Praxisberichte über effektives Lernen im Offenen Unterricht, Heinsberg 1994, S. 77f.

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    Frida Bliesweiler (Autor)

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Titel: Erprobung des Wochenplankonzepts zur Verbesserung der Rechtschreibung