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Montessoris Auffassung von Entwicklungs- und Lernprozessen

Essay 2007 6 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Das Schöpfungswunder beginnt für Montessori mit der Keimzelle, die sich unentwegt teilt, wächst und aus der sich Organe herausbilden. Diese erste physische Entwicklungsarbeit leistet die Zelle ganz von allein. Sie handelt dabei nach einer nicht wahrnehmbaren Anleitung, die Montessori den „inneren Bauplan“ nennt. Mit der Geburt setzt die psychische Entwicklung ein. Auch der „geistige Embryo“ folgt dem „inneren Bauplan“. Erst den Zeitpunkt, wenn das Neugeborene seinem Willen Ausdruck verleihen kann, bezeichnet Montessori als „Fleischwerdung“.1

Der „Bauplan“ ist sowohl für die körperliche als auch für die seelische Entwicklung verantwortlich. Er enthält sämtliche Informationen, die der Mensch braucht um sich selbst aufzubauen. Deshalb spricht Montessori vom Kind als „Baumeister“ oder „Vater des Menschen“ und erkennt den Eltern somit das alleinige Schöpfungswerk ab. Ihre religiöse Erziehung lässt Montessori vielmehr vom göttlichen Kind ausgehen. Als Naturwissenschaftlerin hat Montessori sich aber auch ausführlich mit der Biologie des Menschen beschäftigt. Mit Hilfe des Mikroskops lassen sich die natürlichen Abläufe der Zellteilung und des Wachstums genau beobachten. Interessanter sind für Montessori jedoch die inneren Vorgänge, in die wir weit weniger Einblick haben. Diese zu erforschen und dem Seelenleben des Kindes die ihm zustehende Beachtung zu schenken hat Montessori sich und allen anderen Erwachsenen zur Aufgabe gemacht.2

Ihre Untersuchungen brachten Montessori zu dem Ergebnis, dass das Neugeborene bereits die Fähigkeit zu lernen in sich trägt. Zwar ist es zu Beginn schutzbedürftig und abhängig von der Hilfe der Erwachsenen, doch ist es selbst verantwortlich für den Aufbau seiner Persönlichkeit.3 In diesem Zusammenhang benutzt Montessori den Begriff „sensible Perioden“, der auf die Entdeckungen in der Tierwelt von de Vries zurückgeht. Anhand dieser Empfänglichkeitsphasen veranschaulicht Montessori ihre Auffassung von Lernprozessen im Kindesalter. Zu bestimmten Zeitabschnitten ist das Kind besonders empfindsam für einen speziellen Sachverhalt.

[...]


1 vgl. Montessori, Maria: Kinder sind anders. 23. Aufl. München 2006, S. 25-27, 39

2 vgl. ebenda, S. 43-46

3 vgl. Ludwig, Harald (Hrsg.): Erziehen mit Maria Montessori. Ein reformpädagogisches Konzept in der Praxis. Freiburg 1997, S. 33f

Details

Seiten
6
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640992782
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177515
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
montessoris auffassung entwicklungs- lernprozessen

Autor

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Titel: Montessoris Auffassung von Entwicklungs- und Lernprozessen