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Redemokratisierung der Bundesrepublik Deutschland von 1945-1995

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schaffung einer demokratiefähigen Basis
2.1 Entnazifizierung
2.2 „Entnationalisierung“

3. Einführung der Demokratie
3.1 Westorientierung und Aufbau der Demokratie

4. Demokratische Herausforderungen
4.1 Abwendung vom Kommunismus
4.2 Die Protestbewegungen
4.3 Die Wiedervereinigung und die damit verbundene Abwendung vom Sozialismus

5. Zusammenfassung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft, die von den Siegermächten erst nach dem Kriegsende 1945 vollständig in ihrer Grausamkeit entdeckt wurden, warfen ein dunkles Bild auf die allgemeine deutsche Bevölkerung. Dieses zerstörte Land wieder aufzubauen und diese autoritätsorientierte Bevölkerung zu demokratisieren war das Ziel der Siegermächte. Zwar gab es auch Meinungen die überzeugt waren, dass die deutschen Kriegsverbrechen unverzeihbar seien, aber man war sich im allgemeinen darüber einig, dass die deutsche Kultur insgesamt geändert werden muss, um einen langfristigen Erfolg in der Umerziehung der Bevölkerung zu erreichen. Nur die Korrigierung der Schäden durch die nationalsozialistische Herrschaft wäre ein politisch kurzlebiges Unternehmen gewesen. Die Millionen Opfer des nationalsozialistischen Krieges veranlasste die Siegermächte, sich militärisch abzusichern und ihre Verluste, soweit möglich, durch materielle Wiedergutmachungen zu ersetzen.

Die deutsche Mentalität sollte verändert werden und die Wirtschaft dezentralisiert werden, damit sich die deutsche Bevölkerung auf eine demokratische Rekonstruktion ihres Lebens vorbereiten konnte.

Um eine Demokratie in Deutschland aufzubauen war es notwendig, das Land politisch und wirtschaftlich nicht zu knebeln. Die Erfahrung nach dem ersten Weltkrieg zeigte, dass ein solches Vorgehen die Demokratisierung in der Weimarer Republik extrem behinderte.

Es musste aber natürlich erst eine „demokratiefähige Grundlage“, d.h. aufrechte Demokraten, gefunden werden. Das war aber bei der autoritätsorientierten deutschen Bevölkerung nicht einfach.

Diese Ausarbeitung behandelt, wie die Redemokratisierung der Deutschen Bevölkerung, bzw. die Demokratisierung der Bundesrepublik Deutschland sich entwickelte.

2. Schaffung einer demokratiefähigen Basis

2.1 Entnazifizierung

Die grundlegenden Entscheidungen, die einen Mentalitätswandel bei der deutschen Bevölkerung hervorrufen sollten, fielen schon in der frühen Nachkriegszeit.[1] Das Potsdamer Programm definiert ein doppeltes Ziele der Alliierten: „Zwar soll das deutsche Volk für die von ihm angerichteten furchtbaren Verbrechen büßen, aber gleichzeitig die Gelegenheit erhalten, sich darauf vorzubereiten, später sein Leben auf demokratischer und friedlicher Grundlage neu aufzubauen.“[2]

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, musste zum Aufbau einer Demokratie eine demokratiefähige Basis gefunden werden. „Deswegen war die Suche nach selbstbewussten deutschen Demokraten weitgehend vergeblich, denn die Mehrheit schien noch ganz in autoritäre Verhaltensmuster gefangen und biederte sich nun servil den Besatzungsmächten an.“[3] Deutschland war nur zu retten, indem man sich von dieser autoritätsorientierten Mentalität trennte. Dies war notwendig, um die deutsche Nachkriegsrealität von Grund auf umzuformen.[4] Die NSDAP verschwand am 15. Oktober 1945 mit dem Gesetz Nr. 2 des Alliierten Kontrollrates, welches “ die Beendigung und Auflösung der Nazi-Organisationen“ beinhaltete.[5] Im Januar 1946 erließ der alliierte Kontrollrat in Berlin eine erste Entnazifizierungsdirektive, die festlegte, wie mit den Helfern und Nutznießern des NS-Regimes zu verfahren ist. Es wurden fünf Gruppen gebildet, um eine gerechte Einteilung nach der Verantwortlichkeit bei der Beurteilung zu erreichen:

1. Hauptschuldige, 2. Belastete (Aktivisten, Militaristen und Nutznießer), 3. Minderbelastete (Bewährungsgruppe), 4. Mitläufer und 5. Entlastete (Personen der vorstehenden Gruppen, die nachweisen können, dass sie nicht schuldig sind). Dieser Entnazifizierungsvorgang war natürlich auch schon vor der Direktive im Gang. Die Direktive sollte das Vorgehen der Alliierten einheitlich gestalten. Die Entnazifizierung wurde dennoch unterschiedlich gehandhabt. In der britischen und französischen Zone passte man sich jedoch der amerikanischen Entnazifizierungsdirektive erst später an.[6] „Durch ihren moralischen und zugleich bürokratischen Rigorismus taten sich die Amerikaner hervor, in der britischen Zone wurde die Säuberung weniger streng gehandhabt, in der französischen Zone gab es regionale Unterschiede und diverse Kurswechsel der Besatzungsmacht. In den beiden letztgenannten Zonen wurde der Säuberungsprozeß mehr als pragmatische Angelegenheit betrachtet, bei der das Schwergewicht darauf lag, die Eliten auszuwechseln.“[7] Die Entnazifizierung geriet aber schnell ins Stocken, da in dem Geflecht der urteilenden Instanzen oftmals nur „Minderschuldige“ verurteilt wurden. Die sogenannten Hauptschuldigen entgingen oft einer Verurteilung. Die Entnazifizierung hatte sich zur „rehabilitierten Mitläuferfabrik“ entwickelt.[8] Die Vorstellung, dass überzeugte Nazis in Schlüsselpositionen der jungen Bundesrepublik ihre Karriere fortsetzten, würde aber die Entnazifizierungsbemühungen der Alliierten und später der deutschen Länder ad absurdum führen. So wurden Funktionäre des NS-Regimes bis zur regionalen Ebene herab ausgeschaltet. Hunderttausende wurden in Internierungshaft gesetzt. Bürgermeister und Landräte wurden aus ihren Ämtern entfernt und die meisten von ihnen kamen auch nicht wieder in ähnliche Positionen. Die nationalsozialistischen Beamten und die Funktionseliten wurden zumindest für längere Zeit „aus dem Verkehr gezogen“. Ein andauernder Nachteil entstand den Betroffenen aus einer (gewöhnlichen) NSDAP-Mitgliedschaft aber nicht.[9] Peter Graf Kielmannsegg stellte dazu fest: „ Es war die Katastrophe die Deutschland demokratiefähig gemacht hat.“[10] Für konservative Beobachter fand der Wandlungsprozess der Deutschen auch schon mit der Gründung der Bundesrepublik in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre statt. Diese Wandlung wurde dann später mit der Währungsreform und der Verkündung des Grundgesetztes fortgesetzt.[11] Die Problematik der Verurteilung der nationalsozialistischen Verbrechen blieb aber auch in den Jahren lange nach der sogenannten Entnazifizierung ein Problem. In den 50er und 60er Jahren stellte sich immer wieder die Frage nach Verjährungsfristen für Kriegsverbrechen. Im Jahre 1979 wurde dann vom Bundesrat durch ein Gesetz beschlossen, dass es zumindest bei Mord keine Verjährung gibt. Dies lässt theoretisch eine Verurteilung von Verbrechen des NS-Regimes bis in die Gegenwart zu.[12]

[...]


[1] Jarausch, Konrad: Die Umkehr, Lizenzausgabe für die bundeszentrale für politische Bildung, Deutsche Verlagsanstalt, München 2004, S. 28.

[2] Ebd. S. 28.

[3] Ebd. S. 19.

[4] Benz, Wolfgang: Die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland, in: Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Band 1: Politik, Wolfgang Benz (Hg), Frankfurt am Main 1989, S. 14-15.

[5] Jarausch, S. 74.

[6] Benz, Wolfgang: Demokratisierung durch Entnazifizierung, Maßnahmen gegen Nationalsozialisten, in: www.bpb.de: Informationen zur politischen Bildung (Heft 259)

[7] Ebd.

[8] Benz: Die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 1, S. 17.

[9] Ebd. S. 16-18.

[10] Jarausch, S. 26.

[11] Ebd. S. 26.

[12] Benz: Die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 1, S. 18.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640992195
ISBN (Buch)
9783640992171
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177497
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
Schlagworte
redemokratisierung bundesrepublik deutschland

Autor

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Titel: Redemokratisierung der Bundesrepublik Deutschland von 1945-1995