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Der Sturz Heinrich des Löwen

Eine multikausale Betrachtung

Seminararbeit 2011 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte

3. Motive für den Sturz Heinrich des Löwen
3.1. Der Konflikt mit Barbarossa
3.2. Der Kölner Erzbischof als Gegenspieler
3.3. Die Rolle des Askaniers Bernhard

4. Der formelle Sturz und die Gelnhäuser Urkunde

5. Die Folgen

6. Ergebnisse und Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heinrich der Löwe aus dem Geschlecht der Welfen war einer der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten des deutschen Mittelalters. Dank seiner gescheiten Politik und Verwaltung gelang es dem „Löwen“, wie er umgangssprachlich genannt wird, einen großen Herrschaftsbereich zu errichten. Verbunden mit den beiden Herzogstiteln in Sachsen und Bayern war er einer der mächtigsten Fürsten auf europäischem Boden der damaligen Zeit.

Die damit erworbene Macht und große politische Stellung wurde ihm jedoch mit der Zeit zum Verhängnis. Wie bei vielen Persönlichkeiten des Mittelalters gehörten Streben nach Macht und Besitz auch zu seinen Eigenschaften. Eine Tatsache, die später zu einem Konflikt mit dem damaligen Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa führen sollte, obwohl dieser ihn in seinen Anfangsjahren als deutscher König erst mit großzügigen Befugnissen ausgestattet hatte. Nach Jahrzehnten der Kooperation empfand er Heinrich den Löwen jedoch als Gefahr für das Reich und als Bedrohung für den persönlichen Machtanspruch. Letztendlich kam es zu einem Prozess gegen den „Löwen“, welcher sein Herrschaftsgebiet auflöste.

Ziel und Aufgabe der wissenschaftlichen Arbeit ist es, sich explizit mit dem erwähnten „Sturz“ Heinrich des Löwen zu beschäftigen und dabei entscheidende Stationen und Ereignisse, welche zur Entmachtung führten, zu thematisieren. Besondere Aufmerksamkeit legt die Hausarbeit auf eine vielschichtige Betrachtungsweiße der Entmachtung, indem versucht wird, mehrere Einflüsse zu untersuchen, die am „Sturz“ beteiligt waren. Explizit wird das an den drei Persönlichkeiten Friedrich I. Barbarossa, Erzbischof Philipp von Köln und Bernhard III. von Sachsen aufgezeigt.

Um die erwähnten Prozesse nachvollziehen zu können, ist es von Bedeutung die Vorgeschichte und den politischen Aufstieg Heinrichs des Löwen zu beleuchten. Dabei soll aufgezeigt werden, wie es möglich war, dass er ein Machtpotential erreichen konnte, wie es sonst nur Königen vorbehalten war. Vor allem sein politischer Gönner Friedrich I. Barbarossa wird sowohl beim Aufstieg des „Löwen“ als auch bei seiner Entmachtung als Kontrahent eine entscheidende Rolle spielen.

Als historische Grundlage dient vor allem die „Gelnhäuser Urkunde“, welche auf dem Reichstag zu Gelnhausen am 13. April 1180 die Entmachtung und damit Aberkennung der Reichslehen Heinrichs durch Friedrich I. Barbarossa beurkundet sowie die Aufteilung seiner Herrschaftsgebiete dokumentiert.[1] Demnach ist sie als treffendste historische Quelle bezüglich der zu behandelnden Thematik einzustufen und für eine tief greifende wissenschaftliche Untersuchung bestens geeignet.

2. Vorgeschichte

Friedrich I. Barbarossa wurde am 9. März 1152 zum König gewählt. Er entsprach am besten den fürstlichen Vorgaben für den Thron, weil er sowohl von den Staufern als auch von den Welfen abstammte. Viele einflussreiche Fürsten versprachen sich mit seinem Herrschaftsantritt eine Aussöhnung der beiden Adelsgeschlechter. Dabei waren jedoch vor Barbarossas Krönung einige Verhandlungen nötig, um die Anhänger der welfischen Seite für sich zu gewinnen. Es gab dabei ein Gespräch mit Friedrichs Vetter, Heinrich dem Löwen, der durch seine persönliche Anwesenheit sowohl bei der Königswahl als auch bei der Krönung seine Zustimmung zu Friedrich ausdrückte.[2] Ab diesem Zeitpunkt wurde die Kooperation der beiden Herrscher deutlich. Friedrich I. Barbarossa schätzte die Unterstützung des Löwen, sodass er sich bald bei ihm revanchieren sollte.

Im Jahre 1154 kam es zu einem ersten größeren Streit zwischen Heinrich dem Löwen und Erzbischof Hartwig von Bremen. Es ging hierbei um die Frage, ob Herzog Heinrich die Bischöfe von Oldenburg und Ratzeburg sowie Schwerin einsetzen dürfe. Auf dem Hoftag zu Goslar Jahr entschied Friedrich I. Barbarossa zugunsten des Löwen.[3]

Durch diesen Beschluss konnte Heinrich der Löwe nun eine uneingeschränkte Herrschaft über mehrere Territorien ausüben.

Er erhob 1156 des Weiteren Anspruch auf das Herzogtum Bayern. Dieses unterstand jedoch zum damaligen Zeitpunkt Heinrich Jasomirgott. Um Heinrich dem Löwen einen weiteren Besitz zu ermöglichen, löste Barbarossa durch das Privilegium minus die Markgrafschaft Österreich aus ihrer Zugehörigkeit zum Herzogtum Bayern und erhob diese zu einem eigenständigen Herzogtum. Heinrich Jasomirgott wurde Herzog von Österreich und Heinrich der Löwe erhielt folglich Bayern.[4] Die territorialen Konzentrationen des Welfen konzentrierten sich neben dem Osten des Reiches vor allem auch auf den Norden. Ab dem Jahre 1154 machte er hierbei von dem Recht auf Stadtgründungen im Ostseeraum Gebrauch. Neben dem Aufbau der Bistümer Ratzeburg und Schwerin, kontrollierte er mit Lübeck einen wichtigen Wirtschaftsstandort des baltischen Raumes. Darüber hinaus ließ Heinrich 1158 im Süden des Reiches München gründen sowie die Reisestrecke des Kaisers über den Brenner ausbauen.[5]

Es wird deutlich, dass der Welfe nach Norden und Osten hin seinen Machtanspruch geltend machen konnte. Nach Süden hin sollten seine Bestrebungen aber vor allem der Politik Barbarossas dienen, der sich in diesen Jahren vornehmlich auf seine Italienpolitik konzentrierte.

Mit den beschriebenen Befugnissen hat Barbarossa Heinrich dem Löwen bewusst, nicht nur zu einem großen Herrschaftsgebiet verholfen, sondern ihm auch Rechte übertragen, die eigentlich zu jener Zeit nur dem König zustanden. Heinrich der Löwe wirkte dabei „wie ein norddeutscher Teilkönig”.[6]

Warum aber stattete Friedrich I. Barbarossa Heinrich den Löwen mit soviel Macht aus?

Mit Sicherheit wollte der König durch den großen Machteinfluss Heinrich des Löwen einen stabilisierenden Faktor im Reich schaffen, während er sich selber oft in Italien aufhielt. Des Weiteren konnte Barbarossa im Gegenzug für seine Begünstigung welfische Truppen des Löwen für seine Italienpolitik gewinnen.[7] Ein strategischer Schachzug bei dem beide Seiten ihren Nutzen abgewinnen konnten.

Trotz des schon immensen Machteinflusses und der Verärgerung zahlreicher Fürsten über das Recht Heinrichs Bischöfe einsetzen zu dürfen, versuchte er seine Position noch weiter auszubauen. Er entwickelte das Prinzip des Heimfallrechts, welches zu diesem Zeitpunkt nicht der Regel für einen Fürsten und Herzog entsprach. Im Falle des Heimfallrechts erhielt Heinrich der Löwe die Lehen eines verstorbenen Lehnsmannes zurück, wenn es keinen Sohn oder Nachfolger gab und konnte sie, frei nach seinem Willen, neu vergeben.[8] Das war nur möglich, weil sich der Löwe in seiner Position als Herzog zwischen die Adelsfamilien und den König schaltete. Denn eigentlich galt das Heimfallrecht für den obersten Herrscher Damit wurde die Opposition gegen ihn noch größer. Erste Beschwerden der adeligen Seite über Rechtsbrüche sowie Raubzüge durch fremde Territorien seitens Heinrichs des Löwen im Jahre 1168/1169 wies Friedrich I. Barbarossa noch zurück.[9]

Vor allem durch die schützende Hand Barbarossas konnte Heinrich der Löwe seine fast königliche Stellung, trotz ständiger Beschwerden und Angriffe aus dem Lager der weltlichen und geistlichen Fürsten, über mehrere Jahrzehnte behaupten und sogar ausbauen. Bewusst wollte der Kaiser den Einflussbereich des Löwen stärken und selbst einen Vorteil daraus ziehen. Dies funktionierte jedoch bloß solange, wie sich ihre Interessen nicht kreuzten. Wie der nächste Gliederungspunkt zeigt, konnte Barbarossa in einem solchen Fall schnell seinen Standpunkt ändern.

3. Motive für den Sturz Heinrich des Löwen

3.1. Der Konflikt mit Barbarossa

In der historischen Forschung wird davon ausgegangen, dass es im Jahr 1176 zu dem entscheidenden Zerwürfnis zwischen Kaiser und dem „Löwen“ kam. Heinrich weigerte sich dem Kaiser Truppen in Italien zur Verfügung zu stellen, weil Friedrich I. Barbarossa seine Ansprüche auf die Pfalz Goslar abgelehnt hatte.[10] Daraufhin unterlagen die kaiserlichen Truppen in einer Schlacht bei Legnano und Barbarossa musste einen für ihn ungünstigen Frieden mit dem Papst schließen. Unbestritten ist, dass diese Verweigerung das Verhältnis der beiden Herrscher dauerhaft störte.[11] Bekräftigt wurde dies durch den Aspekt, dass der Kaiser in Chiavenna vor Heinrich dem Löwen zu Füßen ging, um seine Gefolgschaft zu bekommen und der „Löwe“ trotzdem verneinte. Der Kaiser muss dies als persönliche Beleidigung von größtem Ausmaß empfunden haben.[12]

An dieser Stelle sollte gefragt werden, warum es zu einer Verweigerung kam. Heinrich musste davon ausgehen, dass diese Ablehnung das Verhältnis mit dem Kaiser stark belasten würde.

Möglicherweise sah Heinrich der Löwe keinen Sinn mehr in der Fortsetzung der Italienpolitik des Kaisers. Für diesen Zweck war Heinrich der Löwe nicht bereit weitere Truppen zur Verfügung zu stellen.[13] Oft war Heinrich auch persönlich nach Italien gereist, um Barbarossa zu unterstützen, jedoch hatte sich der Welfe in den zurückliegenden Jahren viele adlige Feinde im Reich gemacht, denen die anwachsende Machtposition des Löwen ein Dorn im Auge war. In den vergangenen Jahren war es oftmals zu Übergriffen auf seine Gebiete gekommen. Eine längere Abwesenheit hätte die Gefahr nach Begehrlichkeiten wohlmöglich weiter verstärkt. [14]

Doch war das der einzige Grund für diesen großen Bruch mit dem Kaiser? Kaum vorstellbar, wenn bedacht wird, dass Barbarossa den Welfen in der Vergangenheit so stark begünstigt hatte.

Neben diesem Disput scheint sich ein weiterer Konflikt in den zurückliegenden Jahren angestaut zu haben, welcher sich im Jahr 1178 entlud. Wie überall im Reich existierte ein großes Streben nach neuen Besitztümern. Die territorialen Interessen kreuzten sich bei Friedrich I. Barbarossa und Heinrich dem Löwen in Schwaben. Nach dem Tod Welfs VI. hatten beide Kontrahenten die Rechte auf dessen Gebiete erworben. Friedrich kam seinem Vetter hierbei zuvor und kaufte die Besitztümer noch 1158-1162, Tübingen 2007, S.66f.

[...]


[1] MGH DD F.I., Nr. 795, übersetzt nach Willich, Thomas nach Weinrich I, Nr. 74 u. Heinemeyer 1981, S. 16-17.

[2] Vgl. Knefelkamp, Ulrich, Das Mittelalter. Paderborn u.a., 2002. S. 197.

[3] Vgl. Boockmann, Hartmut, Stauferzeit und spätes Mittelalter. Deutschland 1125-1517. Berlin, 1994. S. 82-83.

[4] Vgl. Boockmann, Hartmut, Stauferzeit und spätes Mittelalter. Deutschland 1125-1517. Berlin, 1994. S. 84.

[5] Vgl. Barz, Paul, Heinrich der Löwe, Ein Welfe bewegt die Geschichte. Bonn 1980, S 143.

[6] Boockmann, Hartmut, Stauferzeit und spätes Mittelalter. Deutschland 1125-1517. Berlin, 1994. S. 84.

[7] Vgl. Weinfurter, Stefan, Die Entmachtung von Herzog Heinrich dem Löwen, München 1995, S. 183.

[8] Vgl. Weinfurter, Stefan, Die Entmachtung von Herzog Heinrich dem Löwen, München 1995, S. 182.

[9] Vgl. Engels, Odilo, Die Staufer, 3. erw. Aufl., Stuttgart u.a. 1984. S. 99.

[10] Vgl. Berwinkel, Holger, Verwüsten und Belagern. Friedrich Barbarossas Krieg gegen Mailand

[11] Vgl. Weinfurter, Stefan, Die Entmachtung Heinrichs des Löwen, München 1995. S. 184.

[12] Vgl. Garnier, Claudia, Die Kultur der Bitte. Herrschaft und Kommunikation im mittelalterlichen Reich, Darmstadt 2008. S. 193.

[13] Vgl. Weinfurter, Stefan, Die Entmachtung Heinrichs des Löwen, München 1995. S. 184.

[14] Vgl. Ehlers, Joachim, Heinrich der Löwe, München 2008. S. 226.

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640990191
ISBN (Buch)
9783640990535
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177414
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Sturz Untergang Heinrich der Löwe Welfen Barbarossa multikausale Betrachtung

Autor

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