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Die Krisen des Alten Reiches in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Gründe, die zum Untergang des Alten Reiches führten?

Seminararbeit 2008 14 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Gliederung

1. Das Alte Reich

2. Die Politische Entwicklung des Alten Reiches ab 1740
2.1 Expansionstreben, Tauschpolitik und Rollenkonflikte verschärften die Krise im Alten Reich
2.2 Das Restreich wurde von den beiden Großmächten vernachlässigt
2.3 Der Dualismus in den Koalitionskriegen brachte das Reich an den Abgrund

3. Die Führungsschwäche und Versäumnisse der Kaiser Joseph II. und Franz II.

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Das Alte Reich

Das Heilige Römische Reich deutscher Nationen, oft auch nur Altes Reich genannt, bildete sich im Hochmittelalter heraus und bestand bis zur Niederlegung der Kaiserkrone 1806 durch Franz II.. Die Zusammensetzung aus dem römischen und dem deutschen Titel in der Bezeichnung, ist auf die mittelalterliche Theorie „Translatio imperii“ zurückzuführen, welche besagt, dass das Römische Reich in ein Deutsches Reich übergegangen sei und somit ein bevorstehendes Weltende verhindert wurde. Die heilige Legitimierung des Titels geht aus der antiken Tradition des Römischen Reiches hervor. Die Herrschaft wurde als „Gottes heiliger Wille“ im christlichen Sinne gerechtfertigt. Durch sein kompliziertes Geflecht von Herrschaftsstrukturen, fehlenden, festgelegten Reichsgrenzen und durchsetzungsfähigen Verwaltungsstrukturen, entwickelte sich das Alte Reich nie zu einem frühmodernen Nationalstaat, wie dies zum Beispiel England und Frankreich getan haben. Vielmehr war es ein aristokratischer Personenverband, indem Kaiser und Reichsstände in Abhängigkeit Beschlüsse im Reich fassten. Auch existierte keine Verfassung im eigentlichen Sinne, sondern ein Corpus von Gesetzmäßigkeiten wie z.B. der Ewige Landfrieden von 1495 und der Westfälische Frieden 1648. Die Grenzen des Reiches änderten sich im Verlauf der Jahrhunderte oft, sodass es viele Kulturen, Sprachen und Mentalitäten vereinen musste und auch aus diesem Grunde nie von einer Reichseinheit gesprochen werden konnte.[1] Im Gegensatz zu anderen Nationen war das Reich seit seinem Bestehen nie zur Expansion und Machterweiterung fähig gewesen, sodass sich die Hauptaufgaben auf die Verteidigung, Wahrung der Reicheinheit und Friedenswahrung beschränkten. Diese Elemente verhalfen dem Reich zu seiner langen Bestandszeit und vermittelten somit Ruhe und Stabilität. Für diese beiden Aspekte sorgten auch zwei Gerichte im Alten Reich, das Reichskammergericht und der Reichshofrat. Die Untertanen wurden somit vor Willkür der Landesherren und Reichsstände geschützt.[2]

Seit Entstehen des Dualismus ab 1740 zwischen Brandenburg-Preußen und Österreich wurden jedoch Reichs -und Friedenswahrung immer mehr vernachlässigt.[3]

Dies führte dazu, dass das Reich vor inneren und äußeren Feinden nicht mehr effektiv geschützt war.

Die Glaubensspaltung durch die Reformation 1517 und damit verbundene geistliche und politische Differenzen lahmten das Alte Reich darüber hinaus. Zudem verschärften schwache, unfähige Kaiser, wie etwa Joseph II., und Franz II., die Krise des Alten Reiches zusätzlich in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, indem sie das Restreich vernachlässigten und sich vorwiegend um ihre eigenen Erblande kümmerten.[4]

Die Koalitionskriege ab dem Jahre 1792 und die damit verlorene Reichseinheit im Friede von Basel 1795 machten ein Fortbestehen des Reiches aussichtslos. Napoleon Bonaparte versetzte dem Reich Anfang des 19. Jahrhunderts durch seine Expansionen und Reformen den so genannten „Todesstoß“.

Es stellt sich jedoch die Frage, wie sich die Verhältnisse im Reich, welche bis in die 1790er Jahre Bestand hatten, ohne die Auswirkungen der Französischen Revolution und den Expansionen Napoleons entwickelt hätten. Hätte das Heilige Römische Reich deutscher Nationen weiter bestehen können? Schließlich existierten durch den aufgeklärten Absolutismus, Vorschläge das Alte Reich zu reformieren. Oder war es durch den Dualismus und des fehlenden Reichswahrungsgedanken auch ohne die Auswirkungen des westlichen Nachbars zum Scheitern verdammt und an seine Grenzen gestoßen?

Bewusst greift die Hausarbeit die Ereignisse bis Ende der 1790er Jahre auf, da erst die Friedenschlüsse von Basel und Campo Formio sowie die zusammenhängenden Verhandlungen in Rastatt einen radikalen Bruch mit dem Vorherigen darstellen, auch wenn zu diesem Zeitpunkt die Auswirkungen des französischen Expansionstrebens im Alten Reich schon deutlich zu spüren waren.

2. Die Politische Entwicklung des Alten Reiches ab 1740

Um die komplexe Frage über den Untergang zu beantworten, ist es notwendig auf die Ereignisse ab 1740 im Alten Reich einzugehen. Mit diesem Jahr verbunden sind ausschlaggebende Thronwechsel in Preußen und Österreich, die bis dato schon mächtigsten und größten Fürstenstaaten im Alten Reich. Im Ersteren kam Friedrich II., auch der Große genannt an die Macht. In Österreich folgte Maria Theresia, als Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn ihrem verstorbenem Vater, Kaiser Karl VI. Mit diesen Personen verbunden, begannen auch ab dem Jahr 1740 die Schlesischen Kriege und die damit im Zusammenhang stehenden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Österreich. „Der unerwartete Tod Karls VI., gab Friedrich II. die Chance, Preußen auf die Bahn der militärischen Eroberung zu führen“[5]. Durch den militärischen Erfolg und den damit einhergehenden, territorialen Eroberungen in Schlesien, gerade im 3. Schlesischem Krieg von 1756-1763, auch Siebenjähriger Krieg genannt, gelang es Preußen sich als Großmacht in Europa zu etablieren und eine dauerhafte Rivalität zu den Habsburgern aufzubauen. Außenpolitisch veränderten sich die Verhältnisse in Europa weiter. Durch das „Renversement des alliances“ verbündeten sich 1756 erstmals Frankreich und die Habsburger, welche zuvor lange verfeindet waren.

Für das „Restreich“ hatte diese Rivalität weit reichende Folgen. Preußen spielte durch seinen Machtzuwachs und seine neu erworbenen Territorien, ebenso wie Österreich, welches Zuwächse durch den Sieg über die Türken verzeichnen konnte, eine entscheidende Rolle auf der „Europäischen Bühne“. Daraus ergab sich, dass die beiden Großmächte zunehmend das „Restreich“ vernachlässigten und ihre politischen Prioritäten auf den eigenen Fürstenstaat legten, welcher jeweils mit den anderen europäischen Großmächten, wie England, Frankreich und Russland konkurrieren sollte.[6] Das Alte Reich hatte durch fehlende politische Durchsetzungsfähigkeit und etliche, ergebnislose Reichstage an Interesse verloren. Die beiden Großmächte wussten, dass durch zahlreiche Reformen in den eigenen Erblanden eine effektivere Verwaltung und Bürokratie möglich war, welche im Alten Reich durch erlahmende Verhandlungen und fehlende Beschlüsse sowie Kompromisse nie stattgefunden hätte. Genauer gesagt ließ das Alte Reich den beiden Großmächten nicht genügend politischen Spielraum. Man fühlte sich somit nicht mehr den alten Prinzipien des Reiches verpflichtet und verfolgte jeweils eigene Interessen.

2.1 Expansionstreben, Tauschpolitik und Rollenkonflikte verschärften die Krise im Alten Reich

Kleinere Reichterritorien hatten große Befürchtungen und Ängste vor dem Expansionstreben der beiden Großmächte. Deshalb setzten sie auch auf eine Politik, die Provokationen und Auseinandersetzungen auswich.[7] Es wurde versucht den Großmächten in der Reichspolitik nicht in die Quere zu kommen. Die Expansionspolitik war zeittypisch für die zweite Phase des Dualismus.[8] Verglichen mit der Zeit davor, stellte diese Politik einen erheblichen Einschnitt dar. Kaiser Joseph II. beteiligte sich 1772 an der ersten polnischen Teilung und riss Galizien aus dem Königreich Polen heraus. Ein krasser Rollenkonflikt, denn der Kaiser sollte ja eigentlich das Gewordene und Gewachsene schützen. Zahlreiche kleinere Reichstände fürchteten nun auch durch Tauschgeschäfte und Expansionen in einer neuen „Polnischen Lösung“[9] aufgerieben zu werden.

Maria Theresia und Friedrich der Große bestimmten zunehmend die deutsche Politik. Sowohl Kaiser Franz I. (1745-1765) als auch Joseph II. (1765-1790) spielten in der deutschen Öffentlichkeit eine geringere Rolle als noch ihre Vorgänger. Auch weil ein Mitwirken des Kaisers besonders in den jeweiligen Erblanden blockiert wurde. So zum Beispiel verhinderte Maria Theresia die Machtambitionen Josephs II. in den habsburgischen Erblanden, sodass er trotz vieler durchgesetzter Reformen von ihr abhängig blieb.[10] Reichspolitisch hatte der Kaiser an Bedeutung verloren. In der Öffentlichkeit im Alten Reich wurde er geringfügiger wahrgenommen, da sich die Untertanen ihrem jeweiligen Landesherrn zugehörig fühlten und ihn als nächst höhere Instanz ansahen. Der Kaiser entzog sich oftmals von langwierigen, reichspolitischen Entscheidungen, sodass auch sein Interesse am Reich schwand.

Friedrich II. als König von Preußen und Kurfürst von Brandenburg, hatte jedoch auch kein Interesse am Reich. Vielmehr nutzte er die ungeschickte Reichspolitik Josephs II. um sich als Beschützer aufzuspielen. Oft wird in diesem Zusammenhang von einem Gegenkaiser gesprochen.[11] Besonders deutlich lässt sich dies im Bayrischen Erbfolgekrieg 1778/79 beobachten. In der Wiener Konvention wollte Joseph II. Bayern nach Österreich einverleiben, auch um den Verlust Schlesiens aus dem Siebenjährigen Krieg zu kompensieren. Gleichzeitig wurde dem bayrischen Kurfürsten gegen Abtretungen von Teilen Bayern die österreichischen Niederlande versprochen. Genau diese Praxis des Tauschens stieß bei mittleren und kleineren Reichsterritorien auf große Angst und Furcht. Jedoch wollte Joseph II. später davon nichts mehr wissen und lies daraufhin Teile Bayerns militärisch besetzen und das obwohl Bayern dem kaiserlichen Schutz unterlag.[12] Das Oberhaupt im Reich vergriff sich an einem eigenen Reichsterritorium. Diese Situation nutzte Friedrich II. aus und er spielte sich als Beschützer der „teutschen Libertät“ auf. Preußisch-Sächsische Truppen marschierten daraufhin in Bayern

[...]


[1] Vgl. Gotthard, Axel, Das Alte Reich 1495-1806, 3. Auflage, Darmstadt 2006, S. 6.

[2] Vgl. ebd. S. 30.

[3] Vgl. Schmidt, Georg, Geschichte des Alten Reiches. Staat und Nation in der Frühen Neuzeit 1495 - 1806, München 1999, S. 349.

[4] Vgl. Gotthard, Axel, Das Alte Reich 1495-1806, 3. Auflage, Darmstadt 2006, S. 143/ 152.

[5] Holborn, Hajo, Das Zeitalter der Reformation und des Absolutismus bis 1790, in: Deutsche Geschichte in der Neuzeit, Bd. 1, München 1970, S. 584.

[6] Vgl. Gotthard, Axel, Das Alte Reich 1495-1806, 3. Auflage, Darmstadt 2006, S. 141-148.

[7] Vgl. Schmidt, Georg, Geschichte des Alten Reiches. Staat und Nation in der Frühen Neuzeit 1495 - 1806, München 1999, S. 295.

[8] Vgl. Gotthard, Axel, Das Alte Reich 1495-1806, 3. Auflage, Darmstadt 2006, S. 144.

[9] ebd., S. 151.

[10] Vgl. Schmidt, Georg, Geschichte des Alten Reiches. Staat und Nation in der Frühen Neuzeit 1495 - 1806, München 1999, S. 296.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Schmidt, Georg, Geschichte des Alten Reiches. Staat und Nation in der Frühen Neuzeit 1495 - 1806, München 1999, S. 296.

Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640990177
ISBN (Buch)
9783640990511
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177411
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
krisen alten reiches hälfte jahrhundert gründe untergang

Autor

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Titel: Die Krisen des Alten Reiches in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts