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Shanghai Cooperation Organization - Strategische Partnerschaft zwischen Russland und China

Seminararbeit 2009 24 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Untersuchungsgegenstand und Problemstellung
1.2. Forschungsstand
1.3. Aufbau und Methode

2. Die russisch – chinesischen Beziehungen
2.1. Historische Beziehungen
2.2. Strategische Partnerschaft

3. Die Shanghai Cooperation Organization
3.1. Entstehung und Aufbau
3.2. Russlands Ziele
3.3. Chinas Ziele
3.4. Der Faktor USA
3.5. Potentielle Konflikte

4. Schlussbetrachtungen

5. Literaturnachweis

1. Einleitung

1.1. Untersuchungsgegenstand und Problemstellung

Am 2. März jährte sich der militärische Konflikt zwischen China und Russland zum vierzigsten Mal. Die Grenzstreitigkeiten waren eskaliert und am Grenzfluss Ussuri standen sich die verfeindete Parteien gegenüber. Heute stehen Russland und China als strategische Partner Seite an Seite. So scheint es jedenfalls, denn trotz gemeinsamer Militär-Manöver und hervorragenden Wirtschaftsbeziehungen überwiegt auf beiden Seiten eine misstrauische Grundhaltung. „Die feindliche Haltung, mit der sich Sowjetunion und Volksrepublik China in den 60er und auch noch 70er Jahren gegenüberstanden, wirkt in die Gegenwart nach.“[1]

Trotz aller Gegensätze ist Zusammenarbeit, die sich nach dem Zerfall der Sowjetunion zwischen Peking und Moskau entwickelte spektakulär. Seit 1996 wird sie von beiden Seiten als „strategische Partnerschaft“ qualifiziert.[2] Das Symbol dieser Partnerschaft ist neben dem 2001 unterzeichneten Freundschaftsvertrag auch das gemeinsame Engagement in der Shanghai Cooperation Organization (SCO).

Die Organisation soll im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen und es soll geklärt werden, welche der beiden Nationen die SCO und somit auch die „strategische Partnerschaft“ dominiert und für seine Zwecke ausnutzt. In diesem Zusammenhang ist auch die amerikanische Präsenz in Zentralasien beziehungsweise das strategische Dreieck zwischen den USA, Russland und China von Interesse.

1.2. Forschungsstand

Die Shanghai Cooperation Organization wurde erst 2001 gegründet und auch ihr Vorgängner die Gruppe der „Shanghai Five“ existierte erst seit 1996. Trotzdem ist das Thema bisher sehr ausführlich in verschiedenen Think Tanks und Stiftungen auf der ganzen Welt bearbeitet worden. Das zeigt wie relevant die SCO und die Gefahr die möglicherweise von ihr ausgeht ist.

Grundlegend für eine Beschäftigung mit der SCO sind die SIPRI Policy Paper „The Shanghai Cooperation Organization“ von 2007 und Ren Dongfengs „The Central Asia policies of China, Russia and the USA, and the Shanghai Cooperation Organization process: A view from China“ von 2003.

„The Long sunset of Strategic Partnership“ von Bodo Lo, „Soni-Russian Relations: Will The Strategic Partnership Endure?“ von Gilbert Rozman und „Sunset, sunrise: China and russia construct a new relationship“ von Peter Ferdinant beschäftigen sich mit der russisch-chinesischen Partnerschaft.

Fundierte Beiträge zum Thema der jeweiligen Ziele in der Region Zenralasien und in den Beziehungen der USA zu Russland und China liefert Dr. Ariel Cohen, Senior Research Fellow bei der Heritage Foundation, in seinen 2006 erschienen Artikeln „The Dragon Looks West“ und „After the G8 Summit: China and the Shanghai Cooperation Organization“.

1.3. Aufbau und Methode

Zunächst werden die bilateralen Beziehungen zwischen Russland und China ab 1949 betrachtet. Danach folgt im selben Kapitel eine Erläuterung der von Russland und China als „strategische Partnerschaft“ bezeichneten Politik.

Im darauf folgenden Kapitel wird die Shanghai Cooperation Organization (SCO) als Symbol der strategischen Partnerschaft genauer betrachtet. Von Interesse sollen hierbei nicht nur die Ziele Russlands und Chinas sein, sondern auch die der USA. Außerdem werden potentielle und bereits bestehende Konflikte zwischen den drei großen Mächten in der Region Zentralasien analysiert.

Abschließend soll dann die Frage geklärt werden, wem die Shanghai Cooperation Organization aus welchen Gründen nützlich ist und ob sie ihrem Ziel Sicherheit und Stabilität in der Region Zentralasien zu bewahren gerecht wird.

2. Die russisch – chinesischen Beziehungen

2.1. Historische Beziehungen

Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 1949 waren die frühen fünfziger Jahre durch ein Zweckbündnis zwischen den beiden kommunistischen Giganten geprägt. Am 14. Februar 1950 schlossen die Volksrepublik China und die Sowjetunion nach zwei-monatigen Verhandlungen in Moskau einen Freundschaftsvertrag. Dieser stellte ein Bündnis gegen erneute japanische und eventuelle amerikanische Aggressionen dar. Ein Abkommen über die Rückgabe der mandschurischen Eisenbahnen bis spätestens 1952, sowie die sofortige Rückgabe des Marienestützpunktes Port Arthur wurde ebenfalls beschlossen. Außerdem bestätigte China die Unabhängigkeit der äußeren Mongolei wo 50000 sowjetische Soldaten stationiert waren. Stalin sagt zudem Finanzhilfen in einer Gesamthöhe von 300 Millionen US-Dollar, gezahlt über einen Zeitraum von fünf Jahre, zu (Mao hatte ursprünglich bis zu drei Milliarden US-Dollar gefordert). In einen weiteren Vertrag erkannte die UdSSR die chinesische Souveränität über das rohstoffreiche nordwestliche Xingjiang an. Als Motiv für den Freundschaftsvertrag und das Bündnis kann das gemeinsame Ziel, ein Gegengewicht zur USA zu bilden, genannt werden. Außerdem benötigte China dringend die technologischen Erkenntnisse und die Unterstützung der Sowjetunion.[3]

Ab Mitte der Fünfziger gab es bereits erste Brüche im Bündnis. Im Februar 1956 stellte Chruschtschow auf dem 20. Parteitag der KpdSU seinen neuen revisionistischen Kurs vor. Damit erteilte er nicht nur dem stalinistischen Personenkult eine Absage, sondern er bekannte sich seinerseits zu einer Politik der friedliche Koexistenz. Im Unterschied zur chinesischen Variante schloss diese jedoch die imperialistische Vormacht der USA mit ein. Die chinesischen Forderungen nach mehr Unterstützung in den Bereichen der Atomtechnik, den Grenzstreitigkeiten mit Indien und der Taiwan-Frage kam die Sowjetunion jedoch nicht – beziehungsweise für chinesische Begriffe nicht ausreichend – nach.[4]

Ab Anfang der sechziger Jahre kam es jedoch zwischen China und der Sowjetunion zum offenen Bruch in den Beziehungen. Im Januar 1960 kündigte Chruschtschow einen einseitigen Truppenabbau an. China äußert indirekt Kritik an Chruschtschows Revisionismus, woraufhin dieser China Kriegstreiberei, Nationalismus und Trotzkismus vorwarf. Auf dem 2. Weltkongress kommunistischer Parteien standen die Kritik an Albanien, durch die Sowjetunion, und an Jugoslawien, durch China, für einen zunehmend offen ausgetragenen Konflikt zwischen Moskau und Peking. Im September 1960 zog die UdSSR alle sowjetischen Experten aus China ab und mehrere Verträge über Projekte der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit wurden aufgekündigt. Im Frühjahr 1962 flüchteten ca. 60000 Uighuren aus Chinas „autonomer Region“ Xingjiang ins sowjetische Kasachstan. Die Volksrepublik bezichtigte die Sowjetunion die Massenflucht mittels „subversiver Aktivitäten“ ausgelöst zu haben. Auch Chinas Bemühungen um die Übernahme einer führenden Rolle im sozialistischen Lager kamen 1962 vor dem Hintergrund des chinesisch-indischen Grenzkrieges und der Kubakrise vorerst zum Erliegen. Die Sowjetunion unternahm 1963 einen letzten Versuch das Schisma zu überwinden und bot der Volksrepublik ein Gipfeltreffen zur gemeinsamen Lösung des Konflikts an. Die chinesische Regierung machte ihre Zustimmung jedoch von zahlreichen – zum Teil unerfüllbaren – Bedingungen abhängig. Letztendlich scheiterten die bilateralen Expertengespräche über das Grenzproblem im Februar 1964. Ab dem 4. September desselben Jahres sprach Chruschtschow erstmals von einem zwischenstaatlichen Konflikt.[5]

Seinen Höhepunkt erreichte der Konflikte am 2. März 1969. Laut chinesischer Darstellung besetzten sowjetische Grenztruppen die heftig umstrittene, unbewohnte Insel Damansky (chinesisch: Zhenbao) in der Mitte des sibierischen Flusses Ussuri und verwundeten mehrere chinesische Grenzwächter. Gegensätzlich dazu hieß es in der sowjetischer Darstellung, dass chinesische Sicherheitskräfte die Insel unrechtmäßig besetzten und die daraufhin intervenierenden sowjetischen Soldaten angriffen und töteten. Am 15. März ereignete sich ein weiterer bewaffneter Zusammenstoß auf Damansky, der auf chinesischer Seite 800 und auf sowjetischer Seite 60 Tote gefordert habe soll. Außerdem gab es in den folgenden Wochen weiter Zwischenfälle in Amur und Zentralasien. Nur kurze Zeit später äußerte man in Peking die Bereitschaft den Status Quo zu respektieren und schlug die Wiederaufnahme der seit 1964 ruhenden Grenzverhandlungen vor. Bereits im Juni 1969 nahmen beide Seiten im sowjetischen Chabarowsk die Gespräche wieder auf. Zu einer ersten Entspannungen kam es jedoch erst ab 1971, als China sich verstärkt den USA zuwendete. Eine tatsächliche Annäherung der beiden Staaten scheiterte allerdings an den Vorgaben der chinesischen Regierung in drei Punkten: China forderte eine Minimierung der sowjetischen Truppen in den Grenzregionen, die Beendigung der militärische Präsenz in Afghanistan, sowie die Einstellung des sowjetische Engagements in Indochina. Auch nach dem Tod Mao Zedongs im Jahr 1976 und dem Tod Breschnjews im Jahr 1982, kam es zu keiner weiteren Annäherung. Vor allem die aggressive Politik und die harten Bedingungen der chinesischen Führung verhinderten eine sinnvolle Zusammenarbeit.[6]

Erst ab Mitte der achtziger Jahre setzte endlich eine Normalisierung der Beziehungen ein. China musste seine Hoffnungen sich den USA annähern zu können wegen der Taiwan-Frage aufgeben und wendete sich daher erneut der Sowjetunion zu. Mit dem Machtantritt Michail Gorbatschows ändert sich auch der sowjetische Kurs. Erstmals seit zwanzig Jahren wurde auf beiden Seiten eine ernsthafte Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ab 1989 kann man dann von einer wirklichen Normalisierung der Beziehungen sprechen, welche durch den offiziellen Staatsbesuch Gorbatschows in Peking besiegelt wurde.

2.2. Strategische Partnerschaft

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fand eine Entideologisierung der bilateralen Beziehungen statt und ebnete den Weg für einen pragmatischen Umgang zwischen den beiden Völkern. Gemeinsam wahrgenommene Konfliktherde auf dem eurasischen Kontinent und das beiderseitige Interesse an der Eindämmung der amerikanischen Dominanz nach dem Ende des Kalten Krieges machte für beide Seiten eine Kooperation attraktiv.[7]

Laut Gilbert Rozman erfolgte die Entwicklung der Beziehungen über fünf Stufen: (1) der Konsolidierung der chinesisch-sowjetischen Partnerschaft nach der Normalisierung der Beziehungen, (2) der Anhebung der Beziehungen auf ein neues Level mit der Aussicht auf Partnerschaft, (3) dem kurzzeitigen Verharren in der konstruktiven Partnerschaft, (4) die Vertiefung der internationalen Bedeutung der konstruktiven Partnerschaft und (5) dem Aufschwung in eine strategische Partnerschaft. Dieser Prozess verlief relativ gleichmäßig und Russland übernahm rasch die Führungsrolle.[8]

[...]


[1] Wacker, Gudrun: Chinesisch-russische Beziehungen unter Putin, in SWP Studie S 19, Berlin 2002, S. 22.

[2] Vgl. Banken, Roland: Partnerschaft mit Kalkül. Zum Verhältnis Chinas und Russlands, in Welttrends 53/2006, S. 46.

[3] Vgl. Möller, Kay: Die Außenpolitik der Volksrepublik China 1949 – 2004. Eine Einführung, Wiesbaden 2005, S. 45.46.

[4] Vgl. ebd., S. 49-50.

[5] Vgl. Möller, Kay: Die Außenpolitik der Volksrepublik China 1949 – 2004. Eine Einführung, Wiesbaden 2005, S. 59-63.

[6] Vgl. Möller, Kay: Die Außenpolitik der Volksrepublik China 1949 – 2004. Eine Einführung, Wiesbaden 2005, S. 63-66.

[7] Vgl. Banken, Roland: Partnerschaft mit Kalkül. Zum Verhältnis Chinas und Russlands, in Welttrends 53/2006, S. 46.

[8] Vgl. Rozman, Gilbert: Sino-Russian Relations: Will The Strategic Partnership Endure?, in Demokratizatsya-The journal of Post-Soviet, S. 396-415, 2005, S. 399-401.

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640989898
ISBN (Buch)
9783640990405
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177340
Note
Schlagworte
shanghai cooperation organization strategische partnerschaft russland china

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Titel: Shanghai Cooperation Organization - Strategische Partnerschaft zwischen Russland und China