Lade Inhalt...

International Trade

Handelsströme von Industriegütern am Beispiel des Industriesektors Büromaschinen und Telekommunikationsgeräte in Japan

Studienarbeit 2010 48 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Wirtschaftliche Entwicklung Japans
2.1 Binnenwirtschaftliche Entwicklung Japans
2.2 Außenwirtschaftliche Entwicklung Japans

3 Strukturelle Entwicklung der japanischen Industrie

4 Strukturelle Entwicklung des Industriesektors Büromaschinen und Telekommunikationsgeräte
4.1 Sektorenabgrenzung
4.2 Strukturwandel der Produkte
4.3 Strukturwandel des Außenhandels
4.4 Exportempfänger
4.5 Importlieferländer

5 Betrachtung führender Unternehmen des Industriesektors
5.1 Hitachi Ltd. Corporation
5.2 Panasonic Corporation
5.3 Sony Corporation

6 Entwicklung und Einfluss staatlicher Außenhandelspolitik
6.1 Zölle
6.2 Subventionen

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: BIP Wachstum 1980-2008

Abbildung 2: Warenportfolio des Außenhandels 1980-1989

Abbildung 3: Warenportfolio des Außenhandels 2008

Abbildung 4: Strukturwandel der wichtigsten Handelspartner Japans 1999-2008

Abbildung 5: Wichtigste Handelspartner Japans 2008

Abbildung 6: Außenhandelsbilanz 1980-2008

Abbildung 7: Sektorale Wirtschaftsentwicklung Japans 1980-2007

Abbildung 8: Entwicklung der Exporte im Sekundärsektor 1980-2007

Abbildung 9: BIP nach Wirtschaftssektoren 2008

Abbildung 10: Produktionszahlen nach Produkten (ISIC Rev. 3: 30, 32) 1980-2006

Abbildung 11: Japans Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2006

Abbildung 12: Entwicklung der Ein- und Ausfuhren & deren Anteil am Gesamtaußenhandel

Abbildung 13: Exportentwicklung der Warengruppen (75,76,776) 1980-2008

Abbildung 14: Importentwicklung der Warengruppe (75, 76, 776) 1980-2008

Abbildung 15: Top 6 Exportempfänger 1988 und 2008

Abbildung 16: Top 6 Importlieferländer 1988 und 2008

Abbildung 17: Konzernumsatz nach Unternehmensbereich

Abbildung 18: Hitachi Konzernumsatzentwicklung 1999-2008

Abbildung 19: Regionale Umsatzverteilung des Hitachi Konzerns 2000-2008

Abbildung 20: Panasonic Konzernumsatzentwicklung 2000-2008

Abbildung 21: Regionale Umsatzverteilung des Konzerns 2001-2008

Abbildung 22: Konzernumsatz nach Unternehmensbereich

Abbildung 23: Sony Konzernumsatzentwicklung 1980-2008

Abbildung 24: Konzernumsatz nach Geschäftsbereichen 2000, 2008

Abbildung 25: Wirtschaftspartnerschaftsabkommen Japans 2007

Abbildung 26: Japans durchschnittlicher Zolltarif 2008

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Weltweit führende Exportnationen 2008

Tabelle 2: Weltweit führende Importnationen 2008

Tabelle 3: Strukturwandel der Wirtschaft 1950-2005

Tabelle 4: Anzahl ICT-bezogener Patentanmeldungen 1995-2005

Tabelle 5: Wettbewerber im Exporthandel des Sektors (75, 76, 776)

Tabelle 6: Zufluss ausländischer Direktinvestitionen im internationalen Vergleich

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Auswirkungen der Globalisierung wie beispielsweise die Liberalisierung des Handels, sinkende Transport- und Kommunikationskosten sowie die Mobilität von Produkten und Produktionsfaktoren stellen günstige Voraussetzungen für die weltumspannenden Handelsströme dar. Dies spiegelt sich im Volumen des Weltwarenhandels wider, das sich von 1980 bis 2008 um knapp das Achtfache, auf 32.590 Mrd. US Dollar, erweitert hat (vgl. WTO 2010b). Außerdem hat sich neben den Warenhandelsströmen auch der Anteil der globalen Dienstleistungsströme vergrößert und trägt demnach mit wachsender Bedeutung zum Welthandelsvolumen bei.

Im Welthandel bilden sich regionale Handelsschwerpunkte wie beispielsweise die Tria- de. Die Konzentration der Wirtschaftsaktivitäten in den Triade-Regionen Nordamerika, Europa und Asien/Pazifik kann durch deren Anteil z.B. am Weltwarenhandel von 72% im Jahr 2007 belegt werden. Bei Betrachtung der einzelnen bilateralen Handelsbezie- hungen lassen sich die USA, Deutschland und Japan als Hauptakteure des globalen Warenexports identifizieren (vgl. Koopmann & Franzmeyer 2003; Hartmann u.a. 2010, S. 4f.).

Japan ist heutzutage Asiens führende Industrienation und konnte 2009 im weltweiten Vergleich der Wirtschaftsnationen den zweiten Rang vor China gerade noch verteidigen (vgl. Auswärtiges Amt 2010). Wie sich das einstige Entwicklungsland Japan innerhalb der letzten 28 Jahre zu einem Hauptakteur des Welthandels entwickelt hat und welche strukturellen Wandel die Wirtschaft beeinflussten, wird in der folgenden Arbeit erläutert. Inhaltlicher Schwerpunkt der Ausarbeitung wird auf die Handelsströme von Büromaschinen und Telekommunikationsgeräten gelegt.

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die strukturellen Veränderungen im Industriesektor Büromaschinen und Telekommunikationsgeräte im Zeitraum von 1980 bis 2008 in Ja- pan darzustellen. Hierzu soll der Strukturwandel der entsprechenden Produkte und die Handelsströme des Einzelsektors untersucht werden. Anhand von strukturellen Verän- derungen bezüglich der Exporte und Importe soll auf die Bedeutung des ausgewählten Sektors für die Gesamtwirtschaft Japans geschlossen werden. Um die industrielle Ent- wicklung des Sektors mit praktischen Beispielen zu unterlegen, werden die drei größ- ten Unternehmen vorgestellt werden. Des Weiteren soll die staatliche Außenhandelspolitik Japans im Zeitverlauf dargestellt und deren Einfluss auf die wirtschaftlichen Entwicklungen, unter anderem des Einzelsekttors, aufgezeigt werden.

Die Ausarbeitung gibt zunächst einen Überblick der wirtschaftlichen Entwicklung Ja- pans von 1980 bis 2008. Anschließend wird die strukturelle Entwicklung und die Zu- sammensetzung des Primär-, Sekundär- und Tertiärsektor Japans im genannten Zeit- raum erläutert. Der Einzelsektor Büromaschinen und Telekommunikationsgeräte wird im folgenden Kapitel zunächst definiert, woraufhin der Strukturwandel der entspre- chenden Produkte sowie des Außenhandels beschrieben wird. Außerdem werden die die wichtigsten Handelspartner im Bereich der Büromaschinen und Telekommunikati- onsgeräte identifiziert. Anhand der Umsatzentwicklung, des Produktportfolios und wei- terer Unternehmensdaten werden die drei größten japanischen Unternehmen in die- sem Einzelsektor charakterisiert und umfassend vorgestellt. Kapitel 6 umfasst die Ent- wicklung der staatlichen Außenhandelspolitik Japans und zeigt deren Einfluss auf die Sektoren auf. Abschließend werden die Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst und zukünftige Herausforderungen Japans sowie des Sektors der Büromaschinen und Telekommunikationsgeräte aufgezeigt.

2 Wirtschaftliche Entwicklung Japans

2.1 Binnenwirtschaftliche Entwicklung Japans

Die wirtschaftliche Entwicklung Japans im Zeitraum von 1980 bis 2008 kann in zwei Hauptphasen gegliedert werden. Die Konsolidierungs- und Ausbauphase begann im Anschluss an eine Rezession begründet in der ersten Ölkrise (1973/74) schon Mitte der 1970er Jahre und dauerte bis Ende der 1980er Jahre an (vgl. Hemmert & Lützeler 1998, S. 7ff.). Diese Phase war zu Beginn der 1980er Jahre geprägt durch eine welt- wirtschaftliche Rezession resultierend aus einer weiteren Ölkrise. Seit der ersten Ölkri- se hatte Japan seine Abhängigkeit von Öl gesenkt und hatte infolge von verdreifachten Ölpreisen lediglich eine geringere Wachstumsrate des BIP zu verzeichnen. Im Jahr 1985 erreichte das Wirtschaftswachstum gemessen am BIP einen temporären Hoch- punkt mit 5%.

Begründet in der sich weiter öffnenden Schere zwischen japanischen Exporten und Importen (vgl. Abbildung 6) wurde im Herbst 1985 im Rahmen des Plaza Abkommens der japanische Yen zum US Dollar aufgewertet. Die starke Währungsaufwertung von 250¥/USD auf 165¥/USD und gegen Jahresende 1987 auf 123¥/USD spiegelt sich in der niedrigen BIP-Wachstumsrate von knapp 3% im Jahr 1986 wider.

Der Wechselkurs hatte sich in den folgenden Jahren auf einem leicht abgewerteten Kurs stabilisiert und durch den Strukturwandel, überwiegend im Sekundärsektor, konn- te sich die Wirtschaft gut von der Währungsaufwertung erholen (vgl. Kunio 1994, S. 22ff.; Flath 2000, S. 108). Außerdem trug die Senkung der Leitzinsen durch die Bank of Japan zur vermehrten Vergabe von Krediten bei. Die erhöhte Liquidität, die eigentlich der Währungsaufwertung entgegen wirken sollte, führte zu einer Spekulationsspirale bezüglich Aktien und Immobilien. Kreditnehmer, die ihre Kredite mit Grundstückswer- ten besicherten, wurden aufgrund der steigenden Bodenpreise erhöhte Kreditrahmen gewährt (vgl. Waldenberger 1998, S. 128f.). Die sogenannte bubble economy hatte ih- ren Höhepunkt bezogen auf das Wachstum des BIP im Jahre 1988 mit einem Rekord- wachstum von 6,5% (vgl. Hemmert & Lützeler 1998, S. 9; Gao 2001, S. 177).

Die darauffolgende Phase war seit Beginn der 1990er Jahre geprägt durch eine wirt- schaftliche Stagnation. Eine Ursache dieser gravierenden Wachstumseinbrüche stellt der Zusammenbruch der bubble economy, der Spekulationsspirale, dar. Zurückzufüh- ren ist dies auf die fallenden Grundstückspreise - eine Entwicklung, die durch das Fi- nanzministerium mittels Beschränkungen bei der Kreditvergabe an den Immobiliensek- tor und durch eine Reform der Bodenbesteuerung unterstützt wurde. Die fallenden Grundstückspreise brachten folglich ungesicherte und nicht mehr einholbare Bankfor- derungen mit sich (vgl. Waldenberger 1998, S. 128ff.). Neben dieser binnenwirtschaft- lichen Ursache zählt die Aufwertung des Yen gegenüber anderen Leitwährungen als außenwirtschaftliche Ursache für die wirtschaftliche Stagnation (vgl. Hemmert & Lütze- ler 1998, S. 15).

Im Jahr 1998 bricht das BIP Wachstum erstmals im betrachteten Zeitraum so stark ein, dass eine negative Wachstumsrate von 2% zu verzeichnen ist. Erschwerend kam zur binnenwirtschaftlichen Japankrise die Asienkrise hinzu, welche im Vergleich zu Ländern wie Indonesien oder Malaysia die japanische Wirtschaftsentwicklung lediglich geringfügig beeinflusste (vgl. Flath 2001, S. 135). Der Zeitraum der 90er Jahre wird auch als die lost decade bezeichnet (vgl. Auswärtiges Amt 2010).

Obwohl sich das Wachstum des BIP mit Beginn des neuen Jahrtausends wieder auf durchschnittlich 2% steigerte, wurden die Wachstumsraten der 80er Jahre nicht mehr erreicht. Die Terroranschläge 2001 in den USA führten zu einem Rückgang des ab- setzbaren Handelsvolumens und somit zu einem stark abgeschwächten Wirtschafts- wachstum (vgl. Statistics Bureau 2009a, S. 26). 2008 wurde die japanische Wirtschaft erneut durch die Folgen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise geschwächt. Die stark exportorientierte Wirtschaft Japans verzeichnete ein negatives Wachstum zum Vorjahr von 0,6% basierend auf dem rückläufigen Welthandelsvolumen (vgl. Auswärtiges Amt 2010).

Abbildung 1: BIP Wachstum 1980-2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an OECD 2010a.

2.2 Außenwirtschaftliche Entwicklung Japans

Anhand der nachfolgenden zwei Tabellen wird ersichtlich, welche Bedeutung der Außenhandel für die wirtschaftliche Entwicklung Japans hat. Demnach ist Japan 2008 die weltweit viertgrößte Export- sowie Importnation von Waren direkt nach Deutschland, China und den USA.

Tabelle 1: Weltweit führende Exportnationen 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an WTO 2009, S. 12.

Tabelle 2: Weltweit führende Importnationen 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an WTO 2009, S. 12.

Charakteristisch für Japans Außenhandel ist die interindustrielle Handelsstruktur des Landes (vgl. Legewie 1998, S. 297). Dies lässt sich einerseits auf Japans Abhängigkeit von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Rohstoffen unter anderem Erdöl zurückfüh- ren. Die Fläche Japans mit ca. 380.000 km² besteht zu 75% aus Hügeln bzw. bergigen Landschaften, die kaum zu landwirtschaftlichem Anbau genutzt werden können. Obwohl ein Großteil der 127,69 Millionen Menschen in den städtischen Gebieten lebt, reicht die Anbaufläche für Nahrungsmittel nicht aus (vgl. Statistics Bureau 2009c, S. 7; Statistics Bureau 2009d, S. 2). Als weitere Ursache für das strukturelle Ungleichge- wicht kann die produktivitäts- und technologiebasierte Exportstrategie Japans aufge- führt werden.

Bei Betrachtung des Warenportfolios (siehe Abb. 3), welches 2008 exportiert wurde, zählen 64% der Ausfuhren zur Warengruppe 7, den hochwertigen Technologieproduk- ten. Das Einfuhrwarenportfolio 2008 hingegen beinhaltete lediglich 21,5% Technolo- gieprodukte der Warengruppe 7, vielmehr wurden Rohstoffe, Lebensmittel und schwerpunktmäßig Brennstoffe importiert. Diese strukturellen Unterschiede im Außen- handelsportfolio sind im betrachteten Zeitraum von 1980-2008 stets zu erkennen, was u.a. Abb. 2 verdeutlichen soll (Legewie 1998, S. 297f.). Im Jahr 1991 beinhalteten ja- panische Exporte zu 75% Maschinen der Warengruppe 7 nach SITC wie beispielswei- se Videokameras, CD-Spieler, Faxgeräte, Videobandgeräte, Autos oder integrierte Schaltkreise. Außerdem hat die interindustrielle Handelsstruktur Auswirkungen auf die Außenhandelsbilanz, da Technologieprodukte einen höheren Wert als beispielsweise Nahrungsmittel oder Rohstoffe haben (vgl. Kunio 1994, S. 26).

Abbildung 2: Warenportfolio des Außenhandels 1980-19891

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Legewie 1998, S. 298.

Abbildung 3: Warenportfolio des Außenhandels 20082

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Statistics Bureau 2009b, S. 116.

Die regionale Struktur der Handelspartner Japans verdeutlicht bezogen auf japanische Ausfuhren bis 2000 einen Fokus auf die USA und Europa. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas war seit 2001 eine weitere wichtige Absatzregion mit zunehmender Bedeutung hinzugekommen. Aufgrund der umfangreichen Exporte von mehrheitlich verarbeiteten und technologisch hochwertigen Waren erwirtschaftete Japan mit Euro- pa, USA und China überwiegend Handelsbilanzüberschüsse. Die Ausfuhren in asiati- sche Länder, einschließlich China, stiegen in den vergangen sieben Jahren stark an und betrugen 2008 knapp die Hälfte der Gesamtexporte. Abbildung 4 und 5 verdeutli- chen diese Entwicklung. Gründe hierfür sind der wirtschaftliche Aufstieg dieser Länder und dem somit gestiegenen Einkommensniveau, sowie die internationale Arbeitstei- lung, die von Seiten Japans mittels Produktionsstätten in Asien genutzt wird. Demnach werden in asiatische Regionen vermehrt Kapitalgüter und Zwischenprodukte exportiert um diese dort zu günstigeren Preisen weiterzuverarbeiten (vgl. Legewie 1998, S. 300; Statistics Bureau 2009b, S. 119ff.).

Abbildung 4: Strukturwandel der wichtigsten Handelspartner Japans 1999-2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an MOF 2010.

Die Handelspartner, die nach Japan importieren, sind im Vergleich zu den Exportemp- fängern stärker gestreut. Diese Beobachtung ist zurückzuführen auf den großen Anteil der importierten Roh- und Brennstoffe sowie Nahrungsmittel, die sich auf verschiedene Länder verteilen unter anderem Australien, Brasilien, Saudi-Arabien und Indonesien.

Ohne ausgleichende Exportströme in die entsprechenden Länder erwirtschaftet Japan Handelsdefizite. Basierend auf der internationalen Arbeitsteilung und der damit verbundenen Weiterverarbeitung japanischer Zwischenprodukte zu Fertigprodukten in den Niedriglohnländern Asiens, steigen die Re-Importe dieser Länder nach Japan stark an (vgl. Kunio 1994, S. 25f.). Seit 2004 ist nun auch auf der Importseite eine Konzentration auf Asien und den Mittleren Osten zu erkennen (vgl. WTO 2010c; Legewie 1998, S. 299f.; Statistics Bureau 2009b, S. 119ff.).

Abbildung 5: Wichtigste Handelspartner Japans 20083

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Statistics Bureau 2009, S. 120.

Bei Betrachtung der Außenhandelsbilanz Japans im untersuchten Zeitraum fällt mit ei- ner Ausnahme im Jahr 1980 ein ständiger Außenhandelsüberschuss auf. Dies ist be- gründet in der stark exportorientierten Wirtschaftsstrategie und demnach wertmäßig höheren Exporten als Importen. Begünstigt wurde diese Strategie durch die jeweilige Zusammensetzung des exportierten und importierten Warenportfolios, wobei überwie- gend hochwertige Technologieprodukte ausgeführt und Rohstoffe bzw. Fertigprodukte aus Niedriglohnländern importiert wurden (vgl. Legewie 1998, S. 300; Kunio 1994, S. 25f.; Flath 2000, S. 163). Als weiterer unterstützender Faktor des Handelsüberschus- ses kann die schwache Währung im Vergleich zu Leitwährungen aufgeführt werden, da dies zu Verbilligungen japanischer Exporte im Ausland führt (vgl. Germany Trade and Invest 2008, S. 3; Legewie 1998, S. 297). Seit der Yen Aufwertung 1985 tragen die ho- hen Kapitalexporte in Form von Investitionen im Ausland, sowie die hohe Sparneigung der Japaner ebenfalls zum Außenhandelsüberschuss bei (vgl. Legewie 1998, S. 295ff.). Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise haben im Oktober 2008 vorüberge- hend zum Einbruch der japanischen Exporte in den Hauptabsatzregionen USA und Asien geführt (vgl. o.V. 2008a). Gleichzeitig stiegen die Importe um knapp 22% an, was in einem stark reduzierten Handelsbilanzüberschuss von 20 Mrd. USD resultierte (siehe Abb. 6).

Abbildung 6: Außenhandelsbilanz 1980-2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an WTO 2010a.

3 Strukturelle Entwicklung der japanischen Industrie

Die Struktur der japanischen Wirtschaft durchlief innerhalb des betrachteten Zeitraums mehrere bzw. einen andauernden Transformationsprozess. Diese Entwicklung gilt weniger als inkonsistent, sondern teilweise als Wettbewerbsvorteil, da sich Japans Wirtschaft im Vergleich zu anderen Nationen äußeren Bedingungen schnell anpassen konnte (vgl. Kunio 1994, S. 23).

Demnach musste Japan in der Nachkriegszeit vermehrt die Schwerindustrie stärken, da deren Handelsbedingungen auf dem internationalen Markt besser als die der land- wirtschaftlichen Produkte waren. Zusätzlich hat die japanische Landwirtschaft bis heute mit dem hohen Lohnniveau zu kämpfen, weshalb die Endprodukte preislich mit den Importen nicht wettbewerbsfähig sind. Um eine absolute Abhängigkeit von importierten Nahrungsmitteln zu vermeiden, wird vor allem die Landwirtschaft stark subventioniert. Der Anteil des Primärsektors am BIP hat sich stark verkleinert, was in Japan innerhalb der vergangenen 52 Jahre eine Reduktion von 19,4% (1955) auf 1,0% (2007) bedeute- te. Allerdings sind in diesem Sektor knapp 5% (2008) der Arbeitnehmer beschäftigt, was im Vergleich zu anderen Industrienationen deutlich über dem Durchschnitt liegt (vgl. Germany Trade and Invest 2008; Kunio 1994, S. 20f.; Statistics Bureau 2009a, S. 30).

Abbildung 7: Sektorale Wirtschaftsentwicklung Japans 1980-2007

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an OECD 2010b.

In obenstehender Abbildung ist deutlich zu erkennen, dass der Sekundärsektor über- wiegend mit Beginn der neunziger Jahre an Bedeutung verloren hat. Von 1980 bis 2007 sank der Anteil am BIP von 39% auf 29%, außerdem beschäftigt der Sektor 2007 knapp 10 Prozentpunkte weniger Arbeitnehmer als im Jahr 1980. Ausschlaggebend war einerseits die starke Aufwertung der japanischen Währung und demzufolge eine enorme Steigerung der Produktionskosten in Japan. Viele Unternehmen verlagerten Teile ihrer Produktion in Niedriglohnländer im asiatischen Raum um im globalen Ver- gleich wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit Beginn der Globalisierung in den 1990er Jah- ren stieg die Zahl der japanischen Unternehmen mit Produktionsstätten im Ausland auf 67,3% (2007) an. Des Weiteren verschob sich der Schwerpunkt der produzierenden Industrie im Inland von der Schwerindustrie zur energieärmeren Leichtindustrie, wobei auch hier eine Konzentration auf wertvolle Premium-Technologieprodukte festzustellen ist. Dieser Trend bestimmt heutzutage den japanischen Sekundärsektor (vgl. Statistics Busreau 2009a, S. 33; Kunio 1994, S.25ff.).

[...]


1 2 SITC 0: Nahrungsmittel und lebende Tiere, SITC 1: Getränke und Tabak, SITC 2: Rohstoffe, SITC 3: Mineralische Brennstoffe, Schmiermittel und verwandte Erzeugnisse, SITC 4: Tierische und pflanzliche Öle, Fette und Wachse, SITC 5: Chemische Erzeugnisse, a.n.g., SITC 6: Bearbeitete Waren, vorwiegend nach deren Beschaffenheit gegliedert, SITC 7: Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge, SITC 8: Verschiedene Fertigwaren, SITC 9: Waren und Warenverkehrsvorgänge, anderweitig in der SITC nicht erfasst

3 Asien wird ohne China dargestellt, Europa umfasst den Handel mit den 27 Mitgliedsstaaten, alle Angaben in Mrd. Yen dargestellt.

Details

Seiten
48
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640986569
ISBN (Buch)
9783640986699
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177148
Institution / Hochschule
Hochschule Reutlingen
Note
1,3
Schlagworte
Welthandel ICT-Sektor Handelsströme Japan Büromaschinen Telekommunikationsgeräte

Autor

Zurück

Titel: International Trade