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Kann man einen Wandel bei den Lebensverhältnissen der Arbeiterschaft in Wien von 1918 bis 1929 konstatieren?

Diplomarbeit 2004 142 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Definition des „Arbeiters“

3. Die ökonomische Situation in Österreich
3.1. Die ersten Nachkriegsjahre bis zum Scheitern der ersten Koalition
3.2. Die Wirtschaftslage in der Ersten Republik ab 1920
(und ihre Auswirkungen auf die Arbeiter)

4. Sozialgesetzgebung

5. Das „Rote Wien“
5.1. Wirtschaftliche Situation und Politik 1918 – 1929
5.2. Soziale Maßnahmen in Wien
5.2.1. Medizinische Versorgung
5.2.2. Familienberatung
5.2.3. Jugendfürsorge
5.2.4. Schulwesen
5.2.5. Erwachsenenfürsorge
5.2.5.1. Offene Fürsorge
5.2.5.2. Geschlossene Fürsorge
5.2.6. Sozialer/Kommunaler Wohnbau in Wien
5.2.6.1. Die Ausgangssituation
5.2.6.2. Wohnbau bis
5.2.6.3. Wohnbau ab
5.2.6.4. Gestaltung und architektonische Prinzipien
5.2.6.5. Finanzielle Aspekte rund um den kommunalen Wohnbau –
Vorteile für die Bewohner
5.2.6.6. Beispiele für städtische Großprojekte
5.2.6.7. Internationale Würdigung der sozialdemokratischen Verwaltung
5.2.6.8. Bilanz und Meinungen

6. Lebensverhältnisse von Arbeitern
6.1. Löhne
6.1.1. Die Lohnentwicklung in der Periode von 1918 bis
6.1.2. Kurzer Vergleich mit der ökonomischen Lage anderer Schichten
6.2. Wohnverhältnisse
6.2.1. Leid des Menschen unter seiner Wohnsituation
6.2.2. Die Bedeutung einer Wohnung für den Menschen
6.2.3. Wohntypen und –größen kurz vor dem Krieg und bis circa
6.2.4. Wohntypen und –größen nach
6.2.4.1. Sonderfall Heimarbeiter(innen)
6.2.5. Schlafgelegenheiten
6.2.6. Mobiliar
6.2.7. Personenzahl im Haushalt
6.2.8. Mieterschutz
6.3. Ernährung
6.3.1. Katastrophale Lage um
6.3.2. Allgemeine Ernährungssituation der Arbeiterschaft in den 20ern
6.3.3. Untersuchung von 42 Arbeiterhaushalten im Jahre
6.3.4. Besserung der Ernährungslage ab circa
6.3.5. Der Alkoholkonsum
6.4. Hygiene
6.4.1. Zur Hygiene generell
6.4.2. Körperhygiene
6.4.3. Abwasch und Wäschewaschen
6.5. Kinder
6.5.1. Kinder als Geld/Nahrungsbeschaffer
6.5.2. Kinder als Hilfe im Haushalt
6.6. Arbeitslosigkeit
6.6.1. Arbeitslosigkeit als Problem für den Staat
6.6.2. Gründe für die Arbeitslosigkeit in Österreich
6.6.3. Der arbeitslose Mensch
6.6.4. Staatliche Maßnahmen, die in Österreich für die Arbeitslosen ergriffen wurden
6.6.5. Überlebensstrategien
6.6.6. Elend durch Arbeitslosigkeit
6.6.7. Arbeitslosenrate in Wien

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man an die Geschichte der Ersten Republik in Österreich denkt - spezifischer, an die besondere Rolle der Stadt Wien in dieser Periode –, so nehmen im Geiste Begriffe wie „Sozialdemokratie“, „Parteienkampf“, „Arbeiterschaft“, „Rotes Wien“, „goldene 20er Jahre“, „Wirtschaftskrise“ oder dergleichen Gestalt an.

Am Beginn meiner Gedanken über das zu formulierende Thema meiner Arbeit stand bloß das Konzept, sich mit den Lebensverhältnissen der Arbeiterschaft in Wien während der Zwischenkriegszeit auseinander zu setzen. Doch schon im Zuge meiner anfänglichen Literatursuche stieß ich auf den Begriff und die Bedeutung des bereits erwähnten „Roten Wien“ als soziale Institution; in mir begann sich eine genauere und differenziertere Fragestellung herauszukristallisieren: Sollte ich bloß rein deskriptiv arbeiten ? Warum sich nicht den Kopf zerbrechen über eine These zur Situation der Arbeiterschaft, die da lautet: Ist es legitim, vonVerbesserungenin der Zeit nach der Ausrufung der Republik sprechen ? Wenn Wien zu dieser Zeit als Musterstadt der Sozialdemokratie galt, so müssten sich doch die Taten der Gemeinde – allen voran der schon fast legendäre Wohnbau – auf die Lebensumstände der Arbeiterschaft positiv niedergeschlagen haben ! Daneben sollten aber auch Bereiche, die nicht direkt mit dem „Roten Wien“ in Zusammenhang stehen, wie z. B. die Entwicklung der Entlohnung, unter die Lupe genommen werden. Dementsprechend formulierte ich den ursprünglich geplanten Titel so um, wie er nun zu lesen ist.

Mein Absicht ist es also, eine angenommene Veränderung der Lebensverhältnisse der Arbeiterschaft in der österreichischen Hauptstadt zum Besseren zu verifizieren oder falsifizieren, unter besonderer Berücksichtigung der sozialdemokratisch verwalteten Stadt und der ergriffenen sozialen Maßnahmen.

Ich wählte dabei als Zeitrahmen des zu untersuchenden Zeitraums bewusstnichtdie Periode von 1918 bis 1938, sondern beschloss, als Startpunkt meiner Studien wohl das Jahr 1918, jedoch als Endpunkt das Jahr 1929 anzusetzen. Jenes mag auf den ersten Blick vielleicht willkürlich gewählt wirken, ist es jedoch ganz und gar nicht – fand doch just in diesem Jahr die relative Erholung der Ökonomie ihr Ende; kippte die wirtschaftliche Lage in Europa und so auch in Österreich aufgrund der Weltwirtschaftskrise dramatisch ins Negative. Somit scheint es nur logisch, dass Änderungen und Fortschritte in punkto Lebenssituation der Arbeiterschaft nicht nur zum Stillstand kommen, sondern auch zu einem großen Teil revidiert werden. In Bezug auf das in diesem Rahmen fokussierte Thema bedeutet dies, dass es nur Sinn macht, eine mögliche Verbesserung der Lebensverhältnisse bis 1929 zu betrachten, da ab dann aufgrund einer aufs Tiefste erschütterten ökonomischen Lage jegliche Versuche einer weiteren Besserung der Lage zum Scheitern verurteilt sind; ja selbst ein bloßes Bewahren des erreichten Niveaus in vielen Bereichen nicht mehr denkbar ist. Wenn die Wirtschaft nicht zumindest ein einigermaßen intaktes Fundament besitzt, so besteht kein Handlungsspielraum mehr für Fortschritte auf sozialer Ebene.

Zu Anfang erfolgt (nach der Frage der Homogenität der Arbeiterschaft) eine Auseinandersetzung mit der österreichischen Gesamtsituation, wie sie sich seit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Auflösung der Donaumonarchie bis zum Jahr 1929 darstellte. Das „Rote Wien“ wird danach einer näheren Betrachtung unterworfen, wobei primär die Nennung und Analyse der Maßnahmen sozialer Natur in der Hauptstadt der jungen Republik im Blickfeld stehen. Den eigentlichen Kernpunkt bilden einige ausgewählte „Felder“ der Lebensumstände der Wiener Arbeiterschaft wie beispielsweise „Wohnen“, „Ernährung“ oder „Löhne“, die intensiv Objekt detaillierter Untersuchungen sein werden. Und nicht zuletzt die „Arbeitslosigkeit“ – guten Gewissens als spezieller Fall innerhalb der Lebensverhältnisse zu klassifizieren, war doch eine bedeutsame Zahl an Menschen von diesem Phänomen betroffen und übte dieses großen Einfluss auf die soziale sowie ökonomische Gesamtsituation einer Person und dessen Familie aus. Dabei greife ich neben der Sekundärliteratur auch auf Biographien aus dem Archiv für die „Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien“ zurück.

2. Zur Definition des „Arbeiters“

Wenn man sich der Untersuchung der Lebensverhältnisse von Arbeitern widmet, so sollte doch zumindest ein kurzer Blick auf den Begriff „Arbeiter“ und die Definition desselben erfolgen. Viel wurde und wird in der Geschichte über die Klasse der Arbeiterschaft geschrieben, sodass sich die Frage aufdrängt, wer denn eigentlich zu diesem Stand gezählt werden kann.

Welche Menschen kann man nun zur „Arbeiterschaft“ in der Zwischenkriegszeit rechnen ? Es handelt sich hierbei um „unterschiedlich ausgebildete Arbeiter und Arbeiterinnen in überwiegend kleinen Gewerbebetrieben, industriellen und gewerblichen Mittelbetrieben und relativ wenigen industriellen Großbetrieben einerseits, ’Heimarbeiter/innen’ und ’Hausgehilfinnen’ andererseits“.[1]

Es ist durchaus angebracht, Angehörige (nicht erwerbstätige Ehefrauen, Lebensgefährtinnen, Kinder und Verwandte im gemeinsamen Haushalt) von entlohnten Arbeitern zur „Arbeiterschaft“ zu zählen, da ja nicht nur entlohnte (= produktive) Arbeitsvorgänge und -kräfte, sondern gleichfalls Unbezahlte (= reproduktive) zur Führung und Sicherung der Lebensform der „Arbeiterschaft“ unabdingbar sind.[2]

Die Berufsstatistik unterscheidet sich von dieser Zuordnung dahingehend, dass sie sich meist auf den einzelnen Erwerbstätigen bezieht: „Selbstständige“, „Angestellte“, „Arbeiter“, „Lehrlinge“ und „Hausgehilfen“.[3]

Berufsstellung der Wiener Bevölkerung von 1910 bis 1934:[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sieder sieht die Arbeiterschaft durchaus in sich selbst differenziert; man kann eine Binnengliederung nach vier Typen vornehmen:

- Wiener Arbeiteraristokratie:Familien, in denen die Männer und Frauen aus Handwerker- und Gewerbetreibenden-Familien (aus der Wiener Innenstadt, den Vorstädten oder Zuwanderer aus kleinstädtischen Handwerkermilieus) stammen und auf kultureller Ebene dem städtischen Kleinbürgertum nahe stehen. Es werden „geordnete Familienverhältnisse“ angestrebt, in denen der Mann die Rolle des Geldverdieners einnimmt, während die „von ihren Pflichten befreite Frau sich der Erziehung „wohlgeratener Kinder“ widmen kann, die den sozialen Aufstieg sichern sollen.
- Proletarier:Ungelernte oder gelernte Arbeiter/innen, die vor allem in den „Arbeiterbezirken“ und Vororten Wiens zuhause sind (Favoriten, Meidling, Floridsdorf, Ottakring, Teile Hernals). Die Frauen gehen dabei neben der Haushaltsführung einer un- oder angelernten Erwerbsarbeit nach (Handwerks-, Gewerbe- Industriebetrieb oder als „Zugehfrau“) und auch die Kinder sind zu einem baldigen Gelderwerb angehalten. Diese bleiben an schulfreien Tagen sich selbst, also der Straße, überlassen.
- Heimarbeiter bzw. Proletarisierte Selbstständige:Erstere kann man als Familien bezeichnen, in denen Vater und/oder Mutter zuhause als Heimarbeiter tätig sind. In ähnlicher Weise ist es möglich, Personen, die einem Gewerbe nachgehen (Flickschuster, Goldschläger), als proletarisierte Selbstständige zu titulieren. Beide Gruppen unterscheiden sich in punkto Lebensverhältnissen (so wie es Untersuchungen von Sieder ergeben haben) marginal bis überhaupt nicht. Charakteristisch herrscht ein Platzmangel in der Wohnung, die zugleich oft als Werkstatt dient. Eltern sehen ihre Kinder bedingt durch die Arbeit zwar intensiver als auswärtige Lohnarbeiter, doch von einem „Familienleben“ kann aufgrund der Tatsache, dass die Arbeit gezwungener Weise im Vordergrund steht, nicht die Rede sein.
- Subproletarier:Dieser Typus des „marginalisierten und depravierten Arbeiters“ fußt auf Alkoholismus, längerer Arbeitslosigkeit, Gewalt sowie Kriminalisierung. Kennzeichen wären dabei: häufige Delogierung, geringe Wohnqualität, die Kinder sind fast vollständig der Straße überlassen, oder gleich einem Heim oder einer Fürsorge überantwortet. Ein (sozialer wie ökonomischer) Aufstieg erscheint unrealistisch, wie auch die Betroffenen selbst kaum Ambitionen hegen, ihre Lage zu verbessern.[5]

Dass Menschen zu jener Zeit sich der Pluralität innerhalb der Arbeiterschaft durchaus bewusst waren, kommt im Gespräch mit einer 1922 Geborenen heraus: „Wissen Sie, die Schichten von Arm und Reich und Mitte, die waren damals anders wie jetzt. Da hat’s ganz Arme gegeben und wir waren nicht so die ganz Armen [der Vater war Metallarbeiter, M. P.]. (...) Es hat unter uns eine Schicht und ober uns eine Schicht gegeben. Es war die Schicht, wo der Vater bei der Straßenbahn war, oder der Vater bei der Eisenbahn angestellt war. Die hat man auch gekannt in der Schule, in der Klasse. Die waren anders angezogen, die Frau ist immer zur Lehrerin gekommen und hat immer Blumen gebracht oder ein Packerl gegeben. (...) Die Väter hatten ein Gehalt alle Monate. Die noch Ärmeren, die haben meistens überhaupt nichts gelernt, die haben nicht lesen können, nicht rechnen können. Die Väter waren Arbeiter, Hilfsarbeiter, Taglöhner.“[6]

Im Rahmen dieser Erörterung erwies es sich für mich als kaum erfüllbar, der Differenzierung innerhalb der arbeitenden Klasse vollends gerecht zu werden. Zu homogen präsentieren sich beispielsweise viele Quellen und auch Fachbücher, die oft nur vom „Arbeiter“ sprechen. Noch dazu hätte eine ernsthafte Gliederung der Arbeit in Bezug auf die Lebensverhältnisse der unterschiedlichen Klassen innerhalb der Arbeiterschaft den Rahmen dieser Untersuchung gesprengt. So ist also überwiegend von „der Arbeiterschaft“ die Rede, was sicher eine gewisse Vereinfachung der herrschenden Situation darstellt. Wozu also dann dieses Kapitel, mag sich der (die) LeserIn fragen ? Nun, ich bin der Meinung, dass man sich – wenn man über „den Arbeiter“ redet, schreibt oder liest – stets bewusst sein muss, dass dieser Begriff sich keineswegs so einheitlich präsentiert oder gedacht werden sollte. Es ist vonnöten, im Hinterkopf die Tatsache präsent zu haben, dass „Arbeiterschaft“ ein Konglomerat aus diversen „Schichten“ darstellt, die im Einzelnen eine – wenngleich nicht völlig, doch aber fassbare – unterschiedliche ökonomische sowie soziale Basis aufweisen. Dies gilt es auch bei dem vorliegenden Versuch einer Auseinandersetzung mit den Lebensverhältnissen „der Arbeiterschaft“ zu berücksichtigen.

3. Die Ökonomische Situation in Österreich

3. 1. Die ersten Nachkriegsjahre bis zum Scheitern der ersten Koalition

Der Gründungsakt der Ersten Republik:

„Nach dem Verzicht Kaiser Karls auf „jeden Anteil an den Staatgeschäften“ am 11. November 1918, beschloß noch am selben Tag der Staatsrat gegen drei christlichsoziale Stimmen die Ausrufung der Republik und gegen eine christlichsoziale Stimme (des nachmaligen Bundespräsidenten Wilhelm Miklas) den Anschluß an das Deutsche Reich. Die Provisorische Nationalversammlung nahm die Vorlage dieser Beschlüsse am 12. November 1918 einstimmig an. Beide Beschlüsse sind von der Konstituierenden Nationalversammlung am 12. März 1919 bestätigt worden. Am Nachmittag des 12. November verkündete der erste Präsident der Provisorischen Nationalversammlung, der Großdeutsche Dinghofer, von der Rampe des Wiener Parlaments der wartenden Menge, daß Deutschösterreich eine demokratische Republik sei.“[7]

Im Folgenden soll nun die wirtschaftliche Situation der jungen Republik betrachtet werden, da diese auf jeden Fall von Belang erscheint, wenn es gilt, sich mit den Lebensverhältnissen der Arbeiterschaft auseinander zu setzen. Neben der Darstellung der objektiven ökonomischen Lage Österreichs soll auch im Rahmen dieses Kapitels (wie auch im anschließenden, welches sich mit den Verhältnissen ab 1920 beschäftigt) stets ein Auge auf die Auswirkungen dieser ersten Nachkriegsjahre auf die Arbeiterschaft gerichtet sein. Dieses Unterfangen wird durch diverse Berichte aus dem Arbeiterkalender gestützt. Daneben bieten diese zeitgenössischen Quellen sicherlich ein interessanteres und authentischeres Bild[8]der wirtschaftlichen Umstände (und Probleme der Menschen, die unter diesen litten) jener Zeit, als dies manchmal Bücher der Sekundärliteratur zu bieten im Stande sind.

Die Bilanz über das abgelaufene Jahr 1919/20 fällt im Arbeiterkalender 1921 wie folgt aus:

Durch den Krieg sowie die harten Friedensbedingungen mangelte es in Österreich an vielem; die Wirtschaft lag im Gesamten darnieder. Eine der elementarsten Selbstverständlichkeiten, die Nahrungsversorgung, erwies sich als große Schwierigkeit: Die eigene Landwirtschaft war nicht in der Lage, die Bürger des Landes zu ernähren und was produziert wurde, landete nicht selten auf dem Schwarzen Markt. Der Staat sah sich gezwungen, aus dem Ausland Lebensmittel zu hohen Preisen zu importieren.[9]

Anfang des Jahres 1919 erreichte die Hungersnot in der Republik, allen voran in der Hauptstadt Wien, ihren Höhepunkt. Grund dafür war zum einen, dass fixe Lebensmittellieferanten durch die Gründung neuer Nationalstaaten ausfielen, zum anderen, dass das österreichisch-ungarische Wirtschaftsgebiet zerrissen worden war und dadurch die österreichische Wirtschaft mit massiven Umstellungsproblemen zu kämpfen hatte.[10]

Im Winter 1919/20 machte eine kontinuierliche Verteuerung aller wichtigen Güter den Menschen zu schaffen. Die Grundnahrungsmittel waren streng rationiert und man konnte nur begrenzte, durch Kupons festgesetzte, Mengen beziehen. Dazu ist weiters zu vermelden, dass diese gering bemessen waren und im Verlauf des Winters sogar noch reduziert wurden.[11]

Die Verschlechterung der Versorgungslage sowie die Preissteigerungen, die vor allem den ärmeren städtischen Bevölkerungsschichten zu schaffen machten, stellten die Ursache für Unruhen in einigen Großstädten 1919/20 dar.[12]

Die Ernährungssituation in den Städten während der ersten zwei Jahre der Republik kann getrost als „katastrophal“ bezeichnet werden.[13]

Von großer Wichtigkeit erwiesen sich daher für die österreichische Bevölkerung, insbesondere für die Wiener – und darunter vor allem die Kinder –, die Wohlfahrtsaktionen des Auslands. So wurden Kleider zur Verfügung gestellt und Ausspeisungen organisiert. Allein in Wien, so schätzt man, lebten eine Viertelmillion Kinder von diesen Essensausgaben.[14]

Mit weiteren Problemen sah sich die neugegründete Republik konfrontiert, als nach Kriegsende die als Soldaten dienenden Männer von den Kriegsschauplätzen ins Heimatland strömten. Dieser Zufluss an Menschen führte dazu, dass die Zahl an Arbeitslosen radikal anstieg: Im Dezember 1918 waren in Wien 25.000 Arbeitslose registriert. Im darauffolgenden Jahr erhöhte sich diese Zahl auf 127.000.[15]

An anderer Stelle ist die Rede von 131.000 Arbeitslosen im April 1919, was 70% aller Arbeitslosen in Österreich entsprach ![16]

Die Arbeitslosigkeit, die unmittelbar nach dem Krieg ein massives Problem darstellte, hatte sich jedoch 1920 gebessert: So sank die Zahl von 200 000 Arbeitslosen auf rund ein Viertel.[17]

Beklagt wird das Spekulantentum, welchem durch den Tiefpreis der Krone Tür und Tor geöffnet waren. Vor allem aus dem Ausland kommende Händler befanden sich in der Lage, um einen Spottpreis Güter, Fabriken, etc zu erwerben.[18]

Der Wert der Krone sank stetig, da ihr Wert nicht mehr nach der Kaufkraft in der Tschechoslowakei, in Jugoslawien und in Polen bestimmt war, sondern nur mehr durch ihre Kaufkraft in Österreich – welche aber durch die Wirtschaftsblockade und durch den Wegfall wichtiger Produktionsgebiete als sehr gering zu beziffern war. Das steigende Defizit „behob“ die Regierung einfach damit, dass sie fehlende Milliarden einfach in der Banknotenpresse drucken ließ. Zur Bekämpfung der Inflation und der Sanierung des Staatshaushalt wurde so gut wie nichts getan – man beschränkte sich auf das Warten auf Auslandskredite.[19]

Lobend erwähnt wurde zu jener Zeit – so auch im Arbeiterkalender - die soziale Gesetzgebung, insbesondere die Gesetze über die Arbeitslosenversicherung, über die Hausgehilfen, über die Arbeiterkammern, die Verfassungsreform und dergleichen mehr.[20]

3. 2. Die Wirtschaftslage in der Ersten Republik ab 1920 (und ihre Auswirkungen auf die Arbeiter)

Nach der Abwahl der Koalition, die durch wirtschaftliche Schwierigkeiten sowie die enormen Kosten für das ausgebaute soziale Netz bedingt war, bemühte sich die Christlichsoziale Partei darum, das Defizit im Staatshaushalt abzubauen.[21]

So reduzierte man die staatlichen Lebensmittelzuschüsse und führte die Angleichung der Löhne an den Lebenskostenindex durch. Dies führte quer durch alle Berufsgruppen zu diversen Streiks; bereits im Jahr 1921 konnte man 391 Streiks aus wirtschaftlichen Gründen verzeichnen.[22]

Der allmähliche Abbau der staatlichen Lebensmittelzuschüsse entlastete das staatliche Budget um Dutzende, später vielleicht sogar um Hunderte Milliarden. Dabei wurden die Kosten, wie es im Lebensmittelabbaugesetz beschlossen wurde, auf die Unternehmer abgewälzt.[23]

Die Regierung leitete einige Steuermaßnahmen ein, so die Ermäßigung der Einkommenssteuer (entsprechend dem gesunkenen Geldwert), die Börsenbesuchsabgabe, die Bankenumsatzsteuer, das Steuervoreinzahlungsgeld, das Steuerfluchtgesetz, das Valutenansammlungsgesetz und die Vermögensabgabennovelle.[24]

Seiser bilanziert nüchtern: „Mit dem Ausscheiden der Sozialdemokraten aus der Regierung begann auch der Abbau der von ihnen erzwungenen Verbesserungen auf sozialem Gebiet – eine Entwicklung, unter der besonders die Jugendlichen zu leiden hatten.“[25]

Die Nivellierung der Löhne, die durch die starken Gewerkschaften erstritten wurde, brachte es mit sich, dass viele Menschen wegen der stetig steigenden Inflation in immer größere Schwierigkeiten gerieten. Ein Stop der Inflation trat erst ein, als der österreichische Schilling als Währung im Jahr 1924 das Licht der Welt erblickte.[26]

Als im November 1920 der freie Devisenhandel eingeführt wurde, hatte dies im Jahr 1921 eine kurze Zeit der Hochkonjunktur zur Folge, da der Kurs der Krone gedrückt wurde. Preiswerte österreichische Waren ließen die Industrieproduktion sowie die Ausfuhr steigen. Doch diese Zeit währte nur kurz, da die Geldentwertung einen großen Teil des Umlaufkapitals aufgebraucht hatte: Es kam zu Produktionseinschränkungen, sowie steigender Arbeitslosigkeit und Inflation.[27]

Österreich blieb von einer Wirtschaftskrise (Überproduktion, Absatzstockung, Arbeitslosigkeit), die bereits viele andere Länder erfasst hatte, vorerst noch verschont. Allerdings machte sowohl der Ausverkaufprozess (das Übergehen österreichischer Betriebe in ausländische Hände) Österreich zu schaffen (so z. B. der Verkauf der Länderbank an französische Interessenten sowie der Erwerb des steirischen Erzbergs an einen preußischen Industriellen), als auch die fortschreitende Teuerung.[28]

Die Teuerungswelle des Jahres 1921, die dem Sturz der Krone entsprach, brachte vor allem die Arbeiterschaft in ärgste Bedrängnis[29]: Der Index stieg vom Wert 100 im Jänner 1921 bis zum Juli auf 158, im Oktober auf 242, um schließlich im Dezember den stolzen Wert von 663 zu erreichen. Noch dazu erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen von 10.000 im Sommer 1921 bis auf das Dreifache im Winter desselben Jahres. Die Unzufriedenheit entlud sich am 1. Dezember in Kundgebungen, bei deren Verlauf es zur Plünderung und Zerstörung von Geschäftsläden kam.[30]

Mit Beginn des Jahres 1922 griff die industrielle Weltkrise auch auf Österreich über, was zur Folge hatte, dass massive Arbeiterentlassungen seitens der Firmen erfolgten. Im Mai waren bereits 80.000 Menschen ohne Arbeit.[31]

Der Index schnellt vom Wert 663 im Dezember 1921 auf 1444 im Februar 1922, auf 1725 im April und klettert bis zum Mai auf 1988.[32]

Mit dem System des Gleitlohns konnte sich die Arbeiterschaft einigermaßen über Wasser halten und der Teuerung trotzen; jedoch mit dem Frühjahr 1922 erklärten die Unternehmer, dass sie die gleitende Zulage nicht mehr bezahlen können. Im Mai kündigten die Unternehmerverbände die wichtigsten Kollektivverträge: die der Metallarbeiter, Textilarbeiter, Industrieangestellten sowie der Alpinen Montangesellschaft.[33]

Der Arbeiter Kalender sieht das Jahr 1922 und Seipels Regierungsgeschäfte äußerst kritisch, wenn er meint, dass „während der ersten Monate seiner [Anm.: Seipel, seit Juni 1922] Regierung [...] das österreichische Wirtschaftselend ins Ungemessene [stieg]. Die Sünden der in den letzten Jahren von den bürgerlichen Regierungen betriebenen Finanzpolitik rächten sich nunmehr furchtbar. Da man es ängstlich vermieden hatte, die Vermögensabgabe und die Zwangsanleihe zur Heranziehung der noch immer leistungsfähigen Klassen Österreichs auszunützen, nahm das ökonomische Verhängnis seinen Lauf. Die Banknotenflut vermehrte sich binnen weniger Monate um ein Vielfaches. Die Rückwirkungen der in der ganzen Welt herrschenden Wirtschaftskrise vereinigten sich mit dem Ausbleiben der sagenhaft gewordenen Kredite und der Lotterwirtschaft der bürgerlichen Regierung, um eine Panik der österreichischen Währung und damit der Preisentwicklung herbeizuführen. [...] Der Dollar, die stabilste Währung der Welt seit Kriegsende, stand noch am 1. Juni auf 11 000 [...]. Mitte Juni war der Dollar auf über 21 000, [...] Ende August der Dollar auf 78 000 [...] gestiegen. [...] Dieser Entwertung der Krone entspricht eine ebenso rapide Teuerung. [...] Die Teuerung der auswärtigen Lebensmittel und der wichtigsten Lebensbedürfnisse machte das Auskommen in jeder Privatwirtschaft ebenso unmöglich, wie jede Kalkulation der Geschäftsunternehmer und des Staatshaushalts.“[34]

In ein ähnlich kritisches Horn stößt Seiser: Anfang des Jahres 1922 wurde der Republik ein Kredit von 60 Millionen Kronen gewährt, was sich jedoch als unzureichend für eine vernünftige Sanierung erwies.[35]Ignaz Seipel unterschrieb für Österreich am 4. Oktober 1922 die Genfer Protokolle, die dem Staat eine Kreditsumme von 631 Mill. Kronen gewährten, jedoch die junge Republik der umfassenden Aufsicht (in wirtschaftlichen aber auch politischen Dingen) des Kontrollkomitees des Völkerbundes unterstellte. Ohne Zustimmung des Generalkommissärs ging in Österreich nun nichts mehr. Dazu kam die hohe Verzinsung (20%), die die zurückzuzahlende Summe auf 789,4 Mill. Kronen drückte.[36]

Seipel habe durch die Genfer Protokolle die „Unabhängigkeit der deutschösterreichischen Volksrepublik [...] auf zwei Jahre den kapitalistischen Mächten der Entente ausgeliefert“[37], so ein weiterer Vorwurf.

Hinter Prälat Seipel stand die österreichische Industrie, die auch prompt bei ihm ein offenes Ohr fand, wenn sie gegen die „sozialen Lasten“ und die „Fürsorgeinflation“ wetterte – so ein weitere Kritikpunkt.[38]Dass dies jedoch nureineSicht der Bewertung der Regierungsarbeit darstellen kann, darauf wird später noch eingegangen.

Festzuhalten ist sicherlich, dass die „finanzielle und politische „Sanierung“ Österreichs im Jahre 1922 durch den christlichsozialen Priester-Politiker Dr. Ignaz Seipel [...] breiten Bevölkerungsschichten neue, schwere Lasten auf[erlegte]“[39].

Die Rationalisierungsmaßnahmen, von der Regierung durchgesetzt, ließen die Zahl der Arbeitslosen massiv ansteigen. Gab es im Jahr 1922 noch 41.000 Arbeitslose, hatte sich deren Zahl im folgenden Jahr bereits auf 110.000 erhöht und erreichte schließlich 1925 den stolzen Wert von 178.000.[40]

Die Höchstzahl der Arbeitslosen wird für das Jahr 1923 im Arbeiter Kalender mit 170 000 angegeben, wobei diese nur in der Folge durch die vermehrte Bautätigkeit sowie die Einführung der Kurzarbeit einigermaßen zurückgegangen ist.[41]

Die Arbeitslosenquote erreichte bis zu 10% der Beschäftigten; jene die das Glück hatten, weiter einer Beschäftigung nachgehen zu können, mussten Lohnkürzungen und Einschränkungen sozialer Rechte auf sich nehmen. Während das Einkommen des Einzelnen sank, stiegen die Preise.[42]

Neben der geäußerten Kritik an der Person Seipels und seiner Politik (Einsparungen, Preiserhöhungen, die den Konsum schädigen) durch Zeitgenossen und Historiker erkennt man aber sogar teilweise in politisch andersdenkenden Kreisen die Stabilisierung der Währung an, die zum einen eine Festigung der ausländischen Wechselkurse (der Dollar hielt sich bei 71.000), zum anderen die Reduzierung des Banknotenumlaufs bewirkte.[43]

1924 erschütterte ein schwerer Finanz- und Bankenkrach Österreich: diese schwere Krise der Geld- und Kreditwirtschaft wurde ausgelöst durch die Spekulation in französischen Francs. Einige große Banken sowie mittlere Bankinstitute brachen zusammen und rissen dadurch viele hundert Geschäftsunternehmungen mit sich. Die Regierung sah sich genötigt, der Börse einige hundert Milliarden zur Verfügung zu stellen.[44]

Nach diesem lähmenden Bankenkrach, gab es langsam eine Aussicht auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage:

Die Schillingsanierung trug zu einem nicht unwesentlichen Teil zu einem einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwung bei. „Ich bezog damals einen Wochenlohn von 465.000 Kronen, der nun auf die bescheidene Höhe von 46,50 Schilling pro Woche sank.“[45]

Begann der Aufschwung 1924 noch zögerlich (verzögerte Franc-Spekulation, der Diskontsatz wurde aus Angst vor einer neuerlichen Inflation mit 10%-12% sehr hoch gehalten), so kam es im Jahre 1925 zu dem lang erwarteten und -ersehnten Aufschwung der Wirtschaft.[46]

Jedoch wäre es nicht korrekt, zu verschweigen, dass auch negative Stimmen zu dieser Politik der Sanierung laut wurden: „Das Jahr 1925 hat begonnen, das Jahr, in dem die Sanierung hätte beendet sein sollen, in dem die Kontrolle hätte aufhören sollen [Genfer Protokolle, Völkerbundanleihe]. Die Kontrolle ist geblieben, der Staatshaushalt ist wohl etwas stabilisiert, dafür aber ist die Wirtschaft völlig zerrüttet, bald 200 000 Arbeitslose, Hungerlöhne und täglich wachsende Teuerung sind der Arbeiterschaft beschert worden.“[47]

Als Vorraussetzung für einen leichten Aufschwung – konträr zur an früherer Stelle geschilderter Kritik - sieht Weinzierl die Maßnahmen Seipels, welche zwar hart, aber unbedingt nötig waren:

„Die Sanierung des Staatshaushalts und Stabilisierung der Währung ist Seipel und Kienböck nach der endlichen Flüssigmachung der Anleihe (Genfer Protokolle) Anfang 1923 innerhalb weniger Jahre gelungen. Die dafür erforderliche Senkung der Staatsausgaben und Erhöhung der Einnahmen war allerdings nur durch die konsequente Befolgung einer harten deflationistischen auch die Sozialpolitik beeinträchtigenden Einsparungspolitik möglich. Sie hat ebenso wie die starke Erhöhung der Steuern der Bevölkerung schwere Opfer auferlegt. Diese waren jedoch die Voraussetzung für die Sicherung der Währung und die Ankurbelung der Wirtschaft, denen die Erste Republik ihre wirtschaftlich ruhigsten Jahre zu verdanken hatte.“[48]

Auf jeden Fall muss man konstatieren, dass es durch die Sanierung der Währung sowie die Völkerbundanleihen mit der österreichischen Wirtschaft langsam bergauf ging.[49]

Dazu kam die Erholung der Weltkonjunktur, welche in den 20er Jahren auch Österreich erfasste: „In Österreich wurde zwar nicht die „Prosperity“ der USA erreicht, dennoch ist diese Epoche [1924-1929] als die der „tollen zwanziger Jahre“ in die Geschichte eingegangen.“[50]Mit dem Jahr 1926 setzte ein starker konjunktureller Aufschwung ein, der mit der Weltwirtschaftskrise ein jähes Ende fand.[51]Dieser Meinung ist auch der Sozialdemokrat Otto Bauer, wenn er auf einem Kongress 1928 der österreichischen Wirtschaft attestiert - vor allem wenn man die verheerenden Auswirkungen des Weltkrieges auf die ökonomische Basis des jungen Staates bedenkt -, sich deutlich erholt zu haben:

„Sehen Sie einige rein wirtschaftliche Tatsachen ! Es unterliegt keinem Zweifel, daß unsere Landwirtschaft, die der Krieg außerordentlich schwer getroffen hat, im Verlauf der letzten Jahre ihre Produktion Schritt für Schritt zu steigern vermochte, daß im allgemeinen die Hektarerträge der Vorkriegszeit wieder erreicht und zum Teil überschritten sind. [...] Auf der anderen Seite aber unterliegt es keinem Zweifel, daß auch die Exportfähigkeit unserer Industrien, ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, allmählich steigt.“[52]

Botz sieht die ökonomische Situation in den 20ern in Österreich eingeschränkt verbessert: Zwar hat sich die Lage der österreichischen Wirtschaft in dieser Zeit normalisiert, aber „von einer wirtschaftlichen Blüte kann man in der ganzen Zwischenkriegszeit nicht sprechen“[53].

In einer Biographie wird hingegen der Ausdruck der „goldenen Zwanziger Jahre“ verifiziert: „Wenn man es unterlässt, die damalige Zeit mit den unvergleichlichen 70er Jahren zu vergleichen, muss man diese wenigen Jahre [Anm.: die 20er] tatsächlich als die goldenen bezeichnen.“[54]Wobei sicherlich der berechtigte Einwand einzubringen ist, dass dies ja nureine– und möglicherweise nicht repräsentative - Aussage über jene Zeit sei ! Jedoch ist in der überwiegenden Zahl der einschlägigen Literatur von einer – wenn auch nicht spektakulären, aber doch beweisbaren – Verbesserung der ökonomischen Situation in Österreich die Rede.

4. Sozialgesetzgebung

Gerade im Bereich der Sozialgesetzgebung ging die Regierung aus Christlichsozialen und Sozialdemokraten daran, ein Paket an sozialen Gesetzen zu schnüren, welche eine bis dato unbekannte Dimension besaßen: Man konnte regelrecht von einem „Sozialboom“[55]sprechen

Es „stellte die Regierung in der Soziapolitik neue Weichen. Trotz der sich von Tag zu Tag steigernden Inflation beschlossen die Sozialdemokraten, ihr seit Jahrzehnten versprochenes Sozialprogramm schlagartig zu verwirklichen. Das neue Staatsamt für soziale Fürsorge unter dem ehemaligen Gewerkschaftsfunktionär Ferdinand Hanusch nahm sogleich die Neuorganisation der Arbeitsvermittlung für Kriegsheimkehrer in Angriff.“[56]

Welche sozialen Regelungen wurden nun konkret erlassen bzw. welche Institutionen geschaffen ?

- Den vielen Arbeitslosen sollte ein Existenzminimum gesichert und garantiert werden
- Indem Hanusch die Banken zu Krediten an die Industrie verpflichtete, wurde den Arbeitern in den Betrieben die Fortzahlung ihres Lohnes gesichert
- Der 8-Stunden-Tag wurde etabliert
- Ein Arbeiterurlaubsgesetz garantierte jedem Beschäftigten einen bezahlten Urlaub (im Rahmen von zunächst freilich nur 1-2 Wochen)
- Gesetz über Kollektivverträge und Einigungsämter
- Gesetze zur Regelung der Heimarbeit
- Verbot der Nachtarbeit für Kinder und Frauen
- Abschaffung des Arbeitsbuches
- Ausbau der Sozialversicherung
- Eine Krankenversicherung für Bundesangestellte wurde geschaffen
- Hausgehilfinnengesetz
- Gründung eines Ressorts für Volksgesundheit
- Errichtung von Arbeiterkammern[57]

Eine weitere soziale Großtat sei an dieser Stelle genannt: 1922 beschloss der Nationalrat das Mieterschutzgesetz, welches die Rechte der Hausherren reduzierte (z. B. Kündigungsrecht). Der Mietzins wurde im Vergleich zu 1914 auf das 145-fache heraufgesetzt und nicht – wie gefordert – auf das 5000-fache.[58]

All diese Gesetze, Erlässe und Errichtung sozialer Körperschaften begründeten den Ruf Österreichs als den eines bedeutenden Sozialstaates.[59]Als Beispiel mag dienen, dass bei der 1919 stattfindenden ersten internationalen Arbeiterkonferenz in Washington Österreich fast vollständig alle sozialpolitischen Forderungen – welche im Rahmen dieser Konferenz formuliert wurden – oft bereits nicht nur erfüllt, sondern sogar übererfüllt hatte ![60]

Jedoch ist festzuhalten, dass diese Regierung - trotz, aber vor allem wegen der in die Wege geleiteten sozialpolitischen Maßnahmen - nicht allzu lange währte. Bereits am 22. Oktober 1920 endete die erste Koalition der beiden Großparteien in der Geschichte der Ersten Republik. Als maßgeblicher Grund ist dabei sicher zu nennen, dass die im Eiltempo vorangetriebenen sozialen Maßnahmen und die entsprechenden Gesetze in einer Zeit der Inflation und des Hungers erfolgten. Da mit der Schaffung eines solchen Systems enorme Kosten verbunden waren, wurde vor allem von bürgerlicher Seite dieser Regierung mit starker Missbilligung begegnet, da die notwendigen Summen ja auf irgendeine Art und Weise aufgebracht werden mussten – mit Vermögensabgaben und Luxussteuern.[61]

5. Das „Rote Wien“

5. 1. Wirtschaftliche Situation und Politik 1918 – 1929

Österreichs Hauptstadt ist einer im Vergleich zu Restösterreich gesonderten Betrachtung wert, da die Gemeinde Wien sich gegenüber allen anderen Bundesländer in besonderer Weise auszeichnete: „Die besondere Bedeutung, die Wien in den folgenden Jahren zukam, bestand darin, daß es als einziges Bundesland von einer sozialdemokratischen Mehrheit regiert wurde. In diesem Bundesland wollten die Sozialdemokraten ihren „friedlichen Übergang zum Sozialismus“ vorexerzieren.“[62]

Doch dieses Unterfangen stand von Anfang an unter einem denkbar ungünstigen Stern, da sich die Voraussetzungen für das ehrgeizige Projekt der Sozialdemokratie – Wien als „rote Musterstadt“ – mehr als ungenügend präsentierten:

Die Lage am Ende des Jahres 1918 war in Wien mit „schlecht“ nur unzureichend charakterisiert; die Hauptstadt der jungen Republik befand sich am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Die Gemeinde wurde als „sterbende Stadt“ tituliert, die ohne ihrem ehemaligen Hinterland mit mehr als 28 Millionen Menschen nicht lebensfähig sei.[63]

Die Wahlen vom 4. Mai 1919 brachten der Sozialdemokratischen Partei 100 von insgesamt 165 Mandaten und sie somit in die Lage, eine Stadt wieder auf Vordermann bringen zu müssen, die sich im Chaos befand und die nur leere Kassen vorzuweisen hatte.[64]

Die Probleme, mit denen sich die Stadt nach dem Ende des Ersten Weltkrieges auseinander zu setzen hatte, seien an dieser Stelle kurz zusammengefasst:

- Zerstörungen im Zuge des 1. Weltkrieges
- Inflation
- Arbeitslosigkeit
- Mangelhafte Lebensmittelversorgung
- Abwertung
- Wohnungsnot
- Unzureichendes Verkehrswesen

Noch dazu erwies sich die Hauptstadt als ungeliebtes Kind, da die von einer roten Mehrheit regierte Stadt von den Bundesländern mit Skepsis betrachtet wurde und man daher versuchte, Wien zu boykottieren.[65]

Wie konnte man diese gewaltigen Herausforderungen angehen ? Man beschritt nicht den Weg des Schuldenmachens, sondern gestaltete das Steuerwesen grundsätzlich neu. Der zuständige Finanzreferent Hugo Breitner forderte von Anfang an einschneidende Steuermaßnahmen.

Drei wichtige Einnahmequellen der Stadt fielen jedoch aus:

- 1913 entfielen noch 50% der Einnahmen auf die staatliche Mietzinssteuer, die etwa 1913 mit 50 Millionen Goldkronen ca. 77% des Personalaufwands der Gemeinde Wien deckte. Mit dem Mieterschutz sowie der damit verbundenen Entwertung der Mietzinse aufgrund der Inflation wurde diese Geldquelle der Stadt entzogen.
- Früher hatten die Christlichsozialen eine große Geldsumme aus dem Gewinn der städtischen Monopolbetriebe (Gaswerk, E-Werk, Straßenbahn, Wasserwerke) lukriert (insgesamt 31,2 Millionen Goldkronen im Jahr 1913), die jedoch nicht mehr zur Verfügung stand, da sich das Verhältnis zwischen der Gemeinde und den städtischen Unternehmen geändert hatte.
- Als letztes sei hier noch die indirekte Verzehrungsteuer zu nennen, die wegen der Unvereinbarkeit mit sozialdemokratischen Prinzipien abgeschafft wurde.[66]

Bisher lag die Steuerhauptlast auf der finanziell wenig potenten, arbeitenden Bevölkerung. Eine Steuerverteilung, die nicht nur ungerecht erschien, sondern durch die Inflation obsolet wurde. Man beschritt einen neuen Weg – es wurden sogenannten „Luxussteuern“ eingeführt, die von den reicheren Schichten eingehoben werden sollten, anstelle der bisherigen „Massensteuern“. Das Prinzip lag darin, dass die zu leistende Steuer auf der Lebensweise bzw. dem Lebensstandard der einzelnen Bevölkerungsgruppen basieren sollte: Die breite Masse hatte kaum einen Rückgang ihres Lebensaufwands zu beklagen, wohingegen der ökonomisch Besserstehende mehr Abgaben zu entrichten hatte.[67]

Beispiele für Luxussteuern:

- Lustbarkeitsabgabe: diese war gestaffelt; so betrug sie bei Theateraufführungen 4%, bei Opern und Revuen 6%, bei Pferderennen, Box- und Ringkämpfen 33 ⅓%, bei Tanzkursen, Zirkus- und Varietévorstellungen 23%, bei Sportveranstaltungen 26% und bei Kinos sowie Tanzveranstaltungen 28 ½%
- Nahrungs- oder Genussmittelabgabe: wurde nur in Luxuslokalen eingehoben, war gestaffelt und durfte 15% des Verkaufspreises nicht übersteigen
- Kraftwagenabgabe: gestaffelt nach Klein-, Mittel- und Luxusautos
- Hauspersonalabgabe: betraf nur die Großhaushalte, Haushalte mit einer Hausgehilfin waren steuerfrei
- Pferdeabgabe: Eigentümer von Zug- und Reitpferden mussten 250 Schilling bezahlen.
- Hundesteuer: pro Hund waren 12 Schilling fällig
- Steuer auf den Verkauf von Luxuswaren: entsprach 12% des Warenpreises; entfiel mit der Warenumsatzsteuer[68]

Die Inflation machte es dabei notwendig, von festen Steuersätzen auf Prozentsätze und kurze Zahlungstermine überzugehen.[69]

Vermögenswerte der Stadt sollten nicht veräußert werden, da es im restlichen Österreich Praxis war, zu privatisieren, nur um später um ein Vielfaches diese Betriebe wieder zurückzukaufen.[70]

Die Boden- und Mietsteuern standen dem bisherigen privat-kapitalistischen Wirtschaftsprinzip konträr gegenüber, weshalb diese besonders von der Opposition kritisiert und bekämpft wurden. Die Wohnbausteuer, die die Mietzinsteuer ablöste, hob man zweckgebunden für die Errichtung neuer, gemeindeeigener Wohnbauten ein. Sie traf vor allem Besitzer von Großwohnungen und Geschäftslokalen: Während Mieter teurer Wohnungen 45% der Wohnbausteuer aufbringen mussten (entspricht 0,5% aller Wohnungen), machten die 82% der billigeren Wohnungen bloß 22% des Steueraufkommens aus. In Bezug auf die Geschäftslokale sah es so aus, dass die Wohnungen, welche 85% der Objekte ausmachten, 43% der Steuern erbrachten. Die 15% an Geschäftslokalen hingegen nicht weniger als 57%.[71]

Bereits 1920 wurden die wichtigsten gesetzlichen Maßnahmen beschlossen: Auf einige bestehende Gesetze konnte man zurückgreifen, so etwa auf die Wertezuwachs- und die Lustbarkeitsabgabe. Die meisten mussten allerdings erst eingeführt werden: Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Fürsorge-, Hauspersonal-, Nahrungs- und Genussmittel-, aber auch die Konzessionsabgabe. Nach einigen Nivellierungen konnte man die Entwicklung dieser Steuergesetze mit dem Jahr 1927 mehr oder weniger als abgeschlossen betrachten. Trotz all dieser steuerlichen Beschlüsse muss man aber konstatieren, dass sich die Steuerbelastung nicht über der Abgabenquote vor dem Krieg befand.[72]

Die steuerbedingten Einnahmen sollten jedoch wieder dem Volk zugute kommen und zwar in Form von Wohnbau- und Fürsorgeprogrammen.[73]

Die Gemeinde Wien tätigte beachtliche Investitionen auf dem Bausektor, des Wohlfahrtswesens und der technischen Angelegenheiten. Dies hatte den günstigen Nebeneffekt, dass in einer wirtschaftliche unsicheren Zeit für die Arbeiter zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten geschaffen wurden.[74]

Das Fazit über das gewagte Steuersystem der Stadt fällt positiv aus: „Das neue Steuersystem stellte zweifelsohne ein Experiment dar, das jedoch rückblickend – trotz aller Anfeindungen aus den betroffenen Kreisen – im großen und ganzen als gelungen bezeichnet werden muß.“[75]

Die Finanzpolitik Breitners sah sich in überwiegendem Maße harter Kritik seitens der christlichsozialen Opposition ausgesetzt, doch seine Leistung erfuhr im Ausland große Anerkennung:

„So sprachen sich schon 1924, also zu einer Zeit, da man die volle Leistung Breitners noch gar nicht abzuschätzen verstand, der Generalsekretär des Vereins deutscher Kommunalpolitiker, Erwin Stein, und Pièrre Cheysson von der Union Européenne äußerst anerkennend über Breitner aus. In den folgenden Jahren mehren sich die Stimmen der Anerkennung. [...] Die „Neue Züricher Zeitung“, die eine ausführliche Würdigung der Verdienste der sozialdemokratischen Verwaltung brachte, das tschechische „Prager Tagblatt“, das hinsichtlich der Wiener Finanzpolitik, die als vorbildlich hingestellt wird, erklärte, daß Breitner „das richtige System gefunden habe“.“[76]

5.2. Soziale Maßnahmen in Wien

Der Schwerpunkt der Sozialpolitik lag im Roten Wien einerseits im Gesundheits- und Fürsorgewesen, andererseits im kommunalen Wohnbau. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg standen nur geringe Mittel für die städtische Fürsorge zur Verfügung, obwohl schon erste Ansätze zu einem Wohlfahrtssystem unter dem christlich-sozialen Bürgermeister Lueger erkennbar waren. Jedoch erst mit der sozialdemokratischen Stadtverwaltung wurden Gesundheits- und Fürsorgewesen sowie der Wohnbau zum primären Ziel und Auftrag, was sich dadurch äußerte, dass die dafür flüssig gemachten finanziellen Mittel zum größten Posten des Gemeindebudgets wurden.[77]

1920 erfolgte die Reform der gesamten Stadtverwaltung, wobei gleichfalls die Verwaltung von Wien von der vom Bundesland Niederösterreich getrennt wurde. Der Stadtrat Julius Tandler führte und koordinierte alle kommunalen Wohlfahrtseinrichtungen im „Wohlfahrtsamt“.[78]

Es gehört an dieser Stelle erwähnt, dass das Wohlfahrtswesen bzw. die Reform desselben, welches ein wesentliches Anliegen der Stadt Wien darstellte - so wie die medizinische Versorgung auch –, von Julius Tandler entwickelt und durchgeführt wurde.[79]

Schon 1921 hatte der Gemeinderat den Vorstellungen und Leitfäden Julius Tandlers für die zukünftige Arbeit der verschiedenen Abteilungen und Aufgaben der Fürsorge entsprochen. Bereits äußerlich konnte man den neuen Weg daran erkennen, dass die vormaligen „Armeninstitute“ und „Armenräte“ in „Fürsorgeinstitute“ und „Fürsorgeräte“ umgewandelt wurden. Das Hauptziel des angestrebten neuen Wohlfahrtswesens kann man so charakterisieren, dass danach getrachtet wurde, eine möglichst gute Kooperation aller Zweige der Fürsorge zu erreichen. Diese sollte durch die Feststellung aller Missstände innerhalb eines Familienverbandes gewährleistet werden, um so alle Möglichkeiten und Mittel der Hilfe bündeln und folglich eine optimale Unterstützung gewährleisten zu können.[80]

3 Punkte standen dabei als zentrale Aspekte der fürsorgerischen Tätigkeit nach den Vorstellungen Tandlers im Mittelpunkt:

- Erhaltung des Familienverbandes, soweit dies machbar erschien, um so die Fürsorge auf eine solide Basis stellen zu können.
- Die prophylaktische Hilfeleistung als wichtigster Teil der Fürsorgearbeit
- Materielle (persönliche) Hilfe sollte dabei durch fürsorgerische Betreuung und Beratung ergänzt werden, um so eine Wiedererlangung der ökonomischen Lebensfähigkeit zu erzielen bzw. eine generelle Selbstständigkeit wieder zu erwecken.[81]

5.2.1. Medizinische Versorgung

1919 wurde Julius Tandler zum Unterstaatssekretär im Volksgesundheitsamt bestellt, von 1920 bis 1934 leitete er als amtsführender Stadtrat das Wohlfahrtsamt der Stadt Wien. Tandler, der neben dem Amt des Politikers gleichfalls ein hervorragender Anatom war, errichtete – wie bereits darauf hingewiesen wurde – ein umfassendes System der Fürsorge, wobei sein Hauptanliegen die Kinder- und Jugendfürsorge sowie die Bekämpfung der Tuberkulose darstellte.[82]

2 Hauptprobleme erforderten sofortige Maßnahmen: Die bereits genannte Tuberkulose sowie die Säuglingssterblichkeit. Letztere gelang es, bis 1926 vom Vorkriegsprozentsatz von 20% der Todesfälle im ersten Lebensjahr auf 8% herabzusenken. Die Bekämpfung der Tuberkulose stellte ein wesentlich aufwendigeres Problem dar, welchem man mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen zu Leibe rückte. Diese „Volksseuche“ (jeder 4. Wiener fiel ihr nach dem Krieg zum Opfer) bekämpfte man sowohl unmittelbar durch entsprechende Anstalten (Lungenheilstätte „Baumgartner Höhe“ 1923, Tuberkulosepavillon im Lainzer Krankenhaus 1929), als auch durch prophylaktische Maßnahmen: Beseitigung sozialer und hygienischer Missstände, Errichtung von Beratungsstellen, Kontrollambulatorien, sowie durch die Einsetzung von Schulärzten. Als begleitende Maßnahmen kann man die Bäder- und Grünflächenpolitik betrachten, aber in gewisser Weise auch den Wohnungsbau; waren die Elendsviertel der Stadt doch Brutstätten dieser Krankheit. Die Todesfälle, die die Tuberkulose forderte (doppelt so viele wie vor dem Krieg), konnten mit diesen unternommenen Schritte um rund 40% gegenüber dem Vorkriegsniveau gesenkt werden.[83]

Die Errichtung der verschiedensten medizinischen Institutionen mit Gründungsjahr:

I. Gesundheitsfürsorge

- Eheberatungsstelle (1922)
- Schularztwesen (1922)
- Schulzahnkliniken (1922)
- Stelle für Sport und Körperkultur (1927)
- Blutgruppenuntersuchungsstelle (1928)
- Augenärztliche Zentrale für Schulkinder (1929)

II. Bekämpfung der Volksseuchen

1. Tuberkulose
- Tuberkulosefürsorgestellen (1917)
- Zentralaufnahmestelle für Tuberkulöse und Kurbedürftige (1923)
- Städtische Sputumuntersuchungsstelle (1927)
- Untersuchungsstelle für Blutsenkungsreaktion (1930)
- Röntgenuntersuchungen
2. Geschlechtskrankheiten
- Beratungsstelle für Geschlechtskranke (1923)
- Wassermannstationen (1929)
3. Alkoholismus
- Landeshauptstelle Wien zur Bekämpfung des Alkoholismus (1922)
- Trinkerfürsorgestelle (1925)
III. Bekämpfung und Verhütung der akuten übertragbaren Krankheiten
- Städtischer Krankentransport
- Infektionsbetten
- Quarantänestation
- Desinfektionsanstalten
- Hygienische Untersuchungsstelle[84]

Die Gesundheitsvorsorge für Erwachsene umfasste vor allem Maßnahmen/Bereiche wie die Tuberkulosefürsorge, Krankenhäuser, die Armenkrankenpflege, die Trinkerfürsorge, sowie einige andere Einrichtungen wie etwa Ambulatorien und Beratungsstellen für Geschlechtskrankheiten, Eheberatungen, Wassermannstationen, Beratungsstellen für Nerven- und Gemütskranke, etc. Als vorbeugend können die Ermutigung zu Sport, die Trinkwasserkontrolle, die Beseitigung sanitärer Missstände, die Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, Desinfektionen und Impfungen gelten.[85]

Bei der Armenkrankenpflege wurden in Wien wohnhafte Bedürftige von Armensprengelärzten kostenlos behandelt und erhielten vom Fürsorgeinstitut Unterstützung bei der Beschaffung von Medikamenten sowie therapeutische Behelfe (seit Ende 1925 auch Insulin für Zuckerkranke). Diesen ärztlichen Dienst versahen insgesamt 100 Ärzte.[86]

Die Trinkerheilstätte, 1925 eingerichtet, um dem zunehmenden Alkoholismus entgegenzutreten, erfreute sich großen Zuspruchs. Der leitende Arzt hatte nach der Untersuchung des Alkoholikers eine geeignete Behandlung einzuleiten sowie durch Beratung der Angehörigen alles dazu zu tun, das Problem des Patienten in den Griff zu bekommen. Der größte Teil der Hilfe suchenden Menschen bewegte sich in der Altersgruppe von 40 bis 49 Jahren. Einen Erfolg kann man dieser Einrichtung nicht absprechen, da von Jahr zu Jahr die Menge derer stieg, die als vollständig geheilt und abstinent bezeichnet werden konnten. Selbst wo dem Patienten an sich nicht geholfen werden konnte, war es oft möglich, positiv auf die Angehörigen des Trinkers zu wirken, indem man die Kinder des Süchtigen aus dieser Situation befreite (etwa durch Übergabe an die Fürsorge) oder dafür Sorge trug, die wirtschaftliche Situation der Familie zu stabilisieren.[87]

Auf Tandlers Initiative kamen einige der besten Ärzte an das Krankenhaus der Stadt Wien. Wien, als eine von nur drei Städten in Europa, erhielt dank seines Einsatzes eine Station für Krebsforschung, ausgestattet mit einer Radiumkanone. „Tandlers System der Gesundheitsfürsorge im „Roten Wien“ wurde zum Vorbild für viele andere Großstädte“.[88]

Überhaupt galt Wien in der Ersten Republik im Bereich der kardiologischen Forschung sowie in der Stoffwechselforschung als ein weltbekanntes Zentrum.[89]

In enger Beziehung zur medizinischen Fürsorge stand der hygienische Aspekt, der durch den Bau, die Modernisierung und die Verwaltung der Bäder abgedeckt wurde. Vor allem die ärmeren Schichten sollten sowohl durch niedrige Eintrittspreise als auch durch die Errichtung neuer Badeanstalten (1918: 34 Badeanstalten gegenüber 58 im Jahr 1931) Zugang zu diesen volksgesundheitlich relevanten Anstalten erlangen. Bis 1930 kam es zu einem beachtenswerten Aufschwung der Besucherzahlen: von 4,05 Millionen im Jahr 1913 auf 10,96 Millionen im Jahr 1930.[90]

Robert Danneberg bestätigt den „Trend“ der öffentlichen Badeanstalten:

Es „wird der Ausbau der öffentlichen Bäder betrieben, der in Wien wegen des Fehlens von Badeeinrichtungen in den allermeisten Häusern besondere Bedeutung hat. Seit dem Jahre 1919 sind 25 Badeanstalten neu errichtet, die bestehenden Anstalten erweitert und ausgestattet worden. Die Bademöglichkeiten sind dadurch gegenüber der Vorkriegszeit um mehr als das Doppelte gestiegen. [...] Die Bäderpreise sind so erstellt, daß nicht einmal die laufenden Betriebskosten gedeckt werden. Die Investitionen gehen vollständig zu Lasten der Gemeinde. Im Jahr 1913 haben 4,049.000 Menschen die städtischen Bäder besucht, im Jahre 1927 fast 9 Millionen Menschen.“[91]

Nur ein kleiner Teil der Wiener Haushalte verfügte über ein Badezimmer, weshalb die öffentlichen Bäder Wannenbäder und erstmals die neuartigen Duschen zur Verfügung stellten.[92]

Der von der Sozialdemokratie propagierte „Neue Mensch“ sollte für seinen Körper Sorge tragen, um einerseits den Weg aus seiner Not zu finden bzw. gegen Unterdrückung und politische Gegner kämpfen zu können, andererseits, um der – vor allem von bürgerlicher Seite vertretenen - Vorstellung eines schmutzigen und elenden Arbeiters zu widersprechen. Dazu sollte die Errichtung diverser Volksbäder, Hallen- und Freibäder beitragen, die das Ziel hatten, sowohl die Hygiene zu verbessern, als auch den Körper durch den Schwimmsport zu ertüchtigen.[93]

Als genereller Erfolg der (medizinischen) Fürsorge ist sicher zu werten, dass es im Laufe der Zeit gelang, die allgemeine Sterblichkeit unter das Vorkriegsniveau zu drücken:[94]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die medizinische Fürsorge ist dabei in engem Zusammenhang und in der Zusammenarbeit mit der allgemeinen Fürsorge zu sehen, wobei die beiden Bereiche ineinander übergangen.[95]Als Beispiel sei dafür die Wohnungspolitik genannt, die ja auf eine Verbesserung der Wohnverhältnisse ärmerer Bevölkerungsschichten abzielte. Man erkannte, dass eine hygienische und gesunde Wohnsituation Krankheiten vorbeugen konnte. Dazu meinte Stadtrat Weber: „Die gute, geräumige und helle Wohnung ist im Leben jedes Volkes ein gewichtiger Kulturfaktor. Die schlechte und dumpfe Wohnung ist der beste Krankheitsherd, sie liefert den Spitälern und Tuberkuloseheilstätten ihr unproduktives Menschenmaterial“.[96]

5.2.2. Familienberatung

Es existierten bald mehrere Stellen, an die man sich bei familiären Problemen wenden konnte. Beispielsweise dieEheberatungsstelle, bei der die beiden Ehepartner von einem Arzt beraten wurden. Besonders ging dieser dabei auf die gesundheitliche Eignung zur Zeugung sowie zur weiteren Aufzucht und Erziehung von Kindern ein. Dies steht in engem Zusammenhang mit den bevölkerungspolitischen Ansichten und Überlegungen Tandlers, der eine Hebung der Geburtenziffer anstrebte. Um eine sowohl quantitativ aber auch qualitativ bessere „Reproduktionsleistung“ zu gewährleisten, sollten vor allem Familien aus niederen Milieus im sozialen wie auch „moralischen“ Bereich eine Unterstützung und Verbesserung ihrer Lebensumstände erfahren.[97]

Die soziale Einheit der Familie eignete sich am besten, um eine gesichertes Großziehen der Kinder zu ermöglichen: „Da die Ehe und die mit ihr begründete Familie noch am ehesten eine rechtlich und materiell sichergestellte Aufzucht ermöglichen, ist die Familie nicht nur im bevölkerungspolitischen, sondern auch im fürsorgerischen Sinn die Einheit.“[98]

DieMütterberatungsstellenbefanden sich in allen Bezirksjugendämtern und in den meisten der großen Gemeindebauten. Fachärzte stellten den Müttern ihr Wissen in Fragen der Ernährung sowie der Pflege zur Verfügung und eine anwesende Fürsorgerin überprüfte später durch Haubesuche, ob die Ratschläge und Anweisungen des Arztes durch die Mutter befolgt wurden.[99]

Viele andere soziale Maßnahmen des Gesundheits- und Fürsorgewesens sind im Rahmen dieses bevölkerungs- und familienpolitischen Hintergrunds zu verstehen.[100]

5.2.3. Jugendfürsorge

Die Kinder- und Jugendfürsorge stellte Tandlers Herzensanliegen dar, da er die gefährdete Großstadtjugend als elementare soziale Gefahrenquelle sah, die auch unter Einsatz größter finanzieller Mittel beseitigt werden sollte. Dabei wurden viele Zweige der Fürsorge herangezogen, um eine gesunde und wirkungsvolle Basis bei dieser Unternehmung aufbieten zu können: in diesem Zusammenhang gilt es auch die Wohnpolitik, Otto Glöckels Erziehungswesen, die Erwachsenenfürsorge sowie das Gesundheitswesen zu sehen.[101]

Tandler zur Jugendfürsorge:

„Das Fundament jeder Fürsorge ist die Jugendfürsorge. Denn je mehr wir die Jugend befürsorgen, um so weniger werden wir es im Alter tun müssen, um so gesünder, um so lebenstüchtiger, um so beanspruchbarer für den Kampf um das Dasein wird diese Jugend sein. Was wir auf Jugendhorte verwenden, ersparen wir an Gefängnissen. Was wir in der Schwangeren- und in der Säuglingsfürsorge ausgeben, ersparen wir an Irrenanstalten. Großzügige, vollausschöpfende Jugendfürsorge ist die sparsamste Methode in der Verwaltung des organischen Kapitals, der Menschheit eines Gemeinwesens. Die Ausgaben sind ohne Zweifel produktiv, die Mühe, die Arbeit lohnen sich und schaffen Mehrwerte, die nicht einzelnen, sondern der Allgemeinheit zugute kommen. Dies ist der Grund, warum jede moderne Fürsorge, also auch die der Gemeinde Wien, ihr Hauptaugenmerk auf die Jugendfürsorge richtet.“[102]

Das prophylaktische Element dabei stellte die Einbindung in eine soziale Einheit – die Familie – dar. Beginnend mit der Geburt sollte der Jugendliche in seine Familie eingebettet werden, oder – wenn es die erzieherische Situation erforderte – aus dieser entfernt und der staatliche Fürsorge und Obhut überantwortet werden.[103]

Die Jugend- und Schulfürsorge oblag dem Jugendamt, welches umfangreiche Kompetenzen erhielt und durch die Schaffung von Bezirksjugendämtern dezentralisiert wurde.[104]Das Jugendamt befasste sich mit allen organisatorischen und grundsätzlichen Fragen der Jugendfürsorge. In nur wenigen Jahren errichtete man einen wohl gegliederten Apparat, der dermaßen ausgebaut wurde, dass er die hohen Zielsetzungen des Stadtrates Tandler erfüllen konnte.[105]

Die bereits im Rahmen der Mütterberatungsstellen erwähnten Fürsorgerinnen kamen schon in den Geburtsabteilungen der städtischen Spitäler zum Zug, wodurch die Mehrheit der Neugeborenen sofort registriert werden konnte. Jede frischgebackene Mutter bekam nach der Geburt Hausbesuch von einer Fürsorgerin. Seit 1927 erfolgte dazu auch die Bereitstellung eines Säuglingswäschepaketes. Man wollte gewährleisten, dass die Säuglingspflege hygienischer und qualitativ besser erfolgte als bisher. Befand eine Fürsorgerin die Familienverhältnisse für unbefriedigend, so konnte sie beim Jugendgericht den Antrag auf Überstellung des Kindes (oder auch mehrerer) in die städtische Kinderübernahmestelle stellen. Nicht selten wurde seitens der Fürsorgerin versucht, unter Androhung der Wegnahme des Kindes eine Besserung mangelhafter Lebens- und Haushaltsverhältnisse zu erwirken.[106]

Die Gemeinde Wien, aber auch die sozialdemokratische Organisation der „Freie Schule-Kinderfreunde“, errichteten in den ersten Jahren der neuen Republik zahlreiche Horte und Tagesstätten. Da die Gemeinde die Vormundschaft für alle außerehelich geborenen Kinder und die Fürsorge für Kinder und Jugendliche aus sozial schwächer gestellten bzw. „gefährdeten“ Familien übernahm, wurden diese städtischen Horte in das System der kommunalen Fürsorge eingebaut.

Wichtig ist zu wissen, dass der Besuch der Horte nicht mehr nur freiwillig stattfand, sondern ein gewisser Teil der Kinder zwangsweise von der Jugendfürsorge zugewiesen wurde: bei Eltern, die ihrer Pflicht nicht mehr nachkommen konnten oder als überhaupt ungeeignet zur Betreuung ihrer Kinder erachtet wurden, hielt man im Rahmen der Generalvormundschaft die Kinder dazu an, nach der Schule den Hort zu besuchen. Der Hortleiter übte die Aufgaben des Vormunds (also der Gemeinde) aus, wenn nach offiziellen Angaben „Aufsichtslosigkeit“, „Vernachlässigung der Pflege und Erziehung durch die Eltern“, „Krankheit der Eltern“, „wirtschaftliche Not“ oder auch „Schulrückstände“ vorlagen.[107]

[...]


[1]Reinhard Sieder: Zur alltäglichen Praxis der Wiener Arbeiterschaft im ersten Drittel des 20. Jahrhundert. – Habilitationsschrift, Wien 1988, S. 71.

[2]Ebd., S. 72

[3]Ebd., S. 72

[4]Ebd., S. 73.

[5]Ebd., S. 77-80.

[6]Maria Papathanassiou: Zwischen Arbeit, Spiel und Schule. – Wien: Verlag für Geschichte und Politik 1999 (Sozial- und Wirtschaftshistorische Studien, Bd. 24), S. 42.

[7]Erika Weinzierl: Geschichte der Ersten Republik bis 1927. – Wien: Selbstverlag der österreichischen Kontrollbank 1992, S. 1.

[8]Anm.: Sicherlich wäre es im wissenschaftlichen Sinn unseriös, diese Quellen – da sie ja von politischen Ideen und parteipolitischen Interessen geprägt sind – als „die“ Wahrheit zu präsentieren. Die Relativität von zeitgenössischem Material gilt es ja im Übrigen generell zu berücksichtigen. So natürlich, in besonderem Maße, auch hier. Nichtsdestotrotz können die Berichte des „Arbeiter Kalenders“ dazu beitragen, ein besseres Verständnis für die Zeit und die Lage der Ersten Republik zu ermöglichen.

[9]Österreichischer Arbeiter Kalender 1921. – Wien: Wiener Volksbuchhandlung, S. 24.

[10]Gerhard Botz: Gewalt in der Politik. – München: Fink 1976, S. 43.

[11]Manfred Seiser: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Wiener Arbeiterjugend zwischen 1918 und 1934. – Dissertation, Wien 1981, S. 42.

[12]Botz: Gewalt, S. 77.

[13]Ebd., S. 39.

[14]Arbeiter Kalender 1921, S. 24.

[15]Seiser: Arbeiterjugend, S. 21.

[16]Botz: Gewalt, S. 43.

[17]Arbeiter Kalender 1921, S. 25.

[18]Ebd., S. 25.

[19]Seiser: Arbeiterjugend, S. 73.

[20]Arbeiter Kalender 1921, S. 26.

[21]Gustav Otruba: „Bauer“ und „Arbeiter“ in der Ersten Republik. – In: Gerhard Botz/Hans Hautmann/Helmut Konrad: Geschichte und Gesellschaft. – Wien: Europaverlag 1974, S. 85.

[22]Ebd., S. 85.

[23]Österreichischer Arbeiter Kalender 1923. – Wien: Wiener Volksbuchhandlung, S. 21.

[24]Ebd., S. 21.

[25]Seiser: Arbeiterjugend, S. 46.

[26]Otruba: „Bauer“, S. 86.

[27]Seiser: Arbeiterjugend, S. 74.

[28]Österreichischer Arbeiter Kalender 1922. – Wien: Wiener Volksbuchhandlung, S. 22.

[29]Anm.: Dies ist sicherlich zu relativieren – von der Inflation waren alle Bevölkerungsschichten mehr oder weniger betroffen; nicht nur die Arbeiterschaft.

[30]Arbeiter Kalender 1923, S. 22.

[31]Ebd., S. 23.

[32]Ebd., S. 23.

[33]Ebd., S. 23.

[34]Österreichischer Arbeiter Kalender 1924. – Wien: Wiener Volksbuchhandlung, S. 20.

[35]Seiser: Arbeiterjugend, S. 74.

[36]Ebd., S. 74-76.

[37]Arbeiter Kalender 1924, S. 21.

[38]Seiser: Arbeiterjugend, S. 78.

[39]Botz: Gewalt, S. 120.

[40]Otruba: „Bauer“, S. 86.

[41]Arbeiter Kalender 1924, S. 23.

[42]Seiser: Arbeiterjugend, S. 80.

[43]Arbeiter Kalender 1924, S. 23.

[44]Arbeiter Kalender 1924, S. 22-23.

[45]Anton Hanausek (Biographie), Kap. 4, S. 12.

[46]Otruba: „Bauer“, S. 88.

[47]Proletarierjugend Nr. 1, zitiert nach: Seiser: Arbeiterjugend, S. 98.

[48]Weinzierl: Geschichte, S. 28.

[49]Erich Zöllner/Therese Schüssel: Das Werden Österreichs (5. Aufl.). – Wien: ÖBV 1982, S. 238.

[50]Otruba: „Bauer“, S. 58.

[51]Kammer für Arbeiter und Angestellte (Hrsg.): Die langfristige Entwicklung von Löhnen und Gehältern in Wien. – Wien: Verlag des österreichischen Gewerkschaftsbundes 1964, S. 16.

[52]Otto Bauer: Die wirtschaftliche und soziale Lage Österreichs. Rede auf dem Kongreß der freien Gewerkschaften Österreichs am 20. Juni 1928. – Wien: Arbeit und Wirtschaft 1928, S. 14.

[53]Botz: Gewalt, S. 88.

[54]Hanausek, Kap. 4, S. 42.

[55]Otruba: „Bauer“, S. 85

[56]Ebd., S. 84.

[57]Ebd., S. 84-85.

[58]Seiser: Arbeiterjugend, S. 135.

[59]Zöllner: Das Werden Österreichs, S. 238.

[60]Roman Sandgruber: Ökonomie und Politik: Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. – Wien: Ueberreuter 1995, S. 347.

[61]Otruba: „Bauer“, S. 85.

[62]Seiser: Arbeiterjugend, S. 47.

[63]Felix Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik der Gemeinde Wien (Bd. 1). – Wien: Jugend und Volk 1958 (Wiener Schriften, Heft 6), S. 11-12.

[64]Ebd., S. 13.

[65]Felix Czeike: Wien. – In: Erika Weinzierl/Kurt Skalnik: Österreich 1919-1938. Geschichte der Ersten Republik (Bd. 2). – Graz; Wien; Köln: Styria 1983, S. 1046.

[66]Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd. 1), S. 16-18.

[67]Ebd., S. 16-18.

[68]Franz Patzer: Streiflichter auf die Wiener Kommunalpolitik (1919-1934). – Wien; München: Jugend und Volk, ohne Jahrgang (Veröffentlichungen aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, 5. Folge), S. 19-20.

[69]Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd. 1), S. 17.

[70]Ebd., S. 17.

[71]Czeike: Wien, S. 1051.

[72]Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd. 1), S. 19-20.

[73]Ebd., S. 21.

[74]Ebd., S. 25-26.

[75]Czeike: Wien, S. 1052.

[76]Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd. 1), S. 25.

[77]Gottfried Pirhofer/Reinhard Sieder: Zur Konstitution der Arbeiterfamilie im Roten Wien. – In: Michael Mitterauer/Reinhard Sieder: Historische Familienforschung. – Frankfurt: Suhrkamp 1982 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 387), S. 329.

[78]Ebd., S. 329.330.

[79]Czeike: Wien, S. 1056.

[80]Ebd., S. 1057.

[81]Ebd., S. 1057.

[82]Wolfgang Huber: Zur Geschichte der Wissenschaften. – In: Erika Weinzierl/Kurt Skalnik: Österreich 1918-1938. Geschichte der Ersten Republik (Bd.2). – Graz; Wien; Köln: Styria 1983, S. 561.

[83]Czeike: Wien, S. 1059.

[84]Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd. 2), S. 214-216.

[85]Ebd., S. 234.

[86]Ebd., S. 189.

[87]Ebd., S. 236.

[88]Huber: Zur Geschichte, S. 561.

[89]Ebd., S. 561-562.

[90]Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd. 2), S. 257-258.

[91]Robert Danneberg: Zehn Jahre neues Wien (4. Aufl.). – Wien: Velag der Wiener Volksbuchhandlung 1929, S. 59.

[92]Inge Podbrecky: Rotes Wien. – Wien: Falter Verlag 2003, S. 62-63.

[93]Ebd., S. 62-63.

[94]Maren Seliger/Karl Ucakar: Wien. Politische Geschichte 1740-1934. 2. Teil: 1896-1934. –Wien; München: Jugend und Volk 1985, S. 1111.

[95]Czeike: Wien, S. 1058.

[96]Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd.2), S. 16.

[97]Pirhofer: Zur Konstitution, S. 330-331.

[98]Julius Tandler – zitiert nach: Pirhofer: Zur Konstitution, S. 331.

[99]Ebd., S. 332.

[100]Ebd., S. 331.

[101]Czeike: Wien, S. 1057.

[102]Julius Tandler – zitiert nach: Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd. 2), S. 168.

[103]Pirhofer: Zur Konstitution, S. 330.

[104]Czeike: Wien, S. 1058.

[105]Czeike: Wirtschafts- und Sozialpolitik (Bd. 2), S. 167.

[106]Pirhofer: Zur Konstitution, S. 332-333.

[107]Sieder: Zur alltäglichen, S. 94.

Details

Seiten
142
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640992119
ISBN (Buch)
9783640992072
Dateigröße
807 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177146
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Geschichte
Note
1
Schlagworte
kann wandel lebensverhältnissen arbeiterschaft wien

Autor

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Titel: Kann man einen Wandel bei den Lebensverhältnissen der Arbeiterschaft in Wien von 1918 bis 1929 konstatieren?