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Gewaltfreie Kommunikation - Eine Sprache des Lebens

von Rebecca Kahl (Autor) Jessica Kröll (Autor)

Hausarbeit 2011 28 Seiten

Psychologie - Methoden

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen

3. Symbole der GfK

4. Grundannahmen der GfK

5. Ziele in der Gewaltfreien Kommunikation

6. Lebensentfremdende Kommunikation

7. Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (das Vier-Schritte-Modell)
7.1 Der erste Schritt – Beobachtung / Wahrnehmung
7.2 Der zweite Schritt – Gefühle
7.3 Der dritte Schritt – Bedürfnisse
7.4 Der vierte Schritt – die Bitte

8 Der Prozess der Gewaltfreien Kommunikation

9. Potential der Gewaltfreien Kommunikation in der Sozialen Arbeit
9.1 Gewaltfreie Kommunikation im beruflichen Kontext von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern
9.1.2 Gefühle und Bedürfnisse am Arbeitsplatz
9.1.3 Grenzen und Möglichkeiten der Empathie
9.2 Das GfK-Modell in einem Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit
9.2.1 Gewaltfreie Kommunikation in der Schulsozialarbeit

10. Kritik an der theoretischen Konzeption der Gewaltfreien Kommunikation
10.1 Kritik an den Grundannahmen
10.2 Die Gewaltfreie Kommunikation sei formelhaft
10.3 Rosenberg unterscheidet nicht zwischen „privaten“ und „professionellen“ Rollen

11. Schlusswort

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mir kann man nicht so leicht Angst machen. Nicht weil ich tapfer wäre, sondern weil ich weiß, dass ich es mit menschlichen Wesen zu tun habe und dass ich so intensiv wie möglich versuchen muss, alles, was ein jeder jemals tut, zu verstehen. Und darum ging es genau heute Morgen: Es war nicht wichtig, dass ich von einem missmutigen Gestapooffizier angeschrien wurde, sondern dass ich darüber keine Entrüstung empfand und stattdessen echtes Mitgefühl mit ihm hatte. Ich hätte ihn gerne gefragt. „Hatten Sie eine sehr unglückliche Kindheit, hat ihre Freundin sie im Stich gelassen?“ Ja, er sah mitgenommen und angespannt aus, finster und dünnhäutig. Am liebsten hätte ich ihn gleich in psychologische Behandlung genommen, denn ich weiß, dass solch bedauernswerten jungen Männer gefährlich werden, wenn man sie auf die Menschheit loslässt.“ (Etty Hillesum. Tagebucheinträge aus dem KZ).

In der Geschichte der Menschheit konnte man Gewalt in ihren unterschiedlichsten Ausformungen schon immer vorfinden. Sei es individuelle Gewalt, die es beispielsweise schon beim Brüdermord von Kain an Abel gab, oder kollektive Gewalt die man in den unzähligen Kriegen im Laufe der menschlichen Zivilisation erleben konnte.

Heute begegnen uns individuelle und kollektive Gewalt beispielsweise in Form von häuslicher Gewalt oder Mobbing am Arbeitsplatz und Schulen. Eine Gesellschaft ohne Gewalt erscheint utopisch. Jeder Mensch kennt Gewalt und die meisten Menschen haben, ob bewusst oder unbewusst, auch schon selbst Gewalt angewandt. Gewalt ist also universell verständlich und bedarf keiner kulturellen Voraussetzung. Da Gewaltanwendung weder vor bestimmten Altersgruppen, kulturellen Hintergründen oder vor sog. bildungsnahen Schichten halt macht, stellt der Umgang mit dieser auch die Soziale Arbeit ständig vor neue Herausforderungen. Als Sozialarbeiter / in kann man Gewalt oder Gewaltanwendung ignorieren, verharmlosen, verurteilen oder bestrafen, man kann allerdings auch versuchen, ihr mit ganz neuen und konfrontativen Ansätzen zu begegnen.

Ebenso wie Gewalt ist auch die Kommunikation ein alltäglicher und selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens. Doch was haben Kommunikation und Gewalt gemeinsam? Wir empfinden unsere Art zu kommunizieren vielleicht nicht als „gewalttätig“ und doch entstehen die meisten Verletzungen - bei uns selbst oder bei anderen – durch Worte.

Marshall Rosenberg den Begründer der „Gewaltfreien Kommunikation“ (abgekürzt GfK) beschäftigt vor allem die Frage, wie man trotz des hohen Gewaltanteils der Gesellschaft einfühlsam bleiben kann. Er betont dass die Sprache und der Gebrauch von Worten eine zentrale Rolle spielen um diese Fähigkeit zu erreichen. Mit der „Gewaltfreien Kommunikation“ hat Rosenberg ein Konzept geschaffen, das uns bei der Umgestaltung und Veränderung unseres sprachlichen Ausdrucks und unserer Art zuzuhören hilft. Es ist ein Modell, das dabei behilflich sein kann in Konfliktsituationen friedliche Lösungen zu finden.

Die Gewaltfreie Kommunikation wird als die verlorene Sprache der Menschheit bezeichnet. Als Sprache eines Volkes, das rücksichtsvoll miteinander umgeht und die Sehnsucht hat, in Balance mit sich selbst und anderen zu leben. Wenn wir dieses Konzept in unserem Leben anwenden, dann kann es uns gelingen ganz neue Perspektiven und Türen auf allen Ebenen der Kommunikation, in allen Altersklassen und in den unterschiedlichsten Situationen im Beruf und im Privatleben zu öffnen.

Die Soziale Arbeit ist in ihrem Handeln auf die Tragfähigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen angewiesen. Daher soll in dieser Arbeit das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation dargestellt und anschließend aufgezeigt werden, wie eine solche Art der Kommunikation in der Sozialen Arbeit angewendet werden kann und welche Vorteile oder eventuell auch Nachteile die Gewaltfreie Kommunikation für diese mit sich bringt.

Damit ein Grundverständnis des Konzeptes ermöglicht wird, werden zunächst die Begrifflichkeiten Gewalt und Gewaltfreiheit erklärt sowie die Grundannahmen des Konzeptes näher erläutert. Anschließend wird die „Lebensentfremdene Kommunikation“ beschrieben. Danach werden sowohl das Konzept als auch der Prozess der Gewaltfreien Kommunikation insbesondere die Haltungen und Kerngedanken sowie das sogenannte „Vier-Schritte-Modell“ dargestellt, bevor anschließend näher auf die Ziele eingegangen wird. Darauffolgend werden die Symbole der GfK beschrieben bevor abschließend das Potential des Konzeptes für die Soziale Arbeit erläutert wird.

2. Begriffsklärungen

Was genau verbirgt sich hinter den Worten „Gewaltfreie Kommunikation“? Der Begriff ist die deutsche Übersetzung der englischen Originalzeichnung „Nonviolent Communication“. In Deutschland verwendet man statt „Gewaltfreie Kommunikation“ häufig auch Bezeichnungen wie „Giraffensprache“, „Lebensbereichernde Kommunikation“ oder „Einfühlsame Kommunikation“.[1]

Gewalt, Gewaltlosigkeit und Gewaltfreiheit sind Begriffe unter denen fast jeder Mensch etwas anderes versteht. Um Missverständnissen vorzubeugen, ist es daher wichtig, in kürze zu beschreiben, was das Konzept der GfK mit diesen Begriffen meint.

Marshall Rosenberg benutzt den Begriff – Gewaltfreiheit - im „Sinne von Gandhi: Er [Gandhi] meint damit unser einfühlendes Wesen, das sich wieder entfaltet, wenn die Gewalt in unseren Herzen nachlässt. Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als „gewalttätig“, dennoch führen unsere Worte oft zu Verletzung und Leid – bei uns selbst oder bei anderen.[2] “ Hier ist allerdings nicht von absoluter Gewaltfreiheit die Rede. Wenn Rosenberg wählen müsste zwischen Gewalt hinnehmen, was er mit Mutlosigkeit gleichsetzt, und Gewalt, würde er zu Gewalt raten, obwohl er trotzdem der Auffassung ist, dass die Gewaltfreiheit der Gewalt überlegen ist.[3] Gewaltfreiheit beschreibt also einen Zustand, bei dem die Bedürfnisse aller beteiligten Personen Beachtung finden. Legt man dies zugrunde kann man sagen, das Gewalt ausgeübt wird, wenn ein Mensch egoistisch handelt, das heißt, wenn er seine Bedürfnisse ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer durchsetzt.

Für Rosenberg bedeutet Gewalt hingegen also alles, was eine Person tut, um Macht über eine andere Person auszuüben und dazu „gewalttätige“ Mittel benutzt. Ein solches Verhalten äußert sich beispielsweise in Form von Schuldzuweisungen die Pflicht- und Schamgefühle bei anderen auslösen sowie durch rücksichtsloses und gieriges Handeln. Im weiteren Sinne führt laut ihm auch jedes System, welches eine ausgeglichene Verteilung von Ressourcen verhindert, den Zugang zu Gerechtigkeit im Sinne von Gleichberechtigung verwehrt oder gar Menschen diskriminiert aktiv Gewalt aus. Auf Ebene der verbalen Kommunikation bezeichnet Rosenberg destruktive Kritik, Vorwürfe, Generalisierungen und Vergleiche sowie moralische Urteile als gewaltvoll.[4]

Rosenberg unterscheidet außerdem zwischen „strafender Macht“ und der „beschützenden Anwendung von Macht“, wobei letztere für ihn die einzig legitime Form der Machtausübung ist. Diese äußert sich beispielsweise bei dem Versuch, Verletzungen oder Ungerechtigkeiten zu verhindern. Dies wäre der Fall, wenn ein Kind festgehalten wird, bevor es vor ein Auto läuft. Beschützende Anwendung von Macht bestraft nicht, sie möchte auch kein Leid oder Reue hervorrufen und versucht nicht andere Menschen zu verändern.[5]

Neben den Begriffen „Gewaltfreiheit“ und „Gewalt“ spielt auch der Begriff der „Empathie“ eine wichtige Rolle in der GfK. In der Wissenschaft wird mit Empathie meistens ein nach außen gerichteter Vorgang beschrieben, beispielsweise „das Erfassen der Bewusstseinsinhalte“ einer anderen Person[6] oder als „lebendige Verbindung zur Außenwelt[7].

Für Rosenberg ist Empathie vor allem ein „respektvolles Verstehen der Erfahrungen anderer Menschen[8] “ aber auch ein nach innen gerichteter Vorgang, der durch das Bewusstwerden und Annehmen der eigenen Bedürfnisse und Gefühle charakterisiert ist.[9] Er geht also davon aus, dass Empathie ein wechselseitiger Prozess zwischen Innen und Außen ist.

3. Symbole der GfK

„Die Wahrheit ist nur Wahr,

wenn auch ihr Gegenteil in ihr Platz hat.“

(Rudolph Mann)

Der Wolf

Nicht selten enden Kommunikationssituationen unbefriedigend für beide Konfliktparteien. Darum wird ermittelt, welche Sprachkomponenten Gewalt fördern und welche Faktoren Gewalt eher verringern. Gewaltfördernde Elemente können dazu führen, dass beim Gegenüber folgende Gefühle ausgelöst werden: Frustration, Enttäuschung, Druck, negative Aggression, Widerstand, Schuld, Scham oder Angst.[10]

Durch diese Sprachanteile sind Bedürfnisse des Gegenübers nicht befriedigt, was, besonders wenn die Bedürfnisse über einen längeren Zeitraum unbefriedigt bleiben dazu führen kann, dass sich die Aggressionen und der Druck verstärken und im ungünstigsten Fall an Unbeteiligten ausgelassen wird.[11]

Der Wolf ist in der Gewaltfreien Kommunikation das Symbol für die gewaltbehafteten Sprachanteile und erhält darum eine negativ besetzte Rolle. Laut Gens spricht der Wolf eine lebensentfremdende Sprache, die gekennzeichnet ist durch:

- Moralische Urteile
- Urteile darüber, was richtig und was falsch ist, gesund und krank angemessen oder unangemessen
- Analysen
- Vorurteile
- Verantwortung leugnen-die Ursache liegt beim Anderen
- Den Glauben, keine Wahlmöglichkeiten
- Forderungen
- Lob oder Strafe verdiene
- Denkweisen, die uns Schlechtigkeiten, Mangelhaftigkeit und die Notwendigkeit einer Erziehung vermitteln.
- Bilder von Erzogen sein und Gebildetsein

[12]

In dieser lebensentfremdenden Sprache werden vier sogenannte „Erziehungsmittel“ verwendet, von deren Anwendung wir uns erhoffen, dass sich unsere Gesprächspartner genau so verhalten, wie wir es von ihnen erwarten:

- Schuld: Wir halten den Menschen vor, was sie falsch gemacht haben
- Scham: Wir halten Menschen vor, was an ihnen falsch ist
- Strafe-Drohung-Rache
- Belohnung

Gens geht davon aus, dass Menschen in Situationen, in denen die Sprache von gewaltvollen Anteilen beherrscht wird, eher außer sich sind, statt sich auf ihre eigentlichen Bedürfnisse zu konzentrieren.[13]

Doch warum reden Wölfe so? Gens hat dafür folgende Erklärung:

1. Sie haben nie gelernt, sich anders zu artikulieren und geben nur die Sprachmuster weiter, die sie sich selbst abgeschaut haben und von denen sie glauben, dass sie nützlich sind. Auf diese Art lernen sie jedoch nie, aus inneren Motiven heraus, also zum Beispiel aus Verständnis oder Mitgefühl, zu handeln.
2. Gewaltsprache ist eine Befehls-Sprache und Gewalt ist ein „tragische(r) Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses“[14]. Alle Handlungen sind also letztlich nur der Versuch ein eigenes Bedürfnis mit Hilfe dieser Befehls-Sprache zu befriedigen.
3. Menschen geben die erlernte Gewalt weiter, die sie selbst erlebt haben (um ein Bedürfnis zu erfüllen).
4. Gewalt erzeugt Gegengewalt:

- Menschen, die wenig Achtung erfahren haben, können nicht achten.
- Menschen, die wenig Wertschätzung erfahren haben, können nicht wertschätzen.
- Menschen, die Gewalt erfahren, geben diese weiter.
- Gewaltmenschen haben mangelnde Empathie Fähigkeiten, sie haben zu wenig Empathie empfangen.

[15]

Um die Gewalt in zwischenmenschlichen Bereichen zu verringern, schlägt Gens vor auf die vier „Erziehungsmittel“ (Schuld, Scham, Strafe-Drohung-Rache, Belohnung) zu verzichten und stattdessen den Umgang mit Konflikten, unangenehmen Gefühlen und unbefriedigten Bedürfnissen so zu lernen, dass die Bedürfnisse des Konfliktpartners auch berücksichtigt und erfüllt werden können. Auf diese Weise würde sozialpolitisch betrachtet eine Umwelt geschaffen werden, „die günstigere Voraussetzungen für die Befriedigung der wesentlichen Bedürfnisse schafft“[16].

[...]


[1] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation#Weblinks

[2] Rosenberg 2007

[3] vgl. Rosenberg 2004, S. 61

[4] vgl. Rosenberg 2007

[5] vgl. Rosenberg 2007, S. 181ff

[6] Holz-Ebeling / Steinmetz 1995, S. 14

[7] Glasl 1999, S.39

[8] Rosenberg 2007, S. 113

[9] vgl. Rosenberg 2007, S. 149ff

[10] vgl. www. gewaltfrei forum.de/artikel/vortrag.pdf

[11] vgl. www. gewaltfrei forum.de/artikel/vortrag.pdf

[12] www. gewaltfrei forum.de/artikel/vortrag.pdf

[13] vgl. www. gewaltfrei forum.de/artikel/vortrag.pdf

[14] www. gewaltfrei forum.de/artikel/vortrag.pdf

[15] www. gewaltfrei forum.de/artikel/vortrag.pdf

[16] www. gewaltfrei forum.de/artikel/vortrag.pdf

Details

Seiten
28
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640985425
ISBN (Buch)
9783640985517
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v177085
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
Schlagworte
gewaltfreie kommunikation eine sprache lebens

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