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Der Akademisierungsprozess in der Physiotherapie und die damit verbundenen Chancen, sich auf dem Arbeitsmarkt neu zu positionieren

Hausarbeit 2011 14 Seiten

Gesundheit - Physiotherapie, Ergotherapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

3 Ein kurzer historischer Rückblick
3.1 Antike und Mittelalter
3.2 Neuzeitliche Entwicklung
3.3 Das 20. Jahrhundert - die Krankengymnastik wird bekannt

4 Die physiotherapeutische Ausbildung gemäß MPhG

5 Die Akademisierung in der Physiotherapie

6 Evidenzbasierte Praxis

7 First Contact

8 Die Akademisierungsgrade

9 Die inhaltliche Ausrichtung der Studiengänge in Deutschland

10 Welche Arbeitsfelder erschließen sich für den akademisierten Physiotherapeuten?
10.1 Weiterlaufende Tätigkeit als Physiotherapeut:
10.2 Management
10.3 Lehrtätigkeiten
10.4 Vertrieb
10.5 Medien-Öffentlichkeitsarbeit/ Verbandstätigkeit
10.6 Forschung, wissenschaftliches Arbeiten

11 Welchen Nutzen hat die Akademisierung für den Physiotherapeuten?

12 Schlussbemerkung

13 Literaturverzeichnis

14 Glossar

1 Einleitung

Die Physiotherapie in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren zunehmend verändert und setzt mit Qualitätssicherung und wissenschaftlichem Arbeiten im Gesundheitswesen neue Trends. Dieser vor allem akademische Prozess ist den therapeutischen Heilberufen vieler benachbarter europäischer Länder bereits etabliert.

Immer mehr Therapeuten streben nach ihrer Ausbildung einen akademischen Abschluss an, um sich in der Arbeitswelt der Physiotherapeuten neu zu positionieren. Durch die verschiedenen frei wählbaren Studienschwerpunkte offerieren sich neue Arbeitsmöglichkeiten für den Physiotherapeuten, die auch abseits der Behandlungsbank zu finden sind. Durch die richtige Schwerpunktsetzung kann ein akademisches Studium den Therapeuten zielgerichtet auf beispielsweise eine Managementfunktion vorbereiten. Zusätzlich steigen gleichzeitig aber auch die fachlichen Anforderungen im Markt. Die therapeutische Leitung in einem Rehabilitationszentrum zum Beispiel ist nicht mehr nur abhängig von einem guten Fortbildungsportfolio des Therapeuten, sondern verlangt zusätzlich eine Qualifizierung im betriebswirtschaftlichen Arbeitsumfeld.

Lehre, Vertrieb, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit eröffnen dem Physiotherapeuten von heute und morgen neue Handlungsfelder.

Diese Hausarbeit gibt einen kurzen historischen Rückblick der Entwicklungen, beschreibt den Akademisierungsprozess der Physiotherapie und zeigt, welche Berufschancen und Möglichkeiten einer Neupositionierung sich daraus ableiten lassen.

Im folgenden Text werden bei Personenbezeichnungen wegen der besseren Lesbarkeit grundsätzlich nur die männlichen Personen genannt; sie werden als Gattungsbegriffe verstanden, die stets auch die entsprechenden weiblichen Personen einschließen. Zitate sind hiervon ausgeschlossen.

Schlüsselwörter: Ausbildung, Akademisierungsprozess, Physiotherapie, Forschung, Bachelor, Master, Doktor, Evidenzbasierte Praxis

3 Ein kurzer historischer Rückblick

3.1 Antike und Mittelalter

Die Historie der Physiotherapie ist bis in die Antike zurückzuführen. Gab es in der geschichtlichen Entwicklung früher keine Krankengymnastik im eigentlichen Sinne, so verstanden es die Menschen, ihre Art der antiken Heilkunst in der Therapie umzusetzen.

Archäologische Funde belegen Thermalbäder in frühgeschichtlicher Zeit. Hippokrates schuf durch seine Einstellung zur Medizin erstmals eine therapeutische Kombination aus Medikamenten, Diätetik, Bewegung und Änderung der Lebensweise. Er behandelte stets den ganzen Menschen und schuf ein bio-psycho-soziales Modell.

Auch Galen, ein römischer Kollege, trug wesentliches dazu bei und konnte durch Diätetik, hygienische und therapeutische Ansätze mit Gymnastik Meilensteine setzten.

3.2 Neuzeitliche Entwicklung

Johann Christoph Friedrich GutsMuths aus Deutschland (1759-1839) und Franz Nachtegall aus Dänemark (1777-1847) entwickelten gymnastische Ansätze, die als Vorlage für den schwedischen Gründer der therapeutischen Gymnastik, Per Henrik Ling, dienten.

Albert C. Neumann (1803-1876), ein Berliner Arzt, überliefert die schwedische Gymnastik nach Deutschland und schuf als erster den Beruf des Gymnasten. Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnete er die erste Gymnastikschule für Frauen.

Gustaf Zander, ein schwedischer Kollege, entwickelte spezielle Therapiegeräte, die zur Vorsorge und Therapie gebrechlicher Leiden eingesetzt wurden.

3.3 Das 20. Jahrhundert - die Krankengymnastik wird bekannt

Durch die Kriegszeiten (Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945) wuchs der Bedarf an gymnastischen Behandlungen.

1949 kam es zur Gründung des Pflaum Verlages und somit zur Herausgabe der Zeitschrift „Krankengymnastik“, sowie zur Gründung des Zentralverbandes der krankengymnastischen Landesverbände, der ZVK. Diese Entwicklungen sind als wesentliche Meilensteine in der deutschen Berufspolitik zu sehen.

Im Jahre 1958 wurde erstmals das “Gesetz über die Berufe des Masseurs, des Masseurs und medizinischen Bademeisters und des Krankengymnasten im Bundesgesetzblatt I Nr. 47 vom 24.12.1958“[1] entschieden.

Im Jahre 1995 wurde durch die Novellierung der Begriff Krankengymnastik vom 24.12.1958 in die Physiotherapie umgewandelt. Der Grund war die Anpassung an den internationalen Sprachgebrauch und die Zusammenführung „West-Ost“, denn im Osten war der Begriff Physiotherapie schon vor der Wende üblich.[2]

4 Die physiotherapeutische Ausbildung gemäß MPhG

Die physiotherapeutische Ausbildung ist praxisorientiert und gliedert sich in 2900 Stunden theoretischen Unterricht und 1600 Stunden praktische Arbeit.[3]

Die Kombination zwischen Theorie und Praxis über die gesamte Ausbildungszeit garantiert einen reibungslosen Einstieg in die Arbeitswelt. Die fertig ausgebildeten Physiotherapeuten können somit aufgrund ihrer praxisorientierten Ausbildung beim Einstieg ihres Berufslebens schon auf Erfahrung im Umgang mit Patienten zurückblicken.

Die Prüfung, das sogenannte Staatsexamen, wird an den Berufsfachschulen über mehrere Wochen lang im Beisein von mehreren Prüfern und dem Gesundheitsamt in über dreißig Fächern geprüft. Gegenstand der Prüfungen sind alle Fächer in schriftlicher, praktischer und mündlicher Form.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Ausbildungsinhalte und ZVK-Curriculum[4]

5 Die Akademisierung in der Physiotherapie

„Die Entwicklung und Einrichtung von Studiengängen für Physiotherapeutinnen weist eine erhebliche Dynamik auf. Dadurch ergeben sich vielfältige Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.“[5]

Mittlerweile hat sich eine Vielzahl an Studienmöglichkeiten in Deutschland entwickelt. Vergleicht man die Anzahl der Studiengänge zu Beginn des Akademisierungsprozesses im Jahre 2001 in der Physiotherapie mit dem heutigen Zeitpunkt, so ist der positive Trend zur Professionalisierung deutlich zu erkennen.

Im Jahr 2001 wurden flächendeckend die ersten Studiengänge im Rahmen des Bologna-Abkommens in Deutschland eingeführt.

Heute zählen wir dreiundfünfzig verschiedene Studienmöglichkeiten (Bachelor und Master– zum Teil in Kooperation mit ausländischen Hochschulen), die in Deutschland angeboten werden. Die angebotenen Studiengänge sind meist akkreditiert oder befinden sich noch in der Akkreditierungsphase.

Im Jahre 1991 wurde „Die Arbeitsgemeinschaft der Medizinalfachberufe in der Therapie und Geburtshilfe“ (AG MTG), gegründet. Die AG MTG ist ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, OrthoptistInnen und Hebammen, die sich seit Anfang der 90er Jahre für eine einheitliche akademische Ausbildung einsetzen.

„Das Nebeneinander von Fachschulausbildung und additiven bzw. integrativen Studiengängen sowie primärqualifizierenden Modellstudiengängen kann nur eine Übergangslösung sein. Die bisherige fachschulische Ausbildung ist zukünftig durch primärqualifizierende Studiengänge für alle in der AG MTG vertretenen Berufe abzulösen.“[6]

Gestärkt durch die Berufsverbände wie den Zentralverband der Krankengymnasten/Physiotherapeuten, des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie, des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten, dem Bundesverband selbständiger Physiotherapeuten, dem Berufsverband der deutschen OrthoptistInnen und dem Bundesverband deutscher Hebammen konnte der Primärstudiengang der Physiotherapie durchgesetzt und im Jahre 2009 vom Bundestag sowie vom Bundesrat verabschiedet werden.

Seit dem Wintersemester 2010/11 bilden die ersten Primärstudiengänge Studenten zu staatlich anerkannten Physiotherapeuten mit einem akademischen Abschluss aus.

Weitere Fachhochschulen sind mittlerweile in der Planungsphase, so dass mittel- bis langfristig eine Umstrukturierung der schulischen Ausbildung auf akademisches Niveau zu erwarten ist.

[...]


[1] Hüter-Becker, Antje und Dölken, Mechthild:Beruf, Recht, wissenschaftliches Arbeiten, Georg Thieme Verlag, 2004, S. 20

[2] Vgl. Hüter-Becker, Antje und Dölken, Mechthild: Beruf, recht, wissenschaftliches Arbeiten, Georg Thieme Verlag, 2004, S. und http://de.wikipedia.org/wiki/Physiotherapie

[3] Masseur- und Physiotherapeutengesetz (MPhG)

[4] http://www.zvk.org/s/content.php?area=650&sub=709&det=711

[5] Hüter-Becker, Antje und Dölken, Mechthild: Beruf, Recht, wissenschaftliches Arbeiten. Georg Thieme Verlag, 2004, S.47

[6] http://www.agmtg.de/index.htm.

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640985807
ISBN (Buch)
9783640985739
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176984
Institution / Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
Schlagworte
akademisierungsprozess physiotherapie chancen arbeitsmarkt

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Titel: Der Akademisierungsprozess in der Physiotherapie und die damit verbundenen Chancen, sich auf dem Arbeitsmarkt neu zu positionieren