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Der Sprachgebrauch im Nationalsozialismus

Seminararbeit 2011 15 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Sprachgebrauch im Nationalsozialismus
2.1 Besonderheiten und Verwendung der Sprache
2.1.1 Stilistische Mittel
2.1.2 Umwertung und Umdeutung
2.1.3 Fazit
2.2 Politische Reden
2.3 Propaganda

3. Schlusswort

4. Literatur- und Internetquellenverzeichnis

1. Einleitung

Wir Menschen ähneln sehr den Menschenaffen. Es gibt nur wenige Unterschiede, die uns von ihnen abheben und zum Homo Sapiens machen. Das wohl bedeutendste Merkmal ist hierbei unsere komplexe Sprache, die sich vor mehreren hundert Tausend Jahren herausbildete. Der amerikanische Linguist Edward Sapir1 sagte hierzu: ÄSprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen“2 Unsere Sprache dient uns demnach primär als Kommunikationsmittel mit anderen Menschen, um ihnen unsere Gedanken und Emotionen zu offenbaren.

Aber ebenso dient uns die gesprochene und geschriebene Sprache als Medium zu unseren Gedanken: Wir schreiben Tagebuch, E-Mails oder verwenden andere Hilfsmittel wie Telefone und Computer, um anderen an den Gedanken teilhaben zu lassen. Aber wie jede Medaille hat auch das Verbreiten von Gedanken und Gefühlen seine negative Seite: Unsere Sprache besitzt eine enorme Macht, mit der man positives, aber auch sehr negatives bewirken kann. Mit Worten und Gesten kann man ein Kind loben und ermutigen, seine Fähigkeiten auszubauen, aber man kann auch von der Macht gebraucht machen und das Kind mit der Sprache demütigen, unterdrücken und psychisch terrorisieren.

Die Sprache besitzt eine enorme Macht, die zum Guten, aber auch zum Schlechten verwendet werden kann. Mit ihr kann man Informationen vermitteln, zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen, ein Bewusstsein schaffen und insbesondere Gewalt und Gefühle entstehen lassen. Der wohl schlimmste Missbrauch der Sprache im Laufe der Menschheitsgeschichte war jene zu Zeiten des Nationalsozialismus. Im Nationalsozialismus wurden diskriminierende Reden gehalten, eine neue Sprache zur Abgrenzung bestimmter Menschengruppen entwickelt und durch die Sprache in den Köpfen der Menschen einen gemeinsamen Hass gegen Juden gepflanzt. Wie die Sprache verändert wurde, warum sie eingesetzt wurde, soll nun in der folgenden Hausarbeit herausgearbeitet werden. Welche Gewalt entsteht durch die spezifische Verwendung von Sprache und wie äußerte sie sich im Nationalsozialismus? Gibt es eine überhaupt eine ‚eigene‘ Sprache im Dritten Reich?

2. Der Sprachgebrauch im Nationalsozialismus

Die Sprache fördert eine Gesellschaft mit all ihren Regeln und Normen und verbreitet zugleich innerhalb der Gemeinschaft jene Normen und Regeln. Daraus folgt, dass ein jeder automatisch unbewusst die Lehren und Vorstellungen der Gesellschaft übernimmt und sie in das eigene Weltbild integriert.3

Um diese Macht, die die Sprache innehat, ausnutzen zu können, rückt die Sprache in den Mittelpunkt politischer Strategien, um beispielsweise die Lehren von Ideologien in einer Gesellschaft zu verbreiten. Sprache dient an dieser Stelle als Instrument der Herrschaftsausübung. Wie die Sprache im Nationalsozialismus zur Geltung kommt, kann in verschiedenen Ansatzpunkten untersucht werden. Im Vordergrund sollen an dieser Stelle auf die politischen Reden, Wortneuschöpfungen und Propaganda eingegangen werden.

2.1 Besonderheiten und Verwendung der Sprache

Obwohl die Stimmung der deutschen Bevölkerung im Jahre 1943 aufgrund der andauernden britischen Bombenangriffe und der Niederlage der deutschen Armee auf einem Tiefstand sank, ist es durch die Macht der geschriebenen und gesprochenen Sprache, insbesondere durch die Propagandarede im Februar 1943 im Berliner Sportpalast durch den Redner Goebbels dazu gekommen, dass das Volk Energie und Mut tankte und Goebbels Forderungen mitreißen ließen.4 Aber auch neben der bekannten Rede Goebbels im Sportpalast gab es eine Vielzahl anderer Reden und Schriften, die durch die bewusste Verwendung von Sprache Menschen beeinflussten.

Um die Einheit der Deutschen zu untermauern, wurden zum einen in Schulen die nationalsozialistische Ideologie und Terminologie vermittelt und zum anderen im ganzen Land eine einheitliche Parteisprache verbreitet:5

ÄDabei sollten parteiorganisatorische Bezeichnungen bekannt gemacht, und - als ideologisches Ziel - festgelegte Interpretationen, Definitionen und Wertungen in der öffentlichen Sprache und schließlich in der Allgemeinsprache überhaupt durchgesetzt werden.“6

Dieses Ziel wurde von Joseph Goebbels, der am 15. März 1933 zum ÄReichsminister für Volksaufklärung und Propaganda“7 ernannt wurde, angestrebt und im Beisein der öffentlichen Presse zusammengefasst wie folgt ausgedrückt: ÄDas Volk soll anfangen, einheitlich zu denken, einheitlich zu reagieren […].“8 Hinter seiner Aussage steckt mehr, als es dein Anschein hat. Er möchte nicht nur, dass das Volk einheitlich wird, er möchte, dass das Volk nicht mehr sich selbst überlassen ist und mit vollster Sympathie und Unterstützung hinter der Regierung und damit hinter den Taten der Regierung steht. Wie die Regierung die Bevölkerung durch die Sprache manipulierte und was das Besondere an der Sprache zu jener Zeit war, folgt nun. Wie konnte es geschehen, dass durch Sprache ein Volk dazu gebracht wird, die Taten gegen die Juden zu unterstützen?

Die Sprache im Nationalsozialismus hat charakteristische Merkmale. Egal welche Rede man betrachtet, die Art und Weise etwas zu sagen ist immer die gleiche: Ob gesprochen oder geschrieben, es wird immer eine Äeinhämmernde Redeweise“9 verwendet, aus der das Einprägen der gesagten Worte resultiert. Die Sprache der Nationalsozialisten bestand aus einer Vielzahl Schlagwörter- darunter beispielsweise Volk, Führer, Rasse, Jude- und ständigen Wiederholungen bestimmter Aussagen- wie ÄDie Juden sind schuld“ oder ÄFür Führer, Volk und Vaterland“.10

2.1.1 Stilistische Mittel

Der deutsche Schriftsteller Victor Klemperer11 sagte über die Sprache und deren Wirkung im Nationalsozialismus folgendes:

Ä[D]ie stärkste Wirkung wurde nicht durch Einzelreden ausgeübt, auch nicht durch Artikel oder Flugblätter, durch Plakate oder Fahnen, sie wurde durch nichts erzielt, was man mit bewusstem Denken oder bewusstem Fühlen in sich aufnehmen musste. Sondern der Nazismus glitt in Fleisch und Blut der Menge über die Einzelworte, die Redewendungen, die Satzformen, die er ihr in millionenfachen Wiederholungen aufzwang und die mechanisch und unbewusst übernommen wurden.“12

Klemperer drückt aus, dass die Sprache es ist, die die Menschen beeinflusste: Es war nicht entscheidend, was in Reden gesagt wurde, sondern viel mehr, wie es gesagt wurde. Durch fortwährende Wiederholungen wurde das Volk nach und nach überzeugt und gefügig gemacht. Aus dem veränderten Bewusstsein resultierte anschließend ein abweichendes soziales Handeln.

Neben den Wiederholungen zeichnete sich die Sprache im Nationalsozialismus weiterhin durch verschiedene rhetorische Mittel aus. Häufig wurden in Ansprachen oder Schriften Superlative und Hyperbel verwendet. Indem innerhalb der verschiedensten Reden im Nationalsozialismus Wörter wie zum Beispiel die gängigsten Begriffe Äeinmalig, einzigartig, gigantisch, historisch, radikal, total, ungeheuer, unerschütterlich“13 verwendet wurden, wurde das Volk motiviert, mit voller Kraft und Mut in die glorreiche Zukunft zu sehen und neue Höhepunkte und Siege anzustreben. Die Übertreibungen in Reden bewirkten bei den Zuhörern, dass diese von der Unerschütterlichkeit des Landes überzeugt in die Zukunft sahen und dem Land nacheiferten, um mit ihren Ä[…] historische[n] Schlachten in die Geschichte […]“14 einzugehen. Begriffe aus dem Militär wurden in die Sätze integriert, um beim Leser und Hörer Bewegung und Dynamik auszulösen.

Ebenso erfuhr die Sprache zu Zeiten des Nationalsozialismus insofern eine Wandlung, dass neue Worte gebildet wurden, bestehende Wörter eine neue Umwertung erfahren haben und spezielle Wörter immer wieder wiederholt wurden und somit als charakteristisch für diese Zeit anzusehen sind.15

Unter den Wortneubildungen gab es zwei wesentliche Untergliederungen. Zum einen wurden bisher bekannte Begriffe mit verschiedenen Präfixen, darunter ÄVolk“, ÄRasse“16, ÄNS“ oder ÄReich“17, verbunden, sodass Wortneuschöpfungen entstanden sind, wie unter anderem ÄVolksschädling, Volksempfänger, Volkswille, Reichsparteitag, Reichswehr, Reichshauptstadt, Rassenschande, Rassenhygiene, Rassenlehre“18,ÄNS-Frauenschaft, NS- Studentenbund, Reichsgeschäftsstelle oder Reichstag.“19 Die Wortneuschöpfungen hatten den Sinn, Menschen auszugrenzen, aber auch eine Einheit entstehen zu lassen.

[...]


1 VGL: URL: http://www.hyperkommunikation.ch/personen/sapir.htm (25.06.2011).

2 URL: http://www.netzgestalten.de/Frank.Hartmann/Sapir-Whorf.htm (25.06.2011).

3 Vgl. Straßner, S. 18.

4 Vgl. Brandenburg, S. 4.

5 Vgl. Schmitz-Berning, URL: http://www.bpb.de/themen/0WXLST,0,Sprache_und_Sprachlenkung_im_Nationalsozialismus.html (25.06.2011).

6 Ebenda.

7 Ebenda.

8 Ebenda.

9 URL: http://www.schulzeux.de/deutsch/vortraege-handouts/viktor-klemperer-und-die-sprache-des- nationalsozialismus_lti_kompletter-vortrag-referat.html (27.06.2011).

10 Ebenda.

11 URL: http://mitglied.multimania.de/wienpoet/LTI.html (27.06.2011).

12 Ebenda.

13 Ebenda.

14 Ebenda.

15 Vgl. Schwertfeger, S. 4.

16 Zeddies.

17 Schwertfeger, S. 4.

18 Zeddies.

19 Schwertfeger, S. 4.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640983964
ISBN (Buch)
9783640984084
Dateigröße
946 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176978
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Nationalsozialismus Sprache Sprachgebrauch Macht Missbrauch

Autor

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Titel: Der Sprachgebrauch im Nationalsozialismus