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Unterrichtsstunde: Martin Luther und der Weg in die Reformation

LA Gymnasium, 7./8. Klasse

Unterrichtsentwurf 2011 17 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Bedingungsanalyse

II Sachanalyse

III Didaktische Analyse

IV Ziele des Unterrichts

V Methodische Analyse

VI Durchführung des Unterrichts

VII Literaturverzeichnis

VIII Anhang
VIII.1 Tafelbild
VIII.2 Quelle
VIII.3 Arbeitsblatt Lebenslauf Luther
VIII.4 Folie Musterbeispiel Tafelbild

I Bedingungsanalyse

Im Rahmenplan des Landes Mecklenburg-Vorpommern[1] für die Sekundarstufe I an Gymnasien ist die Beschäftigung mit der Person Martin Luther, zwischen der 7. und 8. Klasse, obligatorisch im Sachgebiet „Glaubensspaltung und Glaubenskriege“ verankert.[2] Die Schülerinnen und Schüler[3] be- finden sich folglich zwischen dem 13. und 14. Lebensjahr. In dieser Phase kann bereits von einer abgeschlossenen kognitiven Entwicklung[4] ausgegangen werden, was begünstigt, dass abstraktes Denken und das Ziehen von logischen Schlussfolgerungen, vorauszusetzen sind. Durch das Errei- chen der Pubertätsphase kann durch die problematisierte Thematik womöglich ein produktiver Bei- trag zur intrinsischen Motivation geleistet werden, da durch die Auflehnung gegen die Obrigkeit bzw. die gesetzgebende Macht, wenn auch Jahrhunderte übergreifend, ein Bezug zur persönlichen Gegenwart geknüpft werden kann. Eine Binnendifferenzierung wird hierbei nicht unumgänglich sein, da in jeder beliebigen Klasse von SuS des oberen, mittleren und unteren Leistungsniveaus aus- gegangen werden muss. Ebenso sollte man SuS anderer Religionen als dem Christentum, die geson- derte Möglichkeit zur eigenen Ansicht und Auffassung einräumen. Durch das bereits thematisierte Alter der SuS kann ebenfalls angenommen werden, dass sich zumindest ein geringer Teil, im Be- reich der Christenlehre in Hinblick auf die bevorstehende oder absolvierte Konfirmation, intensiv mit dem Thema Religion auseinandersetzt.

Durch Vorwissen der vorangegangenen Stunden können bereits Aussagen über die Krise der katho- lischen Kirche im Mittelalter zur Verflechtung der Kirche mit der Politik und zum Ablasshandel ge- troffen werden. Martin Luther und seine Einleitung der Reformation positionieren sich hierbei in den Kontext. Angedacht ist ein Stundenvolumen von einer Unterrichtsstunde. Dabei soll auf Luthers Leben, seine Lehre und Ansichten und die daraus resultierende Reformation eingegangen werden. Im weiteren Unterrichtsverlauf würde sich eine anschließende Problematisierung des Bauernkrieges und des Augsburger Religionsfriedens anbieten. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend könnte dann in den Themenkomplex des 30-jährigen Krieges und den dadurch hervorkommenden Westfälischen Frieden übergeleitet werden. Auf diese Weise wäre das gesamte Sachgebiet der „Glaubensspaltung und Glaubenskriege“ bearbeitet.

II Sachanalyse

Mit dem 31. Oktober 1517 setzte eine Folge von Umwälzungen ein, die bis heute historische Eckdaten fundieren. Angefangen bei den lutherischen Thesen selbst, über einen revolutionären Religionsfrieden, bis hin zu einem Krieg, der Europa jahrzehntelang vereinnahmen sollte. Martin Luther als Wegbereiter der Reformation. Die Reformation als Zäsur der europäischen Zeiteinteilung - der Übergang vom kirchlich dominierten Mittelalter hin zur Neuzeit.

Die Rolle des Martin Luther lässt sich bisweilen nicht eindeutig bestimmen: einerseits die Rolle als Schöpfer neuer Denkweisen und Weltansichten; andererseits als Zerstörer der kirchlichen Einheit und Ordnung des Mittelalters.[5] Die Reformation gilt als historischer Umbruch, da hier erstmals re- volutionäre Charakteristika zu Tage traten. Somit wird bisweilen die Meinung vertreten, Luther habe die Revolution erst gesellschaftsfähig gemacht.[6] Dabei muss aber hinterfragt werden, wie viel Anteil Luther tatsächlich an der Reformationsentwicklung hatte, oder ob nicht etwa andere Refor- matoren einen gleichzusetzenden Einfluss auf die Geschehnisse 1517-1522 hatten.

Martin Luther wird anfangs als unterwürfiger Mönch, dann als aufstrebender Dozent mit Professur in Wittenberg betrachtet. Geschockt von einer Gelehrtenreise nach Rom 1510/11 beginnt er eine ei- gene Meinung zur Bibelauslegung und dem Treiben mit Ablass zu entwickeln.[7] Durch seine intensi- ve Bibelarbeit vertrat er die Auffassung, dass allein der Glaube und die Gnade Gottes dem Men- schen zum ewigen Seelenheil verhelfen. Als er am 31.10.1517 seine 95 Thesen veröffentlicht, trifft er damit nicht nur den sogenannten „Nerv der Zeit“, er hat dadurch von Beginn an die Zustimmung des Volkes/des gemeinen Mannes auf seiner Seite. Doch eine Opposition im Volk zu schaffen oder gar die gesamte Glaubensmanifestation zu erschüttern, war nie durch ihn beabsichtigt.[8] Da er sich als frommer Mönch allein Gott und nicht einer vermenschlichten Inkarnation unterstellt sah, begann er unfreiwillig zu rebellieren. Die Kirche, mit Papst Leo X. als Oberhaupt, sah sich seit Thesenver- öffentlichung durch Luther bedroht. Um dem Treiben um Luthers Thesen Einhalt zu gebieten, musste sich dieser 1518 in Augsburg einem Glaubensprozess unterziehen, der durch den Papstge- sandten Kardinal Cajetan vollzogen wurde. Dem Befehl zu widerrufen, widersetzte sich Luther un- ter der Begründung, er würde nur dementieren, wenn er durch die Heilige Schrift widerlegt werden könne.[9] Da sich der Papst nun zum Handeln gezwungen sah, belegte er Luther 1521 mit der päpstli- chen Bannbulle. Martin Luther war somit exkommuniziert und von der Kirche ausgeschlossen.

III Didaktische Analyse

Wie bereits in der Bedingungsanalyse geschildert, kann die thematische Behandlung der Reformation aus einer vorhandenen intrinsischen Motivation seitens der SuS schöpfen. Eingegliedert in einen vielschichtigen Themenkomplex, wird das enorme Potenzial sichtbar, um dem Thema der Glaubensspaltung Tiefe zu verleihen. Durch das bereits bekannte Gefühl der Unterdrückung und Untergebenheit, kann das Unterrichtsthema für SuS zugänglicher gemacht werden. Der Bildungsinhalt der Thematik bezieht sich auf die exemplarische Bedeutung für SuS, da sie an klare Ablaufstrukturen einer beginnenden Umwälzung, im weitergeführten Sinne einer Revolution, herangeführt werden. Dadurch kristallisiert sich auch die Relevanz der ausgewählten Bildungseinheit heraus: das Erkennen der historischen Zäsur, die spätere/folgende Auflehnungen gegen vorgegebene Machtinstitutionen erst ermöglichte. SuS soll aufgezeigt werden, dass weltgeschichtliche Komponenten sich gegenseitig beeinflussen und bedingen.

Die reformatorische Thematik ist im Lehrplan[10] verankert, weil es vor allem im „Heiligen Römi- schen Reich deutscher Nation“ des beginnenden 16. Jahrhunderts die Neue Zeit einleitete und den Weg für spätere Aufklärung und moderne Wissenschaft ermöglichte. Durch Martin Luther wird erst- malig die seit Jahrhunderten existierende religiöse Grundordnung angezweifelt, in Frage gestellt und kritisiert. Die immanente Wichtigkeit des Themenkomplexes der Reformation besteht vor allen Dingen darin, dass die Auswirkungen bis in die heutige Zeit anhalten: beispielsweise die Zelebrie- rung des Reformationstages am 31. Oktober jeden Jahres als Feiertag in den fünf ostdeutschen Bun- desländern[11]. Auch die aus der Reformation resultierende Kirchenspaltung, in evangelische und ka- tholische Konfessionen, ist anhaltend vorhanden. Mit etwa 1,9 Milliarden Menschen bezeichnen sich rund ⅓ der Weltbevölkerung als gläubige Christen: dabei spricht man, bei 1,25 Milliarden (ca. 65%)von Katholiken undbei 600 Millionen (ca. 35%) von protestantisch Gläubigen. Eben jene Fak- ten sollen SuS verdeutlichen, dass die Geschehnisse um Martin Luther und die Reformation nicht nur Ereignisse waren, die unsere eigene Nation nachhaltig prägten, sondern die sich bis heute auf die gesamte Weltgeschichte auswirken und dadurch in der Gegenwart immer noch existent sind.

Den SuS soll offen dargelegt werden, dass feststehende Grundordnungen in der Gesellschaft nicht zwangsläufig unantastbar bzw. unumstößlich sind, sondern fordern, jederzeit hinterfragt zu werden. Dabei kann exemplarisch der geschichtliche Verlauf zum Beispiel der Verhütung angeführt werden und die dadurch entstehende Unabhängigkeit der Frau: Von dem anfänglichen Fehlen einer Verhü- tung[12], über die Einführung der Pille 1961, hin zum 1974 verabschiedeten Abtreibungsgesetz, bis zur aktuellen Gesetzverabschiedung zur Präimplantationsdiagnostik 2011 ist hier zu sprechen.

Durch Gegenwartsbezug wird den SuS verdeutlicht, dass die Frage des Glaubens in der heutigen Zeit oftmals als Auslegung für kriegerische Handlungen missbraucht wird. So erfolgt beispielsweise in Libyen ein Machtmissbrauch durch Religion; im Iran sind die Fundamentalisten durch Verschiebung der Religionsfrage seit 1980 an der Macht und üben Terror auf das Volk aus; beim israelisch-palästinensischen Konflikt steht zwar die Glaubensfrage im Vordergrund, aber wird stetig durchzogen vom Kampf um territoriale Verteilung.

Grundlegend muss den SuS bewusst gemacht werden, dass es wichtig ist Kritik zu üben, Gesetzmäßigkeiten nicht als gegeben hinzunehmen und Missstände aufzudecken, aber dass das Anbieten von Alternativen und oder Kompromissen ebenso zu diesem Prozess gehört - dieses Denken und Verhalten ist Ausdruck der aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und es gilt die SuS darauf vorzubereiten und zu sensibilisieren.

IV Ziele des Unterrichts

Jede Unterrichtsstunde sollte nach Möglichkeit den Anspruch erheben, die vier sich bedingenden Bereiche der Handlungskompetenz eines jeden Schülers zielorientiert abzudecken. Die Entwicklung der Sozialkompetenz wird im Bereich der Unterrichtsstunde „Luther und der Weg in die Reformation“ dahingehend geschult, dass die SuS innerhalb der Gruppenarbeit ein gemeinsames Arbeiten mit ihren Mitschülern erlernen bzw. festigen. Des weiteren wird in diesem Zusammenhang der Erwerb von Rücksichtnahme auf Ideen und Vorstellungen anderer positiv beeinflusst. Durch das explizite Verweisen auf Schlagwortbildung bzw. Überschriftenfindung sehen sich die SuS angehalten, sich an vereinbarten Regeln zu orientieren.

Die Selbstkompetenz wird in der Gruppenarbeit weiter ausgebaut, da leistungsstarke SuS den leis- tungsschwächeren SuS erklärend und hilfestellend zur Seite stehen um somit auch die eigene Leis- tung voranzutreiben. Durch gemeinsames Auswerten und Vergleichen im Unterrichtsverlauf erwer- ben die SuS die Fähigkeit mit eigenen Erfolgen und Misserfolgen umzugehen, da die zu erfahrenen Fakten an der Tafel gesammelt werden und somit eine Selbstkontrolle erfolgt. Durch die Hausaufgabenstellung wird die Methodenkompetenz gefördert, da die SuS den Lebens- strahl Luthers vervollständigen und sie dadurch angehalten sind, sich Informationen über Luthers Leben zu beschaffen und diese in einen logischen Kontext zu bringen.

[...]


[1] Einsehbar durch: http://www.bildungsserver-mv.de/download/rahmenplaene/rp-geschichte-7-10-gym-02.pdf.

[2] Nach http://www.bildungsserver-mv.de/download/rahmenplaene/rp-geschichte-7-10-gym-02.pdf, S.26.

[3] Im Folgenden unter der Bezeichnung „SuS“ - für „Schülerinnen und Schüler“.

[4] Hierbei wird sich auf das Entwicklungsmodell Jean Piagets zur kognitiven Entwicklung bezogen.

[5] Nach Steigertahl, Hans-Joachim: Stundenblätter Reformation und Gegenreformation, Glaubenskriege. Sekundarstufe I, Stuttgart 1993, S.9.

[6] Nach Reinhard, Wolfgang: Probleme deutscher Geschichte. 1495-1806. Reichsreform und Reformation. 1495-1555, Stuttgart 102004, S.263.

[7] Nach Genthe, Hans Jochen: Martin Luther. Sein Leben und sein Denken, Göttingen 1996, S.81ff.

[8] Nach Reinhard, Wolfgang, S.263.

[9] Nach Kaufmann, Thomas: Martin Luther, München 2006, S.51ff.

[10] Siehe http://www.bildungsserver-mv.de/download/rahmenplaene/rp-geschichte-7-10-gym-02.pdf.

[11] Hierbei ist die Rede von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

[12] Bei dieser Thematisierung ist die Bedeutung und Meinung von Kirche und Papst ebenfalls sehr interessant zu be- trachten.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640993789
ISBN (Buch)
9783640995967
Dateigröße
994 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176857
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
unterrichtsstunde martin luther reformation gymnasium klasse

Autor

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Titel: Unterrichtsstunde: Martin Luther und der Weg in die Reformation