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Das Management des kulturellen Wandels

Forschungsarbeit 2011 23 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Das Management des kulturellen Wandels

Zusammenfassung

Dieses Paper kontextualisiert das Management des Wandels im Spannungsfeld zwischen einem geschlossenen tradierten, vergangenheitsdeterminierten und einem zukunftsdeterminierten, offenen Raum-Zeit-Bewusstseinshorizont, deren Synergie nachhaltigen Wandel herbeiführen kann und der kein Nullsummenspiel für die Akteure der einen Welt und somit nachhaltiger ist.

Stichwörter

Restriktiver Raum-Zeit-Bewusstseinshorizont, extensiver Raum-Zeit-Bewusstseins-horizont, Bewusstheit, Synergie, psychologisch-relational-struktureller Wandel.

Obsta initiis.

Tempora mutantur et nos mutamur in illis.

Man sollte keine Weltuntergangsstimmung durch negative Wahrnehmung und Prognose gesellschaftlicher Szenarien verbreiten, weil man somit unter Umständen sich selbst erfüllende Prophezeiungen beflügeln könnte. Es gibt aber Szenarien, in denen bereits seit vor der Jahrtausendwende unter anderem sich abzeichnende bürgerkriegsartige Zustände in unseren Breiten und eine Finanzkrise als Vorboten eines 3. Weltkrieges prognostiziert wurden. Derartige seherische und hellseherische Prognosen sind aber nur schwer wissenschaftlich validierbar. Mit größerer wissenschaftlichen Validierbarkeit kann man aber von der Annahme ausgehen, dass wir nicht nur in einer physischen, sondern auch in einer Bewusstseinswelt leben. So wie die physischen planetaren und die finanzwirtschaftlichen Systeme teilweise augenblicklich interagieren, scheint es auch mit dem Bewusstseinsraum zu sein. Und wenn die Welt, wie maßgebliche Physiker wie beispielsweise der Mikrophysiker Erwin Schrödinger, nahelegen, dass die Welt gewissermaßen nur ein Bild in unserem Geist zu sein scheint und dass diese unabhängig von unserer Wahrnehmung nicht zu existieren scheint, dann müssen wir das Bewusstsein als Ursache und als Hebel für das Management der Phänomene zumindest miteinbeziehen.

Rechenschaftspflichtigkeit gibt es daher sowohl, wie man mittlerweile erkannt hat, im Bereich der Umweltpolitik und des Umweltrechtsverständnisses, als auch im Bereich des globalen Finanzwesens, das man gegenwärtig aufgrund seiner globalen Vernetzung finanzkrisenpräventiv zu reglementieren bemüht ist. Von derselben Rechenschaftspflichtigkeit sollte man auch, wenn auch in scheinbar weniger tangibler Form, im geistigen Bereich des Bewusstseins ausgehen. Physische, virtuelle und geistige Wechselwirkungen sind verschiedene Ebene und Manifestationen weltweiter Interdependenz. Das mutmaßliche Primat des Bewusstseins sollte man aber im Hinblick auf die Ursachenforschung gewiss nicht ignorieren.

Stuttgart, London, Madrid, Athen, Paris vor nicht allzu langer Zeit - die sozialen Konflikte mögen von diversen Akteuren entsprechend ihrer Werte divers gedeutet werden, doch sie alle haben Defizite im Bereich der geistig-materiellen Interdependenz gesellschaftlicher Akteure gemeinsam.

Im Klima und Kontext eines global vernetzten Bewusstseins lassen sich klassische soziale Konflikte nicht mehr durch die Fortschreibung überkommener Methoden lösen und sie somit ersticken und verdrängen, um im business as usual Modus fortzufahren. Bewusstseinsbewusste Realpolitik würde erfordern, dass man den Blickwinkel der Vergangenheit von der Zukunft her in der lebendigen Gegenwart synergetisch integriert.

Dies erfordert eine Erweiterung des Blickwinkels, der nachhaltige Handlung in einem erweiterten Zeit-Raum-Bewusstseinskontext ermöglicht. Diese Neukontextualisierung im Hinblick auf ein globales Management des Wandels hin zu einer Welt muss zunächst auf der Ebene der Erkenntnis, der Sensibilisierung und der Bewusstheitsbildung für die neue Lage der Welt stattfinden, im Wege der Sozialisierung aller Akteure für eine neue Wirklichkeit, in der die Methoden der Vergangenheit offenbar nicht mehr so richtig greifen wollen, mit dem Ziel, eine Öffnung für zukunftsorientierte Denk- und Verhaltensmuster zu bewirken.

Die ehemaligen Kolonialreiche kopieren proaktiv, mit aller ihnen zu Gebote stehenden Macht, die effektivsten naturwissenschaftlich-technischen, materiellen Systeme, Methoden und Prozesse, während deren anachronistische Jahrtausende währende Inertie unser Bewusstsein zu kolonisieren scheint, bzw. den Kräften der Vergangenheitsverhaftung mehr oder wenig bewusst Nahrung verleiht. Schließlich ist die planetare Welt interdependent und Millionen von Migranten bringen ihre kulturellen Werte in unsere wissenschaftlich-technisch modernen Gesellschaften hinein und bewirken eine Gegenkraft zur Erfordernis des Wandels, bzw. bestärken die lokalen latenten Kräfte, die dem Wandel natürlich in allen Gesellschaften entgegengesetzt sind. Es sind jedoch lediglich nur nicht verallgemeinerbare Tendenzen.

Wie immer man die Dinge auch sehen mag, es scheint eine hilfreiche Erkenntnis zu sein, dass es in der Einen Welt Wechselwirkungen sowohl innerhalb der physischen, finanziellen und Bewusstheitssysteme, als auch zwischen diesen und gleichermaßen zwischen allen Subsystemen dieser Systeme in planetarer Hinsicht gibt, was letztendlich zu einem Schmetterlingseffekt führt, der darin besteht, dass in einem globalen, vertikal (Systemebenen) und horizontal (lokal-planetar) vernetzten Raum jedes Input das Gesamtsystem mitzuprägen tendiert.

Die physische Welt funktioniert nach physischen Gesetzmäßigkeiten. Die Bewusstseinswelt tut das nicht weniger nach ihren Gesetzmäßigkeiten, mit dem Unterschied, dass der mehr oder weniger freie Wille diese Gesetzmäßigkeiten des Bewusstseins mitprägt, weniger ihr Dasein, als vielmehr ihre Auswirkung. Es besteht ein Unterschied hinsichtlich des Grades der Determiniertheit. Die physischen Systeme sind deterministischer, die menschlichen dagegen sind aufgrund der Singularität der menschlichen Freiheit indeterministischer.

Dieser Sachverhalt, der dadurch gekennzeichnet ist, dass menschliches Verhalten zu wirksamem oder nicht-nachhaltigem sozialem Management und einem Management des Wandels führen kann, muss zwangsläufig eine Ethik der Verantwortung begründen, insbesondere seitens jener, denen das soziale Management aufgrund rechtlich-politischen Empowerments obliegt.

Wenn diese mit Befugnis ausgestatteten Akteure jedoch ihren Bewusstseinshorizont zeit-räumlich limitieren, kann ein Konflikt mit dem nunmehr erweiterten oder erweiterungsbedürftigen Bewusstheitskontext entstehen: Fragmentierung, soziale Stratifizierung und Fragmentierung innerhalb und zwischen sozialen Systemkomponenten sind die Folge. Ein Zeit-Raum-Bewusstheitskontext, der in der Vergangenheit wirksam zu sein schien, erfüllt nicht mehr die Erfordernisse eines neuen Zeit-Raum-Bewusstseinskontexts. Er erfordert eine zeitgemäße Aktualisierung im Lichte eines neuen Zeit-Raum-Bewusstseinskontinuums.

Im neuen Kontext reagieren jene, die sich faktisch nun im einen Feld des einen globalen Raums befinden auf eine durch menschlichen Willen verursachte Exklusion aus dem einen Feld des einen Raums und fordern ihn zurück, den Raum der Inklusion im und die Partizipation am einen Raum in physischer, materieller und geistiger Hinsicht. Es ist im neuen Kontext der Interdependenz schwieriger geworden, die Vergangenheit lokal, regional und global fortzuschreiben und Exklusion ohne eine Reaktion des wechselwirkenden einen Zeit-Raum Bewusstseinsfeldes zu betreiben. Eine „Physik der Geistes“ bewirkt eine Reaktion entsprechend der Inputs der Akteure, ein physisch geistiger Determinismus in einem offenen interdependenten System und die Augenblicklichkeit der nunmehr beschleunigten Wechselwirkungen führt zu schnelleren Reaktionen als in früheren Zeiten. So können kurzfristig neue unvorhergesehene gesellschaftliche Szenarien entstehen. Der planetare, integrierte Raum-Zeit-Bewusstheitskontext interagiert nun mehr synchron als diachron wie es in der Vergangenheit der Fall war. Dieser andere Zeit-Raum-Bewusstheitskontext konnte in früherer Zeit von den Regierenden zu ihrem Vorteil benutzt werden.

Durch die Integration der drei Komponenten in dem neuen Kontext hat eine Verlagerung des Kräftegleichgewichts zu den vormals aus diesem nunmehr integrierten Raum Ausgeschlossenen stattgefunden, was die Regierenden mehr und mehr zwingt, in Kategorien des neuen zeit-räumlich-bewusstheitsmäßig integrierten Kontextes zu denken und nicht etwa Methoden fortzuschreiben, die an den Faschismus zu erinnern scheinen, wie es hierzulande von dem S21 Schlichter in Baden-Württemberg angemahnt wurde. Dem neuen integrierten Kontext ist in lokaler, nationaler, regionaler, europäischer, geopolitischer, sowie auch weltwirtschaftlicher Hinsicht, durch eine diesem neuen kulturellen Kontext der menschlichen Zivilisation entsprechende integrative Ethik und Rechenschaftspflichtigkeit aller Akteure gerecht zu werden, wenn die lokal-regional-globalen Systeme mit ihren Subsystemen Bestand haben sollen. So lautet eine ethische Prämisse des Managements des Wandels hin zu einem planetaren, mehr und mehr interdependenten System Einer Welt mit den beiden Aspekten der räumlichen Erweiterung und der beschleunigten Interdependenz der Prozesse im einen planetaren Gesamtsystem, das wiederum nicht unabhängig von einem kosmologischen Zeit-Raum-Bewusstseinsfeld ist. Wenn somit der kosmologische und planetare Kontext im lokalen präsent sind, gilt es hier auf der ganz natürlichen menschlichen Ebene im Lichte dieser erweiterten Erkenntnis entsprechend ethisch-rechenschaftspflichtig zu handeln und keine opportunistische Abseitspositionierung aus persönlicher Bequemlichkeit zu beziehen, die die Interdependenz im neuen Einheitsfeld negiert, insgeheim aber die Interdependenz als Erfüllungsgehilfe für die eigene Habsucht nutzen und unsoziale Verhältnisse fortschreiben möchte. Das gilt umso mehr für die gesellschaftstragenden Akteure, die ja aus dieser Interdependenz im einen Feld persönlichen Nutzen in mancher Hinsicht ziehen wollen, während sie bisweilen versuchen, andere Mitakteure im Einheitsfeld psychologisch zu distanzieren, um ihre vergangenheitsdeterminierten Privilegien in die Zukunft hinüberzuretten.

Im institutionellen und organisationalen Bereich gibt es derzeit den Versuch, den Wandel von einem vergangenheits- zu einem zukunftsdeterminierten Raum-Zeit-Bewusstheitskontext herbeizuführen, eine sozialverträgliche, möglicherweise synergetische Brücke zu schlagen, die das Bewährte des Alten bewahrt und das erforderliche Neue im Lichte der neuen Lage von der Zukunft her bestimmt - und somit keine einfache Fortschreibung der Vergangenheit ist - möglichst ohne Verwerfungen und Brüche ineinander integriert: Wandel statt Bruch und Einbruch, soziale Fragmentierung und somit weitere Exklusionen, die den Reaktions- und Konfliktspiralen im einen, erweiterten Feld Nahrung und Auftrieb geben. Ein Tauziehen im Kräftegleichgewicht der Akteure zeichnet sich ab. Die Ausgeschlossenen aus der umfassenden Partizipation am einen Raum, dem sie angehören, fordern ihren Raum zurück, den die über Formen der Macht Verfügenden mit aller Macht für sich beanspruchen. Ob der gesellschaftliche Wandel sich dem neuen integrierten Kontext entsprechend nachhaltig vollziehen kann hängt von der Erkenntnisfähigkeit, insbesondere der gesellschaftlich maßgeblichen Akteure ab, bzw. dem Grad des Zugeständnisses an deren Maßgeblichkeit durch jene, die sich ausgeschlossen fühlen. Ist das nicht in so mancher Hinsicht ein Déjà-Vu, das bereits von Marx thematisiert wurde und dessen historische Verkettungen eine gesellschaftliche Altlast bis in unsere Tage sind?

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640982578
ISBN (Buch)
9783640982790
Dateigröße
757 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176786
Note
Schlagworte
restriktiver Raum-Zeit-Bewusstheitshorizont extensiver Raum-Zeit-Bewusstheitshorizont Synergie psychologisch-relational-struktureller Wandel Geopolitik culture change management time-space-consciousness

Autor

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