Lade Inhalt...

Der "Tunneleffekt" von Albert O. Hirschmann - Analyse und Erläuterung anhand von Beispielen

Essay 2011 7 Seiten

Soziologie - Allgemeines und Grundlagen

Leseprobe

1. Einführung

In diesem wissenschaftlichen Essay wird das vom amerikanischen Ökonom und Sozialwissenschaftlicher deutsch-jüdischer Herkunft Albert O. Hirschman beschriebene Phänomen des „Tunneleffekts“ analysiert und anhand Beispielen zu erläutern versucht.

Der Name des Phänomens „Tunneleffekt“ wirkt zu Beginn der Lektüre des Aufsatzes von Hirschman sicherlich ein wenig irritierend, jedoch lässt sich dieses Phänomen anhand eines anschaulichen Beispiels, welches Hirschman am Anfang seiner Ausführungen hervorbringt, illustrieren.

Dabei spricht er von einer Situation aus dem Alltag eines jeden Autofahrers: Man gerät in einem zweispurigen Tunnel in einen Stau. Zuerst nimmt man dieses Ereignis als Ärgernis wahr. Es entsteht Zeitdruck, weil man zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit ist oder noch einen wichtigen Termin wahrzunehmen hat. Plötzlich beginnen die Autos auf der Nachbarspur langsam loszurollen. Das ist der Punkt, an dem man beginnt sich an dem Erfolg der Anderen zu erfreuen, in der Hoffnung, dieses Glück erreiche einen ebenfalls und man könne auch gleich weiterfahren.

Dieses Beispiel war nur eine kurze Anregung und wird im Folgenden noch einmal aufgegriffen und weiter vertieft.

Wie auch im ersten Essay über die Stärke schwacher Bindungen nach Mark Granovetter wird hier das Phänomen des Tunneleffekts und sein Wirkungsbereich mit Hilfe von Beispielen im Entwicklungsprozess traditioneller Gesellschaften verdeutlicht und am Ende ein kurzer Bezug auf mögliche Situationen im Schulalltag versucht.

2. Der Tunneleffekt

2.1. Das Phänomens des Tunneleffekts

Der Tunneleffekt, welcher nach dem in der Einführung bereits angesprochenen Beispiel benannt ist, ist das Phänomen, dass Menschen, welche sich in schwierigen Lagen unterschiedlichster Natur befinden, durch den Fortschritt anderer, seien es Individuen, Grupperungen oder ganzer Kollektive „beflügeln“ lassen. Das heißt, es wird sich auf den ersten Blick an dem Erfolg oder Fortschritt der Anderen erfreut, jedoch wird sich letztlich nur aufgrund der sich bildenden eigenen Hoffnung erfreut, selbst von der scheinbar positiven Entwicklung profitieren zu können, auch wenn nur das eine Art Trugschluss sein kann, wie sich später zeigen wird.

Zu Anfang seines Aufsatzes führt Hirschman das bereits angesprochene Beispiel vom Stau im Autotunnel an, was nun mit Hilfe eines eigenen, alltäglichen und etwas „augenzwinkernden“ Beispiels zu illustrieren versucht wird.

Jeder kennt die folgende Situation: Es ist Samstagnachmittag, Sie sind bereits spät dran und dann so etwas: Stau! – Sei es in einem Tunnel, wie im Beispiel von Hirschman erwähnt, oder auf einer mindestens zweispurigen Bundes- oder Schnellstraße. – Die Blechkolonne steht und da bewegt sich ganz und gar nichts. Auf einmal klingelt Ihr Mobiltelefon. Wer ist daran? – Die Schwiegermutter – Sie fragt Sie erzürnt und mit geladener Stimme, wo man denn bleibe, da Sie ja eigentlich schon vor einer viertel Stunde bei ihr zum Kaffeetrinken erscheinen wollten, da sonst der Kaffee kalt würde. Sie versuchen Sie am Telefon zu beruhigen und erklären ihr die Situation. Natürlich zeigt diese für Ihre Situation keinerlei Verständnis und bezichtigt Sie alsbald der „faulen Ausrede“. Nach kurzer, aber hitziger Diskussion scheinen die Wogen dann doch geglättet und ihre temperamentvolle Schwiegermutter scheint besänftigt – vorerst.

Doch dann… Plötzlich fangen die Vehikel auf der Spur links neben Ihnen zu rollen. Sie verspüren plötzlich ein inneres Gefühl der Erleichterung und als immer mehr Autos neben Ihnen und dann sogar vor Ihnen auf Ihrer Spur zu rollen beginnen sogar einsetzenden Freude. Jedoch freuen Sie sich in Ihrem tiefsten Inneren nicht direkt über den Fortschritt der Anderen, sondern letzten Endes nur über ihren möglicherweise daraus resultierenden eigenen Profit, Ihre Schwiegermutter wohl nicht weiter zu erzürnen und noch „halbwegs“ pünktlich bei ihr zu erscheinen. Da sich der Stau nun auflöst, schaffen Sie es immerhin noch gerade mit dreißigminütiger Verspätung Ihre Schwiegermutter zu konsultieren, woraufhin sich diese dann doch – wenigstens partiell – verständnisvoll erscheint.

Aber es hätte es auch anders kommen können: Löste sich der Stau trotz anfänglicher „Vorfreude“ durch das Rollen der Autos doch nicht auf, sondern verharrte die Blechkarawane wie bisher und riefe schließlich Ihre garstig-plärrende Schwiegermutter erneut an, Ihnen Vorwürfe zu machen, zeigte sich wohl die trügerische Seite des Phänomens Tunneleffekts, denn Ihre anfängliche Erwartung würde letztlich nicht erfüllt.

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640981830
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176718
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Soziologie Theorie Grundlagen Hirschman Tunneleffekt

Autor

Zurück

Titel: Der "Tunneleffekt" von Albert O. Hirschmann - Analyse und Erläuterung anhand von Beispielen