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Currency Carry Trades als Anlageform

Seminararbeit 2010 22 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wirkungsweise von Currency Carry Trades
2.1 Theoretische Grundlagen
2.2 Bedeutung auf dem Geldmarkt und aktuelle Entwicklungen

3 Chancen und Risiken von Currency Carry Trades
3.1 Renditemöglichkeiten durch Einflussfaktoren
3.1.1 Wechselkursentwicklung
3.1.2 Performance des Investitionsobjekts
3.1.3 Zinsänderungschance
3.1.4 Weitere Renditefaktoren
3.2 Spezifische Renditerisiken
3.2.1 Wechselkursrisiko
3.2.2 Anlagerisiko
3.2.3 Zinsänderungsrisiko
3.2.4 Sonstige Risiken

4 Anlageform für spekulative Investoren
4.1 Hedge- Fonds als Hauptakteure
4.2 Banken im Eigenhandel
4.3 Sonstige mögliche Anleger

5 Empirische Befunde

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Internationale Kapitalbewegungen

Abbildung 2: Aktuelle Leitzinsen von 2000 bis 2010

Abbildung 3: Kapitalverwaltung und Anzahl von Hedge- Fonds

Abbildung 4: Rendite von hypothetischen Currency Carry Trades

1 Einleitung

Die Finanzwelt hat sich seit den 1990er Jahren grundlegend geändert. Der traditionelle Bankbetrieb, charakterisiert durch die Vergabe von Krediten und der sicheren Verzinsung der Einlagen, hat sich zu einem innovativen, renditestrebenden und oftmals unregulierten Konstrukt entwickelt. Das Investmentbanking ist, im Gegensatz zum alten Bankbetrieb, wesentlich gewinnträchtiger und hat branchenweite Nachahmer gefunden.1 Die derzeitige Finanzkrise spiegelt sich als Resultat vieler riskanter, spekulativer Transaktionen der Banken wieder. Auch die Currency Carry Trades sind durch die Deregulierung auf den Finanzmärkten entstanden: freie Wechselkurse und die eigenständige Zentralbankleitzinspolitik verschiedener Staaten bzw. Währungsräume machten diese Anlagestrategie erst möglich.

Diese Seminararbeit wird sich deshalb der Thematik der Currency Carry Trades widmen: Wer betreibt solche Geschäfte und wie sind diese als Anlageform zu bewerten? Als Anlageform wird von Geldanlagen in Currency Carry Trades ausgegangen, die dazu dienen das Vermögen der Anleger zu erhöhen. Auf einschlägige Anlegergruppen und Anlagestrategien in diesem Zusammenhang wird im späteren Verlauf eingegangen. Ist der Anlagefokus auf Currency Carry Trades gefallen, so lassen sich verschiedene Anlagestrategien festlegen, die in drei Grundtypen systematisiert werden: Spekulation (offene Positionen), Hedging und Arbitrage.2

Die Spekulation bezeichnet einzelne oder kombinierte Geschäfte (z.B. Aktienkäufe, Derivate- handel) mit der Erwartung auf zukünftige Entwicklungen ohne Deckungs- oder Gegenge- schäfte. Damit einher geht ein deutlich höheres Chance/ Risiko- Verhältnis.3 Im Gegensatz zum Absicherungsmotiv (Hedging) ist der Spekulant Risikonehmer und der Hedger Riskoge- ber. Dies ist eine Form des Risikotransfers.4 Der Hedger hat das Ziel Risiken aus Primärge- schäften durch Sekundärgeschäfte zu minimieren bzw. komplett zu eliminieren.5 Der Arbitra- geur hingegen nutzt im Idealfall sich ergebende kleine Preisdifferenzen im Markt und gene- riert durch schnelle Käufe und Verkäufe einen Gewinn ohne wesentlichen Kapitaleinsatz.6

Eine systematische Einordnung von Currency Carry Trades wird nach der Erläuterung der Wirkungsweise in Kapitel 2 vorgenommen. Nachdem die Wirkungsweise erläutert ist, wird in Kapitel 3 nach den Chancen und Risiken gefragt, die mit solchen Geschäften einhergehen. Kapitel 4 beleuchtet anschließend die Anlegergruppen, die vorwiegend in die Anlageform investieren. Kapitel 5 fokussiert sich auf die empirischen Befunde, insbesondere die Renditen, die mit Currency Carry Trades erzielt wurden. Abschließend wird in Kapitel 6 ein Fazit gezogen und die formulierte Frage beantwortet.

Zunächst wird nun auf die Wirkungsweise und die theoretischen Grundlagen der Currency Carry Trades eingegangen.

2 Wirkungsweise von Currency Carry Trades

In der Einleitung wurde bereits geschildert, dass sowohl der Leitzins als auch der Wechsel- kurs eine wichtige Bedeutung für Currency Carry Trades haben. Diese beiden Parameter ste- hen makroökonomisch in enger Beziehung zueinander. Da Wechselkurse sich flexibel anpas- sen können, reagieren diese auf unterschiedliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen in ver- schiedenen Ländern. Die jeweilige Zentralbank kann durch die Leitzinsen die nationale Infla- tionsrate beeinflussen.7

2.1 Theoretische Grundlagen

Die ungedeckte Zinsparität ist in der volkswirtschaftlichen Theorie einer der stichhaltigsten Ansätze zur Erklärung von Währungs- und Zinsdifferenzen. Demnach gleichen sich die realen Renditen durch die jeweiligen Wechselkurse wieder aus, sodass der Investor zwischen den Alternativen indifferent ist.8 Zinsdifferenzen werden durch gegenläufige Wechselkursbewe- gungen aufgewogen. Unter diesen Bedingungen wäre eine Rendite von Null das wahrschein- lichste Resultat, wenn Investoren in Currency Carry Trades investieren. Demnach müssten Investoren, die keinen Ausgleich von Währungsdifferenzen erwarten, in ein risikoreiches Glücksspiel eintreten.9

In der Realität hingegen wiederlegen Currency Carry Trades diese Annahmen. Eine genaue, einheitliche Definition ist in der Literatur nicht vorhanden.10 Nach folgendem Schema laufen Currency Carry Trades ab und können damit eindeutig charakterisiert werden:

- Aufnahme eines Kredits oder Leerverkauf von beispielsweise Anleihen in einer Nied- rigzinswährung
- Tausch des Gegenwertes in Anlagewährung
- Anlage des erhaltenen Tauschbetrags11

Im Durchschnitt ist diese Anlagestrategie profitabel.12 Darauf wird in Kapitel 5 näher eingegangen. Ohne Währungsschwankungen erzielt diese Vorgehensweise einen sicheren Profit.13 Mit der Evidenz der Carry Trades wird die Theorie der ungedeckten Zinsparität widerlegt.14 In der Literatur wird diese Entwicklung, insbesondere in der englischsprachigen, mit den Begrifflichkeiten „uncovered interest rate parity puzzle“15, „forward rate anomaly“16 oder „forward premium puzzle“17 bezeichnet. Erklärungsansätze für die nicht konsistente Zinsparität sind unter anderem verschiedene Informationsstände. Investoren haben unterschiedliche Marktentwicklungserwartungen. Diese Informationsineffizienzen führen dazu, dass das Marktgleichgewicht nicht erreicht wird.18 Damit entsteht die Möglichkeit, Informationsvorteile zu nutzen und die Risikoprämien gehen mit höheren Renditen einher. Damit sind Currency Carry Trades eine Art Wette auf die Währungsentwicklung.19

2.2 Bedeutung auf dem Geldmarkt und aktuelle Entwicklungen

In den vergangenen Jahren sind insbesondere verschuldungs- und geldmarktbezogene Kapitalströme stark angestiegen. Dies zeigt die Abbildung 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Internationale Kapitalbewegungen.20

Insbesondere die schuldbezogenen Kapitalströme (gelbe Farbe) haben sich seit dem Jahr 2003 von circa 3 Prozent des weltweiten Bruttonationalprodukts auf 6 - 7 Prozent im Jahr 2006 verdoppelt. Ebenso die bank- und geldmarktbezogen Kapitalströme (rote Farbe) von 2 Pro- zent im Jahr 2003 bis circa 7 Prozent im Jahr 2007. Die Relevanz dieser Kapitalströme ist damit relativ bedeutend.

Ein Land mit sehr geringem Zinsniveau, welches zu Carry Trades einlud und immer noch einlädt, ist beispielsweise Japan.21 Die japanische Zentralbank macht bereits Jahrzehnte eine Leitzinspolitik, die die Geldströme, auch „Equity-Flows“22 genannt, aus dem Land heraus unterstützt. Dies drückt auf die Währungsparität und dadurch kann der Export gefördert wer- den.23

Die sogenannten „funding currencies“24, also die Refinanzierungswährungen oder Verschul- dungswährungen für Currency Carry Trades, waren in den vergangenen Jahren insbesondere der japanische Yen und die Schweizer Franken.25 Die Abbildung 2 zeigt die aktuellen Leitzin- sen des Eurolandes, USA, Japan und Großbritannien im Vergleich und belegt die Attraktivität des Yen als Verschuldungswährung in den vergangenen Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aktuelle Leitzinsen von 2000 bis 2010.26

Im Jahr 2009 waren hingegen der US- Dollar und das britische Pfund als Verschuldungswäh- rung attraktiv.27 Momentan zeichnet sich wieder die Entwicklung zum Yen ab, da in den USA spätestens im Herbst steigende Zinsen erwartet werden. In Japan wird prognostiziert, dass die Zinsen weiterhin bei nahezu null Prozent verbleiben.28 Mit 0,1 Prozent Zinsen in Japan und 0,25 Prozent Zinsen in der Schweiz zeichnet sich ein Trend zu den traditionellen Verschul- dungswährungen ab.29 Je nach Wechselkurs kann sich ein Vor- oder Nachteil zu Gunsten oder Ungunsten der Verschuldungswährung entwickeln, denn die Gesamtrendite der Anlage ist entscheidend. Daher kann keine generelle Aussage über den typischen Currency Carry Trade gegeben werden.

[...]


1 vgl. Zeit Online (2010): o.S.

2 vgl. Bitz, M./ Stark, G. (2008): S. 343

3 vgl. Bitz, M./ Stark, G. (2008): S. 344f.

4 vgl. Peetz, D. (2007): S. 111

5 vgl. Bitz, M./ Stark, G. (2008): S. 358

6 vgl. Bitz, M./ Stark, G. (2008): S. 361ff.

7 vgl. Spremann, K./ Gantenbein, P. (2005): S. 146

8 vgl. Spremann, K./ Gantenbein, P. (2005): S. 146

9 vgl. Kohler, D. (2008): S. 1

10 vgl. Kohler, D. (2008): S. 55

11 vgl. Peetz, D. (2007): S. 143.

12 vgl. Brunnenmeier, M./ Nagel, S./ Pedersen, L. (2009): S. 313

13 vgl. Kohler, D. (2008): S. 55

14 vgl. Kohler, D. (2008): S. 21

15 Kohler, D. (2008): S. 21

16 Kohler, D. (2008): S. 21

17 Brunnenmeier, M./ Nagel, S./ Pedersen, L. (2009): S. 313

18 vgl. Jain, A. (1994): S. 85ff.

19 vgl. Kohler, D. (2008): S. 55

20 Becker, C./ Clifton, K. (2007): S. 157

21 vgl. Bundesbank (2008): S. 3

22 Spremann, K./ Gantenbein, P. (2007): S. 49

23 vgl. Spremann, K./ Gantenbein, P. (2007): S. 49ff.

24 Brunnenmeier, M./ Nagel, S./ Pedersen, L. (2009): S. 313

25 vgl. Die Presse (2009): o.S.

26 Finanzen (2010): o.S.

27 vgl. Die Presse (2009): o.S.

28 vgl. Handelsblatt (2010): o.S.

29 vgl. Leitzinsen (2010): o.S.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656037729
ISBN (Buch)
9783656038054
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176618
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
currency carry trades anlageform

Autor

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Titel: Currency Carry Trades als Anlageform