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Die Kulturtheorie Simmels am Beispiel seiner Untersuchung „Die Großstädte und das Geistesleben“ und differente Persönlichkeitsformierung in der Groß- und Kleinstadt

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Kulturtheorie Simmels anhand seiner Untersuch- ung „Die Großstädte und das Geistesleben“
2.1 Die objektive Kultur
2.2 Die subjektive Kultur
2.3 Die Diskrepanz zwischen objektiver und subjektiver Kultur

3. Die Persönlichkeitsformierungen von Groß- und Klein- städtern
3.1 Die Persönlichkeitsformierung in der Großstadt
3.2 Die Persönlichkeitsformierung in der Kleinstadt

4. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt, Unzählig Menschen schwemmen aus und ein. Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein Eintönig kommt heraus in Stille matt.“ Georg Heym,1911

Wie Georg Heym1 nahm auch Georg Simmel (1858-1918), der aus bürgerlichen Verhältnissen stammte, die Gegenwart des pulsierenden und aufstrebenden Berlins um die Jahrhundertwende war. Gekennzeichnet war dieses Milieu2 durch den raschen Ausbau des Verkehrssystems, Expansion der Industrie, der Geisteswissenschaften, des Theaters und des Wachstums der Bevölkerung (vgl. Geiss und u.a. 1996:105ff.). Beeindruckt von diesem Fortschritt und dessen Auswirkungen auf das Individuum verfasste Simmel 1903 den Aufsatz „Die Großstädte und das Geistesleben“, auf dem diese Hausarbeit beruht. Aufgrund dieses Aufsatzes wird Georg Simmel noch heute in der Stadtsoziologie geschätzt (vgl. Schöller-Schwedes 2008:651). Simmel selbst sah sich eher als Philosophen. Von einigen Zeitgenossen und Nachgeborenen wurde er sogar als der bedeutendste deutsche Philosoph seiner Zeit bezeichnet. Tatsächlich wurde Simmel vom Neukantianismus beeinflusst, sowie von Nietzsche, Schopenhauer und anderen Philosophen. Auch unterhielt er Kontakte zu Stefan George und Rainer Maria Rilke. Eine freundschaftliche Beziehung hatte er zu dem Soziologenehepaar Max und Marianne Weber. Simmel selbst bildete keine eigene Schule, beeinflusste aber trotzdem viele Soziologen und Philosophen unter anderem Ernst Bloch und Karl Mannheim. 1909 war er Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Heute zählt sein Werk zu den soziologischen Klassikern(vgl. Dörr 1993:87).

In dieser Arbeit möchte ich die Kulturtheorie Simmels anhand seines Großstadtaufsatzes darstellen, wobei ich zwischen den Begriffen objektive und subjektive Kultur unterscheiden werde, sowie deren Zusammenhang und Diskrepanzen verdeutlichen werde. Im zweiten größeren Teil dieser Hausarbeit arbeite ich die unterschiedlichen Persönlichkeitsformierungen im Milieu der Groß- und der Kleinstadt heraus. Zusätzlich zu Simmels Aufsatz „Die Großstädte und das Geistesleben“ habe ich Literatur von Soziologen wie Felicitas Dörr- Backes, Matthias Junge und David Frisby hinzugezogen.

2. Die Kulturtheorie Simmels anhand seiner Untersuchung „Die Großstädte und das Geistesleben“

Simmel geht davon aus, dass Kultur aus der Wechselwirkung von Subjekten und Objekten entsteht, wobei Objekte aus der seelischen Formung hervorgehen (vgl. Dörr 1993:52). Simmel versteht unter dem Begriff Kultur auch „den Weg der Seele zu sich selbst“ (Simmel 1986:195). Im Folgenden möchte ich die objektive, sowie die subjektive Kultur am Beispiel des Großstadtaufsatzes Simmels näher darstellen, sowie die Diskrepanzen zwischen beiden Kulturformen herausarbeiten.

2.1 Die objektive Kultur

Mit objektiver Kultur sind bei Simmel „die Dinge, die unser Leben

sachlich erfüllen und umgeben, Geräte, Verkehrsmittel, die Produkte der Wissenschaft, der Technik, der Kunst“ (Simmel 2009:620) gemeint. Dies sind Inhalte, die in den Formen des Sozialen entstanden sind und sich verobjektiviert haben. Dieser Objektivierungsprozess ist am weitesten im und durch das Geld vorangeschritten (vgl. Vester 2009:101). Als „Sitze der Geldwirtschaft“ (Simmel 1993:193) gibt Simmel die Großstädte an, die es schon seit jeher durch die „Mannigfaltigkeit und Zusammendrängung des wirtschaftlichen Austausches“ (Simmel 1993:193) waren. Die Geldwirtschaft ist zudem durch reine Sachlichkeit3 gekennzeichnet, weshalb die Verstandesherrschaft4 mit ihr im hohen Maße in Zusammenhang steht. Beidem gleich ist das Desinteresse an Individualität „weil aus dieseሾݎሿ sich Beziehungen und Reaktionen ergeben, die mit dem logischen Verstande nicht auszuschöpfen sind“ (ebd.:193). Das Geld ist nur am bloßen Tauschwert interessiert, der Qualität und Eigenart nur noch auf das ʹWievielʹ reduziert. Auch Menschen und deren Leistungen fallen dieser Objektivierung durch Arbeitsteilung und Spezialistentum5 zum Opfer „wie der Großstädter mit seinen Lieferanten und seinen Abnehmern, seinen Dienstboten“ (ebd.:194). Eine bedeutende Folge der Geldwirtschaft ist der rechnende Geist, dem das „Reduzieren qualitativer Werte auf quantitative“ (ebd.:195) zugrunde liegt. Die Komplexität des großstädtischen Lebens macht eben diesen Geist unabdingbar, denn ohne seine Exaktheit würde Chaos herrschen. Simmel macht dies mit folgendem Beispiel deutlich „Wenn alle Uhren in Berlin plötzlich in verschiedener Richtung falsch gehen würden, auch nur um den Spielraum einer Stunde, so wäre sein ganzes wirtschaftliches und sonstiges Verkehrsleben auf lange hinaus zerrüttet“ (ebd.:195). Nun möchte ich zur subjektiven Kultur kommen.

[...]


1 Dt. Schriftsteller des Expressionismus (vgl. Mettenleiter und Knöbl 2003:332)

2 Gesamtheit der natürlichen, äußeren und sozialen Umwelt, die Einfluss auf Entwicklung, Entfaltung und soziales Handeln des Individuums oder von Gruppierungen hat (vgl. (Fuchs-Heinritz u. a. 2010:444)

3 bezieht sich auf die Behandlung von Menschen und Dingen, welche zur Gleichgültigkeit gegen alles Individuelle führt (vgl. Frisby 1989:86)

4 Der Verstand befinde sich in den obersten, bewussten und durchsichtigen Schichten der Seele, wobei er die anpassungsfähigste aller inneren Kräfte sei (vgl. Simmel 1993:193)

5 Die Individuen sind durch deren Zusammendrängung und dem daraus folgenden Kampf um Abnehmer, gezwungen ihre Leistungen zu spezialisieren, was eine Bedingung der Arbeitsteilung darstellt (vgl. Simmel 1993:201). Folglich begünstigen Spezialistentum und Arbeitsteilung das Wachsen der objektiven Kultur (vgl. Junge 2009:57).

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640979332
ISBN (Buch)
9783640979493
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176602
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
kulturtheorie simmels beispiel untersuchung großstädte geistesleben“ persönlichkeitsformierung groß- kleinstadt

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Titel: Die Kulturtheorie Simmels am Beispiel seiner Untersuchung „Die Großstädte und das Geistesleben“ und differente Persönlichkeitsformierung in der Groß- und Kleinstadt