Lade Inhalt...

Der Begriff der Freundschaft bei Kant und Aristoteles

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 15 Seiten

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung oder Was bedeutet Freundschaft?

2. Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles

3. Der Begriff der Freundschaft bei Immanuel Kant

4. Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede des Freundschaftsbegriffes bei Kant und Aristoteles

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung oder Was bedeutet Freundschaft?

Viele Menschen haben versucht den Begriff der Freundschaft zu definieren. Nicht nur Aristoteles und Immanuel Kant haben ihre Ansicht von Freundschaft preisgegeben, sondern auch viele andere, wie zum Beispiel John Bell oder Siegfried Kracauer.

Bell sieht die Gleichheit als wichtigsten Aspekt der Freundschaft. Er sagt, dass Freundschaft persönlich und freiwillig sei und auf privaten Verhandlungen basiere. Auch wird Freundschaft nicht von Normen und Werten beeinflusst.

Siegfried Kracauer sieht Freundschaft als eine der engsten geistigen Verhältnisse. Für Kracauer muss „eine Übereinstimmung in den Idealen und im Welt – und Menschenbegreifen vorhanden sein.“[1]

In einem Seminar an der Universität fragte ein Dozent, was Freundschaft bedeutete. Ein Student meldete sich und sagte, dass Freundschaft keine Pflicht darstellt, sondern dass Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruht, denn man muss ein bestimmtes Gefühl empfinden, und zwar Sympathie.

Ich bin der derselben Meinung wie der Student aus meinem Seminar, denn ohne Sympathie kann für mich keine Freundschaft entstehen.

Heute muss man jedoch Freundschaften unterscheiden, denn es gibt bei Freundschaften bestimmte „Freundschaftsgrade“. Die schwächste Form der Freundschaft stellt die Bekanntschaft dar, die herausragendste Bindung ist der „Freund fürs Leben“, bei der eine sehr intensive und bedingungslose Freundschaft entsteht und die stärkste Form der Freundschaft stellt die Selbstopferung zugunsten eines anderen dar.

Der Psychologe Herb Goldberg unterscheidet Freundschaften in 3 Phasen:

1) Nutzfreundschaften: werden nur geschlossen, wenn beide Parteien voneinander profitieren.
2) Zweckfreundschaften: entstehen dann, wenn ein bestimmter Zweck verfolgt wird, wie zum Beispiel Fußballer, die den Zweck verfolgen zusammen Fußball zu spielen.
3) Freundschaft: diese 3. Phase nennt Goldberg dann die Freundschaft. Sie kommt dadurch zustande, dass Menschen zusammen kommen ohne bestimmte Zwecke, Ziele oder Nutzen zu verfolgen. Überlegenheit spielt in dieser Beziehung keine Rolle mehr, denn es ist völlig unwichtig, ob man Gewinner oder Verlierer in dieser Beziehung ist.

Das Wort Freundschaft wird ebenfalls gebraucht, wenn man über Beziehungen spricht, die man positiv einfärbt, unter anderem die Geschäftspartnerschaft bzw. Geschäftsfreundschaft oder die Brieffreundschaft.

Auch Kinderfreundschaften sind vom gemeinsamen Spiel geprägt und stellen eine Basis für den Erwerb von Sozialkompetenz dar.[2]

In dieser Hausarbeit möchte ich auf den Freundschaftsbegriff bei Aristoteles und Immanuel Kant eingehen. Als Grundlage dienen „Die Metaphysik der Sitten“ von Immanuel Kant und „Die nikomachische Ethik“ von Aristoteles.

2. Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles

Aristoteles sagt, dass die Freundschaft „im Hinblick auf das Leben höchst notwendig“[3] sei. Freundschaft hält die Gemeinschaft zusammen und es ist somit kein Rechtsschutz notwendig, denn die Menschen mögen sich und sind nicht miteinander verfeindet. Freundschaft ist aber nicht nur notwendig, sondern etwas Edles.[4]

Es gibt für Aristoteles mehrere Arten von Freundschaften. Und zwar die Nutzfreundschaften (z.B. Staatenbündnisse)[5], die sich wiederum in Lust - (z.B. Kinderfreundschaften)[6] und Wertfreundschaften (vollkommene Freundschaft) unterteilen lassen und als letztes die bedingte Freundschaft.

Zu Beginn nennt Aristoteles drei Gründe, weshalb Menschen sich befreunden, und zwar wenn etwas nützlich, wertvoll oder lustvoll ist. Allerdings kann der Mensch keine Freundschaft zu Gegenständen aufbauen, da in dieser Beziehung keine Gegenliebe existiert. Wenn man mit jemandem befreundet ist, wünscht man dem anderen Gutes. Ist dieses „Wohlwollen“, wie Aristoteles es nennt, gegenseitig, dann spricht man von Freundschaft. „Freunde müssen also […] Wohlwollen für einander empfinden und sich gegenseitig das Gute […] wünschen.“[7] Daraufhin spricht Aristoteles von den Arten der Freundschaft. Er beginnt mit den Nutzfreundschaften, die das Motiv beinhalten, einen Nutzen aus diesen Freundschaften zu ziehen. Die Menschen sind nicht befreundet, um ihres Wesens willen, sondern lediglich solange sie voneinander profitieren können. Sie versuchen einen Vorteil für sich aus der Freundschaft zu ziehen. Bei den Lustfreundschaften steht das Motiv der Lust eindeutig im Vordergrund, solange der Freund nützlich bzw. angenehm ist. Diese Freundschaften nennt Aristoteles akzidentiell, denn der Freund wird nicht deshalb geschätzt, weil er derjenige ist, den er darstellt, sondern weil er Lust verschafft. Aus diesem Grund gehen diese Freundschaften schnell auseinander. Freundschaften, die im Alter geschlossen werden, stellen meistens Nutzfreundschaften dar, wobei Freundschaften, die in jüngeren Jahren geschlossen werden, meistens Lustfreundschaften präsentieren. Denn jüngere Menschen neigen dazu, sich schnell zu verlieben und beenden dies jedoch schnell wieder. Sie haben lediglich die Lust zum Ziel und streben nach Leidenschaft und Lustvollem.

Weiterhin geht Aristoteles auf die nächste Art der Freundschaft ein, nämlich die Wertfreundschaft, die er ebenfalls vollkommene Freundschaft nennt. Er sagt, dass es die Freundschaft ist, „die der trefflichen Charaktere und an Trefflichkeit einander Gleichen.“[8] In dieser Freundschaft wünscht man dem Freund Gutes, um des Freundes willen. Und das sind, laut Aristoteles, die echtesten Freunde. Er sagt, dass diese Freundschaft unter den Menschen so lange besteht, wie sie trefflich ist. Diese Freundschaft beruht auf Gleichheit der gesellschaftlichen Werte und solange sich diese nicht ändern, bleibt die Freundschaft erhalten. Lust und Werte treten bei dieser Art von Freundschaft in den Hintergrund, denn sie sind lediglich Begleitformen, aber nicht der Grund für diese Freundschaft. Aristoteles gibt an, dass diese Form von Freundschaft sehr selten ist, da es nicht viele Menschen dieser Art gibt. Sie braucht Zeit und gegenseitiges Vertrauen.[9] Die vollkommene Freundschaft ist die einzige Freundschaft, die der Verleumdung standhält, „Denn man hört nicht leicht auf ein Gerede über den Freund, der in langen Jahren von einem selbst erprobt ist.“[10] In dieser Form gilt, dass man dem anderen vertraut und dass man nie von dem anderen denken würde, dass dieser einem Unrecht tut. Aristoteles spricht in erster Linie von einer „Freundschaft der Guten als Guten.“[11] Die Guten sind Freunde, weil sie gut sind und um ihres eigenen Wesens willen. Für Aristoteles stellt die vollkommene Freundschaft die einzige wahre Freundschaft dar.[12] Er unterscheidet jedoch die Liebe von der Freundschaft, da Liebe ein leidenschaftliches Gefühl darstellt und Freundschaft eine Grundhaltung des Charakters. Er führt das Argument an, dass man auch jemanden lieben kann, der schon tot ist. Eine Freundschaft aber kann man auf diese Art nicht aufrecht erhalten. Auch kann man nicht mit mehreren Menschen befreundet sein, denn man kann auch keine Liebesbeziehung mit mehreren führen, so Aristoteles. Aristoteles zieht daraufhin ein Fazit der Nutz– bzw. der vollkommenen Freundschaft. Er sagt, dass diese Freundschaften auf Grundlage von Gleichheit beruhen, denn beide Parteien „empfangen voneinander und wünschen einander das Gleiche“.[13]

[...]


[1] www.freundschaft-diplomarbeiten.de/1.2-Definitionen-von-Freundschaft.htm

[2] www.wikipedia.org/wiki/freundschaft

[3] Aristoteles, Nikomachische Ethik, Reclam, S. 213

[4] ebd., S. 214

[5] ebd., S. 220

[6] ebd., S. 220

[7] ebd., S. 216

[8] ebd., S. 217

[9] ebd., S. 217

[10] ebd., S. 220

[11] ebd., S. 220

[12] ebd., S. 222

[13] ebd., S. 224

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640978434
ISBN (Buch)
9783640978458
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176573
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Schlagworte
begriff freundschaft kant aristoteles

Autor

Zurück

Titel: Der Begriff der Freundschaft bei Kant und Aristoteles