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Unternehmensethik in der Marktwirtschaft am Beispiel Kinderarbeit in Entwicklungsländern

Hausarbeit 2011 20 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1. Moral
2.2. Ethik
2.3. Unternehmensethik
2.4. Kinderarbeit
2.5. Entwicklungsländer

3. Historische Entwicklung der Unternehmensethik

4. Unternehmensethik in der Marktwirtschaft

5. Das ethische Dilemma am Beispiel der Kinderarbeit in Entwicklungsländern
5.1. Maßnahmen
5.2. Globalisierung aus wirtschaftsethischer Sicht
5.3. Globaler Wertekreis
5.4. Beispiele - Unternehmensethik und Kinderarbeit
5.5. Fallbeispiele - Unternehmensethik und Kinderarbeit

6. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Globaler Wertekreis

Quelle: Wieland , J. (1999), Die Ethik der Governance

1. Einleitung

Gerade bei Aktiengesellschaften zählen für viele Kapitalgeber nur die Rentabilität des eingesetzten Geldes, Dividendenerträge und Kursgewinne um jeden Preis. Wie der Gewinn zustande kommt wird zur Nebensache. Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, Milton Friedman, schrieb schon 1970, dass die soziale Verantwortung von Unternehmen ausschließlich darin bestehe, ihren Profit zu steigern.1 Ob der Profit bspw. aus unmenschlichen Arbeitsbedingungen oder Kinderarbeit erzielt wird, blieb in der Vergangenheit häufig im Dunkeln.

In letzter Zeit ist diese Thematik stärker im öffentlichen Fokus. Diese Entwicklung hat ein Umdenken vieler global tätiger Unternehmen verursacht. Ihnen ist bewusst geworden, dass nicht nur der Preis allein eine Kaufentscheidung beeinflusst und das ausschließliche Streben nach größtmöglichem Profit nicht mehr alleine eine übergeordnete Priorität einnimmt.

Diese Entwicklung wurde auch durch Unternehmensskandale sowie weltweite soziale, ökologische und ökonomische Krisen gefördert. Zur Diskussion stehen der Umfang und die Reichweite der ethischen bzw. sozialen Verantwortung von Unternehmen, Unternehmern und Managern. Typische Fragen hierbei sind etwa: Welche Rolle sollen Unternehmen bei der Einhaltung und Durchsetzung von Menschenrechten übernehmen? Welche Verantwortung haben sie für die Einhaltung von Sozialstandards und den Schutz der Umwelt? In welchem Umfang sind Unternehmen für die Bekämpfung der Korruption verantwortlich (nur im eigenen Unternehmen oder in ihrem gesamten wirtschaftlichen Einflussbereich)? Können und sollen sich Unternehmen an der Produktion globaler öffentlicher Güter beteiligen, z.B. bei der Bekämpfung von Kinderarbeit, beim Engagement für Bildung? Sollen Unternehmen ihr Engagement primär dann entfalten, wenn damit ihren eigenen Unternehmensinteressen direkt oder indirekt, kurz- oder langfristig gedient wird oder aber unabhängig von eigenen Interessen gleichsam als Selbstzweck? Warum überhaupt moralisch sein?

Die Beantwortung dieser Fragen wird in der Literatur und Öffentlichkeit vielfältig behandelt und ist nicht Kern dieser Arbeit, soll aber die weitverzweigten Betrachtungsansätze des Themas aufzeigen.

Dass es sich bei diesen Problemfeldern um betriebliche Praxis handelt, zeigt die breite Beteiligung der privaten Wirtschaft an sozialen Initiativen wie etwa CSR-Europe2, Social Accountability SA80003, WBCSD4 oder UNGC (Global Compact)5. Im Global Compact der Vereinten Nationen haben sich bspw. fast 4000 Unternehmen freiwillig dazu verpflichtet, in ihrem Einflussbereich die Menschenrechte zu schützen, Sozial- und Umweltstandards durchzusetzen und die Korruption zu bekämpfen.

Wirtschaftsethische Diskussionen haben in Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten bei allen unterschiedlichen Akzentuierungen als Ergebnis gebracht, dass die Rahmenordnung für die Moral der einzelnen Akteure von großer Bedeutung ist. Offen und kontrovers dagegen ist die andere Frage, wodurch Akteure veranlasst werden (können), sich unter Bedingungen des Wettbewerbs im Sinne der Moral zu verhalten.6 Die drei Bereiche der ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielsetzung bilden den Grundstein der Corporate Social Responsibility (Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung). Besonders in Großunternehmen ist diese Bezeichnung mittlerweile fest in der Unternehmensführung, teilweise über eigene Abteilungen, verankert.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Unternehmensethik in der Marktwirtschaft, zieht hierfür als Beispiel die Kinderarbeit in Entwicklungsländern heran und schließt mit einer Zusammenfassung und einem Fazit.

2. Begriffsbestimmung

Es existieren eine Vielzahl verschiedenster Definitionen für die nachfolgend beschriebenen Begriffe, je nach Organisation, Standpunkt oder Denkansatz. Detaillierte Definitionen sind für diese Arbeit nicht erforderlich, daher werden nur einige beispielhaft genannt. Die Begriffe „Moral“ und „Ethik“ werden, speziell in der Wirtschaftsethik, oft synonym verwendet, hier aber klassisch unterschieden.7

2.1. Moral

Moral bezeichnet den (in der Regel implizierten) Vorrat an sozialen Regeln, an dem sich die Akteure bei ihren Entscheidungen orientieren und mit dessen Hilfe sich bestimmen lässt, ob eine Handlungsweise sozial erwünscht ist oder nicht.

2.2. Ethik

Die Ethik dagegen ist die Wissenschaft von der systematischen Überprüfung und Beurteilung von Normen, Werten und den an diesen orientierten Handlungen. Insofern stellt die Ethik eine kritische Reflexion über die Moral dar.

2.3. Unternehmensethik

Die Unternehmensethik fokussiert die Betrachtung auf den Gegenstandsbereich der Unternehmung und stellt somit auf die systematische Analyse unterschiedlicher Normen, Werte und Handlungsweisen und ihrer Folgen ab. Sie untersucht Normen und Werte, an denen sich die Handlungen der in der Wirtschaft tätigen Akteure orientieren. Dabei kann zwischen deskriptiver8, normativer9 und analytischer10 Unternehmensethik unterschieden werden.11

Nicht selten wird in diesem Zusammenhang von der sozialen bzw. der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen gesprochen.12 Dabei geht es um die Frage, welche Verpflichtungen die Unternehmen gegenüber der Gesellschaft haben. Die öffentliche Diskussion wird weitgehend von dem Vorurteil beherrscht, Marktwirtschaft mit Gewinnstreben und Wettbewerb sei unsolidarisch, und das zeige sich vor allem am Verhalten der großen Unternehmen.13

2.4. Kinderarbeit

Was unter Kinderarbeit verstanden wird, hängt davon ab, welche Personen als Kinder und welche Tätigkeiten als Arbeit definiert werden. Hierfür gibt es verschiedenste Erklärungsansätze. Ennew/Milne bezeichnen bspw. Kindheit aus anthropologischer Sicht als eine soziale Institution der jeweiligen Kultur, aus der heraus bestimmt wird, wie Kinder handeln sollen.14 Dieses Begriffsverständnis berücksichtigt aber weder den jeweiligen sozialen und kulturhistorischen Kontext noch geschlechtsbedingte Unterschiede im Entwicklungsstand, ist daher als altersbezogene Definition unzureichend. In der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion wird Kinderarbeit vor allem aus operationalen Gründen altersbezogen definiert. Die international weitgehend anerkannte Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen von 1989 definiert jede Person im Alter von unter 18 Jahren als Kind.15 Bezogen auf die vielfältigen Formen von Kinderarbeit scheint eine Definition der Arbeit von Hemmer passend: „Arbeit kann als Tätigkeit definiert werden, die nicht der Freizeit oder Bildung gewidmet ist“16. Regierungen und internationale Organisationen fassen den Begriff häufig enger. Die ILO17 (wichtigster Akteur im Kampf gegen Kinderarbeit) geht von dem Konzept ökonomisch aktiver Kinder (economically active children) in ihrer Vielzahl produktiver Tätigkeiten einschließlich unbezahlter, illegaler und im informellen Sektor geleisteter Arbeit aus, die von Personen unter 18 bzw. 15 Jahren ausgeführt wird.18 Nicht berücksichtig werden hierbei alle Formen der unbezahlten Arbeit wie bspw. Hausarbeit oder Tätigkeiten zur Kinderaufzucht, die von Millionen von Mädchen geleistet werden.19

2.5. Entwicklungsländer

Eine Klassifikation der Entwicklungsländer wird je nach Organisation, welche die Klassifikation vornimmt, nach unterschiedlichen Kriterien, bspw. Hauptgewicht auf Wirtschaft20, Humanität21 oder Entwicklungsstand22, eingeteilt.23 Hemmer untersucht ver-

schiedene Indikatoren und definiert ein Entwicklungsland wie folgt: Ein Entwicklungsland ist ein Land, das hinsichtlich seiner wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung einen relativ niedrigen Stand aufweist.24

3. Historische Entwicklung der Unternehmensethik

Die Auseinandersetzung mit Unternehmensethik und seinen Synonymen als explizitem Managementkonzept wurde nach Ansicht vieler Fachleute erstmals von Howard R. Bowen 1953 in dem Werk „Social Responsibilitys of the Businessman“ in der Literatur beschrieben. In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts dominierten Unternehmensethiker, aber zunehmend auch mit politikwissenschaftlichem und juristischem Hintergrund, die Diskussionen.25 Unternehmensethik hat, aus den USA kommend, mittlerweile auch in Europa Konjunktur bekommen. Dies ist u.a. auch daran abzuleiten, dass die internationale Diskussion in wachsendem Maße auch in nichtenglischsprachigen Zeitschriften stattfindet.26

4. Unternehmensethik in der Marktwirtschaft

Die gezielte Veränderung von institutionellen Bedingungen, bspw. die Einführung eines funktionierenden Wettbewerbs durch Privatisierung, Deregulierung, Beseitigung von Monopolen usw. kann ungeahnte Dynamiken entfachen. Besonders unter den Bedingungen der Globalisierung, wo eine rechtliche Rahmenordnung realistischer Weise auf Jahrzehnte bestenfalls in Bruchstücken erwarten werden kann, bleiben die Unternehmen gefordert, ethnische Probleme zu erfassen.27 Die Marktwirtschaft allgemein und die Unternehmen im Besonderen stehen in der Kritik. Sie gilt als unsolidarisch, sie prämiere Egoismus und Materialismus, führe zu einer Ellenbogengesellschaft und einer „Ökonomisierung aller Lebensbereiche“.28 Diese Kritik ist im Wesentlichen moralisch begründet. Das System der Marktwirtschaft mit Demokratie und Wettbewerb produziert die nationalen und internationalen Vorteile (gute, preiswerte Produkte; innovative Leis-

[...]


1 Vgl. z.B. Gauss, G (2008), S.6. oder Friedman, M.: The Social responsibility of Business is to Increase its Profits, in: The New York Times Magazine, 1970, September 13th, S.32f.

2 Vgl. dazu: CRS (Corporate Social Responsibility): www.csreurope.org.

3 Vgl. dazu: www.sa-intl.org.

4 Vgl. dazu: www.wbcsd.org.

5 Vgl. dazu: www.unglobalcompact.org.

6 Vgl. Homann, K. (2005), Globalisierung aus wirtschaftsethischer Sicht, in: Wirtschaftsethik der Globalisierung, S.7.

7 Vgl. Homann, K., Lütge, C. (2005),S.12.

8 Deskriptive Unternehmensethik: Untersuchung der Existenz und Wirkungen von Normen.

9 Normative Unternehmensethik: Begründung und Empfehlung von Normen.

10 Analytische Unternehmensethik: Untersuchung von Wertkonflikten und ethischen Diskursen.

11 Vgl. Küpper, H.-U., Picot, A. (1999), S.132-148.

12 Vgl. hierzu z.B. die Beiträge in Schneider, U., Steiner, P. (2004).

13 Vgl. Homann, K. (2007), S.5.

14 Vgl. Ennew, J., Milne, B. (1991), S. 23.

15 Vgl. UN-Kinderrechtskonvention,Teil 1, Artikel 1.

16 Hemmer, H.-R. (1997), S.2.

17 Vgl. http://www.ilo.org/global/lang--en/index.html.

18 „Economic activity covers all market production (paid work) and certain types of non-market. production (unpaid-work), including production of goods for own use.” ILO (2002), S.18.

19 Vgl. ILO (2002), S.18 und 28.

20 Definition nach Wirtschaft: Vgl. z.B.: http://search.worldbank.org/all?qterm=low+income+countries &intitle=&as_sitesearch=&as_% 20filetype=.

21 Definition nach Humanität: Vgl. z.B.: ”Least Developed Countries”: http://www.un.org/News/Press/docs /2011/dev2894.doc.htm.

22 Definition nach Entwicklungsstand: Vgl. z.B.: „Human Development Index“: http://www.welthungerhilfe.de/1395.html.

23 Eine ausführliche Beschreibung aggregierender Entwicklungsindikatoren findet sich bei Hemmer, H.-R. (2002), S.32-50.

24 Vgl. Hemmer, H.-R. (2002), S.5-31.

25 Vgl. Matten, D., Palazzo, G., Unternehmensethik als Gegenstand betriebswirtschaftlicher Forschung und Lehre - Eine Bestandsaufnahme aus internationaler Sicht, in: Scherer, A.G., Picot, A., S.52.

26 Vgl. z.B. die niederländische Filosofie in Bedrijf (seit 1990) oder die französische Revue Ethique des Affaires (seit 1995).

27 Vgl. Dölken, C. et al. (2008), S.17.

28 Vgl. Homann, K. (2008), S.25.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640979219
ISBN (Buch)
9783640979639
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176540
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
unternehmensethik marktwirtschaft beispiel kinderarbeit entwicklungsländern

Autor

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