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Die Polenfrage und das Problem der Grenzziehung in der Deutschen Nationalversammlung 1848

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 32 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1. „VÖLKERFRÜHLING“ UND POLENFRAGE

2. DIE POLENDEBATTE IN DER DEUTSCHEN NATIONALVERSAMMLUNG
2.1. DIE DEBATTE DES 24.07.1848
2.2. DER ZWEITE TAG: 25.07.1848
2.3. DER DRITTE TAG: 26.07.1848

3. RESÜMEE

ANHANG

TABELLEN

LITERATURVERZEICHNIS

EINLEITUNG

„Was ist des Deutschen Vaterland?

So nenne endlich mir das Land!

So weit die deutsche Zunge klingt

Und Gott im Himmel Lieder singt.

Das soll es sein!

Das wackrer Deutscher nenne dein.“[1]

Knapp vier Jahrzehnt nachdem Ernst Moritz Arndt dieses Gedicht „Was ist des Deutschen Va­terland?“ verfasst hatte, sollte eine demokratisch gewählte deutsche Nationalversammlung die Grundlagen für einen einheitlichen Bundesstaat legen. Eine wichtige Aufgabenstellung war dabei die Festlegung der Grenzen. Während es um Schleswig-Holstein zu einem Krieg kam, verband sich mit der Grenzziehung im Großherzogtum Posen die Hoffnung vieler Polen, einen polnischen Staat wiedererstehen zu lassen. Das Großherzogtum Posen, West- und Ost­preußen nahmen insofern eine Sonderrolle ein, dass diese Provinzen zwar staatsrechtlich zu Preußen gehörten, aber nicht zum Deutschen Bund. So musste diese komplizierte Frage be­reits ab der Frühjahrsrevolutionen die Gemüter derjenigen, die diese Provinzen im zu konsti­tuierenden Reiche sehen wollten, oder derjenigen, die sich ein Neuerstehen eines freien Polen erträumten, anheizen. Gehörte die Provinz Posen[2] mit ihrer deutsch-polnisch gemischten Be­völkerung zum Reich oder sollte dort die Keimzelle eines neuen Polens entstehen? Um diese Fragestellung, bereits damals als „Polendebatte“ bezeichnet, kam es immer wieder zu erbitter­ten Auseinandersetzungen im Parlament. Wie verlief die Polendebatte, welche Argumente be­nutzten die Parlamentarier und welche Auswirkungen hatte die Entscheidung der Deutschen Nationalversammlung? Ziel dieser Hausarbeit ist es, den Verlauf der „Polendebatte“ darzu­stellen, wichtige Aspekte zu erläutern und die Standpunkte der Gruppierungen zu kennzeich­nen.

Bei der Planung dieser Hausarbeit war es zunächst angedacht, eine kurze Einleitung über die Geschichte der Polnischen Teilungen und des preußischen Teil zu geben. Da aber die Abge­ordneten selbst in den Debatten immer wieder geschichtliche Ereignisse zur Unterstützung der jeweiligen Positionen heranzogen, erscheint es sinnvoller, diese dann zu vergleichen um so Rückschlüsse auf die Strategie der Parlamentarier zu ziehen. Auf den Verlauf der Revolution auf nationaler und internationaler Ebene wird nur dort eingegangen, wo die Auswirkungen di­rekten Einfluss auf die Polendebatte hatten. Dies war insofern notwendig, da eine Gesamtdar­stellung der Revolution vor dem Hintergrund der Polendebatte den Rahmen dieser Hausarbeit bei weitem überschreiten würde. Daher soll im ersten Abschnitt des Hauptteils ein Überblick über die frühen Debatten im Vorparlament und im Fünfzigerausschuss gegeben werden, um zu zeigen, dass einerseits ein Wandel in den Meinungen stattfand, andererseits um zu bewei­sen, dass dieses Thema bereits früh ein wichtiger Aspekt in der parlamentarischen Diskussion darstellte. Im zweiten Abschnitt nimmt die Julidebatte mit der abschließenden Abstimmung eine zentrale Rolle ein.

Wesentlich für die Abfassung dieser Hausarbeit war das Werk „Deutsche und Polen in der Re­volution 1848-1849“.[3] Da dieses Werk sowohl als Ereignisbericht als auch als Quellensamm­lung konzipiert wurde, war es möglich, direkten Zugriff auf sehr aussagekräftige Quellen zu haben. Einen guten Überblick über die Revolution bei gleichzeitiger Behandlung diese Haus­arbeitsthemas biete die Arbeit von W. Ribhegge.[4] Einen weiteren Interessanten Einblick ver­mittelt das Buch „Mit Zorn und Eifer“, da es sich hierbei um eine Sammlung von Karikaturen aus der Revolutionszeit handelt, in der die deutsche Nationalversammlung gebührend beachtet wird.[5] Hervorzuheben ist in diesem Werk, dass in der Einleitung ein kurzer aber inhaltlich schöner Überblick über Ursachen, Verlauf und Scheitern der Revolution gegeben wird. Schließlich sei noch die Dissertation von H.-J. Seepel genannt, der in seiner Arbeit das Ziel verfolgt, einen Überblick über das Polenbild der Deutschen in der ersten Hälfte des 19. Jahr­hunderts zu geben.[6] Besonderes Interesse lag hierbei in der Bearbeitung des Stimmungswan­dels gegenüber den Polen im Jahre 1848.

1 DIE FRÜHEN POLENDEBATTEN IM JAHRE 1848

Auslöser für die Revolution in Deutschland und ganz Europa wurde die Februarrevolution in Frankreich.[7] Von dort ausgehend, zündete der Funken der Revolution den deutschen Staaten, in Österreich und auch in Preußen.[8] Wie eigentümlich die Ereignisse in Preußen waren zeigt sich bereits anhand der Reaktionen der preußischen Regierung auf die Unruhen in den ande­ren Staaten Europas: König Friedrich Wilhelm IV. hatte am Morgen des 18.03.1848 den verei­nigten Landtag für den 02.04. einberufen und sich für Preußen und Deutschland zum Verfas­sungsgedanken bekannt.[9] Wie konnte es aber zu den blutigen Auseinandersetzungen kommen, wenn der König, wie in vielen anderen Kleinstaaten Deutschlands, zu Reformen von oben griff, um der Revolution von unten zuvorzukommen?

Im Verlaufe des 18.03.1848 kam es zu einer Versammlung von Menschen vor dem Berliner Schloss mit der Absicht, dem König für das erwiesene Entgegenkommen zu danken. Zwi­schenrufe und das versehentliche Lösen zweier Schüsse, ließen die Stimmung der Menge um­schlagen. So wurde aus einer disziplinierten, ruhigen Versammlung, eine aufbegehrende, kampfbereite Masse.[10] Jedoch verhinderte das Eingehen des Königs auf die Forderungen der Bürger und seine symbolische Verneigung vor den aufgebahrten Toten, dass die Kämpfe eska­lierten.[11]

Entsprechend der Proklamationen beteiligten sich neben Politikern aus Baden, Hessen, Nassau, Bayern, Württemberg auch preußische Abgeordnete an dem vom 31.03.1848­ 03.04.1848 tagenden Vorparlament. Bei den Einladungen zu diesem Vorparlament spielte die Posener Frage zum ersten Male eine größere Rolle. Nachdem bereits die Einladungen an Ab­geordnete des Deutschen Bundes ergangen war, stellte sich die Frage, ob auch das deutsche Element in den Gebieten, die außerhalb des Bundesgebiets lagen, im Vorparlament repräsen­tiert werden dürfte. Zunächst erging am 12.03.1848 an Vertreter Ost- und Westpreußens die Einladung und schließlich, auf Initiative von Karl Theodor Welcker am 20.03.1848 an Land­tagsabgeordnete[12] aus dem Großherzogtum Posen.[13] Wie umstritten die Teilnahme der drei Ab­geordneten aus dem Großherzogtum war, zeigte sich bereits am ersten Tage der Sitzung. So meinte der Abgeordnete Türke aus Westpreußen zu der Rede des Abgeordneten Junghans aus Posen:

„Der Auftrag meiner Committenten geht dahin, Sie um die Aufnahme in den Deutschen Bund zu bitten. Jetzt, wo sich russische Horden schon gegen unsere Grenzen wälzen, haben wir besonderen Grund, um diese Aufnahme zu bitten. Ich werde weiter kein Wort darüber verlieren, denn ich glaube nicht, dass es notwendig ist. Ich glaube aber, dass wir den Antrag des Redners vor mir unterstützen müssen. Ich kenne die Verhältnisse in Westpreußen und weiß, dass sie in Posen ebenso sind. Man könnte Posen in drei Teile teilen: die Tagelöhner wünschen unter deutscher Herrschaft zu stehen,; die Bauern wünschen dieselbe ebenfalls, denn die Tyrannei des polnischen Adels ist bekannt, und die Gutsbesitzer und Städte sind wie in Westpreußen vollkommen deutsch. Es wäre schrecklich, wenn das durch deutschen Schweiß erworbene Land dem Fremden übergeben werden sollte. Ich sollte meinen, dass der Deutsche mutig genug sei, zu verteidigen, was deutsche Arbeit gewonnen hat.“[14]

Darauf erwiderte der Abgeordnete Leisler aus Nassau:

„Die Grenze Deutschlands gegen Polen ist zur Sprache gekommen. Einige Redner haben verlangt, dass man ganz Posen, oder wenn ich recht verstanden habe, wenigstens diejenigen Teile, wo das deutsche Ele­ment vorherrscht, mit zu Deutschland zu ziehe. Meine Mitbrüder! Ich glaube, diejenigen, die eine Schuld aus sich geladen haben, eine heilige Schuld, sollen sie ganz und vollständig bezahlen. ... Darum muss vor allen Dingen Polen wieder hergestellt werden.“[15]

Der Abgeordnete Struve aus Mannheim bezog folgende Position:

„Meiner Ansicht nach können wir die 700000 Deutschen, die jetzt in Posen leben, nicht aufgeben. Es wäre dies ein Verrat gegen unsere deutschen Brüder. Auf der anderen Seite wollen gewiß alle gerecht sein gegen die Polen. Was aber in der Vergangenheit liegt, was nicht ungeschehen gemacht werden kann, dür­fen wir nicht ungeschehen machen wollen, weil es Unsinn wäre.“[16]

Diese ersten Diskussionen verdienen es deswegen so ausführlich betrachtet zu werden, da in ihnen bereits sämtliche Argumente erscheinen, die auch die Debatten der Folgezeit charakterisieren. Die Befürworter einer Inkorporation verfolgten die Argumentation, dass es sich nun­mehr bei Posen um deutsches Land handele, welches durch deutschen Schweiß und deutsche Arbeit erworben wurde. Es dürften die deutschen Brüder nicht im Stich gelassen werden. Es drohe ihnen und allen der Zar und Russland mit Krieg.[17] Letztlich würde auch die Mehrheit der Polen, vor allem die unteren Schichten, die deutsche Herrschaft der polnischen Adelsty­rannei vorziehen. Die Gegner gingen zunächst noch nicht auf diese Argumentationskette ein, sondern beriefen sich einzig auf die „heilige Schuld“ der polnischen Teilungen und auf die daraus erwachsene Bürde, die vollständig gesühnt werden müssten. Schließliches Ziel dieser Gruppe war es, Polen als Staat wieder erstehen zu lassen. Die dritte Position umfasst alle vor­her genannten Argumente, sowohl die der Verfechter einer Inkorporation als auch die der Gegner. In ihren Augen erschien ein Mittelweg, der sowohl die deutschen Interessen in Posen als auch das polnische Streben nach Nationalstaatlichkeit bediene, als das gerechteste und na­heliegendste Mittel.

Das Versprechen des Königs von einer „nationalen Reorganisation“ wurde während der Unru­hen im Großherzogtum Posen durch die Kabinettordre vom 14.04.1848 nach einer zu erfol­genden Teilung auf den mehrheitlich polnischen Teil beschränkt.[18]

An demselben Tage wurde in Frankfurt a.M. der Fünfzigerausschuss einberufen. Aufgabe die­ses Gremiums war, den Bundestag bis zum Zusammentritt einer deutschen Nationalversamm­lung „bei Wahrung der Interessen der Nation“ zu beraten.[19] Innerhalb des Fünfzigerausschus­ses war am 07.04.1848 eine Kommission einberufen worden, die sich eingehend mit der pol­nischen Frage beschäftigen sollte. In dem Arbeitsbericht jener Kommission vom 13.04.1848 hieß es, dass die beiden Kommissare in Berlin beauftragt werden sollen, „bei der preußischen Regierung daraufhinzuwirken, dass dieselbe Posen gegenüber eine unzweideutige und offene Politik annehme, alle polnischen Interessen offen fördere und unterstütze, ohne deswegen die Interessen der in Posen lebenden Deutschen in irgendeiner Weise preiszugeben.“[20] Auf eine Anfrage des Abgeordneten Duckwitz, was er unter „polnischer Politik“ zu verstehen habe, wurde von Seiten der Kommission erklärt, dass die preußische Regierung den Polen gestatten solle, sich durch ein regionales Komitee und unter eigenen Beamten zu organisieren. In den folgenden Reden äußern sich eine große Anzahl von Abgeordneten zujenem Kommissionsbe­richt und zur Auslegung des Begriffes „polnische Politik“ wobei die Forderungen von der Er­richtung eines selbständigen Polens (Abegg, Blum) bis zur Abänderung in „die polnische Na­tionalität sichernde Politik“ (Duckwitz, Spatz) reichten. Schließlich wurden in der Abstim­mung sämtliche Tagesordnungspunkte verworfen, dagegen aber der Antrag des Abgeordneten Freudentheil angenommen, wonach die beiden Deputierten in Berlin Erkundigungen über die Lage in Posen einziehen und hierzu einen Bericht anfertigen sollten. Eine Abstimmung über den Antrag der Kommission sollte sodann bis zur Einreichung des Berichtes verschoben wer­den.[21]

Aus diesem Verlauf wird ersichtlich, dass sich der Fünfzigerausschuss nicht mehr auf eine Er­klärung für ein freies Polen einigen konnte.[22] Dagegen wurde aber auf der Bundesversamm­lung über die Aufnahme der mehrheitlich deutschen Kreise beraten, nachdem dem Vorschlag der Teilung des Großherzogtum Posen zugestimmt worden war.[23] In den Beschlüssen vom 22.04.1848 und vom 01.05.1848 wurden zunächst insgesamt 8 Kreise vollständig, 5 teilweise, dann 11 vollständig und 6 teilweise in den Deutschen Bund aufgenommen.[24] Dieses Ergebnis war in so fern wichtig, da nun aus diesen aufgenommenen Kreisen 8 Abgeordnete zur Natio­nalversammlung entsandt werden konnten.[25]

2. DIE POLENDEBATTE IN DER DEUTSCHEN NATIONALVERSAMMLUNG 2.1. Die Debatte des 24.07.1848

Anlass für die als „Polendebatte“ bezeichnete Auseinandersetzung der Parlamentarier in der deutschen Nationalversammlung war der Bericht des Abgeordneten Stenzel für den Völker­rechtlichen Ausschuss vom 17.07.1848.[26] Der Bericht nannte als Ursache für nähere Beschäfti­gung mit diesem Thema die „...nicht unbeträchtliche Anzahl von Anträgen, Petitionen und Protestaktionen für und gegen die Einverleibung eines Teils des Großherzogtums Posen in den Deutschen Bund und die damit genau zusammenhängende endliche Anerkennung der in dem­selben Teile gewählten Abgeordneten...“.[27] Hintergrund dafür war aber auch, dass der bereits erwähnte Fünfzigerausschuss zu keiner Entscheidung über die Zulassung Posener Abgeordne­ter gekommen war. Dennoch wurden diese Abgeordneten durch deutsche Nationalversamm­lung am 05.06.1848 provisorisch zugelassen, bei gleichzeitiger Beauftragung des Völker­rechtlichen Ausschuss mit der Prüfung des Sachverhaltes.[28]

Nachdem der Bericht und die darin enthaltenen Anträge angenommen wurden, kam es am 22.07.1848 zu Reden verschiedenster Abgeordneten, die im Grunde ein starkes Deutschland und ein friedliches Zusammenleben mit den Völkern Europas wünschten.[29] In diesem Kontext stellte der Abgeordnete Ruge und 15 weiter Abgeordnete der äußeren Lin­ken vor dem Beginn der Debatte am 24.07.1848 den Antrag, die 12 Abgeordneten aus dem Großherzogtum Posen sollten von der Beratung und von der Abstimmung ausgeschlossen werden.[30]

[...]


[1] In dem Gedicht stellte Ernst Moritz Arndt in den ersten fünf Strophen die programmatische Frage, die dem Gedicht auch den Namen gab, formulierte als Antworten verschiedenste Teile des Reiches, endete aber immer wieder mit einer Verneinung und der Feststellung das des Deutschen Vaterland größer sein müsse. In der hier niedergeschriebenen sechsten Strophe fand Arndt die Antwort in der Formulierung „So weit die deutsche Zunge klingt...“. In den folgenden Strophen ist insbesondere die feindselige Abgrenzung zu den Franzosen auffallend, was auch in anderen Werken des Schriftstellers, begründet durch den historischen Hintergrund, zu finden ist.

[2] Ab 1840 wurde das Großherzogtum Posen zunehmend als „Provinz Posen“ betrachtet. Dennoch blieben viele Abgeordneten bei „Großherzogtum Posen“ oder „Posener Land“, wobei die zweite Bezeichnung die Miteinbe­ziehung des Bromberger Bezirkes offen ließ. In dieser Hausarbeit wurden diese zeitgenossisch am meisten ver­wendeten Begriffe übernommen.

[3] Deutsche und Polen in der Revolution von 1848-1849, hg. v. H. Booms; M. Wojciechowski, Schriften des Bundesarchivs, 37, Boppard am Rhein 1991.

[4] W. Ribhegge, Das Parlament als Nation. Die Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, Düsseldorf 1998.

[5] Mit Zorn und Eifer. Karikaturen aus der Revolution 1848/49. Der Bestand des Reiss-Museums Mannheim, hg. v. H. Probst; K. v. Welck, München-Berlin 1998.

[6] H-J. Seepel, Das Polenbild der Deutschen. Vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der Revolution von 1848, Uni. Diss., Kiel 1968.

[7] So auch der Titel des Bandes Revolution in Deutschland und Europa 1848/49, hg. v. W. Hardtwig, Göttingen 1998.

[8] Über Ursachen der Revolution in Österreich siehe M. Görtemaker, Deutschland im 19. Jahrhundert. Entwick­lungslinien, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, 274, Bonn 1989, S. 102-105. Zu den inne­ren Spannungen im Vielvölkerstaat: M. Botzenhart, 1848/49: Europa im Umbruch, Paderborn-München-Wien- Zürich 1998, S. 78-84, 119-139. Über die Vorgänge in den deutschen Staaten siehe ebd., S. 70-78.

[9] M. Görtemaker, Deutschlandim 19. Jahrhundert, S. 105.

[10] Ebd.

[11] Obwohl das Militär in den Straßenkämpfen die Oberhand behielt, befahl Friedrich Wilhelm IV. den Rückzug der Truppen und appellierte „An meine lieben Berliner“, wie die gleichnamige Proklamation lautete und drückte sein Sicht der Ereignisse sowie sein Bedauern aus. Die zwei Tage später erschienene Proklamation „An Mein Volk und an die deutsche Nation“ äußerte er „Preußen gehe fortan in Deutschland auf“, seine Mitwirkung an ei­ner gesamtdeutschen Ständevertretung, welche über den Schutz und die Wiedergeburt eines neuen Deutschlands beraten solle. Weiter solle jene Versammlung eine wahre konstitutionelle Verfassung einführen. Am 22.03.1848 erging eine Proklamation über die Volksvertretung und Bürgerrechte, in der der König die Umbildung Preußens in einen liberalen Verfassungsstaat versprach. Ebd., S. 106-108, dort auch die Originaltexte der Proklamationen. Über die freundschaftliche Stimmung den Polen gegenüber in den Märztagen siehe H.-J. Seepel, Das Polenbild der Deutschen, S. 171.

[12] Im Großherzogtum Posen gab es seit 1827 einen Provinziallandtag, der sich aus 48 Abgeordneten zusam­mensetzte: 24 Rittergutbesitzer (davon 21 Polen), 16 Städtevertreter (davon 2 Polen), 8 Vertreter des Bauernstan­des (keine Polen). S. Nawrocki, Die Polen unter preußischer Herrschaft 1815-1848, in: Deutsche und Polen in der Revolution 1848-1849, S. 2.

[13] H. Boberach, Die Posener Frage in der deutschen und der preußischen Politik 1848-1849, in: Deutsche und Polen in der Revolution 1848-1849, S. 19, Dokumente, S. 229. Welcker berief sich auf die Zahlreichen Petitio­nen von Deutschen aus dem Großherzogtum Posen.

[14] Ebd., Dokumente, S. 230.

[15] Ebd., S. 231.

[16] Deutsche und Polen in der Revolution 1848-1849, Dokumente, S. 231-232.

[17] Dieselbe Rücksicht musste auch den König Friedrich Wilhelm nehmen, dannjeglicher Vorstoß in Richtung polnischer Unabhängigkeit konnte Russland zur Intervention bewegen. Die „nationale Reorganisation“, die der König den Polen in seiner Kabinettordre vom 24.03.1848 versprach, sollte nur auf den mehrheitlich polnischen Teil des Großherzogtums Posen durchgeführt werden. Trotzdem konnte der König nicht sicher sein, ob er mit diesem Vorstoß noch nicht russische Interessen in ihrem in Personalunion verbundenen Königreich Polen ver­letzt hatte. H. Boberach, Die Posener Frage in der deutschen und der preußischen Politik 1848-1849, in: Deut­sche und Polen in der Revolution 1848-1849, S. 18. Vergl. H. Schmidt, Die polnische Revolution des Jahres 1848 im Großherzogtum Posen, Weimar 1912, S. 63. Dazu auch: W. Kohte, Deutsche Bewegung und preußische Politik im Posener Lande 1848-49, Posen 1931, S. 56.

[18] H. Boberach, Die Posener Frage in der deutschen und der preußischen Politik 1848-1849, in: Deutsche und Polen in der Revolution 1848-1849, S. 19-20. In diesen Zeitraum fielen die blutigen Auseinandersetzungen zwi­schen den Polen und den zur Verstärkung des V. Armeekorps herangezogenen pommerschen und schlesischen Landwehreinheiten sowie die Konvention von Jaroslawiec (Ebd., Dokumente, S. 258).

[19] Der Fünfzigerausschuss war von den Mitgliedern des Vorparlamentes gewählt worden und tagte bis zum 18.05.1848.Ebd., S. 261. Siehe auchM. Görtemaker, Deutschland im 19. Jahrhundert, S. 112-113.

[20] Deutsche und Polen in der Revolution 1848-1849, S. 261.

[21] Ebd., S. 265-266.

[22] Dazu auch H.-J. Seepel, Das Polenbild der Deutschen, S. 186-189.

[23] Die Bundesversammlung bestand aus den liberalen Regierungen der deutschen Staaten. H. Boberach, Die Posener Frage in der deutschen und der preußischen Politik 1848-1849, in: Deutsche und Polen in der Revolution 1848-1849, S.21.

[24] Ebd., S. 21. Die entsprechenden Dokumente ebd., Nr. 56, 64, S. 289, 313. Siehe dazu auch die Karte im Anhang.

[25] Die Wahlen wurden in zwei Wahlgängen am 01.05. und 08.05.1848 durchgeführt. Durch weitere Beschlüsse über die Ostverschiebung der deutschen Bundesgrenze, so über die Inkorporation der Stadt und Festung Posen und dessen Hinterland und schließlich des gesamten Posener Landes vom 04.06.1848 durch die v. Phuelsche Demarkationslinie, erhöhte sich die Zahl der Gesandten auf 12. Siehe dazu die Tabelle 1 im Anhang.

[26] Abgedruckt in: Deutsche und Polen in der Revolution 1848-1849, Dokumente, S. 394-407.

[27] Des weiteren erfolgt in dem Bereicht eine Darstellung der Geschichte der polnischen Teilungen und des Großherzogtums Posen, wobei die deutsche Besiedelung besonderen Raum einnimmt. Es wird beschrieben, dass nun zwar in allen dortigen Teilen der Provinz Deutsche leben, es aber zu keiner Zeit zu einem innigen Zusam­menleben mit den Polen kam. Durch die Märzrevolution verschärfte sich der Gegensatz zwischen Deutschen und Polen und brach sich die Bahn in offenen Unruhen. Dagegen solle eine „nationale Reorganisation“ die Spannun­gen entschärfen. Allerdings sei dies aufgrund der Bevölkerungsverhältnisse schwer durchzuführen. Besondere Erwähnung erfährt die Festung Posen, die für 10 Mio. Taler von Preußen als östliche Grenzfestung erbaut wurde. Zwar sei die Stadt mehrheitlich deutsch, dass Umland aber polnisch, aber die Festung dürfe nicht aufgegeben werden, so dass es dort notwendig werden würde, einen mehrheitlich polnisch bewohnten Landstrich in den Deutschen Bunde aufzunehmen. Der Bericht schließt mit vier Anträgen: So sollen die Beschlüsse des Bundesta­ges vom 22.04. Und 02.05.1848 zugestimmt werden, was einer Zulassung der 12 Posener Abgeordneten entsprä­che. Weiter soll der preußischen Demarkationslinie vom 04.06.1848 zugestimmt werden, gleichzeitig verlange man von der preußischen Regierung aber auch eine Schutzzusicherung für die Deutschen jenseits der Demarkati­onslinie. Schließlich soll den nicht deutschen Volksstämmen ihre volkstümliche Entwicklung und die Freiheit im Kirchenwesen, Unterricht, Literatur, innere Verwaltung und Rechtspflege zugestanden werden.

[28] H. Boberach, Die Posener Frage in der deutschen und der preußischen Politik 1848-1849, in: Deutsche und Polen in der Revolution 1848-1849, S. 22. Vergl. E. R. Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte Seit 1789, Band II, DerKampfumEinheitundFreiheit 1830 bis 1850, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz3 1988, S. 642.

[29] W. Ribhegge, Das Parlament als Nation, S.43-44.

[30] Mit Zorn und Eifer- Karikaturen aus der Revolution 1848/49, hg. v. H. Probst; K. v. Welck, München-Berlin 1998, S. 16, 135. DazuauchE. R. Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte Seit 1789, S. 642.

Details

Seiten
32
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640979172
ISBN (Buch)
9783640979523
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176535
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Polen Nationalversammlung Ostgrenze Selbstbestimmungsrecht 1848 Posen Hinterpommern Fünfzigerausschuss Vorparlament Grenzziehung Namibia Trotha Vernichtungsbefehl

Autor

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Titel: Die Polenfrage und das Problem der Grenzziehung in der Deutschen Nationalversammlung 1848