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Zwangsheirat von jungen Männern und die Bedeutung von Interkultureller Kompetenz für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit

Seminararbeit 2010 10 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Interkulturelle Kompetenz

3. Zwangsheirat
3.1 Zwangsheirat oder arrangierte Ehe
3.2 Motive und Motivationen für die Zwangsheirat
3.3 Zwangsheirat bei Jungen

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei dem Wort „Zwangsheirat“ ist das erste Bild, was man vor Augen hat, immer eine junge Frau, die gegen ihren Willen zur Heirat gezwungen wird. Aber was ist mit den Männern? Sind sie es, die die junge Frau zur Hochzeit drängen?

Der ausgeübte Druck kommt meistens von der Seite des Vaters oder der Eltern. Und eben diesen Druck erfahren auch junge Männer, die ebenso zur Eheschließung gedrängt werden.

In der folgenden Ausarbeitung möchte ich den ersten Teil mit einem kurzen Exkurs in die interkulturellen Kompetenzen starten. Hier werde ich kurz erläutern welche Elemente die Interkulturelle Kompetenz im Allgemeinen und in der Sozialen Arbeit im Speziellen ausmachen.

Im zweiten Teil der Ausarbeitung widme ich mich dem Thema der Zwangsverheiratung. Das Augenmerk liegt hier auf den Motiven einer Zwangsheirat, im Besonderen bei jungen Männern.

In meinem Resümee versuche ich die Aspekte der Interkulturellen Kompetenz mit den Fakten zur Zwangsheirat zur verknüpfen und so mögliche Arbeitsweisen für die Soziale Arbeit, im Hinblick auf Immigrantenarbeit, aufzuzeigen.

2. Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz bezeichnet im Groben die Fähigkeit mit Menschen aus anderen Kulturkreisen (andere Länder, andere Religionen, Menschen mit Migrationshintergrund) zu interagieren. Als soziale Kompetenz wird sie besonders im (Sozial-) Pädagogischen Kontext diskutiert und entwickelt. In der deutschen Fachliteratur wird immer wieder auf ein Bündel von Fähigkeiten hingewiesen, die erst im Gesamten zu interkultureller Kompetenz führen. Uneinigkeit herrscht jedoch über die konkrete Auswahl der einzelnen Kompetenzen. (vgl. Fischer/Springer/Zacharaki 2006, S. 33)

Die Grundlage für ein interkulturelles Verständnis bildet das eigene Kulturverständnis und Kulturbewusstsein. (vgl. Auernheimer 2010, S 103)

Auf dieses Kulturverständnis bauen weitere Kompetenzen auf, die man in unterschiedliche Bereiche unterteilen kann. Fischer (2006) unterscheidet hierbei die Ich-, Wir- und Sachebene. Leenen, Groß und Grosch (2010) nennen die Bereiche hingegen „interkulturelle relevante allgemeine Persönlichkeitseigenschaften“, „interkulturelle relevante soziale Kompetenzen“ und „kulturspezifische und kulturallgemeine Kompetenzen“.

Zu den „allgemeinen Persönlichkeitseigenschaften“ gehört eine grundsätzliche Offenheit der Person, die nicht-wertend mit ungewohnten und andersartigen Situationen und Menschen umgehen kann und jedes Individuum erst einmal so annimmt, wie es ist, ebenso wie eine gewisse psychische Belastbarkeit und die Fähigkeit der Stressbewältigung. (vgl. Auernheimer 2010, S. 111)

Außerdem betont Fischer (2006, S. 33, S. 40 f) die Fähigkeit der Eigenreflexion, die gerade das eigene Kulturverhalten, wie auch den Standpunkt zu verschiedenen anderen Kulturen bewusst machen soll.

Diese Selbstreflexion zählen Leenen, Groß und Grosch (2010, S. 112) zu den „interkulturellen relevanten sozialen Kompetenzen“. Sie fügen diesem Bereich noch weitere Kompetenzen zu, wie z.B. seine eigene Wirkung auf andere abschätzen zu können oder die eigenen Grenzen zu kennen.

Weiterhin wird immer wieder die Fähigkeit zur Empathie betont (vgl. Auerheimer 2010, S. 111 f / Fischer/Springer/Zacharaki 2006, S. 42 ff), sich also in die Gefühlslagen der Interaktionspartner hineinversetzen und diese erfassen zu können.

Die „Sach-Ebene“ von Fischer und die „kulturspezifischen und kulturallgemeinen Kompetenzen“ von Leenen, Groß und Grosch sind fast identisch. Hierzu zählen vor allem eine „Vertrautheit mit kulturspezifischen Bedeutungsmustern, bestimmten Emblemen, Ritualen oder Tabus anderer Kulturen, oder Teilhabe an historischen Erinnerungen anderer Kommunikationsgemeinschaften.“ (Auernheimer 2010, S. 112) Lediglich die Sprachkompetenz wird von Fischer in der „Wir-Ebene“ angeordnet.

Auch wenn die unterschiedlichen Kompetenzen in Bereiche oder Ebenen eingeteilt werden, „wirken sie stets eng zusammen und können sich … wechselseitig ergänzen und kompensieren“ (Auernheimer 2010, S.111).

Die meisten der oben aufgeführten Kompetenzen sind offensichtlich keine rein beruflichen Fachkompetenzen, sondern vielmehr eine Mischung aus persönlichen und fachlichen Fähigkeiten. Demnach sind einige auch nur bedingt durch Lernprozesse zu beeinflussen und vielmehr an eine Person gebunden. (vgl. Auernheimer 2010, S. 110)

„In diesem Sinne ist der Erwerb interkultureller Kompetenz eine lebenslange Aufgabe, die nicht mit einem Fortbildungskurs abgeschlossen ist“ (Fischer/Springer/Zacharaki 2006, S. 34).

Wie wichtig und in welcher Weise man bestimmte einzelne Kompetenzen im Bezug auf Migrationsarbeit anwenden kann, hängt unter anderem auch vom spezifischen Arbeitsfeld ab. Ein Sprachförderkurs für Aussiedler erfordert andere Kompetenzen, als die Arbeit mit drogenabhängigen ausländischen Jugendlichen auf der Straße. (vgl Auernheimer 2010, S.113)

3. Zwangsheirat

Nicht jeder Mensch, der einen anderen Menschen heiratet tut dies freiwillig, aber nicht jeder Mensch, der einen anderen Menschen heiratet, der für ihn ausgesucht wurde, wird zur Heirat gezwungen. Was ist also der Unterschied zwischen einer Zwangsheirat und einer arrangierten Ehe?

3.1. Zwangsheirat oder arrangierte Ehe

Von einer Zwangsheirat kann dann gesprochen werden, „wenn mindestens einer der Eheleute durch die Ausübung von Gewalt oder durch Drohungen zum Eingehen einer formellen oder informellen (also durch eine religiöse oder soziale Zeremonie geschlossenen) Ehe gezwungen wird.“ (TERRE DES FEMMES e.V.) Mögliche Proteste wurden ignoriert oder die Angst vor möglichen Folgen ist zu groß für eine Widersetzung.

Die arrangierte Ehe hingegen wird zwar von Verwandten oder Bekannten initiiert, jedoch im vollen Einverständnis der Eheleute geschlossen. In welchen Fällen von arrangierter Ehe nun jedoch eine klare Abgrenzung zur Zwangsheirat zu finden ist, ist schwer zu sagen. Für die Beteiligten besteht zwar die Möglichkeit den zukünftigen Partner abzulehnen, aber auch hier kann emotionaler (möglicherweise auch unbewusster) Druck ausgeübt werden, der die Entscheidungen beeinträchtigt.

3.2. Motive und Motivationen für die Zwangsheirat

Zu einer Zwangsehe können ganz unterschiedliche Motive (von Seiten der Eltern) und Motivationen (von Seiten des „Ehepaares“) führen.

Im Vordergrund steht meistens die Tradition. Besonders bei traditionell muslimisch erzogenen Familien findet man ähnliche Gründe für die Eheschließung. Die jungen Männer wünschen sich, durch eine Eheschließung zum vollwertigen, männlichen Familienmitglied aufzusteigen. (vgl. Toprak 2007, S. 88 f.) Erst nach der Heirat werden sie in wichtige Entscheidungen mit einbezogen und beweisen, dass sie Verantwortung für eine Familie übernehmen können.

Ein weiterer Grund für eine Familiengründung ist der Wunsch nach einem eigenen Kind. Kinder haben in der türkischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Ein Paar ohne Kind, wird von der Gesellschaft nicht als Familie im eigentlichen Sinn betrachtet. (vgl. Toprak 2007, S.89) Andersherum wird ein unverheiratetes Paar mit einem unehelichen Kind von den Familien nicht geduldet. Somit steht der Wunsch nach einer Familie im engen Zusammenhang mit einer Hochzeit. Auch die Eltern des Paares, besonders des Mannes wünschen sich baldige Kinder, insbesondere Söhne für die Familie. Töchter werden traditionell mit der Hochzeit an eine andere Familie übergeben, aber die Söhne sorgen dafür, dass die eigene Familie fortbesteht und sie sollen die Eltern im Alter (finanziell) unterstützen. (vgl. Toprak 2007, S. 90)

Die Sexualität spielt nur eine Nebenrolle. Da der Mann, anders als die Frau, schon vor der Hochzeit, auch mit anderen Frauen, sexuelle Erfahrungen sammeln darf, ist der Reiz des Neuen und Unbekannten kein Grund für eine Eheschließung. Aber auch für die Frau hat die Sexualität nicht den gleichen Reiz wie für ein deutsches Mädchen, da ihre Aufgabe darin besteht den Mann zu Hause zu befriedigen und im extremen Fall selbst keine Lust dabei empfinden sollte. (vgl. Toprak 2007, S. 91 f.)

Schon bei der traditionellen Brautwerbung achten die Eltern des Bräutigams darauf, ob seine zukünftige Frau zu einer guten Hausfrau erzogen wurde. Sie soll in der Lage sein einen Haushalt zu führen. Hier wird die klassische Rollenverteilung deutlich. Dem Mann ist es wichtig, dass er eine Frau bekommt, die ihren traditionellen Pflichten in der Familie nachkommt. In den meisten Fällen wohnt das frisch verheiratete Paar eine Zeit lang bei den Eltern des Bräutigams. Hier soll die Mutter ein Auge auf die neue Frau des Sohnes haben, die bis zum Auszug den Haushalt der Familie (mit-)führen muss. (vgl. Toprak 2007, S. 92)

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Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640977239
ISBN (Buch)
9783640977017
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176440
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,0
Schlagworte
Zwangsheirat Interkulturelle Kompetenz Soziale Arbeit

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Titel: Zwangsheirat von jungen Männern und die Bedeutung von Interkultureller Kompetenz für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit