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Der private Personalvermittler als Beispiel eines zweiseitigen Marktes

Seminararbeit 2011 19 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theorie zweiseitiger Märkte
2.1 Definitionsansätze
2.2 Charakteristika
2.2.1 Externe Effekte
2.2.2 Netzeffekte
2.2.3 Plattform
2.2.4 Preispolitik

3. Der private Personalvermittler im Modell des zweiseitigen Marktes
3.1 Marktakteure und die Problematik der Interaktion
3.2 Der private Personalvermittler als Plattform
3.3 Die Preispolitik des privaten Personalvermittlers

Fazit

Literaturverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 1: Beziehung zwischen den Akteuren auf zweiseitigen Märkten

Abb. 2: Das Zusammenspiel der Arbeitsmarktakteure

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Essenz sämtlicher Formen von Märkten basiert auf dem fundamentalen Grundsatz des Zusammentreffens von Angebot und Nachfrage. Dieses Zusammentreffen kann direkt, daneben aber auch indirekt über eine dritte Instanz, eine Plattform erfolgen. Die Inanspruchnahme von Diensten des Plattformbetreibers setzt voraus, dass die Interaktion der beiden Marktseiten durch externe Effekte, Informationsasymmetrie und Transaktionskosten geprägt ist, was zur Ineffizienz, wenn nicht sogar Unmöglichkeit der Handlung ohne seiner Dienste führen würde.[1]

Die Theorie der „zweiseitigen Märkte“ bildet Märkte dieser Form ab. Sie weist der Plattform eine besondere Bedeutung zu, welche mit ihrer Funktionsweise für die Interessenkoordinierung und Internalisierung der externen Effekte sorgt.

Der Arbeitsmarkt, auf dem der private Personalvermittler als Intermediär zwischen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite handelt, unterliegt der Kategorie zweiseitiger Märkte[2] und wird in der vorliegenden Arbeit in Bezug auf die Kompatibilität der Theorie der zweiseitigen Märkte mit seiner empirischen Funktionsweise untersucht und zugleich als ein Exempel für diese Theorie genutzt. Daneben richtet sich die zentrale Fragestellung dem Sachverhalt, inwiefern der private Personalvermittler als eine zweiseitige Plattform zu sehen ist.

Zur angemessenen Bearbeitung der vorliegenden Fragestellung ist es erforderlich auf das Modell des „two-sided market“ von Tirole und Rochet Bezug zu nehmen, welches auf dem Versagen des Coase-Theorems aufbaut.[3] Das Thema wird bislang in der Forschung sehr einheitlich betrachtet, es finden sich lediglich theorieerweiternde und unterstützende Ansätze.

Diese Arbeit ist dreiteilig gegliedert. Im ersten theoretischen Teil (Kapitel 2) werden Definitionsansätze für zweiseitige Märkte formuliert und zugleich werden die damit verbundenen Betrachtungsweisen von Externalitäten, Netzeffekten, sowie die Preispolitik des Plattformbetreibers weitreichend untersucht, um eine Grundlage für den zweiten empirischen Teil (Kapitel 3) zu legen, in welchem der private Personalvermittler in seiner Funktionsweise genauer betrachtet wird.

In dem dritten Teil, einem Fazit (Kapitel 4), werden die zentralen Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst und Desiderata zu dem Thema dieser Arbeit formuliert.

2. Die Theorie zweiseitiger Märkte

2.1 Definitionsansätze

Auf einem zweiseitigen Markt erfolgt eine Interaktion zwischen zwei Endnutzergruppen – bspw. Käufer und Verkäufer über eine Plattform. Die Interaktion sollte jedoch nicht lediglich als reines Handelsgeschäft interpretiert werden, sie kann u.a. eine Vermittlung oder eine Kommunikation sein.[4] Das weite Spektrum jener Interaktionen auf zweiseitigen Märkten kann in vier Kategorien aufgeteilt werden:[5]

- Handelsplätze ( physische z.B. Einkaufszentren; virtuelle z.B. ebay)
- Softwareplattformen (z.B. Microsoft Windows, Nintendo)
- Werbefinanzierte Medien (z.B. Zeitungen, Radio- und Fernsehsender)
- Zahlungssysteme (z.B. Visa, MasterCard)

Auf all jenen Marktplätzen[6] besitzt die Plattform eine Vermittlungsfunktion. Die vermittelten Transaktionen ermöglichen den Endnutzern einen Nutzenzuwachs und der Plattformbetreiber lässt sich seine Vermittlungsdienste in Form von Zugangsgebühren entlohnen. Dabei agiert er zwischen den Endnutzern und steht somit mit beiden Seiten in Kontakt. In der Abbildung 1 wird die Beziehung der Marktakteure in einem vereinfachten Modell eines Plattform-Marktes dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beziehung zwischen den Akteuren auf zweiseitigen Märkten

Quelle: Rochet/Tirole (2006), S.647

In der Theorie der zweiseitigen Märkte wird der Bezeichnung „zweiseitig“ eine unterschiedliche Bedeutung zugeschrieben als es in dem konventionellen Gebrauch der Marktdefinition (mit einer Angebots- und Nachfrageseite) allgemeingültig ist. Auf einem zweiseitigen Markt ist die Interaktion wie auf einem einseitigen Markt durch zwei unterschiedliche Kundengruppen charakterisiert. Die formelle Differenzierung kann der Definition von Rochet und Tirole für zwei- bzw. mehrseitigen Markt entnommen werden:

„Two-sided (or generelly multi-sided) markets are roughly defined as markets in which one or several platforms enable interactions between end-users, and try to get the two (or multiple) sides “on board” by appropriately charging each side. That is, platforms court each side while attempting to make, or not lose, money overall.”[7]

Somit liegt die „Zweiseitigkeit“ in der Existenz einer Plattform, welche als notwendige Bedingung für die Interaktion der beiden Endnutzergruppen A und B fungiert. Daneben ist der Plattformbetreiber in der Lage durch die Ungleichverteilung der Zugangsentgelte PA und PB beide Kundengruppen für eine Interaktion auf seiner Plattform zu animieren und somit das Transaktionsvolumen T zu koordinieren. Folglich liegt der Unterschied zwischen einem einseitigen und einem zweiseitigen Markt in der Beziehung der erhobenen Preise für die beiden Marktteilnehmer und dem Transaktionsvolumen. Auf einem einseitigen Markt hängt T ausschließlich vom aggregierten Preisniveau ab, also P = PA + PB; auf einem zweiseitigen Markt hingegen variiert T in Abhängigkeit von PA während PB konstant bleibt.[8] Diese abstrakte Definition der „Zweiseitigkeit“ über die formale Preisstruktur bedarf einer Argumentation und wird genauer im Unterabschnitt 2.2.3, im Kontext der Preispolitik, umfassender behandelt. Im nachfolgenden Abschnitt 2.2 werden die Charakteristika für die Existenz zweiseitiger Märkte untersucht. Sie sollen die komplexen Zusammenhänge auf zweiseitigen Märkten verständlich machen.

2.2 Charakteristika

Die charakteristischen Merkmale, welche zugleich Bedingung für die Existenz zweiseitiger Märkte darstellen, liefert Evans[9]:

1 Es existieren mindestens zwei Kundengruppen, die distinkt (klar unterscheid- und abgrenzbar) sind und
2 zwischen denen indirekte Netzeffekte bestehen,
3 welche nicht durch direkte Transaktionen zwischen den Kundengruppen hinreichend internalisierbar sind.

Im Folgenden findet zunächst eine Begriffsbestimmung von Externalitäten statt. Daneben wird auf die Möglichkeiten der Internalisierung jener Effekte mittels der Verhandlungslösung eingegangen (Unterabschnitt 2.2.1). Im Unterabschnitt 2.2.2 wird eine Sonderform der externen Effekte, die sogenannten Netzeffekte untersucht. So dass eine sinngemäße Einbringung des Externalitätenbegriffs in den Kontext der zweiseitigen Märkte erfolgen kann.

2.2.1 Externe Effekte

Als externe Effekte (auch Externalitäten) bezeichnet man die unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Dritte. Sie werden nicht in das Entscheidungskalkül des Verursachers einbezogen und es finden keine Ausgleichzahlungen statt.[10] Der Nutzen der Unbeteiligten wird durch die Externalität entweder positiv oder negativ beeinflusst, was von der Ausprägungsform der jeweiligen Externalität abhängt. Folglich lassen sich zwei Formen externer Effekte unterscheiden[11]:

Zum einen sind es positive Externalitäten: Sie liegen vor, wenn der Verursacher mit seiner Aktivität dem Unbeteiligten einen Nutzen stiftet, z.B. technischer Fortschritt; und zum anderen negative Externalitäten: Der Verursacher schadet dem Unbeteiligten und mindert somit seinen Nutzen, z.B. Lärmbelästigung.

Die mikroökonomische Lehre befasst sich intensiv mit den Möglichkeiten der Internalisierung jener Externalitäten, also der Anlastung des Verursachers mit den

Kosten. Eine Möglichkeit, brachte Coase 1960 mit seinem Theorem[12], in welchem er die Verhandlungslösung vorstellte. Coase behauptet, dass die Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien stets eine optimale (Pareto-effiziente) Lösung ergeben[13]. Unterdessen stellt Coase für den Verhandlungserfolg drei Bedingungen[14]: Die Eigentumsrechte sollen wohl definiert sein und es dürfen weder Transaktionskosten noch Informationsasymmetrien vorliegen.

[...]


[1] Vgl. Rochet/Tirole (2006), S. 651 ff

[2] Vgl. Peitz (2006), S. 319

[3] Vgl. Rochet/Tirole (2005), S. 648

[4] Vgl. Endres/Martiensen (2007), S.602

[5] Vgl. Peitz (2006), S. 318; Caillaud/Jullien (2003), S. 311

[6] Vgl. Peitz (2006), S. 317

[7] Rochet/Tirolet (2005), S. 646

[8] Vgl. Rochet/Tirolet (2005), S. 650

[9] Vgl. Evans (2003), S. 192

[10] Vgl. Feess (2000), S. 495

[11] Vgl. Feess (2000), S. 496 f.

[12] Vgl. Feess (2000), S. 537 ff.

[13] Vgl. Feess (2000), S. 538

[14] Vgl. Feess (2000), S. 539

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640976645
ISBN (Buch)
9783640976287
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176412
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Lehrstuhl für Human Resource Management
Note
1,0
Schlagworte
privater Personalvermittler zweiseitiger Markt two-sided market Plattform indirekte Netzwerkeffekte Personalvermittlung Tirole Rochet

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