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Zigarettenkonsum erklären

Theorie und empirische Evidenz

Seminararbeit 2010 21 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung

3 Theorie: Modelle zur Erklärung des Zigarettenkonsums
3.1 Rationale Suchtmodelle
3.2 Beschränkt - Rationale Suchtmodelle
3.3 Irrationale Suchtmodelle

4 Empirische Evidenz

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Kein anderes Konsumgut hat in den vergangenen Jahrzehnten für vergleichbar heftige Diskussionen gesorgt, wie der Tabak.1 Jedoch ist der Tabakkonsum kein Trend des 20. Jahr- hunderts rauchten doch schon die Indianer vor 1000 Jahren auf dem amerikanischen Kontinent zu religiösen Ritualen und an politischen Versammlungen. Die ersten Europäer, die mit Tabak in Berührung kamen, waren die Seefahrer um Kolumbus, als sie 1492 in Amerika anlegten. Danach führte Jean Nicot, ein französischer Gesandter in Portugal, Tabak am französischen Hof ein, wo dieser dazu verwendet wurde, Krankheiten wie Migräne zu lindern.2 Im 17. Jahrhundert verbreitete sich das Tabakrauchen in ganz Europa und später auch in China und Japan. Nach Einführung der Zigarette und deren Massenproduktion Mitte des 19. Jahrhunderts, vermehrte sich der Konsum stark. Den größten Aufschwung hatte das Rauchen im 20. Jahrhundert.

Tabak wird zu 90% in Form von Zigaretten, also in papierummantelter Form, mit oder ohne Filter, konsumiert. Andere untergeordnete Konsumformen sind Zigarren, Zigarillos oder das Schnupfen sowie Kauen von Tabak. Circa 30% der Weltbevölkerung im Alter von über 15 Jahren konsumiert Tabakprodukte, wobei der Anteil des Zigarettenkonsums pro Jahr bei 6 Billionen liegt. Der im Tabak enthaltene Wirkstoff ist das sogenannte „Nikotin“. Dieser wird durch Inhalieren des Rauches, der bei der Verbrennung von Tabak entsteht, konsumiert. Nikotin löst im Gehirn des Konsumenten eine Reihe physiologischer Reaktionen aus, wie beispielsweise eine Erhöhung der Stresstoleranz oder eine Steigerung der Gedächtnisleistung. Die suchterzeugende Wirkung des Nikotins ist vergleichbar mit der anderer Drogen, etwa Amphetamine oder Kokain und führt zu physischer und psychischer Abhängigkeit.3

Aus medizinischer Sicht ist der Zigarettenkonsum gesundheitsschädlich und verursacht hohe volkswirtschaftliche Kosten durch aus dem Konsum resultierende Krankheiten. Demgegenüber steht die Tatsache, dass die Besteuerung des Tabaks für den Staat eine erhebliche Einnahmequelle darstellt.4

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, die drei gängigen Theorien, welche das Konsumverhalten von Gütern mit Suchtcharakter modellieren, darzustellen und anschließend aufzuzeigen, inwieweit empirische Untersuchungen und Belege für diese existieren. In einem ersten Schritt erfolgt eine Erläuterung grundlegender Begriffe. Im Anschluss daran, werden Theorien des rationalen, beschränkt-rationalen und irrationalen Suchtverhaltens vorgestellt. Es folgt ein Überblick über empirische Untersuchungen und Befunde, welche abschließend diskutiert und im Hinblick auf ihre politische Bedeutung erörtert werden.

2 Begriffserklärung

Vor der Erläuterung drei verschiedener Ansätze zur Erklärung des Suchtkonsums, bedarf es zunächst der Klärung einiger Begriffe.

Zunächst muss der „Suchtbegriff“ selbst definiert werden. Je nach Fachgebiet lassen sich unterschiedliche Definitionen auffinden. So unterscheiden sich die Definitionen der pharmakologischen, medizinischen, psychologischen und ökonomischen Literatur. In der ökonomischen Theorie gilt ein Gut als „Suchtgut“, wenn es drei Eigenschaften (Effekte) besitzt, die aus dem Konsum des Gutes hervorgehen. Unter dem Gewöhnungseffekt (Tolerance) versteht man, dass der Nutzen, der aus dem Konsum des Suchtgutes entsteht, im Zeitablauf abnimmt und eine größere Menge konsumiert werden muss, um dasselbe Nutzenniveau zu erreichen.5 Dies bedeutet ökonomisch, dass der Grenznutzen des Suchtkapitalstocks, also der Grenznutzen der vergangenen Konsummenge, negativ ist.6 Der Verstärkungseffekt (Reinforcement) besagt, dass der Konsum des Suchtgutes selbstverstärkend wirkt.7 Das heißt, dass eine Steigerung des Konsums in der Vergangenheit, zu einer Erhöhung des Konsums in der Gegenwart führt. Der Grenznutzen des gegenwärtigen Suchtkonsums steigt also, da der Suchtkapitalstock steigt.8 Der Entzugseffekt (Withdrawal) ist eine negative psychische Antwort des Körpers des Süchtigen auf die Beendigung oder Unterbrechung des Konsums.9 Der totale Nutzen fällt also, wenn der Konsum nicht fortgesetzt wird.10

Im Folgenden werden drei Modelle anhand ihres Rationalitätsgrades unterschieden. Hierzu bedarf es einer genaueren Charakterisierung des Begriffes „Rationalität“. Unter Rationalität versteht man, dass das betrachtete Individuum vollständige, widerspruchsfreie und stabile Präferenzen besitzt und sich über die zukünftigen Konsequenzen seiner Handlungen im Klaren ist.11 Im Zusammenhang mit dem Konsum eines Suchtgutes bedeutet Rationalität, dass die zukünftigen Konsequenzen des vergangenen und gegenwärtigen Konsums des Individuums in seinem Nutzenmaximierungsprozess bedacht werden und dass seine Präferenzen hinsichtlich des Konsums im Zeitverlauf stabil sind.12

Ein Akteur, der beschränkt-rational handelt, hat im Zeitablauf zwar stabile aber nicht widerspruchsfreie Präferenzen. Es ist also möglich, dass das Individuum, anders als ursprünglich geplant, seine Präferenzen ändert und somit auch seine Pläne.13

Nicht-rationale Präferenzen werden auch als myopische oder kurzsichtige Präferenzen bezeichnet. Diese Präferenzen sind weder stabil noch widerspruchsfrei, da die Zukunft im Nutzenmaximierungsprozess des Individuums nicht mit einbezogen wird und sich die Präferenzen somit jederzeit ändern können.14

Auch das Konzept der Zeitpräferenzrate (ZPR) ist für das Verständnis der Theorien des Suchverhaltens von wesentlicher Bedeutung. Die ZPR ist eine psychologische Größe, und stellt die Grenzrate der Substitution zwischen gegenwärtigem und zukünftigem Nutzen dar. Durch die Diskontierung des zukünftigen Nutzenwerts kann sein gegenwärtiger Wert ermittelt werden (Net-Present-Value). Eine Diskontierungsfunktion eines Akteurs gibt also den gegenwärtigen Wert des Nutzens an, welcher zu späterer Zeit als Folge von bestimmten Entscheidungen verwirklicht wird. Eine (exponentielle) Diskontierungsfunktion hat die Form 1⁄ 1 , wobei den Diskontierungsfaktor in Abhängigkeit der aktuellen Konsumverzögerung darstellt und die ZPR. Je höher die ZPR, desto niedriger ist der Diskontierungsfaktor und umso höher sind die Präferenzen für die Zukunft.15

3 Theorie: Modelle zur Erklärung des Zigarettenkonsums

Früher wurden die Nachfrage nach Suchtgütern und das Verhalten von Süchtigen meist gar nicht oder nur unzureichend modelliert. Der Suchtcharakter von Gütern wie Zigaretten wurde entweder ignoriert oder das Verhalten von Süchtigen als irrational eingestuft. Dementsprechend wurden sie keiner weiteren ökonomischen Untersuchung unterzogen, da sie nicht im ökonomischen rationalen, nutzenmaximierenden Rahmen eingeordnet werden konnten. Als Erstes wurden die Auswirkungen von Sucht auf die Nachfrage von Marshall (1920) in seinem Werk „Principles of Economics“ untersucht. Dieser führte auch die drei Hauptdimensionen der Abhängigkeit, nämlich Gewöhnung, Verstärkung und Entzug ein. In den meisten neueren Modellen, welche sich mit der Nachfrage nach Suchtgütern beschäftigen, finden diese Dimensionen Verwendung. Diese Modelle sprechen den Suchtcharakter benannter Güter explizit an. Man kann diese in drei Hauptkategorien einteilen, die sich in Bezug auf die Annahme über die Rationalität der süchtigen Person beim Konsum von Suchtgütern unterscheiden. Die Modelle betrachten rationales, beschränkt-rationales und irrationales Suchtverhalten.16

3.1 Rationale Suchtmodelle

Eine Vielzahl von Ökonomen, wie beispielsweise Stigler (1977), Iannaccone (1984) und Becker und Murphy (1988) haben Sucht als rationales Verhalten modelliert.17 Rationalität bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das betrachtete Individuum die Beziehung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in seinem Nutzenmaximierungsprozess berücksichtigt.18 Das meist zitierte Modell, welches auch die Grundlage vieler anderer Modelle bildet, ist jenes von Becker und Murphy (1988). Deren Absicht ist es, zu zeigen, wie der Konsum von Suchtgütern in den ökonomischen Rahmen eingebettet werden kann. Das Modell erklärt, dass auch Personen, die süchtig sind, vorausschauend handeln und verfügbare Informationen nutzen können, um den zukünftigen Nutzen der Konsequenzen ihrer Handlungen in der Gegenwart abzuschätzen.19 In ihrem Modell treffen Becker und Murphy die Annahme eines vorausschauend planenden, rationalen, vollkommen informierten Akteurs, welcher seinen Nutzen konsistent mit stabilen Präferenzen im Zeitablauf maximiert.

[...]


1 Vgl. Güll (2006), S. 47.

2 Vgl. Hoffmann/ Hoffmann (1998), S.55.

3 Vgl. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (o.J.).

4 Vgl. Güll (2006), S. 47.

5 Vgl. Braun (2002), S. 102.

6 Vgl. Chaloupka/ Warner (2000), S. 1559f.

7 Vgl. Braun (2002), S. 103.

8 Vgl. Chaloupka/ Warner (2000), S. 1559f.

9 Vgl. Chaloupka (1991), S. 723.

10 Vgl. Chaloupka/ Warner (2000), S. 1559f.

11 Vgl. Braun (2002), S. 57.

12 Vgl. Chaloupka (1991), S. 723.

13 Vgl. Chaloupka/ Tauras/ Grossmann (2000), S.111.

14 Vgl. Chaloupka/ Warner (2000), S.1557.

15 Vgl. Bretteville-Jensen (1999), S.394.

16 Vgl. Chaloupka/ Warner (2000), S. 1556.

17 Vgl. Chaloupka (1991), S. 72.

18 Vgl. Chaloupka/ Warner (2000), S. 1559.

19 Vgl. Sloan/ Wang (2008), S. 1778.

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640974474
ISBN (Buch)
9783640974634
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176350
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Haushalts- und Konsumökonomik
Note
1,0
Schlagworte
Rauchen volkswirtschaftliche Erklärung Sucht Suchttheorie Nikotin Rauchen in der Theorie VWL und Sucht Modelle zur Erklärung des Zigarettenkonsums Zigarettenkonsum Rationale Suchtmodelle Beschränkt - Rationale Suchtmodelle Irrationale Suchtmodelle

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Titel: Zigarettenkonsum erklären