Lade Inhalt...

Die KEYNESsche Langfristprognose

Hausarbeit (Hauptseminar) 1997 6 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

1. Einleitung

Der Keynesianismus bildet die Grundlage staatlicher Nachfragepolitik.[1] Im Unterschied zu vielen anderen Wirtschaftstheoretikern sprach Keynes sich dafür aus, die Wirtschaft durch Senkung der Arbeitslosigkeit zu beleben.

Der Autor wurde insbesondere durch seine Langfristprognose bekannt, die im Zusammenhang mit dem allgemeinen Keynesianismus vorgestellt und bewertet werden soll. In einer kurzen Schlußbemerkung wird auf die Aktualität und die Umsetzung des Keynesianismus eingegangen werden.

2. Keynesianismus

Der Keynesianismus bildete bis in die 60er Jahre eine relativ homogene theoretische und wirtschaftspolitische Schule, die sich unmittelbar auf das Hauptwerk von John Maynard Keynes bezog, die "Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes (1936)". Als klassische Merkmale des Keynesianismus können die Kritik am klassischen Selbststeuerungstheorem und der neoklassischen Gleichgewichtstheorie (Keynesianische Revolution) sowie die nachfrageorientierte Erklärung von Produktion und Beschäftigung hervorgehoben werden.[2]

Unter der keynesianischen Wirtschaftspolitik versteht man den gezielten, antizyklischen Einsatz der Fiskalpolitik zur Beschäftigungssicherung, die das Expansionsniveau der Wirtschaft zwar beeinflußt, die aber nicht strukturell eingreift.

Als wesentliche theoretische Grundlage gibt Karl Georg Zinn die "Orientierung am gesamtwirtschaftlichen Kreislauf und die Definition des realwirtschaftlichen Gleichgewichts als Übereinstimmung von freiwilliger Investition und freiwilliger Ersparnis"[3] an. In wohlhabenden Industrieländern werden Wachstum und Beschäftigung im Sinne des Keynesianismus, der seine Blütezeit von 1968 bis 1971 erlebte, von Nachfrageentwicklungen bestimmt.

Der politische Keynesianismus setzt voraus, daß Marktwirtschaft in Verbindung mit antizyklischer Fiskalpolitik ein dauerhaftes Vollbeschäftigungsgleichgewicht bilden kann. Die KEYNESsche Lehre ersetzt die traditionelle gleichgewichtsorientierte Vollbeschäftigungstheorie durch die Ableitung der Möglichkeit von Unterbeschäftigungsgleichgewichten. Dabei wird die klassische Hoffnung auf Selbstabilisierung des Systems durch Keynes' Erkenntnis über die Steuerungsnotwendigkeit und -möglichkeit der Wirtschaft abgelöst.

Wesentlich für den Keynesianismus ist die wirtschaftspolitische Theorie der Intervention des Staates über Beeinflussung der Gesamtnachfrage (Globalsteuerung) und Stabilisierung des Investorenverhaltens bei Unsicherheitsfaktoren (Investitionssteuerung).

3. Die KEYNESsche Langfristprognose

John Maynard Keynes (1883-1946), einer der bedeutendsten Wirtschaftstheoretiker der makroökonomischen Analyse, stellte im Jahre 1943 eine Wirtschaftsprognose auf, in der er eine inflationäre Übernachfrage für die Nachkriegszeit infolge angestauter Konsumwünsche und hoher Investitionsanforderungen prophezeite. Der englische Ökonom erkannte im Gegensatz zu anderen Autoren schon früh das Wachstumspotential, das sich durch die Umstellung von der Kriegs- auf die Friedenswirtschaft und durch den Wiederaufbau ergab.

Keynes sogenannte Langfristprognose ist in drei Phasen gegliedert, die durch einen sukzessiven Rückgang der Wachstumsraten bestimmt werden. Vorrangig ging Keynes von Preissteigerungen aus, da nach seiner Prognose die freiwillige Ersparnisbildung nicht zur Finanzierung aller Investitionsobjekte ausreichte. Zinn stellt heraus, daß "ein weltwirtschaftliches Gleichgewicht von freiwilliger Ersparnis und freiwilliger Investition impliziert, daß die Summe der Leistungsbilanzdefizite gleich der Summe der Leistungsbilanzüberschüsse ist."[4]

Die Gefahr einer Deflation oder Inflation liegt bei nationalen Überangebots- bzw. Übernachfragesituationen vor, die sich aus Ungleichgewichtssituationen – wenn die Summe der freiwilligen Leistungsbilanzüberschüsse oder die Summe der freiwilligen Leistungsbilanzdefizite überwiegt – ergeben können.[5]

In der zweiten Phase erwartete er ein Gleichgewicht zwischen den geplanten Ersparnissen und den geplanten Investitionen auf Vollbeschäftigungsniveau. Erst in der dritten Phase sollte nach Keynes eine Sättigung und eine "Überersparnis" eintreten, die zu steigender Arbeitslosigkeit und anhaltendem Wachstumsrückgang führte. Als wirtschaftspolitische Gegenmaßnahme sprach er sich zur Verhinderung einer Stagnation für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung aus.[6]

4. Kritik am Keynesianismus

Als Keynes' "überdauernde Leistung" wertet Zinn, "daß er die Vollbeschäftigungsfrage als das wichtigste Problem der modernen Massendemokratie erkannte, sie ins Zentrum der wirtschaftswissenschaftlichen Analyse rückte und eine wirksame Medizin verschrieb."[7]

Die Anwendung der Keynesschen Theorie auf den weltwirtschaftlichen Zusammenhang verlangt die vergleichende Betrachtung von freiwilliger Investition und freiwilliger Ersparnis der Weltwirtschaft.[8]

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen Zinns litt der Keynesianismus in der Bundesrepublik Deutschland von Anfang an unter Defiziten. Instrumentell gesehen blieb die Fiskalpolitik auf die Kooperationsbereitschaft der Bundesbank angewiesen, deren wichtigstes Ziel die Sicherung der Währungsstabilität ist. Zinn weist ausdrücklich darauf hin, daß sich "[...] eine antizyklische Fiskalpolitik nur sinnvoll betreiben läßt, wenn die öffentlichen Hände über genügend Spielraum verfügen, um Ausgaben zeitlich zu verschieben, ohne Gefahr zu laufen, den für das wirtschaftliche Wachstum nötigen Ausbau der Infrastruktur zu unterbrechen."[9]

Strittig ist nach Zinn, "ob sich keynesianische Fiskalpolitik auf konjunkturpolitische Kompensation (antizyklische Fiskalpolitik) beschränkt oder darüber hinaus zyklusübergreifend angelegt sein muß."[10]

[...]


[1] Meyer, Thomas (Hrsg.): Keynesianismus, in: Lexikon des Sozialismus. 1986, S. 295.

[2] Ebd.

[3] Zinn, Karl Georg: Keynesianische Politik in der Bundesrepublik Deutschland, in: Wirtschaftspolitik und Arbeitnehmerinteressen. 1986, S. 52.

[4] Zinn: Außenwirtschaftliches Defizit des Keynesianismus?, in: Wirtschaftsdienst,

63. Jg., H. 4, 1983, S. 206.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Zinn, Karl Georg: Die Wirtschaftskrise. Wachstum oder Stagnation. Zum ökonomischen Grundproblem reifer Volkswirtschaften. - Mannheim: B.I. Taschenbuchverlag 1994 (Meyers Forum), S. 75.

[7] Zinn: Ein unorthodoxer Liberaler., in: Wirtschaftswoche. April 1971, S. 58.

[8] Vgl.Zinn: Außenwirtschaftliches Defizit des Keynesianismus?, in: Wirtschaftsdienst,

63. Jg., H. 4, 1983, S. 207.

[9] Zinn: Ein unorthodoxer Liberaler, S. 59.

[10] Zinn: Keynesianismus, S. 295.

Details

Seiten
6
Jahr
1997
ISBN (eBook)
9783640975426
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176260
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Politische Wissenschaft
Note
Schlagworte
John Maynard Keynes Langfristprognose Keynesianismus

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die KEYNESsche Langfristprognose