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Ein Vergleich zwischen den Gottesbeweisen in Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“

Essay 2009 6 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Universität Bielefeld

Kant – Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft

SS '09

Jan Hoppe

Ein Vergleich zwischen den Gottesbeweisen in Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“

Bekanntlich hat Immanuel Kant die bis dato geläufigen Gottesbeweise ange-griffen. Er kam zu dem Ergebnis, dass sie seiner Kritik nicht standhalten und keine ausreichende Grundlage boten um an der Existenz Gottes festzuhalten. Das heißt jedoch nicht, dass Kant Atheist oder Agnostiker war. Vielmehr ent-wickelte er einen eigenen Gottesbeweis aus der Moral. Aber dieser Gottes-beweis war nicht ein starres Gebilde, sondern ein Projekt das Kant kontinuier-lichen Verbesserungen und Änderungen unterwarf. In diesem Essay sollen die Gottesbeweise (ich verwende hier den Plural, um vorweg zu nehmen, dass sie sehr unterschiedlich geartet sind) seiner Schriften „Kritik der reinen Vernunft“ und „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ rekonstruiert werden. Im letzten Teil sollen diese dann miteinander verglichen werden.

Kants Gottesbeweis in der „Kritik der reinen Vernunft“

Es ist immer schwer ein Argument bei Kant herauszulösen. Seine Argumente sind oft Teile eines großen und komplexen Gedankengebäudes, so dass man immer Schwierigkeiten dabei hat, genau zu bestimmen, wo der eigentliche (oder für die entsprechende Einzeluntersuchung wesentliche) Beginn eines Arguments ist. Für seinen Gottesbeweis in der „Kritik der reinen Vernunft“ halte ich es für sinnvoll mit Kants Annahme, dass es wirkliche moralische Gesetze gibt, zu beginnen.[1] Diese Gesetze bilden ein „du sollst“, das von allen objektiv erfahren wird. Woraus für Kant aber auch folgt, und das ist entschei-dend, dass alles was geschehen soll, auch geschehen kann.[2]

Nun folgt die Definition einer intelligiblen Welt, als einer Welt in der alles den sittlichen Gesetzen gemäß laufen würde. Diese Welt wird von allen Hindernissen und falschen Neigungen abstrahiert, so dass sie nur noch eine bloße – wenn auch praktische – Idee ist.[3] Dies sind die vorläufigen Überlegun-gen Kants zu dem nun kommenden Beweis Gottes.

Kant leitet diesen Teil mit einer Frage ein: Wie wird es möglich, dass er hoffen darf Glückseligkeit zu erlangen, wenn er sich ihrer würdig verhält? Da-rauf stellt er die Behauptung auf, dass das sittliche Verhalten – nach der prak-tischen Vernunft – proportional zu dem Maß der zu erhoffenden Glückseligkeit sein muss.[4] In einer intelligiblen Welt bildet die Moralität den Grund für die Freiheit, die wiederum Glückseligkeit hervorbringt. Somit könnten dort Men-schen die Schöpfer ihrer eigenen Glückseligkeit und der ihrer Nächsten sein.[5] Aber das lohnt sich nur dann, wenn jeder sich an die moralischen Gesetze hält. Aber das genaue Gegenteil davon beschreibt der Naturzustand, den der Mensch durch seine Erfahrungen wahrnimmt. Das heißt aber wiederum, dass der Men-sch aufgrund seiner Erfahrungen die notwendige Verbindung (die Propor-tionalität) zwischen Sittlichkeit und Glückseligkeit nicht wahrnimmt, wenn es nichts über diesen Naturzustand hinaus gibt.[6] Folglich ist eine höchste Vernunft nötig, die auch Ursache der Natur ist. In dieser höchsten Vernunft ist – so Kant – das Ideal der höchsten Sittlichkeit zusammen mit höchster Glückseligkeit verkörpert.[7] Und nur aus diesem Ideal heraus kann die reine Vernunft eine intelligible Welt ableiten.[8] In seinen bisherigen Überlegungen hat Kant bereits gezeigt, dass der Mensch sich einer solchen Welt zugehörig denken muss. Da diese aber seinen Erfahrungen widerspricht, muss sie eine zukünftige Welt sein, die irgendwann einmal die Proportion zwischen Sittlichkeit und Glück ins Lot bringt.[9]

Somit hat Kant zwei Dinge gezeigt. Zum einen braucht man ein höch-stes Ideal – Gott, anhand dem man eine intelligible Welt erkennen kann. Zum andern muss es diese zukünftige intelligible Welt selbst auch geben – womit die Unsterblichkeit der Seele gezeigt wäre.

Kant erläutert seine Idee noch einmal mit zwei kurzen Gedanken: Zu-nächst muss es entweder eine zukünftige intelligible Welt oder die moralischen Gesetze nicht geben, da die für sie notwendigen Belohnungen sonst nicht be-gründet werden können.[10] Genauso müssen moralische Gesetze Folgen haben, sonst wären es keine Gesetze. Aber für die Folgen brauchen wir einen Gott der sie durchsetzt.[11]

[...]


[1] Vgl. Kritik der reinen Vernunft, B 835.

[2] Vgl. ibid. & Cottier 1941, 150.

[3] Vgl. Kritik der reinen Vernunft, B 836.

[4] Vgl. ibid., B 837.

[5] Vgl. ibid.,

[6] Vgl. ibid., B 838.

[7] Vgl. ibid.

[8] Vgl. ibid., B 838-839.

[9] Vgl. ibid., B 839.

[10] Vgl. ibid.

[11] Vgl. ibid., B 840.

Details

Seiten
6
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640973651
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v176131
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,3
Schlagworte
vergleich gottesbeweisen kants vernunft“ religion grenzen

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Titel: Ein Vergleich zwischen den Gottesbeweisen in Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“