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PISA, TIMSS und IGLU im Überblick

Essay 2009 5 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

PISA, TIMSS, IGLU (im Überblick)

International vergleichende Schulleistungsstudien in weltweiten Forschungskooperationen existieren bereits seit 40 Jahren. Diese Studien wurden eingeführt um die Arbeit in Einzelschulen zu optimieren, didaktische Modelle in die Schulpraxis einzuführen und die Schüler in Zukunft optimal fördern zu können. Die regelmäßigen und systematischen Schulleistungsstudien, die in Deutschland auf nationaler Ebene stattfinden, wurden seit ca.1990 eingeführt.

Die Studien gehen aus unterschiedlichen Forschungsorganisationen hervor: Eine der wichtigsten Organisationen ist die „International Association for the Evaluation of Educational Achievement“, kurz IEA. Aus dieser Forschungsorganisation gehen beispielsweise die TIMS- und die IGLU- Studie hervor. Die größte Konkurrenz der IEA ist die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development).

Beginnend bei der Third International Mathematics and Science Study, kurz TIMSS, begann das Bildungsmonitoring in Deutschland. 1994/1995 wurde die Studie mit dem Ziel international vergleichende Indikatoren für mathematisch- naturwissenschaftliche Schüler/innen- Leistungen herauszufiltern, ins Leben gerufen. Die Studie wurde in drei verschiedenen Altersgruppen, Untersuchungskohorten, durchgeführt: Die erste Kohorte entspricht neunjährigen Schüler/innen, die die dritte und vierte Jahrgangsstufe der Grundschule besuchen. Sie werden in TIMSS I verzeichnet. Zur zweiten Kohorte gehören dreizehnjährige Schüler/innen der siebten und achten Klassen (Sekundarstufe I), welche in TIMSS II registriert sind. Die dritte Untersuchungskohorte gehört Schüler/innen an, die im letzten Jahr der Sekundarstufe II sind, d. h. auch Auszubildende und Schüler/innen an Berufsbildenden Schulen. Diese werden in der Studie TIMSS III erfasst.

Die TIMSS Studie verläuft in einem vierjährigen Turnus und beinhaltet im wesentlichen Merkmale, die die Grundausbildung im Zusammenhang mit Kommunikations- und Lesefähigkeiten fokussieren. Beispielhaft seien hier die Beherrschung der Muttersprache in Schrift und Wort und der Umgang mit mathematischen Modellen und Symbolen angeführt. Diese Formen der Grundbildung repräsentieren Kompetenzen, die die Schüler/innen im sprachlichen und numerischen Bereich zur Aneignung der eigenen Kultur und des Umgangs mit der Welt benötigen. Vor allem das pädagogische Ziel, d. h. ein hinreichendes Niveau individueller als auch naturwissenschaftlicher und mathematischer Literalität eines jeden Schülers/ einer jeder Schülerin, muss stets im Vordergrund stehen. Nach einigen Durchläufen der Studie können folgende Befunde festgehalten werden: Die Leistungen deutscher Schüler/innen liegen weitestgehend unter den durchschnittlichen Leistungen der jeweiligen Altersgruppen in west-, nord- und osteuropäischen Nachbarstaaten. Vor allem werden Defizite bei der Anwendung mathematisch- naturwissenschaftlicher Kenntnisse auf alltagsbezogene Probleme deutlich. Ebenfalls ist auffällig, dass die der gymnasialen Oberstufe in Deutschland nicht dafür genutzt wird, die Inhalte, vor allem in Mathematik, zu vertiefen, um so die Schüler/innen auf die Universität vorzubereiten. Eine Ursache dafür wird darin gesehen, dass Unterricht weder kohärent noch kumulativ gestaltet wird, sodass ca. 30% der Schüler/innen nach der Sekundarstufe II nur einfachstes Niveau mathematisch- naturwissenschaftlichen Denkens erreichen. Wird das Ganze allerdings kritisch betrachtet, so muss festgehalten werden, dass diese Studien nicht immer vergleichbar sind, da durchaus unterschiedlich ausgebaute Schulnetzwerke verschiedener Länder unterschiedliche Ergebnisse nach sich ziehen. So ist erklärbar, dass einigen Staaten in unterschiedlichen Studien andere Platzierungen zukommen, da immer bedacht werden muss, was und wie Schülerleistungen gemessen werden. Denn es werden generell subjektive Maßstäbe von den „Vermessern“ gesetzt, die somit nicht zu objektiven Leistungsbildern der Schülern/innen führen können.

Die PISA- Studie (Programme for International Student Assessment), die von der OECD geleitet wird, ist eine Weiterentwicklung zu TIMSS und wurde im Jahr 2000 eingeführt. Dieses Programm soll ebenfalls dazu dienen, Schülerleistungen international vergleichen zu können und das Bildungsniveau zu erfassen.

Im Schwerpunkt der PISA- Untersuchung liegt neben den mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen ebenso die Leseverständnisfähigkeit. Schüler/innen tragen eine Vielzahl an Leistungskomponenten in sich, dennoch sei es unmöglich jede dieser Kompetenzen zu beobachten und zu untersuchen. Die PISA- Studie erweitert jedoch mit dem Blickpunkt auf das Leseverständnis die TIMS- Studie, sodass aus den drei zentralen Bildungsbereichen Vergleiche gezogen werden können.

Unter Leitung der OECD beteiligen sich insgesamt 31 Staaten an der PISA- Studie. Das PISA- Konsortium befindet sich in der französischen Hauptstadt Paris.

Ebenso wie bei TIMSS gibt es neben den internationalen Vergleichsstudien (PISA-I) auch die PISA- Studie auf nationaler Ebene. Diese Schüllerleistungsstudie wird auch PISA-E genannt. 2000, 2003 und 2006 wurden in der PISA-E- Studie über 40.000 Schüler/innen aller 16 Bundesländer in der Mathematik, den Naturwissenschaften und dem Leseverständnis getestet. Diese drei Kompetenzen werden alle drei Jahre in einem Zyklus untersucht, der den Schwerpunkt auf eines der drei Leistungskomponenten setzt. Im Jahr 2000 stand die Erfassung des Leseverständnisses im Vordergrund, 2003 waren es die mathematischen Kompetenzen, weitere drei Jahre später wurden die Naturwissenschaften untersucht. Dieser Zyklus wird in Zukunft fortgesetzt: 2009 wird wiederum die Leseverständnisfähigkeit der Schüler/innen untersucht. Damit die jeweiligen Leistungskomponenten nicht nur alle neun Jahre beobachtet werden, sollen ab 2012 die mathematischen mit den naturwissenschaftlichen Kompetenzen gemeinsam untersucht werden, damit die Tests für das Leseverständnis 2015 fortgeführt werden können.

Anstelle einer Jahrgangsstichprobe wird bei der PISA- Studie eine altersspezifische Untersuchung vorgenommen. Schüler/innen im Alter von 15 Jahren, meist Schüler einer neunten Klasse, wurden in den drei genannten Kompetenzbereichen getestet. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die 15-jährigen Schüler/innen in der achten oder bereits in der zehnten Klasse befinden, da bei der PISA- Studie die Vergleiche einer Alterskohorte im Mittelpunkt steht.

Es wurden sowohl Schüler/innen des Gymnasiums in der PISA- Studie berücksichtigt als auch die der Sonder-, Haupt-, Real-, Gesamt- und Berufsschulen. Um für die nationalen Schülerleistungsuntersuchungen Vergleiche ziehen zu können, wurden weit mehr Schulen pro Bundesland herangezogen als für die internationalen Untersuchungen. Die Anzahl der untersuchten Schulen fällt je nach Bundeslandgröße unterschiedlich aus. Die funktionale Sicht auf mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen sollte bei der PISA- Studie ebenfalls auf das Leseverständnis übertragen werden. Das bedeutet, dass die Schüler ihre Muttersprache in Wort und Schrift beherrschen sollten, Deutungen anhand eines gelesenen Textes entwickeln können und Belege aufstellen können.

Bei den bisher dreimaligen Untersuchungen kam hervor, dass die Leistungen der deutschen Schüler sowohl bei den naturwissenschaftlichen und mathematischen Kompetenzen als auch bei dem Leseverständnis deutlich hinter dem internationalen Durchschnittsergebnis liegen. Deutschland erreicht bei den Untersuchungen lediglich den 20. bzw. 21. Rang der 31 OECD- Staaten und liegt somit unter dem Mittelwert. Finnland und Kanada, die bei der PISA-I- Studie insgesamt am Besten abschnitten, sowie Japan und Südkorea, die bei den mathematischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen weit vorne lagen, machen den qualitativen Niveauunterschied zu den deutschen Schülern deutlich sichtbar. Die Wissenszuwächse in Deutschland sind im internationalen Vergleich gering. Bei den nationalen Untersuchungen lagen Bayern, Baden-Württemberg sowie Schleswig-Holstein weit vorne, während Bremen nur geringe Testergebnisse erreichte.

Die schlechten Leistungen des Leseverständnisses in Deutschland sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass in Deutschland viele Schüler ausländischer Abstammung leben und demnach die deutsche Sprache nicht fließend beherrschen. Im Vergleich zu anderen Staaten ist der Abstand zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Schülern in Deutschland besonders groß. Auch die soziale Herkunft spielt heute immer noch eine einnehmende Rolle. Akademikerkinder zeigen bessere schulische Leistungen als Arbeiterkinder.

Die Internationale Grundschul- Lese- Untersuchung, kurz IGLU, wurde im Schuljahr 2000/2001 und im Jahr 2006 erhoben. Insgesamt nahmen 2000/1 über dreißig Nationen statt, währenddessen die Teilnehmerstaaten auf vierzehn im Jahr 2006 gemindert wurden. Getestet werden hierbei Schüler/innen der vierten Klasse der Grundschule. Gab es 2001 noch einen länderspezifischen Vergleich von zwölf Bundesländern (IGLU-E) mit den zusätzlichen Bereichen Orthografie, Mathematik und Naturwissenschaften, so wurde die Erhebung dessen 2006 auf das Leseverständnis und die Orthografie beschränkt. Die Bereiche Mathematik und Naturwissenschaften wurden in der TIMS- Studie aufgenommen. Dennoch nahmen an der Erweiterungsstudie (IGLU-E) alle sechzehn Bundesländer teil.

Hauptsächliche Befunde dieser Studie waren, dass deutsche Schüler/innen bis zum Ende der vierten Klasse im Bereich des Leseverständnisses ein gleiches Niveau aufweisen wie die Nachbarstaaten. Des Weiteren sind deutsche Schüler/innen auch in der Gruppe mit hohen Lesefertigkeiten vertreten und die Anzahl „echter Risikokinder“ ist in Deutschland in dem Bereich gering. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Bereich der Mathematik. Sind Schüler/innen mit sehr schwacher Leistung gering vertreten, entspricht die Gesamtleistung dennoch nur dem eines guten Mittelfeldes. Auch der internationale Vergleich zeigt, dass die Leistungsstreuung bei denjenigen Schüler/innen gering gehalten ist und die Kopplung sozialer Herkunft und Schulleistungen nicht so eng ist, wie die in der Sekundarstufe II.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass die Effizienz an Grundschulen im Bereich des Lesens und Mathematik höher ist als in der Sekundarstufe. Wird die diagnostische Kompetenz bei Grundschullehrern/innen als hoch eingeschätzt, so muss aber deren Empfehlung zu den weiterführenden Schulen kritisch gesehen werden, da diese im Kontext der sozialen Schichtung der Schüler/innen stehen.

Die daraus resultierenden Konsequenzen waren schulstrukturelle Veränderungen. Es wurden Ganztagsschulen und zentrale Prüfungen wie das Zentralabitur installiert. Im gleichen Zug wurde das dreizehnte Schuljahr abgeschafft, genau wie das Kurssystem der gymnasialen Oberstufe in manchen Bundesländern. Auch die Abschaffung der Orientierungsstufe, eine verpflichtende Belegungen im Fach Mathematik in der Oberstufe und Vergleichsarbeiten in der Grundschule und im Sekundarbereich sind Folgen des Bildungsmonitorings. Am Wichtigsten erscheinen in diesem Kontext allerdings die Entwicklung und Verabschiedung von Bildungsstandards in Form von unterschiedlichen Kompetenzen im Bereich des Lesens, für die Mathematik und der ersten Fremdsprache für den Hauptschul- und Realschulabschluss. Damit einhergehend sind die Bestrebungen der KMK in den „Plöner Beschlüssen“, indem nationales Bildungsmonitoring für den Ländervergleich als auch für internationale Studien wie TIMSS als Informationen für Lehrer/innen, Eltern, für die Schulpolitik, Schuladministration und das Kultusministerium dienen soll. Hierbei soll die Qualitätssicherung oberstes Ziel sein, um so den Bestrebungen für eine bessere Schule gerecht werden zu können. Es muss hingegen angemerkt werden, dass nicht nur die Schüler/innen, sondern das öffentliche Bewusstsein in Richtung Umdenken zu bewegen ist.

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Details

Seiten
5
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640977062
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175927
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Schlagworte
pisa timss iglu

Autor

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Titel: PISA, TIMSS und IGLU im Überblick