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Medienkompetenz in der Schule fördern

Das Hörspiel

Seminararbeit 2009 20 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Medienkompetenz in der Schule fördern - ein Ansatzpunkt

3 Medien im Unterricht - Einsatz des Hörspiels

4 Unterrichtseinheit: Hinführung zur eigenen Hörspielgestaltung
4.1 Literatur als Hörspiel
4.2. Vorbereitungen: Besuch eines lokalen Radiosenders
4.3. Hilfestellung: Geräusche produzieren und Aussprachetechniken
4.4. Vertonung des eigenen Hörspiels

5 Reflexion

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Innovative Medien wie der Computer, das Fernsehen, CDs und Hörspiele sowie MP3- Player sind in der heutigen Zeit schon fast Standard eines jeden Haushalts. Die technisierten Medien haben mittlerweile großen Einfluss auf das alltägliche Leben von Schülern und Erwachsenen genommen. Da man bei der großen Medienflut der heutigen Zeit und dem Umgang mit immer neu entwickelten Medien bereits von einer dritten Sozialisationsinstanz sprechen kann, besteht bei Eltern und Pädagogen Grund zur Kontrolle.

Neben Familie und Schule haben, laut Experten, die Medien die Erziehungs- und Sozialisationsfunktion übernehmen können1. Neben der Zeit, die die Schüler für den Schulbesuch aufwenden, beschäftigen sie sich in der Schule und zudem privat ebenso mit Medien wie Computer, Fernsehen etc. Die investierte Zeit mit einem Medium ist großer Einflussfaktor für das Verhalten der Kinder und Jugendlichen und die Bildung der Persönlichkeit. Das Sozialverhalten kann ebenso beeinträchtigt werden: Die mangelnde Kommunikation mit anderen Personen bei der Beschäftigung mit dem Medium TV oder der für Eltern unkontrollierbare Austausch mit anderen Kindern bei Computerspielen über Kopfhörer, bereitet Eltern Sorgen.

Warum jedoch wird der Umgang mit verschiedenen Medien als negativ angesehen? Beschäftigt ein Kind sich Stunden lang mit Büchern, liest es zurückgezogen ein Buch nach dem anderen, wird dies meist nicht als negativ empfunden. Warum? Viele Eltern meinen, dass die Beschäftigung mit einem Buch sinnvoll sei, da dabei Lese- und Ausdrucksfähigkeit geschult wird und das Kind fähig sei, sich alleine zu beschäftigen. Dabei muss den Eltern bewusst werden, dass auch das Buch sowie Zeitungen und Zeitschriften zu den Medien gehören.

Es gibt Unsicherheiten auf Seiten der Eltern und Pädagogen. Es besteht die Angst, dass die innovativen, hauptsächlich technisierten Medien das Buch verdrängen. Daher ist es keine Seltenheit, dass Pädagogen Behauptungen aufstellen, die aussagen, dass die Jugend von heute nicht mehr zum Lesen komme und sich zunehmend isoliere2. Man könnte die Medienflut aber auch von einer anderen Seite betrachten. Gerade deshalb, weil Medien sich zu einer dritten Sozialisations- und Erziehungsinstanz „hervorgearbeitet“ haben, sollte von Lehrern und Pädagogen Schwerpunkt auf diese gelegt und den Medien Aufmerksamkeit geschenkt werden. Eine kritische Betrachtung aller Medien im Unterricht könnte daher sinnvoll sein.

Mit dieser Arbeit soll die Frage geklärt werden, ob das Lesen für den Umgang mit technisierten Medien und vor allem mit der Beschäftigung des Hörspiels als Schlüsselqualifikation anzusehen ist oder ob das Lesen vernachlässigt wird3. Außerdem soll die Wichtigkeit der kritischen Beschäftigung mit Medien im Unterricht thematisiert werden. Wie kann ein Medium in den Unterricht eingebracht werden? Warum könnte dies sinnvoll sein?

In dieser Arbeit möchte ich das Medium Hörspiel/Hörtext in den Vordergrund stellen, da sich mit diesem Medium im Unterricht einerseits seltener beschäftigt wird als mit anderen Medien, andererseits aber auch wieder das Interesse an dem tot geglaubten Medium Hörspiele wächst.

2 Medienkompetenz in der Schule fördern - ein Ansatzpunkt

Medienkompetenz ist laut Groeben & Hurrelmann „ das Schlagwort für Leben und Lernen in der Informationsgesellschaft4.

Die Selbstständigkeit, die im Umgang mit Medien gefördert werden soll, ist ein Zielpunkt der Medienerziehung. Medien sollten nicht nach nur intensiver Thematisierung verstanden werden, es sollte auch die Fähigkeit entwickelt werden mit ihnen umgehen zu können, sie anzuwenden, kritisch zu bewerten und eventuell auch selbst zu gestalten. Der Umgang mit unterschiedlichen Medien sollte sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln und verbessern5.

Die weltweite Medienflut verbessert bei allen Altersstufen, Geschlechtern und Bildungsständen die Medienkompetenz in hohem Maße. Mit den Jahren wurde das Fernsehen vom Computer verdrängt. Immer mehr beschäftigten sich mit dem PC. Auch im Umgang im Unterricht, Bibliotheken, Computerspielen und Lernsoftwares ist der Computer weit vorne und lädt die Schüler zum Experimentieren ein. Da es bei dem PC viele verschiedene Möglichkeiten gibt diesen zu bedienen bzw. an Informationen zu kommen, ist Selbstständigkeit und Entscheidungsvermögen gefragt. Beim Fernsehen hingegen kann sich der Schüler durchaus passiv verhalten und dementsprechend berieseln lassen6.

Aufgrund der Quantität des Medienkonsums in der heutigen Zeit und der Medienkompetenz, die ebenfalls immeröfter als Voraussetzung auch im späteren Berufsleben anzusehen ist, ist es sinnvoll, dass Lehrpersonen das Thema in der Schule behandeln und Medien dementsprechend integrieren. In der Theorie sollte daher versucht werden, alle möglichen Medien zu behandeln, damit die Schüler ein objektives, kritisches Bewerten und Beurteilen der einzelnen Medien und deren Botschaften erlernen und fähig sind, diese unterschiedlich zu interpretieren. Dies zählt unter anderem zur kritischen Medienerziehung und ist ein wesentlicher Faktor der Pädagogik7.

Es sollte jedoch an der Medienbiographie der Schüler angesetzt werden und vorhandenes Medienwissen oder angewandte Erfahrung berücksichtigen, nur dann kann ein produktives Erarbeiten im Unterricht ermöglicht werden8. Die Schüler bringen bereits gelerntes Wissen mit in den Unterricht ein und können ihre Erfahrungen durch neue Informationen oder aktives, differenziertes Anwenden im Unterricht erweitern.

Neben der natürlich nicht abzustreitenden Relevanz der Lesekompetenz ist auch die Medienkompetenz großer und wichtiger Einflussfaktor für die persönliche Entfaltung des Individuums. „ Medien erscheinen weniger als Gefährdung des einzelnen bzw. der Gesellschaft, sondern in einem neutralen Sinn als Nutzungsoption einzelner “, so Pöttinger9.

3 Medien im Unterricht - Einsatz des Hörspiels

Da Medien sozialisatorischen Charakter und indirekten Einfluss auf das Werte- und Normensystem der Schüler und Schülerinnen haben, ist es mittlerweile verpflichtend, die Medienerziehung in der Schule zu thematisieren und zu behandeln10. Zu Medien gehören unter anderem Printprodukte wie Bücher, Comics, Zeitungen und Zeitschriften sowie Schallplatten, Hörkassetten und CDs. Des Weiteren zählen Videos, Computerspiele und die CD Rom zu den Medien11. Das Medium Buch ist in der Schule immer noch in der Beliebtheitsskala weit vorne. 48% der Schüler und auch Eltern sind der Meinung, dass das Buch am besten dafür geeignet ist, etwas zu lernen und Themen in der Schule zu behandeln12. Aus diesem Grund wird in der Schule bereits seit Jahren regelmäßig Pflichtlektüre vorgeschrieben.

Warum jedoch gibt es keine Verpflichtung alle weiteren Medien ebenso aktiv zu behandeln? Die Medienerziehung ist den Lehrern zwar vorgeschrieben, dennoch ist den Lehrern die exakte Umsetzung der Thematik recht offen gelassen. Dies hat einerseits den Vorteil, dass der Lehrer sich aussuchen kann, auf welches Medium sich bezogen wird, andererseits kann dies aber auch Nachteile haben. Komplexe Medien, die nicht ohne intensive Vorbereitungen und Planung zu behandeln sind, geraten schnell in den Hintergrund. Obwohl es sich für den Deutsch- und auch im Fremdsprachenunterricht hervorragend eignen würde beispielsweise Hörspiele mit in den Unterricht zu integrieren, schrecken viele Lehrer weiterhin davor zurück. Produktionsorientierte Unterrichtseinheiten machen vielen Lehrern immer noch Angst. Fehlende Ausrüstung, zu wenig Erfahrung in dem Bereich sowie zu hoher Arbeitsaufwand hindern Lehrer oftmals daran, mit selten angewandten Medien zu experimentieren. Das Internet und das Fernsehen sind Medien, die von Lehren für die Medienerziehung oft zum Einsatz gebracht werden. Um etwas Abwechslung zu schaffen, könnte den Schülern ein „altes“, bekanntes Medium neu eröffnet werden: Das Hörspiel.

Da in einer Studie von Berg und Kiefer gezeigt wurde, dass sich der durchschnittliche Deutsche täglich etwa 6 Std. mit Medien beschäftigt und davon am längsten mit dem Radiohören, scheint es eine gute Idee, auf das verwandte auditive Medium Hörspiele Bezug zu nehmen13. Radiohören ist deshalb eins der meist konsumierten Medien, da sich das Radiohören hervorragend als Nebentätigkeit eignet. Es wird daher auch oft als „Nebenbeimedium“ bezeichnet14. Neben dem Kochen, Bügeln oder Aufräumen kann das Radio durchgängig laufen.

Dies soll im Unterricht anders ablaufen. Das Hörspiel verlangt grundsätzlich eine intensive Zuwendung und Konzentration der Zuhörer, in dem Fall der Schüler. Das Nebenbeihören in bei den Hörspielen demnach nicht möglich, da ohne Fixierung auf Gesagtes oder Gespieltes keine sinnvolle Information aus dem Hörspiel hervorgehen kann15. Das Hörspielhören ähnelt dem Lesen, nur, dass man einen anderen aktiven Part übernimmt. Das eigentliche Lesen wird zwar von jemand anderem übernommen, es wird einem regelrecht vorgelesen oder vorgespielt, dennoch muss sich auf die Worte und Aussagen konzentriert werden. Erst dann kann ein zusammenhängender Sinn für Schüler entstehen.

Das Hörspiel entstand in den 20er Jahren mit der Erfindung des Rundfunks zusammen mit der Reportage und dem Feature16.

Alfred Döblin sagte bereits, dass Menschen sich seit einer Ewigkeit Geschichten erzählen, da dies die Urform aller Kommunikation und die ehrlichste Form der Unterhaltung sei. Das akustische, neu entwickelte Medium Hörspiele könnte also laut Döblin als „Mutterboden jeder Literatur“ betrachtet werden. Mit dem Hörspiel sollte die alte Form des Geschichten Erzählens wieder aufgegriffen werden17. Das Hörspiel ist somit ein akustischer Ablauf, dessen Unterschied zur Musik darin besteht, dass das Material des Hörspiels, aus Wörtern und nicht aus musikalischen Klängen besteht18.

Lange Zeit nach Entstehung des Hörspiels geriet das Medium in Vergessenheit19. Doch in den letzten fünf Jahren verstärkte sich das Interesse wieder. Aufgrund von großen literarischen Werken wie „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“, die kurz nach Herausgabe der Bücher verfilmt wurden, stiegen die Verkaufszahlen von den dazugehörigen Hörspielen20.

Die Literaturwissenschaft und auch Lehrer und Eltern müssen demnach berücksichtigen, dass Hörspielarbeiten selbstverständlich Teil einer Literatur sind. Sie sind keinesfalls journalistische Nebenarbeiten der Autoren21.

[...]


1 Wragge-Lange, I.: Kritische Medienerziehung als Teilaspekt der Schulpädagogik. Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem der UniversitätOldenburg 2006. S.5

2 Langen, C./ Bentlage, U.:Das Lesebarometer - Lesen und Mediennutzung in Deutschland. S.7

3 Groeben, N.: Zur konzeptuellen Struktur des Konstrukts „Lesekompetenz“. S.11

4 Ebd. S.11

5 Sutter, T./ Charlton, M.: Medienkompetenz - einige Anmerkungen zum Kompetenzbegriff. S. 129

6 Langen, C.: Lesekompetenz und neue Medien - eine Einführung. S.9

7 Wragge-Lange, I.: Kritische Medienerziehung als Teilaspekt der Schulpädagogik. Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem der UniversitätOldenburg 2006. S.19

8 Ebd. S.28

9 Rosebrock, C./ Zitzelsberger, O.: Der Begriff Medienkompetenz als Zielperspektive im Diskurs der Pädagogik und Didaktik. S.153

10 Wragge-Lange, I.: Kritische Medienerziehung als Teilaspekt der Schulpädagogik. Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem der UniversitätOldenburg 2006. S.18

11 Ebd. S.8

12 Groeben, N./ Hurrelmann, B./ Eggert, H./ Garbe, C.: Das Schwerpunktprogramm Lesesozialisation in der Mediengesellschaft. S.5

13 Wragge-Lange, I.: Kritische Medienerziehung als Teilaspekt der Schulpädagogik. Oldenburg: Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg 2006. S. 9

14 Hickethier, K.: Radio und Hörspiel im Zeitalter der Bilder. S. 7

15 Ebd. S.17

16 Ebd. S. 16-18

17 Naber, H.: Es ist das Ohr, das durch die Dunkelheit dringt, nicht das Auge. S. 22

18 Kapfer, H.: Harte Schnitte, ungezähmte Worte, Stimmen hört jeder. S. 51

19 Hickethier , K.: Radio und Hörspiel im Zeitalter der Bilder. S.16

20 Naleppa, G.: Hörspiel und Öffentlichkeit. S. 66

21 Hickethier , K.: Radio und Hörspiel im Zeitalter der Bilder. S.19-20

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640971176
ISBN (Buch)
9783640970735
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175925
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Schlagworte
medienkompetenz schule hörspiel

Autor

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Titel: Medienkompetenz in der Schule fördern