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Alexander der Grosse in Ägypten

Seminararbeit 2011 20 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Vorgehensweise
1.2 Quellenlage

2. Der Weg nach Ägypten
2.1 Ausgangslage
2.2. Motive
2.3 Einzug in Ägypten

3. Gründung der Stadt Alexandria
3.1 Idee und Planung
3.2. Motive

4. Der Weg in die Oase Siwa
4.1 Besuch des Ammon- Orakels
4.2 Motive

5. Die Neuorganisation Ägyptens

6. Fazit

7. Anhang
7.1 Quellenverzeichnis
7.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Vorgehensweise

Alexander der Grosse von Makedonien hat in seiner kurzen Wirkzeit mit seinem aussergewöhnlichen Eroberungszug durch Asien bereits in der Antike und durch die Geschichte hindurch bis heute fasziniert. Die Ausdehnung seiner eroberten Gebiete sprengte jegliche Dimension in der Vorstellungswelt der Menschen und die unweigerlichen Veränderungen durch den Machtwechsel in der antiken Welt bereiteten den Weg in eine neue Epoche – den Hellenismus. Bei seinem Zug durch Asien gelangte Alexander nach Ägypten, das schon damals auf die Griechen durch seine alteingesessene Kultur und geheimnisvolle Religionspraxis eine ungleiche Faszination ausübte. Der Grieche Herodot etwa schreibt zu Beginn seiner Ägypten-Beschreibung in den Historien, dass das Land „mehr wunderbare Dinge und erstaunliche Werke enthält, als alle anderen Länder“.[1]

In dieser Proseminararbeit wird Alexanders Besuch in Ägypten, der damit verbundene Herrschaftswechsel von den Achaimeniden auf Alexander und der Verlauf der Geschichte bis zu Alexanders Weiterzug nach Babylon behandelt. Alexander hat in gewohnter Weise bei der Eroberung Ägyptens seinen Einfluss auf das Land ausgeübt und damit eine neue Phase in der Geschichte des alten Landes eingeläutet. Aus diesem Grund werde ich mich ausschliesslich auf diese Übergangsphase beschränken und so die Rolle des Kleomenes von Naukratis, der in der Zeit nach Alexanders Auszug in Ägypten seinen Einfluss ausweitete, nicht berücksichtigen.

In dieser Arbeit wird es zunächst um die Frage gehen, warum Alexander überhaupt den Weg nach Ägypten unternahm. Für manche Historiker stellt der Weg nach Ägypten nämlich einen unverständlichen Umweg dar, der ihres Erachtens nach für den Feldzug nicht nötig gewesen wäre. Dass es sehr wohl gute Gründe für den Weg nach Ägypten gab, werde ich in diesem Schritt aufzeigen. In den danach folgenden zwei Kapiteln werde ich mich mit den essenziellsten Gesichtspunkten von Alexanders Reise widmen: Die Gründung der Stadt Alexandria und der Besuch der Oase Siwa. In jedem der beiden Kapitel sind die eigentlichen Geschehnisse konsequent von Alexanders Motiven abgetrennt. Damit möchte ich umfassend darstellen, was genau sich hinter Alexanders wohlbekannten Taten verbirgt, dabei werden aus Gründen der Vollständigkeit einerseits die antiken Quellen, andererseits die moderne Forschung berücksichtigt. Die letzten Kapitel beschäftigen sich dann mit dem Stellenwert, den Alexander der Provinz Ägypten nach seiner Übernahme beimass und seine Vorstellungen zur Zukunft der Provinz. Nicht zuletzt ist der Umstand, dass Alexander Ägypten und nicht etwa seinen Heimatort als seinen Bestattungsort gewählt hat, schon ein Hinweis, dass Ägypten auch für ihn persönlich eine wichtige Rolle einnahm. Den Abschluss dieser Arbeit bildet ein Fazit.

Zu Alexanders Feldzug ist eine hohe Dichte an Literatur vorhanden. In der Fachwelt scheint aber generell die Tendenz zu bestehen, den Fokus der Forschung auf Alexanders Persönlichkeit und seine Taten im grossen Zusammenhang zu legen. Die Bedeutung der Zusammenhänge ist absolut nicht zu bestreiten, hingegen kommt aber dadurch das Thema Ägypten viel zu kurz. So finden sich über das Thema „Ägypten und Alexander“ oft nur die wichtigsten Fakten während seines Aufenthaltes in Ägypten, welche sich in das Gesamtbild des Feldzuges einfügen. Die gründlichsten Untersuchungen zu „Alexander in Ägypten“ finden sich bei Alexander Demandt, Nicholas Hammond und Victor Ehrenberg.[2] Hinzu kommen archäologische Untersuchungen, welche eine gute Ergänzung zur historischen Argumentation bilden, unter anderem E. G. Turners Untersuchung eines griechischen Papyrus aus Saqqara, Mahmud Abd el-Raziqs Arbeit zu den Darstellungen im Alexandersanktuar von Luxor sowie Klaus Kuhlmanns detaillierte Forschung zum Ammon-Orakel.[3]

Untersuchungen zur ägyptischen Perspektive sind nur schwerlich zu finden, da es an ägyptischen Quellen aus dieser Zeit mangelt und man daher auf archäologische Zeugnisse zurückgreifen musste. Auf diese wird im folgenden Abschnitt eingegangen.

1.2 Quellenlage

Die unmittelbaren Quellen zum Verlauf des Alexanderzuges sind grösstenteils verloren, dazu gehören Aristobulos, Ptolemaios, Kleitarchos und Kallisthenes. Die erhaltenen Alexanderdarstellungen stammen von griechischen und römischen Autoren, welche Jahrhunderte später gelebt und die Ereignisse aus der Sicht des Siegers in literarischer Form beschrieben haben. Zu den bedeutendsten Autoren zählen hierbei Flavius Arrianus (Anabasis), Plutarch (Alexander-Vita), Diodor (Buch XVII, Biblioteca Historica), Curtius Rufus (Historiae Alexandri) und Justin (Bücher XI und XII, Historiae Philippicae). Da jene Autoren bei den Primärquellen abgeschrieben und dabei ihre eigenen Sichtweisen und Elemente hinzugefügt haben, sind sie sehr sorgfältig zu behandeln und nicht einfach zu interpretieren: Wir erfahren immer nur die Sichtweise auf Ereignisse, welche Jahrhunderte zuvor stattgefunden haben. Historiker stufen generell die Darstellung von Flavius Arrianus als zuverlässigste Quelle ein. Arrianus beruft sich auf die Schriften des Aristobulos und Ptolemaios, welche beide Zeitzeugen des Alexanderzuges waren. Als Grieche mit römischem Bürgerrecht schrieb er sein Werk „Anabasis Alexandrou“ um das Jahr 130. n. Chr nieder. Seine Biographie sollte Alexanders Taten ähnlich wie Homer es mit Achill getan hatte darstellen.[4] Neben den Alexanderhistorikern existiert noch der unhistorische ‚Alexanderroman’, in den vier bekannten Versionen finden sich legendenhafte Erzählungen in literarischer Schreibweise, die irrtümlicherweise zuerst Alexanders Hofhistoriker Kallisthenes zugeordnet wurden und deshalb unter der Bezeichnung „Pseudo-Kallisthenes“ bekannt sind.

In den griechischen und römischen Quellen werden die ägyptischen Verhältnisse und Perspektiven aus jener Zeit praktisch nicht erwähnt. Wir sind deshalb auf ägyptische Quellen angewiesen. Jedoch bestehen diese grösstenteils aus archäologischen Zeugnissen wie Inschriften und Papyri und sind vorallem für die Rekonstruktion der damaligen Innenpolitik und administrativen Organisation des Landes von Bedeutung. Dies verrät uns also mehr über das Alltagsleben und die Organisationsstruktur der ägyptischen Gesellschaft als über die Vorgänge während Alexanders Eroberung.[5]

2. Der Weg nach Ägypten

2.1 Ausgangslage

Alexander III. hatte den Perserkriegsplan von seinem Vater Philipp II. geerbt. Was zunächst nach jenen Plänen verlaufen war, bildete sich immer mehr zu einem weitaus grösseren Projekt heraus. Der erste Sieg am Granikos setzte den Grundstein zum Erfolg und spätestens der Sieg in Issos gegen den Perserkönig Dareios III. eröffnete Alexander die Möglichkeit, das gesamte Perserreich zu erobern. Warum sich Alexander nach der Schlacht von Issos nach Süden und somit in Richtung Ägypten wandte, wird im nächsten Unterkapitel genauer untersucht.

Ägypten blickte indessen schon vor Alexanders Eroberung auf einen langen Zeitraum der Fremdherrschaft zurück. Im Jahre 525 v. Chr. marschierten die Perser unter Grosskönig Kambyses II. erstmals im Land ein und gliederten es als Satrapie ins persische Reich ein. Die „Erste Perserzeit“ stellte eine lange Zeit der Schwierigkeiten zwischen Ägyptern und Persern dar. Es formierten sich zahlreiche Unabhängigkeitsbewegungen, die Perser mussten wiederholt Aufstände niederschlagen. Es war jedoch die Krise um die königliche Nachfolge nach dem Tod des persischen Königs Dareios II., welche im Jahre 404 v. Chr. zur Unabhängigkeit und somit zum Ende der Perserherrschaft führte. Danach folgte eine Zeit der Pharaonenherrschaft. Erst zehn Jahre vor Alexanders Einmarsch in Ägypten, im Jahre 341 v. Chr., fiel Ägypten wieder an König Artaxerxes III., dies markierte den Beginn der relativ kurzen „Zweiten Perserzeit“.

2.2. Motive

Nach der Eroberung Kleinasiens bestritt Alexander eine folgenreiche Schlacht gegen das Achaimenidenheer, deren Ausgang keineswegs vorhersehbar war: Die Schlacht bei Issos. Durch die Enge des Schlachtfeldes und der leistungsstarken makedonischen Kavallerie gelang es ihm trotz zahlenmässiger Unterlegenheit, das Heer des Dareios zu zerschlagen und den Perserkönig in die Flucht zu zwingen.[6] Nach dieser gewonnenen Schlacht und der Flucht des Perserkönigs Dareios standen Alexander nun zwei Optionen offen: Die Verfolgung des Dareios nach Babylon oder die Einnahme der südlichen Küstengebiete. Die persische Flotte, die vor Issos noch eine Bedrohung für das makedonische Heer gewesen war, löste sich nach der verlorenen Schlacht auf.[7] Der Weg in die südlichen Gebiete des Perserreiches stellte nun keine Gefahr mehr dar. Alexander selbst besass nach dem Sieg ein grösseres Selbstvertrauen und wollte sich ausserdem den im Vergleich militärisch umständlichen Weg zur Eroberung des Perserreiches ersparen:[8] Bei einer zuerst folgenden Eroberung von Babylon hätte Alexanders Heer danach wieder den gleichen Weg zurück ans Mittelmeer zurücklegen müssen, um den Rest des Perserreiches einzunehmen. Für einen späteren Zug nach Osten war zudem eine gesicherte Basis des östlichen Mittelmeerraumes wichtig. Makedonenfeindliche Griechen oder womöglich ein neuer ägyptischer Pharao sollten keine Möglichkeit erhalten, Alexander – im wahrsten Sinne des Wortes – in den Rücken zu fallen. Ägyptens reiche Getreidekammer konnte im Falle untreu gewordener griechischer Staaten, insbesondere Athen, auch als Druckmittel gegen jene verwendet werden.[9]

[...]


[1] Hdt. Hist. 2, 35.

[2] Demandt: Alexander der Grosse. Leben und Legende. München 2009. Hammond, Nicholas Geoffrey Lemprière: Alexander the Great. King, Commander and Statesman. Park Ridge New Jersey 1980. Ehrenberg, Victor: Polis und Imperium. Zürich 1965.

[3] Turner, E. G.: A Commander-In-Chief’s Order from Saqqara. In: The Journal of Egyptian Archaeology, Vol. 60, Oxford 1974. S. 239-242. Abd el-Raziq: Die Darstellungen und Texte des Sanktuars Alexanders des Grossen im Tempel von Luxor, Mainz 1984. Kuhlmann: Das Ammoneion. Archäologie, Geschichte und Kultpraxis des Orakels von Siwa. Mainz am Rhein 1988.

[4] Demandt: Alexander. S. 4.

[5] Ebd., S 11.

[6] Wiemer, Hans-Ulrich: Alexander der Grosse. München 2005. S. 101-102.

[7] Ebd., S. 102.

[8] Demandt: Alexander. S. 150.

[9] Huss: Ägypten in hellenistischer Zeit. 332-30 v. Chr. München 2001, S. 61.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640970049
ISBN (Buch)
9783640970353
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175847
Institution / Hochschule
Universität Basel
Note
5.5
Schlagworte
alexander der grosse ägypten alexander von makedonien ptolemaios eroberung asienfeldzug alexandria luxor oase siwah

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