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Alter und Armut

Wege in der Altenarbeit

von Jan Sakris (Autor) Thomas Körner (Autor)

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

A Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung Alter und Armut

3 Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV)
3.1 Rahmenbedingungen
3.2 Berechnung der Rente

4 Risikofaktoren und Ursachen der Altersarmut

5 Statistische Daten
5.1 Armutsentwicklung
5.2 Altersarmut im Vergleich
5.2.1 Ost-West-Vergleich der Armutsverteilung in Deutschland
5.2.2 Altersarmut im europäischen Vergleich

6 Grundsicherung im Alter

7 Auswirkung der Altersarmut am Individuum

8 Demografischer Wandel als Chance

9 Zusammenfassung und Zukunftsaussichten

B Literatur

1 Einleitung

„Heute haben rund 98% der Rentnerinnen und Rentner ohne Inanspruchnahme von Sozialhilfeleistungen ihr Auskommen“ (BT- Drs. 16/10155 vom 21.08.2008). Bei diesen Zahlen stellt sich natürlich die Frage, wieso man eine Hausarbeit zum Thema „Altersarmut“ verfasst. Im Jahr 2008 waren nur 2% der Rentner auf Grundsicherung im Alter angewiesen und somit de facto arm. Gründe, sich dennoch mit diesem Thema zu befassen, gibt es viele: Mit der im Jahre 2001 stattgefundenen Rentenreform wurde beschlossen, dass das Rentenniveau bis zum Jahr 2030 abgesenkt werden soll. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, die Menschen bekommen weniger Rente. Doch das ist nur ein Fakt, der sich auf die tatsächliche Höhe der Rente auswirkt. Hinzu kommen Langzeitarbeitslosigkeit, niedrige Löhne und Mini-Jobs. All diese Faktoren beeinflussen die finanzielle Absicherung im Alter, wobei sich letztgenannte allesamt negativ auswirken und somit die Risiken, an einer Altersarmut zu „erkranken“, steigern.

Hinzu kommt, dass selbst die von Politikern hochgelobte und geförderte Riester- Rente scheinbar nicht vor einer Unterversorgung im Alter schützt. Der im Jahre 2009 veröffentlichte Vorsorgeatlas für Deutschland macht darauf aufmerksam, dass vier von zehn Deutschen eine Unterversorgung im Alter droht (vgl. www.spiegel.de). Jedoch ist eine Unterversorgung nicht gleichbedeutend mit Armut, dennoch erhöht sich somit die Gefahr, an Armut im Alter zu leiden.

Anhand dieser Zahlen stellt sich aktuell die Frage nach Armut im Alter zwar nur bedingt, bzw. trifft nur auf einen geringen Teil der Rentner in Deutschland zu. Zieht man jedoch Prognosen des oben genannten Vorsorgeatlas zu Rate, stellt sich die Frage nach der Legitimation sich mit dem Thema „Altersarmut“ zu beschäftigen auch nicht mehr. Daher wollen wir mit dieser Hausarbeit das Thema „Armut im Alter“ näher beleuchten. Was bedeuten die Begriffe „arm“ und „alt“? Welche Bedeutung spielt das Rentensystem im Alter und wie wird die Rente berechnet? Wie wirkt sich Armut auf den Betroffenen selbst aus? Und kann der demographische Wandel als Chance betrachtet werden?

2 Begriffsbestimmung „Alter“ und „Armut“

Zunächst kann man die Lebensphase Alter mit dem Übergang in die Rente definieren. Aufgrund der Rentenreform im Jahre 1957 wurde die Einkommenssicherung im Alter für den Großteil der Gesellschaft eingeführt. Erst durch diese staatliche Sozialpolitik wurde das Konstrukt Alter mit dem Eintritt in den Ruhestand verbunden. Dies gestaltet sich jedoch zunehmend schwieriger. „Der Eintritt des Ruhestands, der früher und noch bis in die 1970er Jahre klar als Schritt ins Alter gewertet wurde, hat einen Teil seiner determinierenden Wirkung verloren: Vorruhestand, gleitender Übergang in den Ruhestand, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit sowie Arbeitslosigkeit älterer Arbeitsnehmer haben (…) den Zeitpunkt des faktischen Austritts aus dem Erwerbsleben auf durchschnittlich unter 60 Jahre gedrückt“ (Backes/ Clemens 2003, 23). Eine klare Abgrenzung erscheint somit schwierig, denn die Möglichkeiten in den Ruhestand einzutreten sind differenzierter geworden.

Umgekehrt erscheint es bei der Definition von Armut. Errechnet wird die Armutsgefährdungsquote anhand des Medianeinkommens. Als „arm“ gelten demnach Personen, die unter 60% des Medianeinkommens zur Verfügung haben. Dies wird auch als „nahe oder relative Armut“ bezeichnet und „macht auf den Zusammenhang von Armut und sozialer Ungleichheit aufmerksam, da die Grenze zwischen Armut und Nicht- Armut fließend ist“ (Opielka 2008, 77). Daneben gibt es noch drei weitere Armutsgrenzen: die „extreme Armut“ (unter 30%), die „strenge Armut“ (unter 40%) und die „moderate Armut“ (unter 50%). Dies ist jedoch eine eher abstrakt formulierte Definition von Armut und scheint mehr der datenmäßigen Erfassung von Armut zu dienen. In einem Essay zum deutschen Armutsdiskurs macht Hradil (2010) darauf aufmerksam, dass die Kritik an dieser Definition lauter wird, da „jede Grenze im Grunde willkürlich ist und sie zudem soziale Ungleichheit und nicht Armut misst. Die Grenze sagt nämlich nichts über Mindestbedarfe und Exklusion aus, sondern nur über einen bestimmten Abstand zur Mitte“ (Hradil 2010: Der deutsche Armutsdiskurs, in: APuZ 51-52/2010, 4).

3 Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV)

Die gesetzliche Rentenversicherung geht auf das im Jahre 1889 gegründete „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Alterssicherung“ zurück. Ursprünglich sollte diese einen Zuschuss zum Lebensunterhalt leisten und Armut vermeiden. Mit der Rentenreform im Jahre 1957 ist der Rente die Aufgabe zuerkannt worden, „im Anschluss an das Arbeitsleben den erreichten Lebensstandard zu sichern“ (Bäcker u.a. 2010, 404). Diese Zielsetzung wurde im Rahmen von weiterführenden Reformen jedoch abgeändert, sodass die gesetzliche Rente in Zukunft zwar noch einen wesentlichen Teil, aber nicht mehr den kompletten Beitrag zur Lebensstandardsicherung beitragen soll. Eine weitere Versorgung soll über die private und betriebliche Altersvorsorge gelingen. Mit dem erreichten Lebensstandard ist jedoch nicht der Standard unmittelbar vor Eintritt in Rente gemeint, sondern die durch Erwerbsarbeit lebensdurchschnittlich erreichte Einkommensposition.

3.1 Rahmenbedingungen

In Deutschland gibt es mehrere Möglichkeiten, aus dem Erwerbsleben auszuscheiden und danach durch die Zahlung einer Rente versorgt zu werden.[1] Grundsätzlich lassen sich folgende Formen unterscheiden (vgl. Bäcker u.a. 2010, 365-366):

- Minderung der Erwerbsfähigkeit (Frühinvalidität)
- Frühausgliederung über besondere Regelungen
- Langzeitarbeitslosigkeit ohne Möglichkeit einer Wiederbeschäftigung
- Inanspruchnahme einer vorgezogenen Altersrente unter besonderen

Bedingungen

- Erreichen der gesetzlichen Regelaltersgrenze

Zu diesen Formen ist noch hinzuzufügen, dass das Ausscheiden aus dem Berufsleben, bedingt durch die Minderung der Erwerbsfähigkeit, nicht zwangsläufig an ein Lebensalter gebunden ist.

Betrachtet man das Thema Berufsaustritt und Renteneintritt genauer, wird einem schnell bewusst, dass diese Schritte nicht immer miteinander verbunden sind. Im Jahr 2004 wechselten nur 17% der Versicherten aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in den Bezug der Altersrente. Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit vor dem Renteneintritt waren die Menschen in den neuen Bundesländern (46,6%). In den alten Ländern waren es immerhin noch 16,9% (vgl. ebd., 367).

Opielka fragt sich auch aufgrund dieser Fakten, ob „ein solches erwerbszentriertes Modell (überhaupt noch, Anm. d. Verf.) zukunftsfähig ist“. Aufgrund dieser unsicheren Zukunft verweist Opielka auf die Idee einer Grundrente, „die jeder Bürgerin und jedem Bürger im Alter weitgehend unabhängig von vorherigen Leistungen eine menschenwürdige Existenz garantier(t)“ (Opielka 2008, 147). Für die Grundrente sprechen vielerlei Dinge: Sie verknüpft politische und soziale Rechte und verhindert Altersarmut und sozialen Ausschluss. Desweiteren ist sie langfristig sicher, da sie von der gesamten Bevölkerung finanziert wird, etwa in Form einer Grundeinkommensversicherung[2].

3.2 Berechnung der Rente

Die Berechnung des individuellen Rentenanspruchs erfolgt durch die Rentenformel. Diese setzt sich wie folgt zusammen:

persönliche Entgeltpunkte x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert = monatlicher Rentenbetrag.

Die persönlichen Entgeltpunkte werden anhand des Jahreseinkommens berechnet. Das Jahreseinkommen wird durch das Durchschnittsjahreseinkommen aller Versicherten geteilt und ergibt somit den persönlichen Entgeltpunkt für ein bestimmtes Jahr. Der Rentenartfaktor ist abhängig vom Zugangsfaktor. Der Wert ergibt sich durch den § 57 SGB VI und beträgt bspw. bei Rente wegen Alters 1,0. Der aktuelle Rentenwert wird jedes Jahr zum 1. Juli neu berechnet und „ist der Betrag, der einer monatlichen Rente wegen Alters der allgemeinen Rentenversicherung entspricht, wenn für ein Kalenderjahr Beiträge aufgrund des Durchschnittsentgelts gezahlt worden sind“ (§ 68 SGB VI). Seit dem 1. Juli 2010 bis einschließlich heute beträgt der Rentenwert 27,20 €, für Ostdeutschland 24,13 €. Eine Besonderheit stellt in der Berechnung der § 68a SGB VI, in dem die sogenannte Schutzklausel geregelt ist. Diese verhindert, dass der aktuelle Rentenwert unter den zuvor geltenden Rentenwert sinkt.[3]

4 Risikofaktoren und Ursachen der Altersarmut

In der Berechnung der individuellen Rente nehmen die persönlichen Entgeltpunkte einen großen Stellenwert ein. Wer in seinem Erwerbsleben nur wenige Jahre versicherungspflichtig war und/oder nur ein geringes Einkommen erworben hat, erwirbt auch nur eine geringe Anzahl an persönlichen Entgeltpunkten. Somit wird die Rente vergleichsweise gering ausfallen. Daher wird deutlich, dass Rente aufgrund dieser Prinzipien kein Schutz vor Armut ist und auch nicht sein kann. Diese Aufgabe wird in Deutschland der Grundsicherung im Alter (SGB XII) zu teil.

Altersarmut ist fast immer in der Erwerbsphase begründet. Arbeitslosigkeit führt zu niedrigen persönlichen Entgeltpunkten und somit auch zu einer niedrigeren Rente. Steffen (2008) von der Arbeitnehmerkammer Bremen macht auch deshalb darauf aufmerksam, dass „eine Politik zur nachhaltigen Risikominimierung und -vermeidung (…) daher vorrangig an den Ursachen ansetzen [sollte, Anm. d. Verf.], bevor sie sich vorschnell auf Ergebniskorrekturen konzentriert“. Politik muss sich somit dem Thema (Langzeit-) Arbeitslosigkeit vor allem bei älteren Menschen widmen. Z. B. erfüllt die Einführung der Rente mit 67 Jahren nicht ihren Sinn, wenn die Menschen nun nicht mehr „nur“ bis zum 65. Lebensjahr arbeitslos sind, sondern bis zum 67. Lebensjahr. Bei genauerer Betrachtung wird dies noch unterstützt durch die erlangten Rentenpunkte bei Arbeitslosengeldbezug. Bei Bezug von Arbeitslosengeld I zahlt die Bundesagentur für Arbeit 80% des vormaligen Bruttoentgelts an die Rentenversicherung. Demnach erwirbt ein Durchschnittsverdiener 0,8 EP pro Jahr. Deutlich geringer fallen die persönlichen Entgeltpunkte jedoch beim Bezug von Arbeitslosengeld II aus. Im Jahr 2008 erwarben Bezieher von ALG II im Westen 0,0818 EP und im Osten 0,0967 EP. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies einen Rentenanspruch von monatlich 2,17€ (West) und 2,26€ (Ost) (vgl. Steffen 2008, 6). Mittlerweile ist aber auch diese Regelung veraltet. Nach den neuesten Regelungen der Bundesregierung werden bei Arbeitslosengeld II- Bezug keine Beiträge mehr an die Rentenversicherung entrichtet.

[...]


[1] Siehe auch §33 SGB VI

[2] Ausführlich zur Grundeinkommensversicherung: Opielka (2008): Sozialpolitik. Grundlagen und vergleichende Perspektiven. 2. Auflage, Reinbek bei Hamburg. Kapitel 8: Sozialpolitische Reformen.

[3] Ausführlich zum Rentenbeginn und zur Rentenhöhe: http://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/de/Navigation/Rente/rentenbeginnrechner_node.html

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640969876
ISBN (Buch)
9783640969630
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175841
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,0
Schlagworte
alter armut wege altenarbeit

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