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Der Krieg im Frieden

Theorien des demokratischen Friedens am Beispiel des Irakkrieges

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 19 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Fragestellung und Aufbau

2. Der Demokratische Friede
2.1 Zum Begriff der Demokratie
2.2 Theorien des Demokratischen Friedens
2.2.1 Monadische Theorie
2.2.2 Dyadische Theorie

3. Empirie
3.1 Rationalitätsannahme
3.2 Hypothesen
3.3 Kosten
3.4 Daten
3.5 Auswertung

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

1.1 Einführung

Krieg ist vom Anbeginn der auf Kulturen und Zivilisationen beruhenden Menschheit ein ständiger Begleiter gewesen und zieht sich, wie der sprichwörtliche rote Faden, durch die Jahrtausende. Schon in den Jahrtausenden vor Beginn der Zeitrechnung, wie wir sie heute kennen, haben auf allen Kontinenten Stämme, Kulturen, Länder und Großreiche gegeneinander Krieg geführt. Persönliche Machtbedürfnisse monarchischer Herrscher oder ganzer Dynastien, hielten die Welt in einem Zustand dauerhafter Auseinandersetzungen um Land und Ressourcen gefangen. Erst mit dem Aufkommen der Demokratien in Europa und Amerika änderte sich dieser Zustand. Wie schon Kant im 19. Jahrhundert feststellte etablierte sich eine gewisse Friedfertigkeit unter den verschiedenen Demokratien auf der Erde. Ein Umstand, der im Hinblick auf die kriegerische Vergangenheit der einzelnen Völker doch überraschte und einer Erklärung bedurfte.

Die Erklärung erfolgte durch die Theorie des demokratischen Friedens. Diese zunächst durch Kant in dessen Schrift „Der ewige Friede“ formulierte Idee wurde in der amerikanischen Soziologie in den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgegriffen und dann von Micheal Doyle in den 1980er Jahren in die Politikwissenschaften übertragen. Spätestens in den 90er Jahren war die Theorie des demokratischen Friedens aus der Politikwissenschaft nicht mehr wegzudenken und fand durch unzählige theoretische und empirische Arbeiten Würdigung (vgl. Drulák 2002: 209).

1.2 Fragestellung und Aufbau

Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt die Theorie des demokratischen Friedens am Irakkrieg des Jahres 2003 zu überprüfen. Eine voll umfängliche Überprüfung der Theorie ist im Rahmen dieser Arbeit nicht zu leisten. Vielmehr werde ich zunächst einen theoretisches Grundgerüst aufstellen und die Theorie sowie ihre Ausprägungen zu erläutern. Es erscheint mir sinnvoll beide Herangehensweisen zu beleuchten, um zumindest einen kleinen Überblick zu geben, dass es sich eher um Theorien des Demokratischen Friedens handelt und weniger um eine einzige erklärende Theorie. Es existieren verschiedenste Erklärungsmodelle für die Theorien des Demokratischen Friedens. Um den Anspruch an eine empirische Arbeit zu gewährleisten werde ich mich allerdings einzig auf die Rationalitätsannahme konzentrieren und auf deren Basis Hypothesen aufstellen. Die Wahl des Erklärungsmodells, welches empirisch näher betrachtet werden soll, beruht ausschließlich auf persönlichem Eigeninteresse und ist keine Wertung über die Erklärungskraft oder Stärke der Rationalitätsannahme.

Im Verlaufe dieser Arbeit werden unterschiedliche Begriffe auftauchen, die möglicherweise als plakativ oder ungenau empfunden werden könnten. Begriffe wie „Schurkenstaat“ (rogue states), „Die Achse des Bösen“ (axies of evil) oder „Die Amerikaner“ (gemeint sind stets die USA) sind der allgemeinen Umgangssprache entnommen oder entspringen, wie in den ersten beiden Fällen, der Rhetorik der Administration der Vereinigten Staaten von Amerika und wurden zum Zeitpunkt des Krieges beziehungsweiße davor und danach in den Medien und gesellschaftlichen Diskussionen verwendet. Desweiteren werden einige Grundannahmen und geschichtliches Wissen über kriegsbeteiligte Staaten, Kriegsverlauf und anderem vorausgesetzt, da eine umfängliche und bis in alle Einzelheiten exakte Erläuterung im vorgesehenen Umfang nicht unterzubringen sind.

2. Der Demokratische Friede

2.1 Zum Begriff der Demokratie

Sofern man sich mit Demokratie beschäftigt, erscheint es zunächst notwendig, eine Definition des Begriffes zu versuchen. Eine erschöpfende Definition ist kaum möglich, da es unterschiedliche Meinungen darüber gibt, was als Demokratie zu bezeichnen sei. Ich habe mich für den klassifikatorischen Ansatz entschieden, der reinweg nach Demokratie und Nicht-Demokratie unterscheidet. Es werden, keine punktuellen Abstufungen und Grade einer Demokratie vorgenommen, wie dies im graduellen Konzept der Demokratiedefinition versucht wird (Petersen 2009: 28 f.). Diese Festlegung ist in der thematischen Anlage dieser Arbeit zunächst sinnvoll, da im Wesentlichen zwei Akteure in Erscheinung treten und eine einfache Unterscheidbarkeit beider Parteien ausreichend ist. Petersen (2009: 30) schlägt eine aus der politikwissenschaftlichen Literatur abgeleitete Bandbreite von Vorrausetzungen vor, nach der eine Demokratie klassifikatorisch bestimmt werden kann. Die Staatsgewalt muss demnach durch Wahlen legitimiert sein, Rechtsstaatlichkeit, Meinung-, Informations- und Versammlungsfreiheit gewährleisten und über garantierte Grundrechte verfügen. Eine Nicht-Demokratie ist demnach das Gegenteil und vornehmlich durch autokratische und unterdrückende Strukturen gekennzeichnet. Es wird also für den weiteren Umgang mit beiden Begriffen vorausgesetzt, dass mit den Vereinigten Staaten, zumindest ein handelnder Akteur des Krieges eine stabile und völkerrechtlich anerkannte Demokratie darstellt und der Irak im Weiteren als Nicht-Demokratie gilt.

2.2 Theorien des Demokratischen Friedens

Da der Name für diese Theorie recht treffend gewählt wurde, ist es relativ einfach zu verstehen was damit gemeint sein könnte. Die Theorie geht davon aus, dass es keinen Krieg zwischen Demokratien, seien sie nun plebiszitär oder repräsentativ, geben wird oder gab. Anhand der gut dokumentieren vergangen beiden Jahrhunderte kann man empirisch durchaus zustimmen, dass es keine kriegerische Auseinandersetzung zwischen echten Demokratien gegeben hat, seit diese Staatsform existiert. Um genauer zu sein, nach empirischem Befund hat seit 1816, also nach dem Ende des Wiener Kongress, kein Krieg unter Demokratien stattgefunden. Diese Regelmäßigkeit lässt sich somit durchaus als empirisches Gesetz bezeichnen (vgl. Chojnacki 2003: 4). Der Befund des demokratischen Friedens trifft eine allgemeine Aussage über das Außenverhalten eines Staates in Beziehung zu seiner Herrschaftsform. Wie Müller (2002: 46) es formulierte, versucht die Theorie eine empirische Begründung für die Beobachtungen der letzten Jahre zu liefern und hat sich dabei als äußerst widerstandsfähig erwiesen. Im Weiteren wird allerdings ein in der Literatur häufig als Doppelbefund bezeichneter Effekt wirksam. Die empirische Beobachtung hat gezeigt, dass Demokratien zwar als friedfertiger als Nichtdemokratien bezeichnet werden können, allerdings sind sie, insbesondere nach Beendigung des zweiten Weltkriegs, nicht signifikant weniger in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt gewesen als die Nichtdemokratien. (vgl. Chojnacki 2003: 5). Aus historischer Sichtweiße stechen hier insbesondere die Kriege Amerikas (Korea, Vietnam), Frankreichs (Algerien) und England (Falkland Inseln/Argentinien) hervor.

Es kann auch nicht von „der Theorie“ des demokratischen Friedens gesprochen werden. Vielmehr finden sich zwei Ansätze, die am Schluß zu demselben Ergebnis gelangen, jedoch von unterschiedlichen Bedingungen ausgehen. Die beiden gemeinten Theorien werden als monadische und dyadische Theorie bezeichnet und im Weiteren näher beleuchtet.

2.2.1 Monadische Theorie

Insbesondere die monadische Theorie des demokratischen Friedens leidet unter dem Doppelbefund. Geht sie doch davon aus, dass Demokratien per se friedfertiger sind als nichtdemokratische Systeme. Dies meint insbesondere die innere Verfassung demokratischer Staaten die eben jene größere Friedfertigkeit unabhängig der Außenpolitik besitzen. Der Doppelbefund, der die monadische Theorie in Bedrängnis brachte wird allerdings zunehmend angezweifelt. So zeigt die jüngste Forschung, dass „Demokratien auch in ihren Beziehungen zu anderen Staaten mit fremden Herrschaftssystemen militärisch zurückhaltender agieren, als im internationalen Durschnitt zu erwarten wäre“ (Hasenclever 2006: 221).

Darüber hinaus neigen Demokratien dazu sich in Bündnissen zu organisieren und so die Kriegsverantwortung und Beteiligung untereinander aufzuteilen (Gleditsch und Hegre 1997: 294). Dadurch entsteht ein Vakuum, in dem Schuld und Beteiligung nicht mehr eindeutig zuordenbar ist. Wie Hasenclever (2006: 222) weiter ausführt sind Demokratien auch signifikant seltener die Provokateure in einer internationalen Krise. Diese Aufgabe fällt in den meisten Fällen Nicht-Demokratischen Systemen zu, die zumindest im 20. Jahrhundert den Großteil aller großen Konflikte eröffnet haben. Die Nichtbeachtung dieser Umstände führt möglicherweise zu einer Fehleinschätzung was die Beteiligung demokratischer Staaten an Kriegen betrifft und zu einer Stärkung der monadischen Theorie.

Es wird also davon ausgegangen, dass allein eine per se unterstellte größere Friedfertigkeit zum empirisch beobachtbaren Phänomen des demokratischen Friedens führt.

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Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640969845
ISBN (Buch)
9783640969647
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175831
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Politikwissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
demokratischer Frieden

Autor

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