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Deutschland - Ein Einwanderungsland

Migrationsgeschichte und gegenwärtige Entwicklung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 19 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einleitung
1.2 Fragestellung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Migration
2.1 Die Definition von Migration
2.2 Migrationstypen und Ursachen
2.3 Migrationsanreize

3 Migrationsziel Deutschland
3.1 Migrationsgeschichte Deutschlands nach
3.2 Typus und Herkunftsregion

4 Fakten
4.1 Allgemein
4.2 Migrationsgeschichte seit
4.3 Entwicklung nach Herkunftsregion
4.3.1 Gruppe 1 – EU Länder
4.3.2 Gruppe 2 – Die Türkei
4.3.3 Gruppe 3 – Jugoslawien
4.4 Aktuelle Zahlen

5 Fazit und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Einleitung

Der Begriff der Wanderung oder wie heute gängiger verwendet die Migration durchzieht die Weltgeschichte und führt von den Anfängen der Menschheit über die Wanderung ganzer Volksstämme in der vorchristlichen Ära zu den Bevölkerungsströmen in die „neue Welt“ und Schlussendlich zu den gut dokumentierten Migrationsbewegungen des letzten Jahrhunderts. Der Rastlosigkeit des Menschen geschuldet, ist es also wenig verwunderlich das bis in die Jetztzeit des beginnenden 21. Jahrhunderts hinein, Menschen sich aufmachen ihre angestammte Heimat zu verlassen und aus unterschiedlichsten Gründen ihr Glück in der Ferne zu suchen. Einem tief in seine soziale Umgebung verwurzelten Menschen muss es schwer fallen, diesen Drang nachempfinden zu können und doch begreifen sich vor allem die Nationen Amerikas bis heute als klassische Einwanderungsländer die ihre wirtschaftliche Kraft und Innovationsfähigkeit aus dem Zustrom von Arbeitskräften schöpfen, die ihrerseits der Verheißung auf ein neues Leben und einen neuen Anfang folgen. Die Länder Westeuropas hingegen waren bis Anfang des 20. Jahrhundert vor allem durch Auswanderung gekennzeichnet. Eine nicht unerhebliche große Anzahl an Europäern machte sich seit der Entdeckung Amerikas auf um ihre alte Heimat hinter sich zu lassen und sich in Amerika eine neue aufzubauen. Dies wandelte sich jedoch mit dem Ende des zweiten Weltkrieges speziell für Deutschland. Aus einem Auswanderungsland wurde nun ein Einwanderungsland und ganz nach amerikanischem Vorbild zog Deutschland über Jahrzehnte hinweg einen hohen nutzen aus dem Zuzug von Migranten unterschiedlichster Nationen.

Die Migrationsgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert ist vor allem durch das Ereignis des zweiten Weltkrieges geprägt. Speziell die Nachkriegsära sollte zu einem starken Zuzug an arbeitsfähigen Ausländern führen. Es galt das zerstörte Land wieder aufzubauen. Deutschland besann sich dabei auf seine besondere Stärke im Industriesektor und der Fahrzeugproduktion und schaffte einen noch nie dagewesen und deswegen auch als Wunder bezeichneten Wirtschaftsaufschwung. Dieser Aufschwung wurde nicht zuletzt getragen durch Millionen von angeworbenen Arbeitern aus unterschiedlichen Nationen Europas und der Welt. Dieser historischen Tatsache folgend, sollte davon ausgegangen werden, dass Deutschland sich inzwischen als Migrationsziel versteht. In der Diskussion der letzten beiden Jahrzehnte lässt sich allerdings ein gewisses Selbstverständnis erkennen in dem Deutschland seine Rolle als klassisches Einwanderungsland nicht wahrnimmt. Dadurch bleiben nicht nur zentrale Fragen der Zustromregulierung und Integration bis heute nur unzureichend geklärt, sondern in der Öffentlichkeit entsteht ein verzerrtes und durch Ressentiments geprägtes Bild über in Deutschland lebende Ausländer.

1.2 Fragestellung

Im Rahmen dieser Arbeit soll Anhand von statistischen Fakten gezeigt werden, wie sich Deutschland nach 1945 zu einem Einwanderungsland entwickelt und dies auch selbst gefördert hat. Es ist weiter davon auszugehen, dass die in Deutschland verbliebenen Ausländer in erheblichem Maß zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland beigetragen haben und Menschen mit eigener Migrationserfahrung oder Migrationshintergrund nach wie vor einen signifikanten Anteil der Gesamtbevölkerung stellen.

1.3 Aufbau der Arbeit

Im weiteren Verlauf wird zunächst eine Definition des Begriffes Migration versucht und Ursachen aufgezeigt, die in der Fachliteratur als gängige Faktoren für Migration angesehen werden. Es hat sich während der Recherche gezeigt, dass sowohl Definition als auch Ursachen einer umfänglichen Erläuterung bedürfen, die über eine simple Begriffsanalyse hinausgeht. Wie sich zeigen wird machen insbesondere die speziellen Eigenheiten der Migration eine Definition schwierig. Des Weiteren wird ein kurzer Überblick über die Migrationsgeschichte Deutschlands nach 1945 gegeben und Migrationstypen nach ihrem Herkunftsland festgelegt. Diese Typisierung ist im verwendeten Fall ausschließlich auf Deutschland anzuwenden und kann nicht als allgemeingültige Typisierung in die internationale Migration übernommen werden. Nachdem eine Definition geschaffen und wichtige Begriffe vorgestellt wurden erfolgt im Anschluss eine Vorstellung der statistischen Migrationszahlen für Deutschland die Schlussendlich zur Auswertung der Fragestellung verwendet werden sollen. Ein allgemeiner Überblick über die Zahlen für Deutschland wird gefolgt von der statistischen Erfassung der vorher definierten Migrationstypen. Es wird sich zeigen, dass Deutschland de facto ein Einwanderungsland ist und demnach im Selbstverständnis werden muss.

2 Migration

2.1 Die Definition von Migration

Das einzige worin die gängige Fachliteratur sich einig ist, dass es keine einheitliche Definition des Migrationsbegriffs gibt. Der Begriff Migration der sich vom lateinischen „migrare“ (wandern, wegziehen) ableitet entstammt ursprünglich der englischen Sprache wo äquivalent zur deutschen Verwendung von „migration“ gesprochen wird. (vgl. Han 2000: 7) Die Komplexität des Tatbestandes als solches macht ihn nur unzureichend greifbar. Es kommt erschwerend hinzu, dass eine Vielzahl von unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen sich mit der Migration bzw. Migrationsforschung auseinandersetzt. Aufgrund dieser Vielfalt erscheint es daher zunächst sinnvoll im Rahmen dieser Arbeit einen soziologischen Ansatz zu wählen.

Versucht wird dies, indem wichtige Grundpfeiler der Theoriebildung zu einer Definition geformt werden. Ausgehend von den drei Forschungsdimensionen der Migrationsforschung Ortswechsel, Veränderung des sozialen Beziehungsgeflechtes und Grenzerfahrung lässt sich eine Definition aus soziologischer Sicht entwerfen. Migration ist demnach eine Erfahrung die mit sozialer, politischer und kultureller Grenzziehung einhergeht herbeigeführt durch eine räumliche Versetzung des Lebensmittelpunktes (vgl. Oswald 2007: 13). Das bedeutet nichts weniger, als das alle relevanten Lebensbereiche wie soziale Bindungen, Arbeit und dauerhafter Wohnsitz an einen anderen Ort verlegt werden. Eine Begriffsdefinition aufgrund der Mehrdimensionalität des Problems ist kompliziert was auch Elias und Scotson erkennen. Ihre Definition „Was geschieht scheint nur zu sein, dass Menschen sich physisch von einem Ort zum anderen bewegen. In Wirklichkeit wechseln sie immer von einer Gesellschaftsgruppe in eine andere über“ (Elias und Scotson 1990: 248) würdigt den Umstand, dass eine einseitige Ortswechseldefinition nicht ausreicht. Es ist also mehr der soziale Aspekt der Migration der es zusätzlich erschwert eine Definition zu finden. Die vereinten Nationen gaben 1950 hingegen in ihrer Empfehlung zur statistischen Erfassung von Migration an, einen Wohnortwechsel von länger als einem Jahr als Migration zu bezeichnen. Dies änderte sich nochmals und seit 1960 wird ein dauerhafter Wohnortwechsel von mehr als 5 Jahren als Migration erfasst. (vgl. Longino 1992: 975)

2.2 Migrationstypen und Ursachen

Es gibt verschiedene Typen von Migration. Es werden zunächst zwei Oberbegriffe eingeführt damit nachfolgend eine Zuordnung oder Differenzierung der Migrationstypen erfolgen kann.

2.2.1 Binnenmigration

Von Binnenmigration kann gesprochen werden wenn die Verlegung des ständigen Wohnsitzes „within the boundaries of a given country“ (Longingo 1992: 974) geschieht. Bezüglich der Wohnbevölkerung einer Gemeinde wird zwischen „in-migration“ also dem Hinzug und „out-migration“ dem Wegzug unterschieden (vgl. Herr 1996: 538). Die Migration aus ländlichen in städtische Regionen wird demnach als „rural out-migration“ bezeichnet (Han 2000: 9).

2.2.2 Internationale Migration

Wenn eine Migration zwischen unterschiedlichen Nationalstaaten stattfindet, spricht man von internationaler Migration. Es wird hier zwischen Immigration und Emigration unterschieden (vgl. Herr 1992: 984)

Eine Unterscheidung beider Merkmale dient laut Han (2000:9) eher statistischen Zwecken nicht zur Differenzierung des Migrationsgeschehens.

William Petersen entwickelte 1958 zwei Charakterisierungen von Migrationstypen die er in Abgrenzung zu Henry P. Fairchild’s (1925) Migrationstypen formulierte, die sich im Wesentlichen auf die Unterscheidung von kriegerischer und friedlicher Migration stützen. Petersens Ansatz hingegeben nahm vor allem Rücksicht auf die ganz persönlichen Wünsche des Migranten und führte zu der Unterscheidung zwischen innovative und konservative Migration (vgl. Petersen 1958: 258). Als Innovativ bezeichnet Petersen eine Migration, wenn sie unternommen wird um etwas Neues kennenzulernen bzw. um „achieving the new“ (Petersen 1958: 258). Konservativ ist eine Migration hingegen dann, wenn sie unternommen wird um Neuerungen zu entgehen und dazu dient etwas Altes beizubehalten oder wiederherzustellen (vgl. Petersen 1958: 228 f.) Diese Charakterisierungen führten Petersen (1958: 229 ff.) zu 5. Typen der Migration.

- Primitive Migration: Nicht die Einfachheit der Migration ist hier gemeint sondern vielmehr die Unfähigkeit des Menschen sich den Mächten der Natur entgegenzustellen. Wo die Mächte der Natur ein weiterleben unmöglich machen muss der Mensch weichen.
- Erzwungene und veranlasste Migration: Ausgangspunkt dieses Migrationstypus ist nicht die Natur sondern ein Staat oder eine äquivalente soziale Institution (Han 2000: 25). Hierbei wird nochmals fein unterschieden zwischen einer durch den Staat erzwungenen Migration (veranlasste) und einer Migration bei der die Person eine gewisse Restkontrolle z.B. über das Ziel behält (erzwungene)
- Freie Migration: In diesem Typ ist der Migrant die zentrale (freie) Figur. Er trifft eine persönliche Entscheidung auf deren Basis er Ziel, Zeit und Weg wählt.
- Massenmigration: Eine in kleinem Umfang begonnen Migration kann sich zu einer Massenbewegung entwickeln, bei der die Migration der Anderen zum Auslöser für die Migration wird.

Alle fünf Migrationstypen lassen sich sowohl der Binnen- als auch der Internationalen Migration zuordnen. Ausschlaggebend hierfür ist nicht der Typus sondern die Reichweite der Migrationsbewegung. Oswald (2007: 67) unterscheidet hier in Anlehnung an die Migrationstypologie von Ravenstein (1972: 83ff.) nach lokalen-, Nah-, Fern- und Etappenwanderern.

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Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640969968
ISBN (Buch)
9783640970292
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175828
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Migration Migrationstheorie

Autor

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Titel: Deutschland - Ein Einwanderungsland