Lade Inhalt...

Einleitungsfragen zum Buch Sacharja

Seminararbeit 2010 27 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Das Buch
2.1. Einer von Zwölf
2.2. Der Name
2.3. Literarische Formen

3. Zur Person Sacharja
3.1. Wirkungszeit Sacharjas
3.2. Welcher Sacharja?

4. Verfasser
4.1. Kapitel 1-8
4.2. Kapitel 9-14
4.2.1. Die vorexilische Theorie
4.2.2. Die nachalexandrische Theorie
4.3. Argumente für die Einheit der Prophetenschrift

5. Empfänger und historische Kontext

6. Übersicht und Gliederung des Buches

7. Botschaft
7.1. Der Messias in Sacharja

8. Schluss

9. Bibliographie

1. EINLEITUNG

Bevor man sich an das Studium eines Buches macht, ist es von Vorteil, wenn man einige Dinge über das Buch weiss. In der vorliegenden Arbeit wurden verschiedene Einleitungsfragen zum Buch Sacharja, das in der heutigen, aber auch schon in der hebräischen Bibel unter den kleinen Propheten zu finden ist, untersucht.

Folgende Fragen waren führend: Wie kam das Buch zu seinem Namen? Ist dieser Name auch gerechtfertigt? Wer ist der Verfasser? Diese Frage ist in der heutigen theologischen Welt eine viel diskutierte Frage, deshalb ist auch in dieser Arbeit ein grosser Teil dieser Frage gewidmet. Es stellt sich aber nicht nur die Frage wer das Buch geschrieben hat, sondern auch wer der Empfänger des Geschriebenen sein sollte. Damit man verstehen kann, was der Schreiber den Empfängern mitgeben wollte, ist es immer von Vorteil den historischen Zusammenhang zur Zeit des Autors zu kennen, deshalb ging man kurz auf die Situation ein. Als zusätzliche Hilfe wurde ein knapper Überblick des Inhaltes von Sacharja erstellt. Zum Schluss versuchte man die Hauptthemen und die Schwerpunkte des Verfassers im Geschriebenen zu extrahieren.

Zur Erarbeitung des Themas wurden etliche Lexika und Einleitungen aber auch Kommentare zum Alten Testament und spezifisch zum Buch Sacharja konsultiert. Die Arbeit verschafft einen kurzen, aber zum Teil detaillierten Überblick über Informationen rund um das Buch Sacharja.

2. DAS BUCH

In diesem Abschnitt behandle ich die Platzierung des Buches in der Bibel sowie die Bedeutung und Herkunft das Namens.

2.1. Einer von Zwölf

Das Buch Sacharja wird im Kanon zu den „zwölf kleinen Propheten“ gezählt. Der Grund für diese Zuordnung ist die uns bekannte masoretische Überlieferung. „Der Text 1,1-6 ist nach seiner masoretischen Überlieferung in allem als ursprünglich anzusehen“.1 Es sind in der hebräischen Zwölfprophetenrolle von Murabba‘at fragmentarische Ausschnitte aus dem „Buch Sacharja 1,1 (init) - 4 (la) erhalten“2. Diese bestätigen trotz der Größe der Lücken, in jeder Einzelheit den masoretischen Text, demnach können wir nicht anders, als Sacharja zu den Zwölf Propheten zu zählen.

2.2. Der Name

Einer der wichtigsten Fragen die man sich zu beginn der Untersuchung eines biblischen Buches, unabhängig ob Altes oder Neues Testament, stellen sollte ist die Frage nach dem Namen. Namen stehen in der Bibel in Verbindung mit einer Bedeutung, einer Identität. Namen werden nicht zufällig oder unüberlegt vergeben, sondern Bewusst erwählt.3 Oft haben Namen in der Bibel einen besonderen Sinn, sie deuten auf ein bestimmtes Ereignis oder drücken das Wesen eines Menschen aus. Woher hat das Buch Sacharja nun seinen Namen, welche Bedeutung und welche Ursprung hat es.

Für hyrkz gibt zwei verschiedene Lesarten. hyrkz kommt fünfundzwanzig mal im AT vor. An fünf stellen, davon vier im Buch Sacharja selbst, wird hyrkz mit Sacharja übersetzt. An den anderen zwanzig Stellen übersetzt man mit Secharja, so wie man es aus dem heb. erwarten würde. Die LXX hat an diesen Stellen Zacariaj stehen. Sach 1,1 wird hingegen mit Zacarian übersetzt. Wenn Jesus in Mt 23,35 von Secharja sprich, steht im griechischen an dieser Stelle Zacariou. Es ist zu vermuten, dass unsere deutsche Übersetzung Sacharja sich an das Wort Zacarian anlehnt. Die englische Bibel hingegen übersetzt hyrkz grundsätzlich mit Zechariah.

Mit größter Wahrscheinlichkeit wurde das Buch Sacharja nach dem im Buch vorkommenden Propheten Sacharja benannt, der als zentrale Figur auftaucht und schon zu beginn in Kapitel 1,1 und in 1,7 mit Namen und Abstammung eingeleitet wird. Die Wurzel von hyrkz> ist hyrkz, so vermutet man, dass dies eine Kombination aus den Wörtern hwhy und rkz ist, die wir uns nun genauer anschauen werden.4

Die Wurzel rkz kommt in allen semitischen Sprachbereichen vor. Die häufigste Form dieses Verbums im AT ist die qal Form, die 168 mal vorkommt. Daher sollte man bei theologisch ausgerichteten Untersuchungen von eben dieser Form der Wurzel ausgehen. Das Wort zakar wird oft mit „gedenken, sich erinnern“ übersetzt, kann aber zwei Bedeutungen haben, je nach dem wer das Subjekt und wer das Objekt ist.5 1. Der Mensch denkt an Gott.

Gegenüber den wenigen Fällen, daß bei zakar Menschen an Menschen denken, kommt es also viel häufiger vor, daß der Mensch Gottes gedenkt. [...] In den Psalmen wird das preisende Gedenken an die Großtaten Gottes zum Gebot formuliert, womit ein umfassendes Thema angesprochen wird, das etwa den Psalm 105 formt [...] Israel wird vorgeworfen, es habe nicht an die Wundertaten Gottes in der Vergangenheit gedacht, was auch im Bußgebet des Nehemias verkommt (Neh 9,17).6

Wir halten fest, dass das Wort zakar unter Punkt 1 bedeutet, dass Gott das Objekt ist und der Mensch derjenige ist, der sich an seine Wundertaten erinnert. Doch der häufigste Gebrauch dieses Wortes ist 2. der, dass Gott des Menschen gedenkt. Gott ist der, der z.B. an Rahel (1 Mo 30,22) und an Hanna (1 Sam 1,11.19) gedenkt und ihnen Kinder schenkt.7

Wenn wir von dem Wort hwhy (JHWH) sprechen, ist eher von einem Tetagramm die reden, das den Eigenname des Gottes Mose wiedergibt. Der Name Gottes wurde zur Zeit des zweiten Tempels als unaussprechbar heilig empfunden und wurde so in den öffentlichen Vorträgen nicht verwendet. hwhy wird nicht mit JHWH sondern wird als adonaj gelesen.8

Schlussfolgerung: Da wir uns nun diese zwei Wörter etwas genauer angeschaut haben, ihre Bedeutung und ihre Übersetzung, können wir den Name hyrkz vermutlich besser verstehen. hyrkz könnten wir folgend also mit „Gott hat sich erinnert“ übersetzen.9 So kann der Name Sacharja ein Stück Verheißung an Israel sein: Gott denkt an sein Volk, wenn er seine Herrlichkeit an Israel erweisen wird. „Sacharja wird mit seinem Leben und seiner Verkündigung ein lebendiger Beweis der Treue Gottes.“10

Doch die Frage dich ich mir nun an dieser Stelle stelle ist, hat die Bedeutung des Namens etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun?

2.3. Literarische Formen

Im Buch Sacharja gibt es eine Anzahl von verschiedenen literarischen Formen. Zum größten Teil ist das Buch in Prosa geschrieben doch in manchen Teilen sind auch Poetische Strukturen zu finden (Kap. 9-10). Es enthält Ermahnungen (Kap. 1,1-6), Visionen (Kap. 1,7-6,8) sowie symbolische Elemente (6,9-15) aber auch Weissagungen (7,1-14,21).11 Was noch besonders bei Sacharja auffällt, sind die Botschaften die er von Gott weitergibt.

Now and then, however, especially when he is delivering an express message from Yahweh, he falls into a rhythmical movement, and moste frequently thaht of the second Isaiah. In some cases the rhythmical passage is so short, containing only one or two lines, that it is doubtful if the porpeht was conscious of employing the metrical form.12 Sacharja kann durchaus als ein Apokalyptisches Buch betrachtet werden, da es Elemente wie Visionen, einen angelus interpres sowie Interpretationen von früheren Propheten enthält. Zu dem so meint Smith „are stronge eschatological emphases in the book“13.

3. ZUR PERSON SACHARJA

Nachdem wir uns mit der Bedeutung und Herkunft des Namens Sacharja vertraut gemacht haben, ist es nun an der Zeit sich mit der Person Sacharja auseinander zu setzen. Wer ist dieser Sacharja? Zu welcher Zeit und Wo hat er gelebt? Was erfahren wir über diesen Menschen.

3.1. Wirkungszeit Sacharjas

Die Frage die ich mir nun stelle ist, wie man die Wirkungszeit Sacharjas definieren kann. Was für Anhaltspunkte haben wir um eine Zeitspanne festzulegen in der Sacharja gewirkt hat?

Was wir definitiv anhand von innerbiblischen Hinweisen sagen können ist, dass der Prophet Sacharja zur selben Zeit mit dem Propheten Haggai in Juda wirkten. Doch zur welcher Zeit war dies?

Haggai 1,1 Sacharja 1,1

„Im zweiten Jahr des Königs Darius, im sechsten Monat, am ersten Tag des Monats, geschah das Wort des Herrn durch den Propheten Haggai zu Serubbabel des Schealtiel, dem Statthalter von Juda [...]”

„Im achten Monat, im zweiten Jahr des Darius, geschah das Wort des Herrn zum Propheten Sacharja, dem Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos“

Dank der genauen Informationen bezüglich Jahr und Monat ist es möglich, Historisch auf ein Datum zu kommen.

Nach dem Fall von Jerusalem im Jahr 587/586 v. Chr. waren die Überlebenden als Gefangene nach Babylon weggeführt worden. 538 v. Chr. hatte Kyrus von Persien Babylon erobert und durch ein Edikt im Jahre 538 v. Chr. den Weggeführten unter Serubbabel die Rückkehr in die Heimat und den Wiederaufbau des Tempels erlaubt (Esr 1,1-4; 6,3-5)14. Wir befinden uns im 6. Jh. v. Chr. Durch diesen Zeitliche Rahmen lässt sich nun das Wirken von Haggai und Sacharja genauer eingrenzen.

Darius I war der dritte Persische König und regierte von 522-486 v. Chr.. Serubbabel war unter Darius I Statthalter von Juda gewesen. Gottes Wort erging zum ersten Mal an Sacharja im achten Monat des zweiten Regierungsjahres des Darius, also im Oktober/November 520 v. Chr. zwei Monate nach dem ersten Auftreten Haggais. Wir können nun von einem groben Zeitlichen Abriss (6. Jh. v. Chr.) auf ein genaueren Zeitrahmen (522-486 v. Chr.) und letztendlich auf einen genauen Zeitpunkt (Oktober/November 520 v. Chr.) schließen, in dem Sacharja mit seinem Wirken begann.

Als weiteres Datum seiner Wirksamkeit wird uns der neunte Monat des vierten Jahres des Darius (Sach 7,1) gennant, das heißt ca. November/Dezember 518 v. Chr. Sacharja wirkt also seit 520. v. Chr. als Prophet unter den aus Babylon zurückgeführten Judäern und ermutigt sie zusammen mit Haggai zum Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels Gottes (Esr 5,1; 6,14). Über die Kapitel 9-14 äußerst sich Archer wie folgt:

Seine letzte datierte Weissagung (Kapitel 7) erhielt er zwei Jahre später, im Jahre 518; die Kapitel 9-14 sind aber allem Anschein nach etlichen Jahrzehnten danach, möglicherweise erst nach 480 v. Chr. entstanden, was aus dem Hinweis auf Griechenland (9,13) hervorgeht.15

Walten behauptet, dass Sacharja seinen Dienst bis etwa 485 v. Chr. fortgesetzt hat.16

Wir können nun mit größter Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Prophet Sacharja gemeinsam mit dem Propheten Haggai um 520 v. Chr. anfingen in Juda zu wirken. Möglich ist auch, dass Sacharja unter dem Statthalter Serubbabel und König Darius I noch bis etwa 485 v. Chr wirkte. Fazit: Sacharja lebte und wirkte im 5-6. Jh. v. Chr. in Juda.

So beschrieb der Prophet Sacharja fünfhundert Jahre vor der Geburt Jesu das Kommen des Messias. Jetzt sollte sich diese Weissagung erfüllen. Er, der so lange die königlichen Ehren verweigert hatte, zog nun als der verheißene Erbe des Thrones König Davids in Jerusalem ein.17

[...]


1 Robert Hanhart, Dodekaporpheton 7.1: Sacharja 1-8, Siegfried Herrman, Hg., Biblischer Kommentar Altest Testament, 7.1 (Neukirchen-Vluyn: Neukirchner Verlag, 1998) 3.

2 Ibid.

3 Siehe 1 Mose 17,19 (hebr. Jizchak; d.h. er wird lachen); Lukas 1,31; Offenbarung 2, 17. 4

4 Ralph L. Smith, Word Biblical Commentary, 32 (Waco, Texas: Word Books, Publisher , 1984), 167.

5 H. Eising, „rkz“, in G. Johannes Botterweck und Helmer Ringgren, Hg., Theologisches W ö rterbuch zum Alten Testament, (Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH, 1977), 2, 571-593, dort 572.

6 Ibid., 575.

7 Ibid., 579.

8 D.N. Freedman und P. O`Connor, „hwhy“, in G. Johannes Botterweck und Helmer Ringgren, Hg., Theologisches W ö rterbuch zum Alten Testament, (Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH, 1982), 3, 533-554, dort 534.

9 Gleason L. Archer, Einleitung in das Alte Testament, 2 (Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 1989), 337.

10 Fritz Laubach, Der Prophet Sacharja, Gerhard Maier und Adolf Phol, Hg., Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes Testament, (Wuppertal: R. Brockhaus, 21989), 16.

11 Ralph L. Smith, 173.

12 Hinckley G. Mitchell, Haggai and Zechariah, The International Critical Commentary, (Edinburgh; T&T Clark LTD, 1999) 99.

13 Ralph L. Smith, 175.

14 John H. Walton, Chronologische Tabellen zum Alten Testament (Marburg an der Lahn: Verlag der Francke- Buchhandlung GmbH, 1982), 71.

15 Gleason L. Archer, 339.

16 John H. Walton, 68.

17 Ellen G. White, Das Leben Jesu (Hambug: Saatkorn-Verlag GmbH, 1975) 562. 8

Details

Seiten
27
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640968923
ISBN (Buch)
9783640969289
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175766
Institution / Hochschule
Seminar Schloss Bogenhofen
Note
2,0
Schlagworte
Einleitung AT Einleitungsfragen Sacharja

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Einleitungsfragen zum Buch Sacharja