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Wie wirkt sich der Götterkult auf das tägliche Leben im Oikos aus?

Homer - Hesiod - Götter

Hausarbeit 2005 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in das Homerische Zeitalter
2.1. Religiöse Aussagen bei Homer
2.2. Natur und Ablauf der Rituale und deren Opfer
2.3. Das Opferritual in der Odyssee
2.4. Das Trankopfer

3. Der Schauplatz des religiösen Lebens

4. Die Götter
4.1. Demeter - die Bauerngöttin
4.2. Die Interventionen der Götter

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

Griechenland - ein mythenumranktes Land im Mittelmeerraum. Die schriftlichen Überlieferungen von Homer und Hesiod umfassen nicht nur den sagenumwobenen Trojanischen Krieg und die abenteuerliche Rückkehr des Helden Odysseus, sondern enthalten auch Informationen zum alltäglichen Leben der Menschen. Homers Ilias und Odyssee geben uns einen Einblick in den adligen Oikos, hingegen Hesiods Tage und Werke in den kleinbäuerlichen Oikos.

In meinen Ausführungen möchte ich auf die Auswirkungen des Götterkults und deren Bedeutungen für den Menschen in den bäuerlichen Haushalten eingehen. Denn auch der Mythos um die griechischen Götter ist in den Werken Homers und Hesiods vorhanden. „Jeder Oikos kann unter dem Schutze der verschiedensten Götter stehen, die an den Schlüsselstellen sowohl des Wohnbereichs wie des Landbesitzes gegenwärtig sind.“1 „Aus vielen Gründen stehen Homers Helden in direkter Verbindung mit ihren Göttern, und darum ist eine vermittelnde Vorrichtung zwischen ihnen nicht unbedingt vonnöten.“2 Das normale Volk hat jedoch diese Möglichkeit nicht. Um die Allgegenwärtigkeit der Götter und die Verbindung zu ihnen trotzdem herzustellen und hervorzuheben, beten sie zu ihnen und bringen Trankopfer dar. Bei den Bauern sind aufwändige Opferrituale im alltäglichen Tagesablauf eher selten.

In meiner Arbeit werde ich die einzelnen Götter mit ihren spezifischen Merkmalen auflisten, die Ausführungen der Götterverehrung im Tagesablauf durchleuchten und die Bedeutung der Nähe zu den Göttern für die Menschen zu jener Zeit klären. Am Ende meiner Ausführungen soll die Frage beantwortet sein, wie die Auswirkungen des Götterkults auf den Alltag des Oikos aussahen,.

2. Einführung in das Homerische Zeitalter

„Die griechische Religion […] kennzeichnet ein dramatisch örtlich gebundener Kult und örtlich gebundene Ritualformen.“3 Die tatsächliche Kultwelt der Jahre 950 bis 650 v. Chr. muss als die entscheidende Erkenntnisquelle für den Forscher des Homerischen Götterkultes angesehen werden. Oft werden Homers epische Werke als Grundlage für die Kultwelt gesehen, was jedoch zu einem vereinfachten Bild der Zeit führen kann. Denn er übergeht die berühmten Heiligtümer der Hera und der Demeter, sowie die Kultopfer, Votive, Tempel und Statuen. Eine Erklärung dafür ist der Unterschied zwischen Homers aristokratischer und bäuerlicher Welt mit volkstümlichen Praktiken des Kults. Jedoch liegt aufgrund archäologischer Funde die Vermutung nahe, dass die Aristokraten bzw. die Krieger die Wohltäter waren, die sich um die Instandhaltung oder Ausstattung der Heiligtümer bemühten. Diese Varianten und feinen Nuancen machen es kompliziert und zugleich sehr interessant tiefer in diese Materie einzutauchen.

2.1. Religiöse Aussagen bei Homer

Die literarischen Quellen Homers sind mit Vorsicht zu interpretieren, denn in der Ilias ist die dichterische Religion schwer von der wahren Religion zu unterscheiden. Homer darf jedoch nicht als der Urheber des polytheistischen Systems der Griechen angesehen werden, denn er konnte sich auf Sagen und andere mündliche Quellen beziehen. Objektivität bei kultischen Dingen ist verhältnismäßig schwierig zu finden, weil er viele Begriffe selbst definieren musste aufgrund der mangelnden schriftlichen Aufzeichnungen der Mythen und Sagen. Jedoch kann man über den jeweiligen Kult eines von ihm benannten Gottes eine Unterteilung vornehmen. Zuallererst Götternamen, Geschlechtsnamen und Epitheta. Außerdem umfassende Verweise auf die Sympathien der Götter und ihre Macht in ihrem Verhältnis zueinander und zum menschlichen Leben. Mit inbegriffen sind die Orte der Verehrungen spezifischer Götter, die nur ihnen vorbehalten waren obgleich Kapellen vorhanden waren. Heraus zu lesen sind auch Hinweise auf Altäre, Tempel, Kultplätze, Priester und Opfergaben. Zusätzlich zu diesen Beschreibungen erhält man noch Details über Gebets- und Opferformen.

Die letzte Unterteilung umfasst Beschreibungen von vorgeschriebenem, instinktivem oder abergläubischem Verhalten der Menschen den Göttern gegenüber. Außerdem sind Interpretationen von spontanen Äußerungen wie Niesen und irrationales Fühlen, Omen, Träumen und Prophezeiungen vorhanden. Neben diesen simplen Fakten existieren Bezüge auf eine ‚Kultgeschichte’ der Götter, die die Vergangenheit wieder spiegelt wie auch Sagen von halb-göttlichen Helden als Konsequenz der Paarung von Göttern mit menschlichen Wesen und Mythen von den Aktivitäten der Götter mit den Menschen. Die Götter setzten Maßstäbe für die Menschen über Gut & Böse, so scheint es aus den wenigen jedoch komplizierten Textpassagen Homers hervorzugehen. Homers Epen hatten einen immensen Einfluss auf nachfolgende Generationen hinsichtlich ihrer religiösen Ansichten, Riten und Göttervorstellungen. Aus der aktiven dichterischen Zeit Homers stammen viele kultische Funde, die uns einen besseren Einblick in das lokale religiöse Leben gewähren. Hierzu zählen Anfänge echter Kultbilder und Tempelarchitektur, Votivopfer in Heiligtümern und Illustrationen von Göttern auf Vasen. Es entstand dadurch der Eindruck einer starken allgemeinen Sympathie für die Religion. Die Götter wurden demnach wirklich von den Dichtern und den Künstlern erdacht bzw. ihnen wurde eine Gestalt verliehen in Form von Gemälden auf Vasen oder Beschreibungen in Gesängen.

2.2. Natur und Ablauf der Rituale & deren Opfer

„Das tägliche Leben im Privatbereich und das öffentliche Leben sind gleichermaßen in ihrem Rhythmus von Riten aller Art bestimmt, so dass das Religiöse sich aufs engste mit allen Momenten und allen Stufen des Lebens eines griechischen Bürgers verbindet.“4 Diese Aussage spiegelt meine These über den Alltag im bäuerlichen Oikos wider. Eine genaue Vorstellung kann ich mir nicht verschaffen, denn es stehen mir nur literarische Werke zur Verfügung, deren Verfasser sich intensiv mit dem Studium der griechischen Mythologie befassten, jedoch auch nur die schriftlichen Quellen Homers, Hesiods und anonymer Dichter zur Verfügung hatten und natürlich die kultischen Funde aus jener Zeit auswerten konnten. Einen Einblick in das Leben der alten Griechen kann man sich allerdings mit diesen Informationen verschaffen.

Der Gottheit wurde zugeschrieben in das Leben der Menschen eingegriffen zu haben durch die Einführung von Riten, was direkt oder mittelbar geschah. Die Konsequenzen für Nichteinhaltung der Rituale sollte der Zorn der jeweiligen Gottheit sein. Mit diesem Prinzip der Erklärung für alles Gute & Schlechte im Leben schien für die Menschen ein verständlicher logischer Vorgang zu sein, der es ihnen erlaubte ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen ihren Moral- und Glaubensvorstellungen zu haben ohne jegliche Zweifel. Die Aufzeichnungen von Ritualabläufen entwickelten sich zu Gesetzen, die in Stein an Tempeleingängen und an öffentlichen Plätzen ausgestellt wurden um die Allgegenwärtigkeit der Götter darzustellen. Dank des unbeschränkten Zugangs für die Öffentlichkeit waren die Griechen allgemein religiös gebildet und anderen orientalischen Religionen gegenüber im Vorteil. Die Vielschichtigkeit des Götterkults ist zu begründen mit der Toleranz und Eigenständigkeit jeder Polis, sowie der individuellen Charaktermerkmale der einzelnen Gottheiten. Trankopfer, Erstlingsopfer oder ausschweifende Feste waren in jeder Stadt verschieden.

„Das Opfer steht im Mittelpunkt der meisten Rituale.“5 Öffentliche Opferdarbietungen verbanden die Bürger mehr zu einer Gemeinschaft, indem sie einem Gott ein kostbares Geschenk gemeinsam anboten und um seine bzw. ihre Gunst warben. Diese zumeist blutigen Angelegenheiten folgten einem detaillierten Ablauf „alles nach der Ordnung“6, so heißt es bei einer Feier Nestors in der Odyssee. Die Weihung des Opfers steht am Anfang, erst am Ende das Kochen. „Die Opfer richteten sich nach dem festen Ritual einer Abfolge von Handlungen, deren Rekonstruktion uns ikonographische und epigraphische Belege und Texte erlauben.“7 Die Einhaltung der Regeln ist mehr als nur notwendig, denn die Teilnehmer würden Gefahr laufen selbst ein tierisches Verhalten an den Tag zu legen, als Konsequenz für ihre Arroganz. Die Angst der Menschen vor dem Unerklärlichen, so scheint es, wurde ausgenutzt. Allerdings existieren keine direkten Aufzeichnungen über eine herrschsüchtige Priesterkaste, die einen Nutzen hieraus geschlagen haben könnten. Es bleibt die Frage offen, wie diese Riten solch großen Einfluss auf das Leben der Menschen damals haben konnten. Der Opferkult war möglicherweise nur ein Anlass um mit der ganzen Familie gemeinsam in großem Rahmen zu feiern, beispielsweise zu Hochzeiten.

[...]


1 L. B. Zaidman/ P. S. Pantel, Die Religion der Griechen. Kult und Mythos, München 1994, S. 81.

2 E. Townsend Vermeule, Götterkult (Archaeologia Homerica 3), Göttingen 1974, S. V 76.

3 E. Townsend Vermeule, Götterkult (Archaeologia Homerica 3), Göttingen 1974, S. V 2.

4 L. B. Zaidman/ P. S. Pantel, Die Religion der Griechen. Kult und Mythos, München 1994, S. 29.

5 L. B. Zaidman/ P. S. Pantel, Die Religion der Griechen. Kult und Mythos, München 1994, S. 30.

6 L. B. Zaidman/ P. S. Pantel, Die Religion der Griechen. Kult und Mythos, München 1994, S. 33.

7 L. B. Zaidman/ P. S. Pantel, Die Religion der Griechen. Kult und Mythos, München 1994, S. 31.

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640966653
ISBN (Buch)
9783640966837
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175668
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,7
Schlagworte
götterkult leben oikos homer hesiod götter

Autor

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