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Genietheorie und Musikphilosophie in Thomas Manns "Doktor Faustus"

Die Funktion des Faust-Motivs im Kontext des "Doktor Faustus"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 26 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der „Doktor Faustus“ und die Faust-Tradition

3. Der „Doktor Faustus“ und die „Historia von D. Johann Fausten“

4. Die ideologische Überhöhung des Faust-Mythos

5. Der Künstler als Faust-Figur

6. Faust - Leverkühn als Symbolfiguren Deutschlands

7. Die Funktion des Faust-Motivs

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ ist ein Werk vielfältiger Thematik und stofflicher Komplexität: Epochen- und Gesellschafts-Roman, autobiographische „Lebensbeichte“, Deutschland- und Künstler-Roman, „musik-historisches“ Werk sowie Nietzsche-Buch sind auf kunstvolle Weise miteinander verbunden.1 Die Integration der Strukturschichten durch motivische Vernetzung und symbolische Verweisung konstituiert dabei einen Gesamtkomplex von Zusammenhängen vordergründig disparater Erscheinungen - Musik und Theologie, Künstlertum und Deutschtum, Politik und Philosophie, Zeit- und Kultur-Geschichte, auch persönliche Lebensgeschichte, Moderne und frühe Neuzeit werden ineinander gespiegelt und miteinander assoziiert. Der Titel „Doktor Faustus“ stellt das Dargestellte zudem in den mythischen Kontext der Faust-Legende und verleiht der strukturellen und semantischen Vielfalt des Romans zusätzliche Tiefendimension.

Das prekäre Künstlerleben eines modernen Komponisten nimmt bei aller Vielschichtigkeit und stofflichen Dichte der Komposition die zentrale Stellung im Romangefüge ein, und entfaltet, indem in der Künstlerfigur Leverkühn Aspekte zeithistorischer Virulenz und deutsch-nationaler Charakteristik konvergieren, seine repräsentative Signifikanz für allgemein epochen-spezifische Phänomene. So sind Leverkühns Lebensweg und Schicksal für Thomas Mann Abbild und Paradigma der Kunst- und Kulturkrise, sind „nur Vordergrund und Repräsentation […] für Allgemeineres, nur Mittel, die Situation der Kunst überhaupt, der Kultur, ja des Menschen, des Geistes selbst in unserer durch und durch kritischen Epoche auszudrücken.“2

Der „Doktor Faustus“ soll nun in dieser Arbeit hinsichtlich der Funktion des Faust-Motivs für die Analyse der Kunst- und Kulturkrise untersucht werden. Dazu soll zunächst der Bezug des „Doktor Faustus“ zur Faust-Tradition im Allgemeinen und anschließend zur „Historia von D. Johann Fausten“ als Subtext der Roman- Konzeption im Besonderen betrachtet werden. Im Fokus stehen hier die stofflichen und strukturellen Zusammenhänge. Ein weiteres Betrachtungsfeld ist die ideologische Aufladung und Verzerrung des Faust-Stoffes. Die Kapitel (5) und (6) berühren anschließend zentrale Aspekte des „Doktor Faustus“: einerseits modernes Künstlertum im Horizont des Faust-Motivs, andererseits die repräsentative Stellung des „faustischen“ Künstlers im Hinblick auf den deutschen Nationalsozialismus. Kapitel (7) „Die Funktion des Faust-Motivs“ zieht dann in aller Kürze Bilanz.

2. Der „Doktor Faustus“ und die Faust-Tradition

Mit dem Titel „Doktor Faustus“ stellt Thomas Mann seinen Roman in einen Kontext von reichhaltiger und weit verzweigter literarischer Tradition.

Die Legende vom Magier und Teufelsbündner Faust wird erstmals im so genannten „Volksbuch“, der „Historia von D. Johann Fausten“, literarisch fixiert und ausgestaltet.3 Der Verleger Johann Spies, sesshaft in Frankfurt am Main, publizierte die Schrift im Jahr 1587. Aus dem Geisteshorizont protestantischen Glaubens verfasst, diffamiert die Volksbuch-Dichtung einen Erkenntnisdrang jenseits religiöser Gebundenheit. Hochmut und Sehnsucht, das begrenzte Feld menschlicher Erkenntnis dem Absoluten zu öffnen, münden in Verzweiflung. So verführen intellektuelle Ungenügsamkeit und der Verlust transzendenten Vertrauens schließlich zum Dämonischen. In moralisierendem Tonfall präsentiert die Historia nun das zügellose, sünd- und schuldhafte Leben von D. Johann Fausten und malt in drastischen Schilderungen das grässliche Ende eines gottlosen Frevlers.4 Als

Sinnbild der Emanzipation von tradierten Normen und Ausdruck menschlichen Strebens zum Universellen - d.h. als Chiffre der Entgrenzung - gelangte der Mythos vom Leben und Wirken des Teufelsbündners Faust binnen kurzer Zeit zu ungemeiner Popularität, reizte zur Rezeption und dichterischen Aneignung.

Schon in den ersten fünfzehn Jahren erlebte das Volksbuch zahlreiche Nachdrucke und Bearbeitungen, darunter zwei Versdichtungen; im Jahre 1599 erschien der Widman`sche Faust, einige Jahre zuvor bereits eine Bühnenbearbeitung von Christopher Marlowe in englischer Sprache; auch die Puppenspieler entdeckten die dramatisierte Darbietung des Faust-Stoffes für ihre Bühne; Ch. Nicolaus Pfitzer veröffentlichte 1674 eine kürzende Bearbeitung der Widmann`schen Faust-Dichtung; Lessings Faust-Fragment und F. M. Klingers Roman „Fausts Leben, Taten und Höllenfahrt“ von 1790 sind bedeutende Beispiele des 18. Jahrhunderts; dichterische Bearbeitungen durch Chamisso und Achim von Arnim zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Goethes Faust-Drama und Heinrich Heines Tanzpoem „Der Doktor Faust“ von 1851 sind weitere Paradigmen einer vielfältig ausgedehnten Aneignung eines im Volksglauben des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit wurzelnden Mythenstoffes.5

So vielfältig die Aneignung, so vielseitig ist auch die ideologische Instrumentalisierung der Faust-Legende. Das Volksbuch, die Widman`sche Erweiterung und Pfitzers Überarbeitung stehen noch in streng protestantischem Geist, tendieren zu moralisierender Stellungnahme und kritischer Abwertung; Marlowe konzipiert seine Faust-Gestalt dagegen als unerschrockenen Titan; F. M. Klinger greift die Haltung kritischer Abwertung in seiner Prosabearbeitung auf und verknüpft seine Faust-Konzeption mit einer Deutschland-Kritik; auch Christian Dietrich Grabbe formuliert in einer Tragödie in den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts einen Zusammenhang von Faust-Thematik und nationaler Identität.6

Der ästhetischen Gestaltung der Faust-Thematik korreliert die Bedeutungsgeschichte des Wortes „faustisch“ als ein vieldeutiges und ambivalentes Attribut positiver wie auch negativer Konnotation. Aus seinem poetischen Kontext gelöst, verfestigte sich der Faust-Mythos durch ideologische Aufhöhung seit 1870 mehr und mehr zur positiven Chiffre existentieller, nationaler und politischer Charakteristik. Einseitig gedeutet und ausgeleuchtet - das Problematische verdrängend oder zur Tugend verklärend -, wurde „das Faustische“ zum Leitwort eines übersteigerten nationalen Selbstbewusstseins und zum Ausdruck und Sinnbild deutschen Wesens stilisiert, dessen Schicksal - in „faustischer“ Tatkraft - ein zukunftsweisender und politischer Auftrag, eine ominöse Weltmission sei, - eine Entwicklung, die jedoch auch in Zeiten extrem chauvinistischer Ausdeutung des Faust-Mythos eine Tendenz skeptischer Vorbehalte und kritischer Abwertung bewahren konnte.7

Der Titel „Doktor Faustus“ leistet somit die Rückbindung des Romans an einen komplexen Horizont kollektiver Vorstellungen und poetischer Vorbilder und lenkt als paratextuelles Zeichen die Deutungsperspektive des Dargestellten.8 So werden durch den Titel strukturelle und stoffliche Äquivalenzen exponiert, das Erzählte insgesamt mythologisierend überhöht und eine Vielzahl semantischer und motivischer Signale transparent im Hinblick auf ihr mythisches Muster.9

3. Der „Doktor Faustus“ und die „Historia von D. Johann Fausten“

Thomas Mann beteuerte in einem Brief an Hilde Zaloscer, dass sein Roman mit Goethes „Faust“, außer der Quelle, dem alten Volksbuch, nichts gemein habe.10 Nun kann neben einer fundierten Kenntnis von Goethes Faust-Dichtung auch ein umfassendes Wissen um die Faust-Tradition bei Thomas Mann vorausgesetzt werden. Den „Doktor Faustus“ auf Anregungen und Aneignungen aus einer Fülle literarischer Vorbilder zu untersuchen, gleicht jedoch - mit Blick auf Manns vollkommene Handhabung der Montage fremden Materials in die eigene Textur - einem Vexierspiel.11 Die Präsenz der „Historia von D. Johann Fausten“ im Textgefüge ist dagegen bei eingehender Betrachtung evident. Das Volksbuch als eine von Thomas Manns Hauptquellen12 zur Faust-Tradition prägt den „Doktor Faustus“ sprachlich, stofflich und strukturell maßgeblich.

Schon die sprachliche Färbung und altertümliche Ausdrucksweise einiger in Luther- bzw. Alt-Deutsch gestalteter Textpassagen des „Doktor Faustus“ stellt den Roman in den historischen Kontext des Ursprungsmythos. Gerade aber wörtliche Übereinstimmungen mit dem Volksbuch, Eingliederungen von Einzelwörtern oder Textauszügen konstruieren die konkrete Beziehung zwischen „Doktor Faustus“ und Historia. Eine Untersuchung von Dietrich Assmann hinsichtlich sprachlicher Korrespondenzen kommt dabei auf 105 „wörtliche“ Zitate, ohne dabei „zitathafte“ Anklänge zu berücksichtigen.13

Zitate von Einzelwörtern sind z. Bsp. „ingenium“14, „Hoffart“ [S. 48/VB 9] oder aber „Ja, Vater Leverkühn war ein Spekulierer und Sinnierer“ [S. 27] im Vergleich zu „wie man jn denn allezeit den Speculierer genennet hat“ [VB 14]. Ein Zitat eines Textauszuges ist beispielsweise:

„Denn oft erhob sich bei mir ein lieblich Instrument von einer Orgel oder Positiv, dann die Harfe, Lauten, Geigen, Posaunen, Schwegel, Krummhörner und Zwergpfeiffen, ein jegliches mit vier Stimmen, dass ich hätte glauben mögen, im Himmel zu sein, wenn ich`s nicht anders gewusst hätte“ [S. 663]

Im Vergleich dazu die Passage im Volksbuch:

„Letzlich, da erhub sich ein lieblich Instrument von einer Orgel, dann die Positiff, dann die Harpffen, Lauten, Geygen, Posaunen, Schwegel, Krumbhörner, Zwerchpfeiffen vnd dergleichen (ein jegliches mit vier Stimmen) also dass D. Faustus nicht anderst gedachte, dann er wer im Himmel, da er doch bey dem Teuffel war“ [VB 25]

Wenn von Nikolaus Leverkühn gesagt wird, „Durchaus hielt er Adrian […] wie seinen eigenen Sohn“ [S. 55], so hört man einen „zitathaften“ Anklang an das 1. Kapitel der Historia, wo es heißt, „ja sein Vetter […], welcher D. Fausten aufferzogen, vnd gehalten wie sein Kind“ [VB 13].

Die Zitate und sprachlichen Korrespondenzen konzentrieren sich besonders auf Leverkühns Teufelsgespräch in Kapitel (25) und auf seine (Bekenntnis-) Rede - eine „oratio“15 - vor einem Zirkel vertrauter Freunde, weitläufiger Bekannter und an Kunst interessierter Zuhörer in Kapitel (47) am Schluss des Romans. Aber auch zerstreut im übrigen Textgewebe ist die „Historia von D. Johann Fausten“ als Subtext stets präsent: einzelne Textfragmente sind entweder sprachlich eingefärbt in der Diktion des Volksbuches oder demselben wortgetreu entlehnt. Eine Betrachtung von Dietrich Assmanns Zusammenstellung von Zitaten zeigt, dass die Exzerpte speziell in Bezug auf Teufelsgespräch und Schluss-Rede - in denen sie ja verdichtet auftreten - auch keineswegs einer bestimmten Passage oder einem besonderen Kapitel des Volksbuches zu zuordnen sind. Vielmehr bedient sich Thomas Mann in seiner Auswahl verschiedener Sinnabschnitte und Kapitel, und fügt zusammen, was seiner Roman-Konzeption hinsichtlich einer Signifikanz von Verzweiflung und Dämonie, von Schuld und Verderbnis dienlich ist.16 So verweisen die Zitate nicht etwa auf fest umrissene Abschnitte der Historia, sondern rekurrieren auf die Volksbuch-Dichtung und deren charakteristischen Gehalt im Ganzen.

[...]


1 Thomas Mann gibt in „Die Entstehung des Doktor Faustus“ Auskunft über das ausgedehnte Hintergrundsystem des Romans: er spricht von dem „Direkte[n], Persönliche[n], Bekenntnishafte[n]“ (S. 697), das der Konzeption zu Grunde liegt, d.h. ihrer autobiographischen Tendenz; des Weiteren bestimmt Thomas Mann den „Doktor Faustus“ als „Kultur- und Epochen-Roman“ (S. 704), sowie als „Buch vom Deutschtum“ (S. 819); bezüglich der technisch-musikalischen Dimension des „Doktor Faustus“ stellte Thomas Mann an sich einen solchen Anspruch von „Exaktheit“ (S. 703) in der Realisierung, dass die musik-historischen Passagen, aber auch Leverkühns zwar fiktive, jedoch im technischen Horizont modernen Komponierens (vgl. z. Bsp. die Adaption von Schönbergs Zwölftontechnik) wurzelnden Werke den Roman durchaus zu einem „musik-historischen“ Werk machen (Thomas Manns fachkundiger Ratgeber Theodor W. Adorno hat maßgeblich zur Verifikation der musikalischen Dimension des Romans beigetragen); darüber hinaus ist Adrian Leverkühn nach dem Muster Friedrich Nietzsches modelliert - eine Fülle an Details aus dessen Leben wurde in die Musiker-Biographie eingewoben, so dass Nietzsches Name „wohlweislich in dem ganzen Buch nicht erscheint, eben weil der euphorische Musiker an seine Stelle gesetzt ist […] [und] es ihn nun nicht mehr geben darf“ (S. 698), vgl. Thomas Mann: Die Entstehung des Doktor Faustus; 1949.

2 Ebd. S. 704.

3 Legendenbildung und Entwicklungsgeschichte der Faust-Sage - auch bezüglich ihrer Fakten um das Leben des historischen Faust - bis hin zur ersten literarischen Bearbeitung können im Zusammenhang dieser Arbeit vernachlässigt werden; ebenso Quellen und Dokumente, die dem unbekannten Volksbuch-Verfasser als Vorlage dienten.

4 Hier wurde lediglich der Versuch unternommen, grob den Grundgehalt der Historia ins Profil zu setzen; den Facetten der Volksbuch-Dichtung wird die schematische Darstellung im Detail sicher nicht gerecht. Die Betrachtung signifikanter Textstellen soll die Deutung nun in aller Kürze unterstützen: Fausts Intelligenz unterstreicht die Wendung „gelernigen vnd geschwinden Kopffs“ (S. 14), gleichzeitig wird er aber als hochmütig charakterisiert - „vnsinnigen vnnd hoffertigen Kopff“ (S. 14); Faust studiert zunächst Theologie, dann aber widmet er sich der Zauberei und den weltlichen Wissenschaften - „wolte sich hernacher keinen Theologum mehr nennen lassen / ward ein Weltmensch [einer, der sich den weltlichen Wissenschaften widmet]“ (S. 15); schließlich aber „stunde D. Fausti Datum [Absicht] dahin / das zulieben / das nicht zu lieben war / dem trachtet er Tag vnd Nacht nach / name an sich Adlers Fl[ue]gel / wolte alle Gr[ue]nd am Himmel vnd Erden erforschen / dann sein F[ue]rwitz [Neugier; Anmaßung] / Freyheit vnd Leichtfertigkeit stache vnnd reitzte jhn“ (S. 15) - die Restriktionen der religiösen Ordnung werden hier übertreten, gleichzeitig kommt die Sehnsucht zum Ausdruck, das Absolute zu ergreifen; als Gründe für Fausts Abfall von Gott führt das Volksbuch „Hochmuth / Verzweifflung / Verwegung vnd Vermessenheit“ (S. 21) an; die Atmosphäre von Verderbnis und Verdammnis unterstreicht besonders der Schluss der Historia, wenn Faustus vom Teufel zerrissen wird (S. 122/123), vgl. Stephan Füssel/H. J. Kreutzer (Hrsg.): Historia von D. Johann Fausten; 2003.

5 Vgl. Dietrich Assmann: Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ und seine Beziehung zur FaustTradition; 1975, Kap. 3 „Aus der Faust-Tradition“. Die knappe Zusammenstellung einiger bedeutender Bearbeitungen der Faust-Sage dient lediglich der Darstellung eines wirkungs- und rezeptionsgeschichtlichen Grundgerüstes und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

6 Zur ideologischen Aneignung des Faust-Mythos vgl. Dietrich Assmann: Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ und seine Beziehung zur Faust-Tradition; 1975, Kap. 3 „Aus der Faust-Tradition“ und Dietrich Assmann: „Schließlich aber holt ihn der Teufel“. Zur Faust-Tradition in Thomas Manns „Doktor Faustus“; in: H. Wißkirchen/Th. Sprecher (Hrsg.): „und was werden die Deutschen sagen??“ Thomas Manns „Doktor Faustus“; 1998, S. 35

7 Zur Bedeutungsgeschichte des Wortes „faustisch“ vgl. Hans Schwerte: Faust und das Faustische - Ein Kapitel deutscher Ideologie; 1962.

8 Schon in der Novelle „Der Tod in Venedig“ bedient sich Thomas Mann dieser Technik und lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers mit dem Titel auf eine virtuos gehandhabte Todessymbolik.

9 Vgl. Gerhard Kaiser: „… und sogar eine alberne Ordnung ist immer noch besser als gar keine“; 2001, S. 147.

10 Vgl. Dietrich Assmann: Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ und seine Beziehung zur FaustTradition; 1975, S. 84.

11 Dietrich Assmann widmet der Beziehung des „Doktor Faustus“ zu Goethes Faust-Dichtung ein eigenes Kapitel und stellt einige Reminiszenzen zusammen: weitestgehend handelt es sich dabei um Zitat-Variationen, eine stoffliche Analogie sieht Assmann aber z. Bsp. in Fausts und Leverkühns Vaterfiguren, vgl. ebd. Kap. 4.3. Der Hund „Prästigiar“ ist dagegen eine Entlehnung aus der Widman`schen Faust-Dichtung, das Volksbuch kennt noch keinen Hund als den teuflischen Begleiter Fausts, vgl. ebd. S. 192/193. Kap. (14) des „Doktor Faustus“ - die Reden der „Winfried“-Studenten - erinnert stark an den Wortlaut ideologischer Verzerrung und Aufhöhung des Faust-Mythos, wie er oben kurz umrissen wurde. Anmerkung (12) unterstreicht zudem Manns ausgedehnte Lektüre zur Faust-Tradition hinsichtlich der Konzeption seines Romans.

12 Dietrich Assmann verweist mit Blick auf Thomas Manns Notizen zum „Doktor Faustus“ auf drei Hauptquellen bezüglich der Faust-Konzeption des Romans: auf eine Faust-Anthologie von J. Scheible mit Kommentaren und Aufsätzen zum Volksbuch und zur Faust-Sage (J. Scheible: Das Kloster. Weltlich und geistlich. Meist aus der älteren deutschen Volks-, Wunder-, Curiositäten-, und vorzugsweise komischen Literatur. Zur Kultur- und Sittengeschichte in Wort und Bild; Bd. 5; Stuttgart, 1847.), dann auf Heines Faust-Ballett, besonders aber auf dessen angefügte Erläuterungen (Heinrich Heine: Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem nebst kuriosen Berichten über Teufel, Hexen und Dichtkunst; Hamburg, 1851.), und schließlich auf eine von Robert Petsch herausgegebene Volksbuch-Ausgabe (Robert Petsch (Hrsg.): Das Volksbuch vom Doctor Faust (Nach der ersten Ausgabe, 1587); Halle an der Saale, 1911), vgl. ebd. S. 70/71.

13 Vgl. Dietrich Assmann: Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ und seine Beziehung zur FaustTradition; 1975, S. 111-120.

14 Thomas Mann: Doktor Faustus; 1947, S. 47 und Stephan Füssel/H. J. Kreutzer (Hrsg.): Historia von D. Johann Fausten; 2003, S. 13. Im Folgenden wird bei Zitaten aus dem „Doktor Faustus“ die Seitenzahl, oder das Romankapitel in eckigen Klammern angegeben (z. Bsp. [S. 7], oder [Kap. (14)]); ebenso bei Zitaten aus der Historia mit Hinzufügung des Kürzels „VB“ für Volksbuch (z. Bsp. [VB 21], oder [VB Kap. (2)]).

15 Vgl. hierzu Volksbuch-Kapitel (68) „Oratio Fausti ad Studiosos“ als stoffliches und strukturelles Analogon.

16 Zum Teufelspakt-Kapitel verwendet Thomas Mann Zitate aus den Volksbuch-Kapiteln (1), (2), (3), (6), (10), (16), (23), (24), (26), (52), (54), (55), (64), (65), (66), (68); für Adrians Rede in Kapitel (47) verwendet er Zitate aus den Volksbuch-Kapiteln (Vorrede), (1), (2), (3), (6), (8), (10), (24), (25), (32), (44), (52), (59), (62), (68), vgl. Dietrich Assmann: Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ und seine Beziehung zur Faust-Tradition; 1975, S. 111-120. Es ist auffallend, dass die Volksbuch-Kapitel (30) - (50) weitgehend vernachlässigt werden (diese Text-Passage erzählt von Fausts Zauber- und Wundertaten). Im Horizont seines Romans waren Thomas Mann also hauptsächlich Textstellen von Bedeutung, die eine Atmosphäre von dämonischer Verderbnis, Hoffnungslosigkeit und Verdammnis schaffen.

Details

Seiten
26
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640965779
ISBN (Buch)
9783640965830
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175605
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Schlagworte
genietheorie musikphilosophie thomas manns doktor faustus funktion faust-motivs kontext

Autor

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