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Chancen und Risiken einer auf Großprojekte gestützten Strategie der Stadtentwicklung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 18 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Projektorientierung in der Stadtentwicklungspolitik

2 Chancen einer auf Großprojekte gestützten Planungsstrategie
2.1 Außenwirkung
2.2 Mobilisierungswirkung
2.3 Innenwirkung

3 Risiken einer auf Großprojekte gestützten Planungsstrategie
3.1 Legitimation und Partizipation
3.2 Polarisierung und Interessenkonflikte
3.3 Haushalt und weitere Vorhaben
3.4 Zukunftsprognostik

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht Chancen, eigene Darstellung

Abbildung 2: Übersicht Risiken, eigene Darstellung

1 Projektorientierung in der Stadtentwicklungspolitik

Städtebauliche Großvorhaben sind zu einem beliebten Instrument der jüngeren Stadtpolitik geworden. Hierzu zählen bauliche Großprojekte aber auch die Veranstaltung von Großereignissen, die zu temporären oder oftmals auch dauerhaften Änderungen im Stadtgefüge führen. Mag seit jeher ein Zusammenhang zwischen Großereignissen und Stadtentwicklung bestehen, hat sich dieser jedoch angesichts des Strukturwandels von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend vertieft. So wird Festivalisierung als systematisches Instrument der Stadtpolitik eingesetzt, und umgekehrt betrachtet werden in der Großereignisplanung immer systematischer Strategien der Stadtentwicklung durchgesetzt (ALTROCK 2007, S. 719).

Eine klare Definition von Großprojekten ist dabei nicht immer ohne weiteres möglich, es gibt jedoch einige Faktoren, die ein Projekt in aller Regel aufweist, die eine Zuordnung zur Gruppe der Großprojekte zulassen. Neben einer langen Vorlaufzeit und Umsetzungsdauer ist es auch die hohe Summe eingesetzter Investitionsmittel, die Inanspruchnahme einer großen Fläche, eine stadt-, regional oder infrastrukturpolitische Funktion, die es zu erfüllen gilt und eine zumeist hohe Anzahl an betroffenen Bürgerinnern und Bürgern, bzw. generell eine hohe Zahl an involvierten Akteuren (HUNING & PETERS 2003, S. 5). Bei Großereignissen sind neben der Raumwirksamkeit und Tragweite vor allem die Faktoren der absoluten und relativen Größe sowie der stadtpolitische Mobilisierungsgrad des Ereignisses von Bedeutung (ALTROCK 2007, S. 720).

Bei der Planung von derartigen Projekten und Ereignissen werden dabei oft umfangreiche Potenziale für neue Nutzungen erkannt und nach Möglichkeit im weiteren Verlauf in den Großprojekten und Großereignissen umgesetzt. Hierbei spielen nicht nur innerstädtische Brach- und Umstrukturierungsflächen wie alte Industrie-, Hafen- oder Konversionsflächen eine Rolle, sondern auch in zunehmendem Maße Neuentwicklungen auf der grünen Wiese. Aber auch die Verlagerung bisheriger Nutzungen bietet Möglichkeiten für, im stadtentwicklungspolitischen Prozess und Wandel des Stadtbildes, höchst interessante Nachnutzungen. Da die meisten Großvorhaben erheblichen Einfluss auf die Ökonomie, Ökologie, Stadtstruktur, das Sozialleben und im weiteren Sinn zumeist auch auf die Region haben, sind diese von herausragender Bedeutung für die Stadtentwicklung (HEINEBERG 2006, S. 248ff).

Grundsätzlich ist zunächst festzuhalten, dass es zwei grundlegend verschiedene Dimensionen der Projektorientierung in der Planung gibt. So kann sich Planung durch Großprojekte vollziehen, wobei diese Mittel zum Zweck und in eine umfassendere Planungsstrategie eingebettet sind. Beispiele hierfür können der Bau eines Urban Entertainment Centers als integrativer Bestandteil zur Innenstadt-Revitalisierung sein oder die Ansiedelung eines Technologieparks zur Bildung eines neuen Images für einen Stadtteil. Ungenutzte Flächen können so revitalisiert und dem Nutzungsgefüge der Stadt wieder zugeführt werden (HUNING & PETERS 2003, S. 7). Planung kann aber auch durch Großprojekte überhaupt erst in Gang gesetzt oder von diesen unterstützt werden, wie es beispielsweise bei bevorstehenden Weltausstellungen häufig der Fall ist. Die Planung von Veranstaltungsorten, Unterkünften und Infrastruktur hierfür ergibt sich, zumindest bei erstmaligem Stattfinden der Veranstaltung, erst im Laufe der Umsetzung der Vorbereitungsmaßnahmen für die Weltausstellung. Ebenso verhält es sich mit der weitergehenden Infrastruktur eines neuen Flughafens oder Bahnhofs, sei es der Ausbau von Zufahrtsstraßen oder die Anbindung an das Schienenverkehrsnetz (HUNING & PETERS 2003, S. 7). Es gilt also festzuhalten: „Planung verändert sich, wenn sie projektförmig verläuft, insbesondere dann, wenn es sich um ein Großprojekt handelt. Die rahmensetzende Funktion der Planung tritt hier zugunsten einer stärkeren Handlungsorientierung in den Hintergrund“ (HUNING & PETERS 2003, S. 8).

Idealerweise würde dies bedeuten, dass Großprojekte bei der Umsetzung bereits in eine umfassende städtische oder regionale Entwicklungspolitik eingebettet sind, so dass mögliche Wechselwirkungen mit anderen raumrelevanten Prozessen sowie potenzielle Rückkopplungseffekte frühzeitig Berücksichtigung finden (HUNING & PETERS 2003, S. 8 f). Dadurch erfolgt primär eine qualitative Verbesserung der städtebaulichen Struktur und damit verbunden eine Erhöhung der Attraktivität des betroffenen städtischen Raumes (BUNZEL & SANDER 1999, S. 10). In der Realität zeigt sich jedoch häufig, dass Großprojekte angesichts ihrer Komplexität oftmals vorab beschlossen werden, lange bevor die entsprechenden Pläne publik gemacht werden. Aufgrund der sich rasch entwickelnden Eigendynamik bleibt so wenig Raum für Gegenstimmen und Gegenargumente, insbesondere dann wenn ein hoher finanzieller Aufwand mit der Umsetzung der Projektidee verbunden ist. Auch fehlt es an Anknüpfungspunkten für einen geordneten Rückzug oder Projektmodifikationen, die beispielsweise aufgrund von sich ändernden Rahmenbedingungen oftmals von Nöten wären (HUNING & PETERS 2003, S. 9). Die Hauptgefahr bei dieser Planung durch große Ereignisse besteht vor allem darin, dass diese in Ihrer Art und Nachnutzung nur unzureichend in das städtische Gesamtkonzept eingepasst sind, Maßstäbe unterschätzt, zumeist jedoch aber deutlich überschätzt werden und die Auswirkungen des Projekts auf Standortqualität und Image ebenso ungenau vorherzusagen sind, wie die tatsächlichen Kosten, die mit der Umsetzung und Instandhaltung verbunden sind.

Eine auf Großprojekte gestützte Strategie der Stadtentwicklung bietet also zum einen die Möglichkeit, Entwicklung zu forcieren und voranzutreiben, birgt zum anderen aber neben vielen Chancen auch zahlreiche Risiken. Diese gilt es in folgender Arbeit anhand bestehender Diskussionen innerhalb der wissenschaftlichen Forschungsdisziplin zu filtern und einander gegenüberzustellen.

2 Chancen einer auf Großprojekte gestützten Planungsstrategie

Gerade diejenigen Großprojekte, die auf innerstädtischen Brachflächen in der Nähe von 1A-Lagen umgesetzt werden, wecken große Erwartungen seitens der Politik aber auch seitens der Bevölkerung. In der globalisierten Welt die wir heute vorfinden, stehen derartige Projekte unter besonderer medialer Beobachtung. Im regionalen wie internationalen Wettbewerb der Städte garantieren Großprojekte Aufmerksamkeit, erzeugen somit aber auch eine Erwartungshaltung hinsichtlich städtebaulicher wie architektonischer Qualitäten des umzusetzenden Projektes. Angesichts divergierender Vorstellungen über mögliche Nutzungs- und Gestaltungskonzepte scheint es einleuchtend, dass hier bereits ein Konfliktpotenzial innewohnt, da jedes Projekt einem bestimmten Adressatenkreis gewidmet ist und Nicht-Angehörige dieses Kreises somit schnell von enttäuschten Erwartungen und einem Scheitern des Projektes aus Ihrer Sicht sprechen mögen (DZIOMBA & MATUSCHEWSKI 2007, S. 5). Bevor jedoch die Risiken und Problemaspekte der Großprojekteplanung dargestellt werden, sollen zunächst die möglichen positiven Aspekte einer Planung durch Großvorhaben und die damit verbundenen Chancen aus dem wissenschaftlichen Diskurs herausgefiltert und näher erläutert werden.

Abbildung 1: Übersicht Chancen, eigene Darstellung

2.1 Außenwirkung

Es kommt nicht von ungefähr, dass städtebauliche Großprojekte der Öffentlichkeit gemeinhin als „Flaggschiffe“ und „Leuchtturmprojekte“ (SIMONS 2003a, S. 14) der Stadtentwicklung verkauft werden. Sie sind zumeist Prestigeprojekte, die als politisches Instrumentarium dazu genutzt werden, gewinnorientierte Entwicklung in stadtentwicklungspolitisch bedeutsamen Arealen zu forcieren (DZIOMBA 2006, S. 68f). Die Projekte sollen dazu beitragen, das Image einer Stadt nachhaltig zu prägen, in eine neue Richtung zu lenken oder als Alleinstellungs-merkmal aus der Masse der Konkurrenz herauszuheben. Großprojekte versprechen also eine Steigerung des Bekanntheitsgrades, erhöhte Anerkennung und damit verbunden eine Verbesserung der Position in der Hierarchie der Städte und Regionen. Denn nach wie vor herrscht im regionalen wie internationalen Standortwettbewerb die beliebte Strategie vor, erfolgversprechende expandierende Unternehmen oder Organisationen mittels attraktiver Flächenangebote anzulocken und somit mittel- bis längerfristig an die Stadt zu binden. Spektakuläre und imagewirksame Großprojekte sind dabei von Vorteil (DZIOMBA 2007, S. 17), erzeugen diese doch ohne Frage mediale Aufmerksamkeit und Bilder, die sich positiv aufladen lassen und zur Schaffung positiver Assoziationen beitragen (ALTROCK 2007, S. 719).

Die Repräsentation von Städten und deren Wahrnehmung sind auf vielfältige Art und Weise miteinander verflochten, die Beurteilung und Interpretation von Stadtbildern ist aber ebenso wie die Stadtlandschaft an sich nicht starr, sondern in einem stetigen Fluss. Großprojekte können dabei den Wiedererkennungswert einer Stadtlandschaft in hohem Maße beeinflussen und vollkommen neue Stadtbilder erschaffen. (JORDAN 2008, S. 1f). Folglich sind mit dieser Art von Projekten auch visionäre und oftmals breit gefächerte Zielvorstellungen und Erwartungshaltungen seitens der betroffenen Akteure und ansiedelungswilligen Unternehmen, aber auch seitens der Bevölkerung, verknüpft, die es bei der Umsetzung zu erfüllen gilt (DZIOMBA 2006, S. 69). Als Beispiel hierfür sei die Hamburger Elbphilharmonie angeführt, die als „Prachtstück“ der neuen Hafencity als Aushängeschild des gesamten Projektes dienen und zum neuen Wahrzeichen der Stadt werden soll. Damit verbunden ist die Hoffnung, im internationalen Ranking der Kulturstätten aufzusteigen und in einem Atemzug mit Städten wie Sydney, New York, London oder Berlin genannt zu werden. Die gesteigerte Attraktivität des Standortes soll zudem Touristen, Kreative und Unternehmer anziehen und so zu erhöhten Einnahmen führen, die langfristig wiederum zur nachhaltigen Verbesserung der Standortqualität beitragen.

Großvorhaben stellen also Zukunftsprojekte dar, die den politischen Willen zur Setzung neuer stadtentwicklungspolitischer Impulse symbolisieren sollen. Die symbolisch aufgeladene Bedeutungsebene und Generierung einer gewissen Aufbruchsstimmung erleichtert die Vermarktung der Projekte und demonstriert Handlungsfähigkeit (SIMONS 2003b, S. 44). Großereignisse können somit als „machtvolles Instrument zur Unterstützung der internationalen Ausstrahlung und zur Förderung wirtschaftlicher und kultureller Aktivitäten“ gesehen werden (LECARDANE 2003, S. 176).

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Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640963829
ISBN (Buch)
9783640963997
Dateigröße
831 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175434
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Geographisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
chancen risiken großprojekte strategie stadtentwicklung

Autor

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