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Rezension eines wissenschaftlichen Artikels zum Thema Erstspracherwerb von R. Tracy

Seminararbeit 2011 5 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Tracy, R. (1990). Spracherwerb trotz Input.

In: M. Rothweiler (ed.). Spracherwerb und Grammatik. Opladen: Westdeutscher Verlag, 22-49.

1. Thema des Artikels, Forschungsgeschichte

Der Erwerb der Muttersprache ist ein komplexer Prozess, beziehungsweise eine spezielle Art des Lernens. Sowohl soziale, als auch kognitive und sprachliche Elemente spielen bedeutende Rollen bei dem Erlernen einer Sprache in der Kindheit. Nach Theorien und Forschungsergebnissen über Muttersprachenerwerb sind alle Kinder in die Interaktion mit der Umwelt eingebunden, die Rolle der sozialen Elemente scheint also einer der bedeutendsten Faktoren beim Erstspracherwerb zu sein.

Schon die ersten, behavioristischen Theorien argumentieren für die Bedeutsamkeit der Reizreaktionen und Imitationen der Umwelt. Die kognitivistischen Ansätze (zum Beispiel von Piaget) beweisen, dass für die kreative Eigengestaltung des Lernens eine formale, steuernde Rolle der Umwelt unerlässlich sei. Die Bedeutsamkeit der Umwelt wird von den interaktionistischen Ansätzen auch eindeutig anerkannt, und als Schlüsselelement des Spracherwerbs betrachtet. Nach diesen Theorien ist nämlich das Erlernen der Sprache funktional, nur in der sozialen Interaktion möglich. In den nativistischen Ansätzen, die zum Beispiel von Chomsky vertreten sind, spielt die Umwelt eine untergeordnete Rolle, weil das Kind angeborene sprachliche Strukturen des genetischen Programms entfaltet. Die Umwelt liefert aber schon den Input der Sprache, sowie Anlässe.

Professorin Rosemarie Tracy (Universität Mannheim) nimmt auch die radikale nativistische Erklärung des Spracherwerbs von Chomsky als Ausgangspunkt ihres Artikels, und dadurch die Rolle der Umwelt bei Spracherwerb. Von dem Beispiel von Pidginsprechern ausgegangen, die eine Sprache besser, als ihre Eltern sprechen, stellt Tracy aus der Empirie unterlegte Kritik der Instruktionshypothese und des elterlichen Inputverhaltens auf 28 Seiten durch konkrete Beispiele dar. Sie basiert auf Theorien über Ursachen und Wirkungen beim Spracherwerb. Im Mittelpunkt wird die Diskrepanz gestellt zwischen sprachlichem Angebot, mit dem ein Kind von Pidginsprechern konfrontiert wird, und dem sprachlichen System, das dieses Kind trotzdem aufbaut.

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Details

Seiten
5
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640963126
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175395
Institution / Hochschule
Eötvös Loránd Universität – Germanistisches Institut
Note
sehr gut
Schlagworte
rezension artikels thema erstspracherwerb tracy psycholinguistik spracherwerb

Autor

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Titel: Rezension eines wissenschaftlichen Artikels zum Thema Erstspracherwerb von R. Tracy