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Alfred Döblins 'Berlin Alexanderplatz'. Eine intertextuelle Analyse

Seminararbeit 2011 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Einleitung

Literatur entsteht immer im Bezug auf die Außenwelt. In der Welt von Autoren literarischer Werke spielen ihre Erlebnisse mit Literatur und ihre Studien über literarische Werke eine wichtige Rolle. Sei es Lyrik, Poetik oder Drama, in jeden Gattungen geht es um die Aktualisierung, Umstellung und Umwandlung früherer Werke. Extratextuelle Relationen, also Beziehungen eines Textes zu anderen Texten sind häufige Erscheinungen in der Literatur. Intertextualität und intertextuelle Bezüge sind also unvermeidbare Elemente literarischer Forschung und Analyse literarischer Texte.

Vertreter der allgemein-dekonstruktiv-ideologiekritische Annäherungen gegenüber Intertextualität, wie zum Beispiel Julia Kristeva (1972), beweisen diese Meinung und schreiben: „Jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes. An die Stelle der Intersubjektivität tritt der Begriff der Intertextualität, und die poetische Sprache lässt sich zumindest als eine doppelte lesen.” Roland Barthes (1968) spricht über die Wichtigkeit von kulturellen Beziehungen in der Literatur in seinem Werk Der Tod des Autors, und sagt, dass Texte aus einem vieldimensionalen Raum bestehen, wo verschiedene Schreibweisen zusammen zu finden sind. Der Text ist nach Barthes „ein Gewebe von Zitaten aus unzähligen Stätten der Kultur”. Intertextualität kann als ein Dialog zwischen Autoren und Werke verstanden werden, ist also erkennbare Präsenz eines Textes in einem anderen Text (Genette, 1993).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse eines literarischen Werkes aus intertextuellem Aspekt. Für die Analyse intertextueller Bezüge wurde ein Roman des 20. Jahrhunderts gewählt, mit dem Titel Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin. In diesem modernen Roman wurde nämlich eine akkurate Beschreibung von Berlin mit der Brechung der geschlossenen Handlung, mit Einfügung von Zitate, Liedtexte, Zeitungsmeldungen, Wetterberichte und Straßenplakate kombiniert. Dieser Roman bietet also ein gutes Beispiel für intertextuelle Beziehungen, ist deshalb ein angemessenes Werk zur Analyse von Intertextualität. Nach einer Einleitung über Autor und Werk werden verschiedene intertextuellen Beispiele aufgezählt, dann wird ihre Rolle analysiert. Der Umfang der Arbeit ermöglicht keine ausführliche Aufzählung der intertextuellen Elemente des Romans, es werden deshalb nur einige Beispiele hervorgehoben und analysiert.

2. Über den Autor und das Werk

Alfred Döblin, der Autor des Werkes wurde im Jahre 1878, als Kin einer jüdischen Familie in Stettin geboren. Er besuchte das Gymnasium in Köln, wo er sich zu Literatur, Philosophie und Musik neigte. Die Lektüre von Kleist, Hölderlin, Dostojewskij, Schopenhauser, Spinoza und Nietsche beeinflussten ihn während dieser Periode. Seitdem schrieb er literarische und essayistische Texte. Zwischen 1900 und 1905, während seines Medizinstudiums schrieb er mehrere Romane (Jagende Rosse 1900, Worte und Zufälle 1902/03) und kritische Essays. Nach dem Studium arbeitete er als Assistenzarzt in Berlin, wo er auch seine spätere Frau, Erna Reiss kennenlernte. Seine literarische Tätigkeit wurde aber nicht beendet, er arbeitete nämlich bei Herwath Wladens Zeitschrift, Der Sturm. Während des ersten Weltkriegs arbeitete er als Militärarzt, dann in seiner Kassenpraxis. Er veröffentlichte mehrere literarische Werke, wie den ersten Novellenband Die Ermordung einer Butterblume (1912), den Prosaband Die Lobensteiner reisen nach Böhmen oder den Roman Wallenstein (1920). Im Oktober 1929 erscheint sein berühmtestes Werk Berlin Alexanderplatz. Nach dem Reichtagsbrand muss er in die Schweiz fliehen, dann nach Frankreich flüchten, im Exil schreibt er den Roman Babylonische Wandrung im Jahre 1934. Er fuhr 1940 mit seiner Familie in die USA über, er besuchte Berlin nur im Jahre 1947. Zehn Jahre später, nach der Veröffentlichung des Romans Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende (1956) starb er wegen seiner Parkinson-Krankheit.

Der Roman Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte von Franz Biberkopf. (1929) ist der bisher bedeutendste deutsche Großstadtroman. In dem Werk wird Berlin zwischen Herbst 1927 und Jahresende 1928, und das Lebensgefühlt des zeitgenössischen Arbeitermilieus durch das Schicksal des Hauptperson Franz Biberkopf beschrieben. Der Hauptperson ist mit der Stadt verbunden, und durch die Konzentration auf ihm kann eine personale Erzählsituation verwendet werden. Die Handlung ist offen, eine Abkehr von chronologisch erzählter Handlung ist charakteristisch für den Roman. Döblin verwendet neuartige Mittel beim Erzählen, wie die sogenannte Montagetechnik, die das Zusammenfügen auf Sprachebene und Sprachstile unterschiedlicher Texte oder Textteile bedeutet. Intertextuelle Bezüge in diesem Roman dienen dazu noch, dass Figuren und Orte eine doppelte Identität haben.

3. Intertextuelle Bezüge im Roman

Berlin Alexanderplatz ist mit Bezügen auf verschiedene andere Texte angefüllt. In der folgenden Analyse werden Beziehungen zu wissenschaftlichen, mythologischen Texten, zu der Bibel sowie Elemente aus dem klassischen deutschen Bildungsgut gesammelt. Diese Verweisungen, Zitate und weitere intertextuelle Bezüge machen die Handlung des Romans besonders offen, und ermöglichen die Brechung der Handlung, damit das Werk die Bezeichnung Montageroman verdient.

3.1 Wissenschaftliche Texte

In dem Roman werden wissenschaftliche, vor allem naturwissenschaftliche Texte wiederholt zitiert. Dadurch wird es erwiesen, dass man sich mit der Umwelt auch sachlich auseinandersetzt. Döblin erwähnt zum Beispiel die Experimente von Heinrich Hertz[1]:

„Wir bedienen uns für Meldungen einiger Resultate aus den Versuchen von Heinrich Hertz, der in Karlsruhe lebte, früh starb und, wenigstens auf der Photographie der Graphischen Sammlung München, einen Vollbart trug. Wir telegraphieren drahtlos. Wir erzeugen durch Maschinensender in großen Stationen hoch frequente Wechselströme. Wir bringen durch Oszillationen eines Schwingungskreises elektrische Wellen hervor. Die Schwingungen breiten sich kugelschalenartig aus. Und dann ist noch eine Elektronenröhre da aus Glas und ein Mikrophon, dessen Scheibe bald mehr, bald weniger schwingt, und so kommt der Ton her vor, genau wie er vorher in die Maschine hineingegangen war, und das ist erstaunlich, raffiniert, schikanös. Begeistern daran kann man sich schwer; es funktioniert, und damit fertig.”[2].

Daneben finden wir mehrere Hinweise auf die Gesetze von Newton im Zusammenhang mit dem Brustkorb von Ida:

„Das erste Newtonsche [njutensche] Gesetz, welches lautet: Ein jeder Körper verharrt im Zustand der Ruhe, solange keine Kraftwirkung ihn veranlasst, seinen Zustand zu ändern [bezieht sich auf Idas Rippen].”[3]

[...]


[1] Detken, S. 100

[2] Döblin, S. 141

[3] ebd, S. 139

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640963478
ISBN (Buch)
9783640963744
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175394
Institution / Hochschule
Eötvös Loránd Universität – Germnistisches Institut
Note
sehr gut
Schlagworte
intertextuelle analyse romans berlin alexanderplatz alfred döblin

Autor

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