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Das pädagogische Gespräch

Eine Annäherung an die Besonderheiten und Eigendynamiken eines sensiblen Gespräches in der Erziehungsberatung

Hausarbeit 2011 25 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition
2.1 Erziehungsberatung
2.1.1 Gibt es eine genuin padagogische Beratung?
2.2 Das Gesprach
2.3 Was ist Erziehung / Padagogik? Wer sind Padagogen?

3 Begrundung des padagogischen Gesprachs - ein kurzer Anriss
3.1 Padagogische Einordnung des Gesprachs

4 Das padagogische Gesprach
4.1 Struktur und Ablauf eines Beratungsgesprachs
4.1.1 Allgemeiner Verlauf
4.1.2 DynamischesProblemlosungs- undEntscheidungsmodell
4.1.2.1 Kritik und Anregungen am Phasenmodell
4.2 Kommunikationsprozesse in der Beratung
4.2.1 DieSystemtheorie
4.2.2 Kommunikationsregeln nach Watzlawick
4.2.3 Kommunikationsstorungen in der Beratung
4.2.4 AlternativesBeraterverhalten: Metakommunikation
4.3 Das nichtdirektive Lernbegleitgesprach
4.4 Grundbedingungen des padagogischen Gesprachs
4.4.1 Ein gutespad.Gesprach (Gesprachstechniken)
4.4.1.1 Aktiveszuhoren
4.4.1.2 Strafiensperren der Kommunikation oder ,,offnen von Turen“
4.4.1.3 Pausenertragen
4.4.1.4 Negation umsetzen
4.4.1.5 Erlebniskonkretbeschreiben
4.4.1.6 Korpersignale undSprache
4.5 Spannungsfelder im pad.Gesprach
4.5.1 Vertrauen / Misstrauen
4.5.2 Derzeitliche Rahmen
4.5.3 Erwartungskonkordanz
4.5.4 Gefuhlsausbruche
4.5.5 Stimmung desBeraters
4.5.6 Induktion von Antworten
4.6 Die Relevanz der Spiegelneuronen (SN) fur das pad. Gesprach

5 Aktualitat des Themas Erziehungsberatung

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Untersuchung mit dem Obertitel „Das padagogische Gesprach. “ mochte ich die Besonder- heiten und Eigendynamiken des padagogischen (pad.) Gesprachs beleuchten, die es zu einem sehr sensiblen und eigendynamischen Gegenstand in der Erziehungsberatung werden lassen. In einem ersten Schritt mochte ich mich dem Gegenstand des pad. Gesprachs nahern, indem ich durch Defi- nitionen seine unmittelbare Makro-Umwelt beleuchte. Wie kann man das pad. Gesprach in seinem Umriss schematisieren? Nachdem wir den Umriss des es tangierenden Feldes erkannt haben, moch- te ich naher auf das pad. Gesprach an sich eingehen und hier insbesondere klaren, wie es sich struk - turiert und aufbaut (Mesoebene). Sodann lege ich den Fokus der Betrachtung auf Kommunikationsprozesse in der Beratung, hier mochte ich darlegen, wie Kommunikation grundsatzlich funktioniert und wie es zu moglichen Storungen in der Kommunikation kommen kann (Mikroebene). Diesen Punkt nutze ich als Uberleitung, um am nichtdirektiven Lernbegleitgesprach zu zeigen, wie durch partnerschaftliche Grundhaltung ein gelingendes pad. Gesprach geschaffen werden kann und die notige Akzeptanz beim Klienten erreicht wird. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf den Grundbedingungen (Meso-Ebene) des pad. Gesprachs, hier mochte ich aufzeigen, wie ein „gutes“ pad. Gesprach zustande kommt. Den Schluss dieser Arbeit mochte ich nutzen, um mogliche Spannungsfelder im Gesprach zu identifizieren und zu losen, als auch einen moglichen Aktualitatsbezug der Erziehungsberatung zur heutigen Zeit herzustellen. Ein eigenes Fazit soll letztendlich diese Arbeit abrunden und meine Sicht darlegen.

2. Definition

2.1 Erziehungsberatung

„Beratung ist ein vom Berater nach methodischen Gesichtspunkten gestalteter Problemloseprozefi, durch den die Eigenbemuhungen des Ratsuchenden unterstutzt/optimiert bzw. seine Kompetenzen zur Bewaltigung der anstehenden Aufgabe/des Problems verbessert werden. Beratung vollzieht sich im Medium sozialer Interaktion und wird daher i. w. S. als Kommunikationsprozess zwischen zwei Interaktionspartnern (Individualberatung) oder mehreren (Gruppenberatung, Systemberatung) ver- standen. Beratung ist ggf. auch Erganzung von Einzelgesprachen durch die Teilnahme des Ratsu­chenden an einem Interventionsprogramm oder einer Selbsthilfegruppe. [..]”x Wir sehen hier, dass ein Beratungsgesprach stark auf Kommunikationsvermogen grundet, in dem Probleme (Vgl. 4.1.2) gelost werden, und der Klient zur Selbsthilfe angeregt wird. Den Problemlo- seprozess, sowie die Kommunikation mochte im Verlauf dieser Arbeit wieder aufgreifen.

2.1.1 Gibt es eine genuin padagogische Beratung?

Dewe konstatiert, dass aufgrund der aktuellen Fulle von Beratungsangeboten (online, wild wu-[1] chemder Beratermarkt) keine genaue Bestimmung von Beratung identifiziert werden konne. Er schlagt eine kritische Reflexion presenter Rekonstruktionsversuche von Beratung vor. Er stellt fest, dass durch Ausschliefiungs- und Purifizierungsverfahren der Gegenstand pad. Beratung nicht aus - reichend definiert werden kann (er meint damit die Verwendungsformen und Erkenntnisse der Pad- agogik), z. B. trafe die Vermittlung von Expertenwissen an Laien nicht den Kern der Sache. Dage- gen lasst sich nicht bestreiten, so Dewe, dass die pad. Beratung durch klientenbezogene Interaktion gekennzeichnet sei, daruber hinaus seien fur die pad. Beratung direkte Hilfen, auch Umweghilfen, typisch. Die geforderte Symmetrie zwischen Klient und Berater konne nicht eingelost werden, Be - ratungshandeln bleibt asymmetrisch. Ebenso kann Dewe die Attribute der Gleichheit im Sprachge - brauch, Freiwilligkeit der Teilnahme und die Abbruchfreiheit des Beratungsvorganges fur beide Sei- ten festmachen.[2] Schauen wir uns in Anlehnung an die klientenbezogene Interaktion (Vgl. 4.3) den Gegenstand ,,das Gesprach“ makro-perspektivisch genauer an.

2.2 Das Gesprach

Das Gesprach stellt eine begrenzte Folge von sprachlichen Auberungen dar, die dialogische und thematische Zuge aufweisen, in der mindestens ein Sprecherwechsel stattfindet. Selbige sind ein be- liebiger Abschnitt einer redenden Person, wobei diese davor und danach schweigt. Bei einem Ge­sprach sind mehrere Sprecher involviert, diese (mindestens zwei) konstituieren durch sprachliche Kommunikation das Gesprach, es ist dabei zeitlich durch die Kommunizierenden bei unmittelbarem Kontakt charakterisiert. Es zeichnet sich durch Einleitungs- und Beendigungssignale (Rituale) aus. Ubliche Formen des Gesprachs sind das direkte Gesprach (face-to-face) und das Telefongesprach. Nichtjede Auberung ist automatisch ein Gesprach, der Themeninhalt steckt hier die minimale Ko - harenzforderung ab. Gesprache fordern ein, dass sie in einem thematischen Zusammenhang stehen. Dieser kann durchaus auch auf ein gemeinsames aubersprachliches Bezugsobjekt, als auch implizit auf das Wissen der Beteiligten ausgerichtet sein.[3] Erzieherisches Handeln durch das Gesprach steht im Mittelpunkt des Beratungsdenkens, aber was genau versteht man unter Erziehung?

2.3 Was ist Erziehung / Padagogik? Wer sind Padagogen?

Das Wort Padagogik findet sich ursprunglich im Griechischen “pals” = Kind und “ago” = ich fuhre, leite. Padagogen setzen sich theoretisch und praktisch mit Fragen zu Erziehung und Bildung ausein- ander, dabei beobachtet und analysiert der Padagoge die Erziehungswirklichkeit. Im Erziehungspro - zess fuhrt er den Menschen zu Mundigkeit und Selbstbestimmung.[4]

Erziehung ist soziales Handeln am (heranwachsenden) Menschen. Dabei wird professionell ver - sucht, die psychische Disposition von Menschen dauerhaft zu verbessem, als auch deren besonde- ren Werte zu erhalten und zu starken bzw. auszubauen. Dies geschieht zum Wohl des Menschen. Durch Erziehungsmethoden versuchen Padagogen und Erzieher (auch Laien) den Geist und den Charakter von Menschen zu bilden und seine Entwicklung insgesamt zu fordern.[5] Dieser definitori- sche Landschaftszug durch die Gefilde der unmittelbar betroffenen Dimensionen des pad. Ge­sprachs im Landschaftsgefuge der Erziehungsberatung hat die Aufgabe, das Umfeld des pad Ge - sprachs und seine Urabsicht hervorscheinen zu lassen. Mir geht es darum, zu verdeutlichen, welch tiefgreifende, verantwortungsvolle Idee hinter dem padagogischen (pad.) Gesprach steht:

3. Begrundung des padagogischen Gesprachs - ein kurzer Anriss

Die Basis bildet das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG), welches durch den Staat fur das Wohl des Kindes in dessen Dienst gestellt wurde. Die institutionelle Erziehungsberatung richtet sich an Kinder und Jugendliche, als auch an Eltern und andere Erziehende.

„Jeder hat Anspruch auf Beratung uber seine Rechte und Pflichten nach diesem Gesetzbuch. Zu- standig fur die Beratung sind die Leistungstrager, denen gegenuber die Rechte geltend zu machen oder die Pflichten zu erfullen sind.“ (§ 14 SGB /Beratung).

Sie wird vom Staat kostenlos zur Verfugung gestellt, damit familiare Probleme (Verhaltensauffallig - keiten, Erziehungs- und Lernschwierigkeiten, Entwicklungsstorungen) durch Fachkrafte aufgearbei- tet werden konnen. Jedes Kind hat das Recht auf Erziehung und Bildung, denn: ,,Pflege und Erzie- hung der Kinder sind das naturliche Recht der Eltern und die zuvorderst ihnen obliegende Pflicht. Uber ihre Betatigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ [6] (§1 SGB 8 Recht auf Erziehung). Erzie­hungsberatung zielt dabei auf die Wiederherstellung, Sicherung und Stabilisierung der elterlichen Erziehungsfahigkeit. Man mochte Hilfe zur Selbsthilfe erreichen. Die Beratungsarbeit lasst sich als niederschwellig, praventiv und vernetzend beschreiben. In einem pad. Gesprach wird in Einzel- oder Gruppengesprachen Wissensvermittlung und Anregung zu Verhaltensalternativen betrieben. Der Padagoge versucht zu erforschen, was mogliche Ausloser fur Probleme sein konnen. Als Ziel eines solchen Gesprachs wird vor allem eine Sensibilisierung der Eltern dafur ins Auge gefasst, Pro­bleme, und vor allem, ihr Kind zu verstehen, und diese Probleme mit ihnen gemeinsam zu losen, dabei wird versucht, auf ihre eigenen Selbsthilfekrafte zu bauen, dies bedeutet, sich in schwierigen Situationen selbst zurecht zu finden und selbst an sich zu arbeiten (lernen) und zu reflektieren. Der Padagoge versucht dabei auch, Werte und Normen mitzugeben.[7]

3.1 Padagogische Einordnung des Gesprachs

Machen wir nun einen Paradigmenwechsel (weg vom Klienten) und fragen uns, welchen „Ertrag“ das Gesprach far den Padagogen aufweist. Jedes Gesprach dient dem Padagogen zum Erweitem sei­ner Handlungskompetenz. Dies geschieht durch Sprache und ist damit das wichtigste Arbeitsinstru- ment des Padagogen, denn Sprache initiiert Handlungen, durch sie wird gelobt und getadelt. Die Ambivalenz der Sprache manifestiert sich weiterhin durch Anweisungen und Hilfen, und ebenso als Mittel, um Kontakte zu knupfen oder zu kundigen. Damit ist Sprache die edelste und zugleich machtigste Apparatur in der Hand des Padagogen, denn besonders in schwierigen Erziehungssitua- tionen hangt vieles vom Sprachvermogen und -verstandnis des Padagogen ab, wie er diese bewal- tigt. Als zweiter Aspekt kann angefuhrt werden, dass das pad. Gesprach dazu dient, das Problem besser zu verstehen, es einzugrenzen und kleine Hilfen vorzuschlagen. Im Gesprach erkennt der Padagoge, ob eine eventuelle Weiterleitung an andere Fachkrafte (Psychologe, Kinderarzt usw.) rat- sam ware (Erweiterung der Diagnosekompetenz).[8]

4. Das padagogische Gesprach

Wir haben bislang erfahren konnen, welche Determinanten das pad. Gesprach unter der Haube der Erziehungsberatung konstituieren (Gesprach (Sprache), Begriffe der Erziehung (Padagogik), Erzie- hungsberatung), rechtlicher Aspekt, Einordnung). Nach diesem kleinen verstandnistheoretischen Vorlauf (Schematisierung des Gesprachs) mochte ich nun gezielt meso-perspektivisch das pad. Ge- sprach beleuchten. Welche Eigenheiten / Dynamiken kann man ausmachen? Was kennzeichnet das pad. Gesprach? Wie ist es aufgebaut und wie vollzieht sich Kommunikation genau?

4.1 Struktur und Ablauf des Beratungsgesprachs

Laut der Definition, ist ein pad. Beratungsgesprach zumeist als Prozess in einer Problemlosungs- und Entscheidungsfindung zu verstehen. Besonderes Augenmerk dabei ist auf die strukturellen Be- sonderheiten in diesem Prozess und auf die Funktion der Entscheidung zu legen. Bereits hier lassen sich Korrelationen zwischen den Definitionen und dem Gegenstand der Erziehungsberatung erken- nen. Der Berater zielt auf Selbstheilung, indem er Menschen durch kleine Hilfen anleitet, und sie zu einem mundigen, autonomen und selbstbestimmten Individuum fuhrt. An dieser Stelle ist zu konsta- tieren, dass Stufenmodelle der Beratung niemals aufjeden Fall gleichsam angewendet werden dur- fen, sie sind nicht starr oder idealtypisch aufgebaut. Padagogisches Handeln ist nicht vorhersehbar undjeder Fall verlangt nach individueller Aufmerksamkeit.[9]

4.1.1 Allgemeiner Verlauf

Die Voraussetzung fur ein Gesprach ist eine klientenzentrierte Gesprachsfuhrung. Diese muss vom Berater eingeubt und durch Selbstkontrolle und Supervision regelmabig wiederholt und korrigiert werden. Grundeigenschaften fur ein Gesprach sind positive Wertschatzung, emotionale Warme, Echtheit, Offenheit und unbedingte Anerkennung der Eigenverantwortung und Autonomie des Kli- enten (werden in Punkt 4.4 genauer aufgegriffen). Der Padagoge zeigt ihm den Weg auf zu mehr Selbstbewusstsein und Ich-Starke / Personlichkeit, dabei sollen seine Eingriffe so wenig tiefgreifend sein, wie nur moglich. Durch Paraphrasieren unterstutzt der Padagoge die Eigenformulierung des Ratsuchenden, dabei sind Moralisierungen und Schuldzuschreibungen, Interpretieren und Kritisie- ren zu unterbleiben. Die Gestaltung des auberen Rahmens klart, ob Einzelfall oder Systemberatung (Hinzuziehen von Experten wie: Psychoanalytiker, Logopade, Verhaltenstherapeut), denn eine von Beginn an festgelegte Beratungsart fuhrt zu einer ergebnisorientierten Linie. Vor dem Gesprach be - reitet sich der Helfende auf die lebensweltlichen Umstande des Klienten vor und fangt im Gesprach Sprache, Verhaltensrituale, Ausdrucksschwierigkeiten verstandnisvoll auf. Man beginnt das Ge­sprach mit einer Aufwarmung, der Berater stellt sich kurz vor und bekundet am Fall echtes Interes- se. Dies schafft Gesprachsbereitschaft und lost Beklommenheit und Hemmungen / Abwehrmecha- nismen. „Gesprachskiller“ wie ,,wie war ihre Fahrt hierher?“, oder, ,,was bedruckt sie denn?“ sind zu unterlassen. Die Klarungsphase beinhaltet die Erwartungsmitteilung des Ratsuchenden. Seine subjektiven Problembeschreibungen mussen eindeutig notiert werden, dies erfolgt durch ruckkop- pelnde Zusammenfassungen des Gesprachsfuhrenden und sichert eine einvernehmliche Beratungs- grundlage. EntschlieBt sich der Klient fur eine weiterfuhrende Beratungstatigkeit, erfolgt eine schriftliche Abfassung der Arbeitsvereinbarung.[10] Im Folgenden ein konkretes Beispiel.

4.1.2 Dynamisches Problemlosungs- und Entscheidungsmodell (Vgl. Abb. 1)

Folgendes Modell soll als Beispiel fur dynamisches, problemlosendes Denken dienen: Ausgangs- punkt bildet ein Problem, das fur den Bedurftigen eine Entscheidungs- und Handlungsbarriere dar- stellt. In der 1. Phase wird das Problem benannt und erkannt, wobei ein auseinanderdriften von Be- nennung und Erkennung dann der Fall ist, wenn das eigentliche Problem zwar bekannt ist, man es aber nicht benennen mochte (Scham, Skepsis etc.). Deshalb ist zu unterscheiden, zwischen dem Be - ratungsanlass und der Beratungsursache. Oft wird ein Scheinproblem vorangestellt, um ein Grund- misstrauen zum Berater zu uberwinden und einen ersten Kontakt uberhaupt zuzulasssen. Der Bera- ter hat dies zu erkennen und korrekt einzuschatzen, um seinerseits das Seinige fur einen Aufbau des Vertrauens beizusteuern. In der 2. Phase erfolgt eine Problemanalyse, hierfur ist die Problemerken - nung grundlegende Voraussetzung. Zur Analyse werden die Faktoren individueller Gegebenheiten (personliche Fahigkeiten, Interessen, Erwartungen), soziales Umfeld (Elternhaus, Schule, Betrieb, Freunde etc.) und institutionelle Moglichkeiten (schulische und betriebliche Ausbildungsmoglich- keiten) hinzugezogen. Diese Faktoren bedingen sich oftmals gegenseitig. In dieser Phase gilt es, die bedeutsamen Ursachen und Bedingungen zu begrunden und neu zu strukturieren. Hierbei kommt immer auch die Bewertungsgrundlage des Beraters zur Geltung, denn oft kommt es vor, dass unwe - sentliche AuBerungen des Klienten sich im Nachhinein als wichtig herausstellen. Als weiterer Grund hierfur ware denkbar, dass der Padagoge Verbalisierung durch Belehrung vorgezogen hat. Um dies zu vermeiden, muss der Berater auf die Gefuhle und das Erleben seines Gegenubers einge - hen. Auch kann der Berater Bewegungsgrunde durch Zuhoren und ebenso durch intensives und di- rektes Abfragen in Erfahrung bringen. Damit der Berater nicht am eigentlichen Problem vorbei- berat, hat er dafur Sorge zu tragen, dass er ausgiebig mit dem Hilfesuchenden gesprochen hat. Hin- ter die Problemanalyse schiebt sich die Losungsfindung als 3. Phase. Hierbei wird nach Alternati- ven gesucht, wobei eine Losungsfindung nur dann moglich ist, wenn zugleich eine Einsicht in die Problemursache und -struktur erfolgt ist. Erfolgt eine abschlieBende Empfehlung, so hat der Berater auf mogliche Konsequenzen hinzuweisen. Objedoch Rat angenommen wird, das hat der Empfanger zu entscheiden. Diese bedeutungsvolle Stellung der Entscheidung ersteht zwischen der Losungspru- fung und -auswahl in der 4. Phase (Bereitstellung moglicher Entscheidungskriterien) und der Lo- sungsbereitstellung und -anwendung (5. Phase). Sie kann aber auch injeder anderen Phase bei pha- senspezifischen Teilentscheidungen durch den Berater oder den Ratsuchenden prasent sein. Hierbei spielt die Rolle des Beraters eine maBgebende Rolle, denn es steht ihm durchaus zu, in einer fuhren- den Rolle hierauf Einfluss zu nehmen. Nach Rogers' hingegen obliegt die Annahme einer Entschei­dung des Ratsuchenden nur diesem selbst. Der Berater gibt hingegen nur die Unterstutzung, damit er durch Einsicht und Selbstandigkeit sein Problem zu losen imstande ist. Das methodische Vorge - hen wird als maBgebend dafur angesehen, wie die Ubertragung erworbener Fahigkeiten auf andere Probleme gelingt. Es schlieBt sich hier weitere Kritik an, denn man kann bei diesem Modell nicht davon ausgehen, dass Jugendliche auch wirklich uber die erforderliche Selbstandigkeit und Ent- scheidungskompetenz verfugen, zweitens ist zu bemerken, dass derartige Modelle die Realitat er- klaren wollen, sie dabeijedoch nicht 1:1 auf die Realitat ubertragbar sind.[11]

[...]


[1] Mutzeck, Wolfgang, Verhaltensgestortenpadagogik und Erziehungshilfe 187, zit. nach: Derow, 1987, 1988.

[2] Vgl. http://www.ccc-ag.de/cms/Downloads/Publikationen/Fachartikel/paedagogBeratung.pdf, 10.03.2011, 21:11.

[3] Vgl. http://www.slm.uni-hamburg.de/ifg1/Personal/Schroeder/Seminarmaterial/WS-06- 07/Sem_II/GESPRAECHSLINGUISTIK.pdf 10.03.2011, 22:34.

[4] Vgl. http://lexikon.stangl.eu/1399/paedagogik/, 11.03.2011, 15:48.

[5] Vgl. http://lexikon.stangl.eu/1410/erziehung/, 10.03.2011,23:27.

[6] http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbi/14.html, 16.03.2011.

[7] Vgl. Wattendorf, Jorg, Erziehungsberatung zwischen Theorie und Praxis 15-24.

[8] Vgl. Pallasch, Waldemar, Padagogisches Gesprachstraining 12-13.

[9] Vgl. Manstetten, Rudolph, Padagogische Beratung 67-69.

[10] Vgl. Kock, Peter, Praxis der Beobachtung und Beratung 147-149.

[11] Vgl. Manstetten, Rudolph, Padagogische Beratung 69-72.

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640963089
ISBN (Buch)
9783640963324
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175386
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Erziehungs- und Kulturwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
gespräch eine annäherung besonderheiten eigendynamiken gespräches erziehungsberatung

Autor

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