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Der Einfluss des Elternhauses und von Peer-Groups auf antisoziales Verhalten im Jugendalter

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Adoleszenz, Peer-Groups und antisoziales Verhalten – Begriffserläuterungen

3 Die Rolle des Elternhauses
3.1 Die Theorie des sozialen Lernens und die Theorie der intergenerationalen Transmission von Gewalt
3.2 Viktimisierungen und Gewalthandlungen im Jugendalter
3.2.1 Hypothesen und Methode
3.2.2 Ergebnisse und Diskussion

4 Der Einfluss von Peer-Groups
4.1 Die Halttheorie
4.2 Delinquent friends and delinquent behavior: temporal and developmental patterns
4.2.1 Hypothesen und Methode
4.2.2 Ergebnisse und Diskussion

5 Diskussion und Ausblick

6 Literatur

1 Einleitung

Es vergeht kaum ein Monat ohne Schlagzeilen darüber, dass Jugendliche einen Rentner, Obdachlosen oder Familienvater an einem U-Bahnhof in einer Großstadt Deutschlands krankenhausreif, wenn nicht gar fast zu Tode geschlagen haben. Wohl jedem wird der tragische Fall des Münchener Geschäftsmannes Dominik Brunner im Gedächtnis sein, der 2009 nach beherztem Einschreiten, um vier Schüler vor einem Angriff zweier Jugendlicher zu schützen, durch eben diese beiden jugendlichen Gewalttäter sein Leben verlor.

Auch wenn Meldungen dieser Art schockierenderweise fast schon zum gewohnten Bild in der Medienlandschaft der Bundesrepublik gehören, so darf auf keinen Fall in der Bevölkerung der Eindruck entstehen, Vorfälle dieser Art seien mittlerweile „normal“ und ein Symptom der gesellschaftlichen Entwicklung in unserem Land.

Viel wichtiger ist es doch, die Gründe der wachsenden Gewalt von Jugendlichen zu hinterfragen, zu untersuchen und nach geeigneten Maßnahmen zu suchen, präventiv tätig zu werden. Somit könnte einer Beschleunigung der Entwicklung jugendlicher Gewalt vogebeugt beziehungsweise ihre weitere Entwicklung verhindert werden. Das massive sozialpolitische Interesse ist also neben dem wissenschaftlichen Interesse an der Thematik eine Hauptmotivation für diese Arbeit.

Nach der Erläuterung zentraler Begriffe wie Adoleszenz, Peer-Groups und antisozialem Verhalten, die für das Verständnis dieser Arbeit essentiell sind, wird versucht darzustellen, wie sich der Einfluss des Elternhauses und von Peer-Groups auf antisoziales Verhalten im Jugendalter auswirkt. Hierzu werden zunächst separat für das Elternhaus und für Peer-Groups die möglichen theoretischen Hintergründe der beiden Einflussfaktoren eingeführt. Danach wird anhand zweier beispielhafter Studien diskutiert, ob das Elternhaus/ Peer-Groups einen Einfluss auf antisoziales Verhalten im Jugendalter hat/ haben und wenn ja, in welche Richtung dieser Einfluss geht.

Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt hierbei auf dem Einfluss von Peer-Groups, da sich dieser als ganz wesentlich in der Entwicklungsphase der Adoleszent darstellt. Die genaueren Gründe dafür werden unter Punkt zwei genannt. Beim Einflussfaktor Peer-Groups wird es auch um die Frage des zeitlichen Ablaufs der Einbindung in gewalttätige Freundeskreise auf der einen Seite und des aktiven Vollzugs von Gewalthandlungen des Jugendlichen selbst auf der anderen Seite gehen. Dies hat insofern politische Relevanz, als dass Aufschlüsse über den Zeitpunkt geliefert werden sollen, an dem eventuelle Präventivmaßnahmen ansetzen können und müssen.

2 Die Adoleszenz, Peer-Groups und antisoziales Verhalten – Begriffserläuterungen

Zunächst muss festgehalten werden, um welche Altersspanne es sich bei der Adoleszenz handelt, auf die sich die vorliegenden Untersuchungen konzentrieren. Auch die Betonung der Besonderheiten des Jugendalters ist wichtig für das Verständnis des besonderen Forschungsinteresses an dieser Entwicklungsstufe.

Steinberg teilte das Jugendalter in die „frühe Adoleszenz“ zwischen zehn und 13 Jahren, die „mittlere Adoleszenz“ zwischen 14 und 17 Jahren und die „späte Adoleszenz“ zwischen 18 und 22 Jahren ein (2005, zitiert nach Oerter & Montada, 2007, S. 272). Insgesamt handelt es sich also um eine Altersspanne von zwölf Jahren. Anzumerken ist jedoch, dass der Fokus der beiden vorgestellten Studien nicht auf den ersten Jahren der frühen Adoleszenz und den letzten Jahren der späten Adoleszenz liegt (vgl. Elliott & Menard, 1996; Uslucan & Fuhrer, 2004). Dies ist darin begründet, dass die Gewaltrate laut einschlägiger Literatur ab dem 13. Lebensjahr ansteigt und nach dem 20. Lebensjahr wieder absinkt (Rutter, 1995, zitiert nach Uslucan & Fuhrer, 2004).

Die besondere Bedeutung der Adoleszenz aus der entwicklungspsychologischen Sicht liegt in ihrer Lokalisation zwischen dem Kindes- und dem Erwachsenenalter. Oerter und Dreher (2008) fassen zusammen: „Die Zuschreibung der Attribute 'nicht mehr Kind' und 'noch nicht Erwachsener' akzentuiert die Veränderungsdynamik der Zwischenposition, die beides umfasst: Verhaltensformen und Privilegien der Kindheit aufzugeben und Merkmale bzw. Kompetenzen zu erwerben, die Aufgaben, Rollen und Status des Erwachsenen begründen.“ (in Oerter & Montada, 2008, S. 271). Es wird deutlich, dass mit der Adoleszenz zahlreiche körperliche sowie geistige Veränderungsprozesse einhergehen, die die Persönlichkeit eines Menschen nachträglich prägen, weshalb diesem Entwicklungsabschnitt großes wissenschaftliches Interesse zukommt.

Der Jugendliche muss nach Havighurst (1972) zahlreiche Entwicklungsaufgaben wie die Auseinandersetzung mit den körperlichen Veränderungen in der Pubertät, die emotionale Ablösung von den Eltern und den Aufbau neuer Beziehungen zu Gleichaltrigen beiderlei Geschlechts durchlaufen und erfolgreich bewältigen. Es folgt eine Zuwendung zur Gemeinschaft Gleichaltriger, um hier Anerkennung zu erlangen, die dem Jugendlichen - auf Grund der Verweigerung der Mitgliedschaft - in der Welt der Erwachsenen verwehrt wird (Schmidt-Denter, 2005). Es ist erkennbar, welchen hohen Stellenwert der Einfluss von Cliquen Gleichaltriger auf die Entwicklung in der Adoleszenz hat. Deshalb bildet eben dieser Faktor den Hauptfokus der vorliegenden Arbeit. Der Begriff „Peer-Group“ ist hier definiert als eine Gruppe Gleichaltriger, denen sich der Jugendliche angeschlossen hat und als deren Mitglied er sich betrachtet. Nichtsdestotrotz empfinden Jugendliche auch das Elternhaus als eng verbundenes soziales Netzwerk (Schmidt-Denter, 2005), weshalb ebenfalls die Rolle dieses Faktors diskutiert wird.

Um die Frage zu klären, welches Verhalten Untersuchungsgegenstand der beiden im Folgenden vorgestellten Studien ist, soll der Begriff „antisoziales Verhalten“ nun näher erläutert werden. Passende Beschreibungen hierzu liefert Schmidt-Denter (2005), der unter anderem Diebstahl, Raub, Körperverletzung und Drogendelikte unter die Überschrift antisozialen Verhaltens fasst. Diese Beschreibung deckt sich mit denen der Autoren der beiden Studien, die delinquentes beziehungsweise gewalttätiges Verhalten in ihren Untersuchungen messen (vgl. Elliott & Menard, 1996; Uslucan & Fuhrer, 2004). Es geht bei antisozialem Verhalten also um Delikte, bei deren Begehen hierzulande und auch in den Ländern, in denen die Datenerhebungen durchgeführt wurden, rechtliche Konsequenzen drohen. Da die Definitionen und Messungen antisozialen Verhaltens auf die in der Einführung beschriebene Problematik passen, wurden die beiden Hauptstudien dieser Arbeit ausgewählt.

3 Die Rolle des Elternhauses

Um den Einfluss des Elternhauses auf antisoziales Verhalten im Jugendalter zu diskutieren, wird zunächst kurz die Theorie der intergenerationalen Transmission von Gewalt eingeführt. Diese dient als konzeptueller Hintergrund für die daraufhin beschriebene Studie von Uslucan & Fuhrer (2004), die sich intensiv mit dem Zusammenhang zwischen Gewalterfahrungen im Elternhaus und aktiver Gewalttäterschaft auseinandergesetzt haben.

3.1 Die Theorie des sozialen Lernens und die Theorie der intergenerationalen Transmission von Gewalt

Die Theorie der intergenerationalen Transmission - also der Weitergabe - von Gewalt bietet einen möglichen Erklärungsansatz für den Einfluss des Elternhauses auf gewalttätiges Verhalten im Jugendalter, der in der Studie von Uslucan & Fuhrer (2004) untersucht wurde.

Eine ganz grundlegende Rolle spielen hierbei Lernprozesse, weshalb zunächst die Theorie des sozialen Lernens von Bandura und Walters (1963) dargestellt und dann auf den familiären Kontext übertragen wird. In ihrer Beschreibung sozialer Lernprozesse stützen sich Bandura und Walters zunächst auf die Erkenntnisse von Rotter: Er postulierte, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Verhaltens von der Ausprägung zweier Variablen ableiten lässt. Erstens die subjektiv erwartete Wahrscheinlichkeit, dass das gezeigte Verhalten verstärkt wird und zweitens durch den Wert, den die Verstärkung für das handelnde Subjekt hat (1954, zitiert nach Bandura & Walters, 1963, S. 2). Die Verstärkung des Verhaltens kann zum Beispiel in Form einer Belohnung bestehen. Die Erweitertung von Bandura und Walters bestand darin, dass sie die ursprünglichen zwei Variablen um eine dritte, soziale Variable erweiterten (Bandura & Walters, 1963). Diese dritte Variable fungiert im Kontext sozialer Interaktion als verbalisierendes Modell. Bandura & Walters zu Folge ist diese Tatsache unabdingbar für das Verständnis des Lernens sozialer Interaktionsprozesse.

Ihre Theorie stützt sich auf das Prinzip der operanten Konditionierung. Nach diesem steigt Verhalten, welches zum Beispiel durch Belohnung verstärkt wird, in seiner Auftretenswahrscheinlichkeit, während Verhalten, welches negativ verstärkt wird, in seiner Auftretenswahrscheinlichkeit sinkt (Bandura & Walters, 1963). Bestrafung stellt eine mögliche Form der negativen Verstärkung von Verhalten dar. Ein wichtiges Prinzip in ihrer Theorie ist das der Imitation. Sie argumentieren, bei der Bereitstellung sozialer Modelle (wie der Eltern) könne der Prozess der Erlangung von Verhaltensweisen, die erwünscht sind, beschleunigt und verkürzt werden. Begründet wird dies durch die Tatsache, dass das Kind die Verhaltensweisen ihm nahestehener Personen imitiert. Die Ausbildung wünschenswerten Verhaltens kann also schneller als Auf dem Weg des operanten Konditionierens geschehen. Sie bennenen also das Lernen durch Beobachtung und Imitation als weiteres Prinzip zur Verhaltensmodifikation neben dem Prinzip der operanten Konditionierung.

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Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640962150
ISBN (Buch)
9783640962440
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175335
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Department Psychologie
Note
1,3
Schlagworte
Peer-Groups Elternhaus antisoziales Verhalten Delinquenz delinquentes Verhalten Adoleszenz Jugendalter Viktimisierung Gewalterfahrung

Autor

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Titel: Der Einfluss des Elternhauses und von Peer-Groups auf antisoziales Verhalten im Jugendalter