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Konzeption eines Lehrervortrags

Thema: Formen der Gewaltenteilung (horizontal, vertikal, temporal)

Unterrichtsentwurf 2010 7 Seiten

Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Strukturelemente

Lehrervortrag über

Gewaltenteilung (horizontal, vertikal, temporal)

Gymnasium, Kl. 9, Lernbereich 1: Partizipation und politische Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland und im Freistaat Sachsen

Lerninhalt: Strukturprinzipien des demokratischen Verfassungsstaats

- Übersichtsbemerkung zur Verknüpfung der Lerninhalte des Lehrervortrags mit dem vorausgehendem Lerninhalt

Mit Hilfe des Textes haben wir nun also geklärt, dass es viele Gründe dafür gibt, auch einer Staatsmacht Grenzen zu setzen. Vor allem soll verhindert werden, dass sie willkürlich handelt und so regiert, wie ihr gerade der Schnabel wächst. Eine sehr wirkungsvolle Möglichkeit um das zu erreichen, ist die Gewaltenteilung, mit der wir uns im zweiten Teil der Stunde beschäftigen werden.

- klar formuliertes Thema

Was bedeutet Gewaltenteilung? Hinter dem Prinzip der Gewaltenteilung verbirgt sich die Forderung, dass nicht eine Person allein die politische Macht eines Staates in ihren Händen halten soll. Vielmehr haben viele verschiedene Personen und Institutionen Anteil daran und teilen sich somit die Staatsgewalt. Im einfachsten Sinne ist Gewaltenteilung also die Aufteilung politischer Macht auf verschiedene Personen eines politischen Systems. Diese Aufteilung erfolgt unter verschiedenen Gesichtspunkten und auf unterschiedlichen Ebenen. Drei dieser Formen von Gewaltenteilung wollen wir uns nun näher anschauen. Es handelt sich um die horizontale, die vertikale und die temporale, also zeitliche, Gewaltenteilung.

Tafelbild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- klare Anweisung an Zuhörer über geforderte Aktivitäten

Ich werde euch der Reihe nach erklären, was man unter diesen drei Formen der Gewaltenteilung versteht. Währenddessen füllt ihr bitte die fehlenden Spalten in der Tabelle aus. Im Anschluss werden wir gemeinsam die Ergebnisse vergleichen.

- Informationen über Gliederung bzw. Schwerpunkte des Lehrervortrages

Nun wenden wir uns aber erst einmal diesen drei verschiedenen Formen von Gewaltenteilung zu. Ich werde euch zunächst die Bedeutung der jeweiligen Gewaltenteilung erklären und anschließend darauf eingehen, wie sie in der Bundesrepublik Deutschland konkret umgesetzt wird.

- Klärung des Umgangs mit Zwischenfragen

Solltet ihr etwas nicht verstehen, so meldet euch bitte gleich. Vielleicht haben noch andere von euch dasselbe Verständnisproblem und dann können wir es gleich klären.

- inhaltliche Ausführungen zum Thema des Lehrervortrags

Beginnen wir mit der horizontalen Gewaltenteilung.

Unter der horizontalen Gewaltenteilung versteht man die Aufteilung der Macht im Staat auf verschiedene Institutionen. In der Bundesrepublik Deutschland nennt man diese Institutionen Legislative, Exekutive und Judikative.

Die Legislative ist die gesetzgebende Gewalt und ist somit in unserem politischen System Deutschlands das Parlament. Unter Exekutive hingegen versteht man die ausführende Gewalt, welche in Deutschland die Regierung darstellt. Die Judikative Gewalt bezeichnet das Gerichtswesen, also die Gerichte und Richter in Deutschland.

Obwohl diese drei Institutionen funktional voneinander getrennt sind, also jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen, kooperieren sie und kontrollieren sich gegenseitig. Keiner von ihnen kann etwas ohne die anderen tun oder entscheiden. Soll zum Beispiel ein neues Gesetz verabschiedet werden, müssen sowohl Legislative als auch Exekutive diesem Gesetz zustimmen. Falls der Verdacht besteht, dass das Gesetz gegen das Grundgesetz, also unsere Verfassung, verstößt, wird sogar die Judikative nach ihrer Zustimmung gefragt.

Als nächstes schauen wir uns die zweite Form der Gewaltenteilung an: die vertikale Gewaltenteilung. Dies meint die Aufteilung der Staatsmacht auf verschiedene Ebenen. Diese Ebenen nennt man auch Subsysteme, weil sie Teilsysteme innerhalb des politischen Gesamtsystems, also dem Staat, sind.

In Deutschland ist diese Form der Gewaltenteilung im sogenannten Föderalismus verwirklicht. Die unterste Ebene bilden die Städte und Gemeinden. Sie wird kommunale Ebene genannt. Darüber befindet sich die Ebene der Bundesländer, genannt Länderebene. Jedes der 16 Bundesländer, also auch Sachsen, bildet somit ein eigenes Subsystem. Darüber liegt die Ebene des Nationalstaats, die in Deutschland Bundesebene genannt wird. Den Abschluss bildet dann die Ebene der Europäischen Union.

Linker Tafelflügel (Skizze zum besseren Verständnis)

Jede dieser Ebenen hat ganz bestimmte Aufgaben zu erfüllen, die streng von den anderen Ebenen abgegrenzt sind. Trotzdem kommt es aber mitunter zu Missverständnissen, wenn die Aufgabenverteilung nicht klar ist und sich eine Ebene in die Befugnisse einer anderen Ebene einmischt. Stellt euch vor, eure Mutti will unbedingt, dass ihr euer Zimmer aufräumt, weil sie der Meinung ist, dass ihr bei dem ganzen Chaos überhaupt nichts mehr findet. Ihr habt aber den kompletten Durchblick und deshalb partout keine Lust aufzuräumen. Schlussendlich beseitigt eure Mutti das Chaos selbst. Leider hat sie aber alle eure Sachen an einen völlig anderen Ort geräumt, sodass ihr nun eure Sachen nicht mehr findet. Besser räumt ihr also selbst auf, da ihr genau wisst, wo alles hingehört. Um solche Probleme in der Politik zu vermeiden, gibt es das sogenannte Subsidiaritätsprinzip. Es besagt, dass eine Ebene alle Aufgaben, die sie selbst erfüllen kann, auch selbst erfüllen soll. Erst wenn sie mit einer Aufgabe überfordert ist, wird diese von der nächsthöheren Ebene übernommen. Somit gewährleistet das Subsidiaritätsprinzip die Effizienz der vertikalen Gewaltenteilung.

Zum Schluss betrachten wir noch die temporale Gewaltenteilung. Dies bedeutet, dass politische Ämter auf Zeit vergeben werden. Ein Regierungschef zum Beispiel, welcher in Deutschland der Bundeskanzler ist, ist nicht sein ganzes Leben lang Bundeskanzler. Seine Amtszeit ist begrenzt. Schließlich sollen auch einmal andere die Chance haben, ein Amt zu besetzen. Wenn in eurer Klasse der Klassensprecher gewählt wird, ist er das ja auch nur für eine bestimmte Zeit. Bei der nächsten Wahl kann er dann wiedergewählt werden, oder ein anderer Schüler wird zum Klassensprecher gewählt. Genauso ist das auch mit politischen Ämtern.

Außerdem soll die temporale Gewaltenteilung verhindern, dass sich um das Amt ein sogenannter Machtfilz bildet, also der Einfluss des Amtsinhabers und seiner Assistenten zu groß wird und dauerhaft besteht.

Die Zeit, wie lang eine Person ein politisches Amt besetzt, nennt man Legislaturperiode. Sie kann je nach Land und jeweiligem Amt völlig unterschiedlich sein. In Deutschland ist die Legislaturperiode des Bundestags beispielsweise 4 Jahre, während der Bundespräsident für 5 Jahre gewählt wird.

- knappe mündliche Zusammenfassung

Das Mittel der Gewaltenteilung ist also ein sehr erfolgreicher und wirksamer Mechanismus, um die Staatsgewalt zu begrenzen und einen Missbrauch dieser Macht zu verhindern. Sehr wichtig ist, dass euch klar ist, dass Gewaltenteilung nicht nur in der Unterscheidung von Legislative, Exekutive und Judikative besteht. Dies ist nämlich ein häufiges Missverständnis. Vielmehr gibt es verschiedene Arten der Gewaltenteilung, von denen wir heut drei kennengelernt haben, nämlich die horizontale, vertikale und temporale Gewaltenteilung. Noch einmal kurz zusammengefasst: Die horizontale Gewaltenteilung meint die Teilung der Staatsgewalt auf verschiedene Institutionen. Die vertikale Gewaltenteilung bedeutet die Aufteilung der Macht auf unterschiedliche staatliche Ebenen und die temporale Gewaltenteilung die Vergabe der Macht auf Zeit.

- Vergleich der Tabelle gemeinsam mit den Schülern

Tafelbild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Verknüpfung der Inhalte des Lehrervortrags (Informations-phase) mit dem folgenden Lerninhalt (Anwendungsphase)

Wir haben nun gesehen, wie entscheidend die Gewaltenteilung für das Bestehen der Demokratie ist. Außerdem haben wir uns näher mit der horizontalen, vertikalen und temporalen Gewaltenteilung beschäftigt. Doch nicht jeder Bürger in Deutschland ist sich im Klaren über deren Wichtigkeit. Viele Menschen wissen überhaupt nicht, was Gewaltenteilung wirklich bedeutet und dass sie viel zum Funktionieren unseres politischen Systems beiträgt.

Stellt euch vor, ihr seid die Bundeskanzlerin und sollt die deutschen Bürgerinnen und Bürger von der immensen Wichtigkeit der horizontalen, vertikalen und temporalen Gewaltenteilung überzeugen.

Bildet Gruppen von je vier Schülern und verfasst eine politische Rede, indem ihr erklärt, warum diese drei Arten der Gewaltenteilung so wichtig sind.

(Inhalte des Lehrervortrages entlehnt aus: Patzelt, Werner J. (2007): Einführung in die Politik Wissenschaft. Grundriss des Faches und studiumbegleitende Orientierung. Passau. S. 271 – 275. ; Gabriel, Oscar W.; Holtman, Everhard (2005): Handbuch Politisches System der Bundesrepublik Deutschland. München. S. 112 – 114.)

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Details

Seiten
7
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640969906
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175294
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Politikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
konzeption lehrervortrags thema formen gewaltenteilung

Autor

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