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Die Inszenierung der Volksgemeinschaft im Rundfunk

Hausarbeit 2008 11 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 „Volksgemeinschaft“
2.2 Aneignung des Rundfunks durch die Nationalsozialisten
2.3 Inszenierung der „Volksgemeinschaft“ am Beispiel des „Wunschkonzerts für die Wehrmacht“

3. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Der Rundfunk stellte ein zentrales Instrument bei der Inszenierung der „Volksgemeinschaft“ dar. Mit ihm sollte die nationalsozialistische Propaganda in jeden Haushalt des Reiches hineingetragen werden um so die Akzeptanz des Regimes und der nationalsozialistischen Ideologie zu sichern.

Dabei setzten die Nationalsozialisten „alles daran, das Medium Rundfunk als effizientes Instrument ihrer Herrschaft einzusetzen.“[1] Im Hinblick auf die Inszenierung der „Volksgemeinschaft“ gehört dazu unter anderem der Volksempfänger, der möglichst vielen die Teilnahme am Rundfunk ermöglichen sollte, die mediale Ausschlachtung nationalsozialistischer Großereignisse und Parteireden vor allem in der Anfangszeit ihrer Herrschaft und die Programmgestaltung im Allgemeinen. Das „Volksgemeinschaft“ dabei auch Exklusion bedeutete, wie in Kapitel 2.1 dargestellt wird, zeigt sich daran, dass Juden der Besitz eines Radios verboten wurde. Diese wurden zu Eigentum des Reiches erklärt und vor allem der Wehrmacht übergeben und schließlich an der Front eingesetzt.

Welche Mittel dabei verwendet wurden, soll in dieser Hausarbeit am Beispiel des „Wunschkonzerts für die Wehrmacht“ dargestellt werden. Zunächst wird jedoch der Begriff der „Volksgemeinschaft“ näher definiert und die Aneignung des Rundfunks durch die Nazis kurz angerissen.

Man muss jedoch anmerken, dass die Wirkung der nationalsozialistischen Propaganda inzwischen in der Forschung umstritten ist. Sie war „dort erfolgreich, wo sie bestehende Ängste verstärken und instrumentalisieren konnte, während es fast unmöglich war, die Bevölkerung in nennenswertem Maße von nationalsozialistischer Ideologie zu überzeugen.“[2]

2. Hauptteil

2.1 „Volksgemeinschaft“

Der Begriff der „Volksgemeinschaft“ tauchte zum ersten Mal im Zuge des Ersten Weltkriegs auf. Mit ihm wurde die Einmütigkeit des Volkes mit dem Kaiser beschrieben, unabhängig von politischen und sozialen Differenzen. Als „Geist von 1914“ wurde diese Einmütigkeit bis Kriegsende immer wieder beschworen.

Zwar unterstützte die SPD die Kriegsbemühungen der kaiserlichen Regierung, was vor allem von Zeitungen als Zeichen einer geeinten „Volksgemeinschaft“ beschworen wurde, ungeachtet aller sozialen und politischen Differenzen. Allerdings blieben gerade diese Differenzen weiterhin bestehen, sodass bereits hier von einer medialen Inszenierung von Wirklichkeit gesprochen werden kann, ähnlich wie sie später im Nationalsozialismus stattfand[3].

Zwar erhofften sich vor allem Sozialdemokraten und Juden durch die Teilnahme am Krieg eine gleichwertige Behandlung in der „Volksgemeinschaft“, die ihnen bis dahin verwehrt wurde, dennoch wurde diese von Anfang an auch durch Exklusion definiert. Die Jagd nach angeblichen Spionen verdeutlicht die ausgrenzende Dimension der „Volksgemeinschaft“. Gleichzeitig verband man mit der „Volksgemeinschaft“ eine Überhebung des deutschen Volkes:

„Die Forderung nach der Unterordnung des Einzelnen unter das Ganze [...] und die Apotheose des deutschen Volkes als Verkörperung des Hegel’schen ‚Weltgeistes’ [...] verband Gemeinschaftsvorstellung mit Anmaßung und Hybris.“[4]

Bereits hier zeigen sich die Grundlagen der „Volksgemeinschaft“, durch die sie sich im Nationalsozialismus auszeichnet.

In den staatsrechtlichen Diskussionen in der Weimarer Republik drehte sich eine zentrale Frage um die Legitimationsgrundlage der Republik und um das Verhältnis des Volkes zu der Verfassung bzw. dem Staat. Hierbei wurde zwischen Mehrheitswillen und Volkswillen unterschieden. Dies zeigt sich an der plebiszitären Wahl des Reichspräsidenten, die als politischer Willen des ganzen Volkes gesehen wurde, im Gegensatz zur Wahl des Parlaments, bei der Einzelinteressen vorherrschten. Hier wird ein ähnlicher Gedanke wie beim Spruch „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ deutlich, da der Reichspräsident als Stellvertreter eines Willens galt.

[...]


[1] Konrad Dussel: Kulturkonzepte im Konflikt. Britische, deutsche und schweizerische Hörfunkprogramme im Zweiten Weltkrieg, VfZ 49 (2001)3, S. 441

[2] Konrad Dussel: Hörfunk in Deutschland. Politik, Programm, Publikum (1923-1960), Potsdam, 2002, S. 178

[3] Vgl. Michael Wildt: Volksgemeinschaft als Selbstermächtigung. Gewalt gegen Juden in der deutschen Provinz 1919 bis 1939, Hamburg, 2007, S. 28

[4] ebd., S. 29

Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640960637
ISBN (Buch)
9783640961115
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175203
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
Geschichte Drittes Reich Nationalsozialismus Volksgemeinschaft Rundfunk Medien

Autor

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