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Intentionen und Idealvorstellungen von Dominikus und Franziskus bei der Gründung ihrer Orden und ihre Auswirkungen auf die spätere Ordensentwicklung

Ein Vergleich

Seminararbeit 2005 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenlage, Forschungsstand

3. Wirken des Dominikus vor der Ordensgründung

4. Verschriftlichung dominikanischer Ideale

5. Auswirkungen der Intentionen auf die weitere Ordensentwicklung

6. Zielsetzungen des Franziskus

7. Verschriftlichung franziskanischer Ideale
7.1 Die Regula bullata
7.2 Das Testament

8. Auswirkungen der Ideale auf die weitere Ordensentwicklung

9. Fazit

10. Literaturangaben

1. Einleitung

Der Predigerorden und der Minderbrüderorden gründeten sich im 13. Jahrhundert, in dem die Kirche sich mit vielerlei äußerlichen Problemen konfrontiert sah. Die Häresien[1] standen auf dem Höhepunkt ihrer Macht und hatten großen Einfluss auf die Bevölkerung, vor allem in Südfrankreich und Norditalien, errungen. Insbesondere die Katharer und Albigenser wurden zunehmend bedrohlich für den Klerus, da sie die Heilige Schrift anders auslegten als dieser und durch ihre ärmliche Erscheinung immer mehr an Glaubwürdigkeit gewannen. Für mich kam somit die Frage auf, ob die Gründung der „Bettelorden“ in dieser Zeit mit der potentiellen Gefahr für die Kirche durch häretische Strömungen zusammenhing.

Meine These lautet daher: Dominikus und Franziskus gründeten ihren Orden mit dem Ziel, die Kirche im Kampf gegen Häresie zu unterstützen. Um diese im Fazit zu widerlegen oder belegen zu können, stellte ich mir folgende Unterfragen: Welche Ziele verfolgten die Heiligen bei der Gründung der Orden? Hielten sich die Ordensbrüder und auch –gründer an die ursprünglichen Ziele und Ideale?

Zur Beantwortung dieser Fragen musste ich mir die verfügbaren Quellen zur Hand nehmen, die erkennbaren Ziele und Ideale der Gründer herausarbeiten und diese dann anschließend mit der Ordensentwicklung vergleichen. Manche Fragen werden durch die Quellen allerdings nicht eindeutig beantwortet. Deshalb war es weiterhin notwendig, Forschungsliteratur heranzuziehen. Mit Hilfe derer werde ich im Schlussteil zu einer Interpretation der Intentionen des Franziskus und Dominikus gelangen.

2. Quellenlage und Forschungsstand

Die hagiographische Quellenlage zu beiden Heiligen ist recht gut. Das liegt vor allem daran, dass diese Schriften nach dem Tod von Dominikus und Franziskus von Ordensbrüdern aus der Gründergeneration in Auftrag gegeben wurden, um einerseits deren Andenken zu bewahren aber andererseits auch, um deren Gedankengut an die folgenden Generationen weiterzutragen. Dies allein lässt schon den Schluss zu, dass es Differenzen zwischen dem ursprünglichen Programm und den tatsächlichen Aktionen der Anhängerschaft gegeben haben könnte. Problem bei hagiographischen Quellen ist jedoch, dass sie oft stark subjektiv gefärbt sind, da sie zur Erhöhung des beschriebenen Heiligen verfasst wurden. Deshalb wende ich mich, vor allem in Bezug auf Franziskus, mehr den von ihm selbst verfassten Quellen zu.

Von mir verwendete Hauptquellen zum Predigerorden sind die Sammlungen „ Monumenta Ordinis Fratrum Praedicatorum historica“ und das „ Libellus de principiis ordinis praedicatorum“ des JORDAN VON SACHSEN. In Franziskus’ Fall hatte ich die Möglichkeit, viele Informationen aus erster Hand zu beziehen; so nutzte ich die Regeln für das Zusammenleben in der Gemeinschaft sowie Briefe und das Testament, in dem er seine Ideale erneut bekräftigte.

Die Forschung hat sich diesem Thema v.a. in Bezug auf Franziskus angenommen. Warum dies so ist, wird in dieser Arbeit deutlich. Vertreter der Franziskaner-Forschung sind z.B. EßER (OFM), FELD und GOETZ, die der Dominikus-Forschung z.B. HINNEBUSCH, LAWRENCE und VICAIRE.[2]

3. Wirken des Dominikus vor 1216

Um sich über Dominikus’ Ziele klar zu werden, ist es notwendig, sich sein vorheriges Leben in Ansätzen zu betrachten.

1203 sowie 1205 unternimmt der klerikal gebildete Dominikus Reisen mit Diego, dem Bischof von Osma. Diesen kannte er u.a. von seiner Tätigkeit als Regelkanoniker in dessen Hauptkirche, wo er sich an die Augustinerregel zu halten hatte, welche apostolische Armut in der Nachfolge Christi vorschrieb. Auf diesen Reisen begegnet Dominikus Heiden und Häretikern. Daraufhin ziehen beide zum Papst Innozenz III. mit der Bitte, von den Diensten in Osma abberufen zu werden, um die heidnischen Kumanen missionieren zu dürfen. Dieser lehnt jedoch ab und soll sie stattdessen beauftragt haben, zusammen mit den Zisterziensern Häretiker zum orthodoxen Glauben zurückzubringen.[3] JORDAN V. SACHSEN erwähnt ein Treffen Diegos auf die Zisterzienser in Montpellier[4]. Diese sollen ihn um Rat gefragt haben, wie bei der Bekehrung der häretischen Albigenser zu verfahren sei. Diego soll den durch „great pomp“[5] ausgestatteten Zisterziensern geantwortet haben, dass dieses Auftreten nicht zum Rückruf der Häretiker führen könne. Vielmehr sollten die Bekehrer ihnen durch demonstrativ ärmliches Auftreten den Wind aus den Segeln nehmen: „We must attack them by our example.“[6] 1210-11 predigt Dominikus zusammen mit Fulko, dem Bischof von Toulouse, im Languedoc. 1215 gilt als Gründungsjahr der dominikanischen Predigergemeinschaft, da sie in diesem Jahr von Fulko anerkannt wurde. Um sich diese päpstlich anerkennen zu lassen, ziehen Fulko und Dominikus nach Rom. Auf Forderung des Papstes Innozenz III. wählt Dominikus die ihm bereits bekannte Augustinerregel zur Leitregel des Ordens und entwirft eine Satzung. 1216 bestätigt Honorius III. den Predigerorden.[7]

Aus dieser, auf das Wesentlichste zusammengefassten, Vorgeschichte des Dominikus kann man die Grundsätze seines Wirkens erkennen: er beruft sich auf die apostolische Armut und beschäftigt sich weitestgehend mit der Predigt in Gebieten, in denen die Häresien weit verbreitet sind.

4. Verschriftlichung von Dominikus’ Intentionen

Will man das Selbstverständnis eines Ordens ergründen, kann man sich beispielsweise die Beschlüsse der Generalkapitel betrachten. Für die vorliegende Betrachtung schien das Protokoll des ersten Generalkapitels besonders wichtig, da es die Ursprungsgedanken der Gründergeneration widerspiegeln kann.

Vor allem in Bezug auf die Armut ist folgender Ausschnitt interessant: „Ne possessiones vel redditus de cetero tenerent fratres nostri. (...) Unde per constitucionem perpetuam abdicatis omnibus temporalibus resignando tam presentibus redditibus quam futuris. Ordo fratrum praedicatorum paupertatem voluntarum est professus.”[8]

Erst mit dieser Aussage über die „freiwillige Armut“ wird der Predigerorden zu einem Bettelorden, wobei diese Armut nicht als vordergründiger Ordensinhalt gesehen werden kann. Sie wirkt nur als Mittel, um Studium und Predigt im Sinne von Diego sinnvoll zu ergänzen. SCHÜRER hält die Armut demnach für ein „zweckbestimmtes Akzidens zur glaubwürdigen Predigt“.[9]

[...]


[1] Häresie von gr. „hairesis“ = Wahl, Auswahl; wird seit dem 2. Jh. n. Chr. verwendet für eine vom orthodoxen Christentum abweichende Glaubensauffassung, die sich aber innerhalb des Christentums bewegt (z.B. durch Berufung auf die heilige Schrift).

[2] genauere Angaben zu Autor und Titel in Kapitel 9.

[3] Vicaire (LexMa Sp. 1222) stellt die Schickung zur Zisterziensermission als Fakt hin, andere Forscher bezweifeln dies allerdings.

[4] Sachsen, J.v.: Libellus, in: Brooke,R.; 1975; S.165.

[5] ebd., S. 165.

[6] ebd.; S.165f.

[8] Monumenta OP 1220-1303; S.1f.

[9] Schürer, M.; 2001; S.69

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640960507
ISBN (Buch)
9783640961054
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175176
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Dominikaner Franziskaner Orden Ordensgründung

Autor

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