Lade Inhalt...

The supply of microinsurance: organisational, market and socio-cultural factors

Seminararbeit 2011 23 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Markt Faktoren
2.1 Ökonomische Rahmenbedingungen
2.2 Mikroversicherungsmarkt in Entwicklungsländern
2.3 Hürden auf dem Mikroversicherungsmarkt

3 Organisationale Faktoren
3.1 Anbieter von Versicherungsarrangements
3.2 Organisationsmodelle
3.3 Politische Rahmenbedingungen

4 Soziokulturelle Faktoren
4.1 Infrastruktur
4.2 Financial Literacy
4.3 Kulturelle Rahmenbedingungen

5 Strategien und Lösungsansätze
5.1 Produktgestaltung und Produktionstechnologie
5.2 Marketing, Vertrieb und Dienstleistungsgeschäft
5.3 Aufklärungs- und Informationsarbeit
5.4 Staat und Aufsichtsorgane

6 Fazit

Literaturverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Spätestens seit Muhammad Yunus im Jahr 2006 den Nobelpreis für die Kreditvergabe an „arme Menschen“ erhielt, hat Mikrofinanzierung stark an Bedeutung gewonnen.[1] Im Vergleich zu Mikrokrediten oder Mikrosparprodukten entwickelte sich der Markt für Mikroversicherungen jedoch erst spät.

Grundsätzlich unterscheidet sich eine Mikroversicherung nur wenig von einer klassischen Versicherung, abgesehen von der spezifischen Bestimmung der Zielgruppe.[2] In der Literatur wird Mikroversicherung als „the protection of low-income people against specific perils in exchange for regular premium payments proportionate to the likelihood and cost of the risk involved“[3] definiert.

Noch im letzten Jahrzehnt sträubten sich die Versicherungsunternehmen (VU) Menschen aus dem unteren Ende der Armutspyramide zu versichern.[4] Die geringen Prämieneinnahmen, relativ hohe Transaktionskosten, sowie die fehlende Infrastruktur in Entwicklungsländern schreckten vor einem Einstieg in den Mikroversicherungsmarkt ab. Heute sprechen die VU diesem Markt ein enormes Wachstumspotential zu. Die Entwicklung scheint wenig überraschend zu sein, denn laut einer Studie von „Lloyd´s und dem Microinsurance Center“ wächst die Mikroversicherungsbranche jährlich um 18%.[5] Potentielle Versicherungsnehmer sind genug vorhanden, da 5,5 Mrd. Menschen in Entwicklungsländern leben, in denen kaum Absicherungssysteme existieren.[6] 80% der Menschen in Entwicklungsländern beziehen ihr Einkommen aus dem Informellen Wirtschaftssektor,[7] aufgrund dessen verfügen Sie über keinerlei Absicherung. Die Tatsache das „arme Menschen“ größeren Risiken ausgesetzt sind und von wirtschaftlichen Schocks viel stärker getroffen werden,[8] zeigt dass gerade diese Menschen einen enormen Absicherungsbedarf haben. Trotzdem sind gerade einmal 3% der Bevölkerung in den 100 ärmsten Ländern der Welt versichert.[9]

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Anbieterseite im sich ausbreitenden Mikroversicherungsmarkt. In Kapitel 2 wird auf die Marktfaktoren eingegangen. Die ökonomischen Rahmenbedingungen des Marktes werden beschrieben, die Entwicklung von Mikroversicherungen in Entwicklungsländern wird näher gebracht und die Hürden für Anbieter werden aufgezeigt. In Kapitel 3 wird auf die organisationalen Faktoren eingegangen. Hier geht es darum einige Anbietertypen aufzuzeigen, mögliche Organisationsformen vorzustellen und die politischen Rahmenbedingungen darzulegen. Soziokulturelle Faktoren werden in Kapitel 4 erläutert. Der Schwerpunkt wird hier auf die vorhandene Infrastruktur, „financial literacy“[10] und kulturelle Rahmenbedingungen gelegt. Anschließend werden im 5. Kapitel mögliche Strategien und Lösungsansätze vorgeschlagen, die Anbieterprobleme von Mikroversicherungen lösen können.

2 Markt Faktoren

2.1 Ökonomische Rahmenbedingungen

In Entwicklungsländern hat der größte Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu staatlichen Absicherungssystemen. Diese Systeme sind noch dazu oft schwach entwickelt oder gar nicht vorhanden, weil Regierungen kein Geld oder kein Interesse haben in Absicherungssysteme zu investieren.[11] Zudem leben 80% der Menschen in Entwicklungsländern vom informellen Sektor.[12] Menschen aus dem informellen Sektor haben nur ein unregelmäßiges Einkommen, zahlen keine Steuern oder Sozialabgaben und haben deshalb auch keinen Anspruch auf staatliche Absicherung. Darüber hinaus befindet sich der privatwirtschaftliche Versicherungsmarkt für Mikroversicherungen noch in der Entwicklungsphase. Das bedeutet nicht selten wenig Wettbewerb und mangelnde Transparenz, was zum Nachteil der Kunden führt.[13] Als Zielgruppe für Mikroversicherungen werden Menschen betrachtet, denen am Tag mindestens 1,25 $ zur Verfügung stehen.[14] Menschen die weniger am Tag verdienen, haben Schwierigkeiten ihre Grundbedürfnisse zu stillen und können sich somit keine Versicherung leisten. Risiken werden meistens durch traditionelle Solidarität oder Maßnahmen des Konsumausgleichs bewältigt. Da diese Risikostrategien nur einen begrenzten und sehr kostenintensiven Schutz versprechen, ist das Bedürfnis groß, Versicherungen gegen Risiken abzuschließen. Zumal unversicherte Verluste große Verstärker von Armut sind.

2.2 Mikroversicherungsmarkt in Entwicklungsländern

Auch in Entwicklungsländern setzen Versicherungsvertreter für wenige Euro keinen Fuß aus einem modernen Versicherungsbüro in ein Armenviertel.[15] Die meisten VU gehen Kooperationen mit lokalen Organisationen und Institutionen ein, die schon vor Ort sind und täglichen Kontakt mit potentiellen Kunden haben. Heute sehen aber auch viele VU die Chance, alleine in den Markt einzutreten und Produkte mit innovativer Produktgestaltung und innovativer Vertriebsform anzubieten.

Die eigentliche Entstehung der Mikroversicherung begann mit der Kopplung von Lebensversicherungen an Mikrokredite, die ebenso wie Mikrosparprodukte schon in Entwicklungsländern angeboten wurden.[16] Dabei kann man davon ausgehen, dass die Anbieter eher das Ziel verfolgten sich gegen Kreditausfälle abzusichern als dem Kunden zusätzlichen Schutz zu bieten.[17] In Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein Anstieg von Kreditverkäufen zu einer Steigerung des Versicherungsangebots führt.[18] Man sollte jedoch beachten, dass das Anhängen von Versicherungen an Kredite auch zu negativen externen Kosten für Versicherte führen kann.[19] Darüber hinaus dienen solche Kreditlebensversicherungen noch als Erweiterung des Produktportfolios und zur Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen für Kreditlinien. Vorranging werden obligatorische Gruppenversicherungen angeboten.

Obwohl der Markt für Mikroversicherungen ein enormes Potential, aufgrund der Größe des Absatzmarktes und dem schnellen Wachstum der Branche aufweist, ist die Reichweite von Mikroversicherungen sehr gering. Der Markt ist völlig unterversorgt, obwohl ein Marktpotenzial von 4 Mrd. Kunden und 40 Mrd. $ Prämieneinnahmen gegeben ist.[20] Man spricht von einer Marktdurchdringung von nur 3%, was 1,2 Mrd. $ entspricht.[21] Als Schlüsselmarkt wird hierbei der Asiatisch-Pazifische-Raum betrachtet, wo 70% der einkommensschwächsten Bevölkerungsgruppen weltweit leben und dort die Verbreitung von Mikrofinanzprodukten aufgrund der engmaschigen sozialen Infrastruktur erfolgreich ist.[22] Als Gründe für die niedrige Marktversorgung können neben den relativ hohen Transaktions- und Verwaltungskosten, unsichere wirtschaftliche und politische Gegebenheiten, wie hohe Inflations- und Zinsmärkte sowie Regulatorische Vorschriften und politische Instabilität angeführt werden.

2.3 Hürden auf dem Mikroversicherungsmarkt

Mikroversicherungen unterscheiden sich im Prinzip zwar wenig von klassischen Versicherungen, trotzdem entstehen ganz neue Herausforderungen für VU. Grund dafür ist die Zielgruppe, mit ihrer spezifischen Charakteristik. Anders als bei Menschen, die im formellen Sektor arbeiten, ist es für Versicherungen fast unmöglich Informationen über Menschen aus dem informellen Sektor zu erhalten. Diese Menschen haben weder einen Arbeitsvertrag, noch sind sie bei Behörden registriert. Sie können keine Sicherheiten nachweisen außer ihrer Arbeitskraft. Trotzdem ist es für VU dringend erforderlich diese Informationsasymetrie zu überwinden, da diese Informationen versicherungsmathematische Grundlage für das Erstellen des Versicherungsangebots darstellen. Als Folge dieser Informationsasymetrie zwischen dem informellen Sektor und konventionellen VU entsteht eine größere Gefahr von Adverser Selektion, Moral Hazard und Versicherungsbetrug.[23] Die Herausforderung besteht darin, innovative Lösungen zu finden ohne die Versicherungsbeiträge zu erhöhen. Denn die Nachfrage hängt nicht von der Zahlungsbereitschaft, sondern von der Zahlungsfähigkeit der Nachfrager ab.[24] Ohnehin ist ein nachhaltiges und rentables Versicherungsangebot nur möglich wenn die Zahl der Versicherten sehr hoch ist, damit die hohen Verwaltungs- und Transaktionskosten auf die Masse abgewälzt werden können. Unter Umständen können diese Kosten bei ärmeren Versicherungsnehmern sogar den Versicherungsbeitrag übersteigen.[25]

Außerdem gibt es noch weitere Hürden für VU, die z.B. aufgrund soziokultureller Faktoren und staatlicher Regulierung entstehen. Auf diese Hürden wird in Kapitel 4 bzw. Abschnitt 3.3 genauer eingegangen.

3 Organisationale Faktoren

3.1 Anbieter von Versicherungsarrangements

Auf dem Mikroversicherungsmarkt gibt es nicht „den Einen“ spezifischen Anbietertyp.[26] Es existiert neben der schwach ausgeprägten staatlichen Sozialversicherung eine Vielzahl von Anbietern und Organisationen, die hier grob in 3 Kategorien eingeteilt werden. Neben kommerziellen VU, sowie Mikrofinanzinstitutionen (MFI) werden Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVAG) in einer Kategorie zusammengefasst. Im Folgenden werden die Stärken und Schwächen der 3 Anbietergruppen beschrieben.

VU haben ihre Kompetenzen vor allem im versicherungsmathematischen und -technischen Know-how, Risiko-Pooling, administrativen Fähigkeiten und Zugang zu Rückversicherungsunternehmen und Kapitalmarkt.[27] Durch diese Stärken können sie vorteilhafte Vertragskonditionen definieren, sowie Prämien effektiv berechnen, was zu Vorteilen in der Produktgestaltung führt. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit ihre Einnahmen gewinnbringend auf dem Kapitalmarkt anzulegen, was die Fähigkeit im Finanzmanagement unterstreicht. Des Weiteren erhöht die Absicherung durch Rückversicherungsunternehmen die Qualität des Risikomanagements. Zudem gibt es im Vergleich zu anderen Anbietertypen Vorteile in Verwaltungsangelegenheiten, bezüglich Steuerung und Controlling, sowie Monitoring der Gesamtrisikosituation.

Die Stärken und Schwächen der VU und der NRO/VVAG sind komplementär.[28] Die Schwächen der NRO/VVAG liegen vor allem im versicherungsmathematischen und -technischen Know-How, der geringen Größe und fehlendem Zugang zum Kapitalmarkt.[29] Aufgrund dessen haben diese Anbietertypen Probleme beim Abschätzen von Risiken und Formulieren von finanziell nachhaltigen Verträgen. Bedingt durch die geringe Größe der NRO/VVAG können Schwierigkeiten im Poolen von Risiken entstehen und keine ausreichenden Rückstellungen geleistet werden.[30] Kontakte zu Rückversicherern und Fähigkeiten im Finanzmanagement sind meist auch nicht gegeben. Dafür weisen NRO und VVAG eine große Marktnähe und –kenntnis auf. Sie stehen in engem Kontakt mit den Kunden und verfügen deshalb über Informations- und Vertrauensvorteile.[31] Daraus resultieren niedrige Transaktionskosten, Kosteneffizienz und effiziente Organisationsstrukturen für Marketing und Vertrieb, sowie Dienstleistungsgeschäft.

[...]


[1] Vgl. Giesbert/Steiner 2010, S.1

[2] Vgl. Giesbert/Voss 2009, S.2; Vgl. Kwon 2010, S.135

[3] Churchill 2006, S.12

[4] Vgl. Churchill 2007, S.403; Vgl. Giesbert/Steiner 2010, S.1

[5] Siehe hierzu: Sinß 2010, S.574

[6] Vgl. Mikroversicherung 2011

[7] Vgl. Loewe 2004, S.93

[8] Vgl. Churchill 2007, S.401; Vgl. Microinsurance 2006, S.4

[9] Vgl. Beiträge 2009, S.4 f.; Vgl. Mikroversicherungen 2011; Vgl. Wissen 2006, S.16

[10] Grundkenntnisse in Bezug auf den Finanzmarkt. Hier besonderer Fokus auf dem Versicherungsprinzip. Aspekte des allgemeinen Bildungsniveaus fließen hier auch mit ein.

[11] Vgl. Loewe 2004, S.108

[12] Vgl. Loewe 2004, S.93

[13] Vgl. Beiträge 2009, S.11

[14] Vgl. Kalra 2010, S.10

[15] Vgl. Jarke 2008, S.68

[16] Vgl. Beiträge 2009, S.8

[17] Vgl. Giesbert/Voss 2009, S.1

[18] Vgl. Kwon 2010, S.152

[19] Vgl. Kwon 2010, S.136

[20] Vgl. Kalra 2010, S.1

[21] Vgl. Kalra 2010, S.10

[22] Vgl. Kalra 2010, S.11 ff.; Vgl. Swiss RE 2010

[23] Vgl. Loewe 2004, S.109

[24] Vgl. Loewe 2004, S.131

[25] Vgl. Loewe 2010, S.2

[26] Vgl. Churchill 2007, S.403

[27] Vgl. Loewe 2004, S.148 ff.

[28] Vgl. Loewe 2004, S.140

[29] Vgl. Loewe 2004, S.140 ff.; Vgl. Loewe 2010, S.2

[30] Vgl. Loewe 2010, S.2

[31] Vgl. Loewe 2010, S.2

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640960439
ISBN (Buch)
9783640961023
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175147
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
microinsurance Mikroversicherung Mikrofinanzprodukt microfinance Mikrokredit Mikro micro supply organisational market sozio-cultural soziokulturell Risikomanagement Versicherung insurance Markt Financial Literacy

Autor

Teilen

Zurück

Titel: The supply of microinsurance: organisational, market and socio-cultural factors