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Reformation - wie hat sie Europa verändert?

Facharbeit (Schule) 2011 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Vorläufer und Ursachen der Reformation
2.2. Verlauf, Strömungen und Ausbreitung der Reformation
2.3. Ergebnisse der Reformation

3. Fazit

4. Methodischer Teil
4.1. Thema
4.2. Literatur
4.2. Schreiben

5. Literaturverzeichnis

Gedruckte Quellen

1. Einleitung

Es war der Abend vor dem Allerheiligenfest des Jahres 1517, als der gelehrte Mönch an die Pforte der Schlosskirche trat. Mit entschlossenem Blick nahm er das Schriftstück, das er in den Nächten zuvor wütend verfasst hatte, und schlug es ans Portal des Wittenberger Gotteshauses. „Da unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: ‚Tut Buße’ u.s.w., wollte er, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein sollte!“ – dieser ersten folgten noch weitere 94 Thesen, in denen Luther die Verruchtheit der Amtskirche anprangerte. Weder der junge Mönch, noch die wenigen Wittenberger, die das Thesenplakat zur Kenntnis nahmen, konnten die Tragweite ahnen, die dieses Ereignis für den Fortlauf der deutschen und europäischen Geschichte haben sollte. Der Thesenanschlag zu Wittenberg bildete den offiziellen Auftakt für das Zeitalter der Reformation, die innerhalb kürzester Zeit die christliche Kirche spaltete. Die Reformation wirbelte die historische Landkarte Europas durcheinander, lieferte Zündstoff für zahlreiche verheerende Kriege und bildete den Grundstein für eine neue politische, wirtschaftliche und soziale Ordnung Europas.

Die folgende Dokumentation geht der Frage auf den Grund: Wie hat die Reformation Europa verändert? Um diese Frage zu klären, sollen folgende Dinge geklärt werden: Wie konnte es zu dem Ereignis der Reformation kommen? Wo liegen die Vorläufer und die Ursachen dieser Bewegung? Wie genau verlief sie, welches waren die entscheidenden Ereignisse und Strömungen? Welche historischen Persönlichkeiten spielten dabei eine Rolle? Und welchen Einfluss nahmen die Ergebnisse dieser historischen Epoche auf die weitere Entwicklung der europäischen Länder und Nationen?

Nachdem die wichtigen Fragen erwähnt wurden, soll kurz darauf eingegangen werden, wie diese im Verlauf der Dokumentation beantwortet werden sollen. Zuerst soll der Blick auf das Europa bzw. Deutschland des 15./16. Jahrhunderts gerichtet werden. Auf diese Weise lässt sich verstehen, wieso es zu der Reformation kommen konnte und vielleicht sogar musste, denn jeder geschichtliche Wandlungsprozess lässt sich nur in einem größeren Zusammenhang begreifen. Nachdem diese Ursachen und Bedingungen geklärt wurden, sollen die Hauptereignisse mehr oder weniger chronologisch aufgezeigt werden. Dabei muss natürlich an erster Stelle auf das Wirken des oben bereits erwähnten Reformators Martin Luther erwähnt werden. Allerdings spielten auch weitere Namen, wie z.B. Johannes Calvin für den weiteren Verlauf der Reformation eine große Rolle. In einem weiteren Punkt soll erläutert werden, welche Auswirkungen die Reformation auf die konfessionelle Landschaft Europas hatte und wie die katholische Kirche, die ja oberster Adressat der Kritik der Reformatoren war, damit umging und darauf reagierte. Am Schluss dieser Dokumentation steht dann eine Einschätzung darüber, welchen Einfluss die Umwälzungen der Reformation noch auf die heutige politische Gestaltung Europas nahmen. An diesen Hauptteil schließt sich dann ein methodischer Teil an, in dem die Vorgehensweise dieser Dokumentation dargelegt und reflektiert wird.

Bei dieser Dokumentation wird zum kleinen Teil auf Quellen aus dem Internet zurückgegriffen, z.B. historische Texte und historisches Kartenmaterial. Nebenbei wird das eine oder andere geschichtliche Werk als Quelle benutzt, wie z.B. die „Geschichte der Reformation“ des Autors Robert Stupperich oder der historische Band „Zeitalter der Reformation, eine Welt im Übergang“ von Volker Leppin. Eine ausführliche Liste der verwendeten Quellen findet sich im Anhang dieser Dokumentation.

2. Hauptteil

2.1 Vorläufer und Ursachen der Reformation

Die Reformation begann nicht erst am 31.10.1517. Zwar markiert Luthers Thesenanschlag den offiziellen Auftakt für die Epoche, jedoch bahnte sich diese bereits seit einiger Zeit an. In diesem ersten Teil der Dokumentation sollen die Vorläufer der Reformation beleuchtet werden. Dazu zählt vor allem der Aufbruch in die Neuzeit, der besonders in der italienischen Renaissance und den geistigen Strömungen des Humanismus deutlich wurde. Renaissance und Humanismus markierten das Ende des Mittelalters und das Eintreten der Menschheit in eine neue Epoche. Diese war vor allem geprägt durch ein völlig neues Menschenbild, welches in erster Linie durch die geistige Tradition der Antike inspiriert war. Während Humanisten, wie Erasmus von Rotterdam die Schriften der griechischen Philosophen wiederentdeckten, ahmten große Renaissance-Künstler, wie Leonardo da Vinci die bildende Kunst der römischen und griechischen Antike in ihren Werken nach[1]. Den Mittelpunkt dieser „Wiedergeburt“ (deutsche Übersetzung von Renaissance) der Antike bildete der Mensch, das Individuum. Genau darin lag der bedeutsame Unterschied zum Mittelalter, das durch unbedingte Autorität der Kirche geprägt war. Stupperich fasst diesen Wandel wie folgt zusammen: „Renaissance und Humanismus begünstigten die Entfaltung des Individuums gegenüber der Masse. Der Einzelne fasst Gelegenheit, seine Persönlichkeit auszuprägen. Seine Selbständigkeit wurde größer gegenüber den Ständen, der Gesellschaft, der Kirche“[2].

Weiterhin war der Aufbruch in die Neuzeit mit einem radikal neuen Weltbild verbunden. Seit dem späten 15. Jahrhundert hatten die großen Entdeckungen stattgefunden. Columbus fand den Seeweg nach Indien, wobei sich dieses Indien später als ein gänzlich neuer Kontinent herausstellte. Damit setzte sich aber allmählich die Überzeugung durch, dass die Erde ein runder Planet sei, der darüber hinaus nicht das Zentrum des Universums bildete. Spätestens seit den Erkenntnissen des Astronomen Nicolaus Kopernikus konnte das heliozentrische Weltbild nicht mehr von der Hand gewiesen werden[3]. Die Kirche und die von ihr verwaltete Wahrheit waren natürlich von solchen Bahn brechenden Erkenntnissen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das kirchliche Weltbild, geprägt durch das Dreigestirn Erde, Himmel und Hölle, begann mächtig zu wackeln. Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Kirche bei der Bevormundung des Menschen zu weit gegangen war und sich von ihrer seelsorgenden Aufgabe für die Menschen zu sehr entfremdet hatte. Das Mittelalter hatte der Bevölkerung arg

mitgespielt: Kriege und vor allem die in Europa wütende Pest machte das irdische Leben der Menschen zur Hölle. Der Bedarf an Trost im Glauben war da, aber die katholische Kirche in Rom konnte diesen Trost kaum spenden. Denn deren Würdenträger nutzten das Leid und die Unsicherheit der Menschen in erster Linie aus, um sich daran zu bereichern.

Nicht zuletzt aus diesem Grunde war die Reformation vor allem eine religiöse Bewegung, die sich gegen die Missstände der Amtskirchen und des Amtsmissbrauchs hoher geistlicher Würdenträger, wie dem Papst, wandte. Was sie anstrebte, war eine Reform an Haupt und Gliedern[4]. Dieses Aufbegehren resultiert auch aus dem neuzeitlichen Menschenbild. Denn die Beziehung des einzelnen Menschen, des Individuums zu Gott wurde im Sinne des Humanismus nun auch individueller und vor allem diesseitiger interpretiert. Das Leben des Menschen war nicht mehr nur ein kurzer, schmerzvoller Aufenthalt im Vorhof zur Hölle oder zum Paradies, sondern der Mensch wurde als Höhepunkt der Schöpfung gesehen, der selbst mit wertvollen Fähigkeiten und schöpferischem Talent ausgestattet war. Und so wurde das Diesseits wieder wichtiger. Das Diesseits aber war im späten Mittelalter vor allem dadurch geprägt, dass die Kirche ihr Machtmonopol über das Heil der Menschen gnadenlos ausnutzte. Der spätmittelalterliche Klerus war nichts anderes als ein gigantischer Finanzapparat, dessen Interessen meist darin bestanden, Reichtum und weltliche Macht auszudehnen. Die Beziehung zwischen Mensch und göttlichem Schöpfer war der Kirche weitgehend gleichgültig. Genau dies kritisierten frühe Reformatoren, wie z.B. der englische Theologe John Wyclif (1330-1384) und der böhmische Priester Jan Hus (1369-1415). Die anklagenden Schriften dieser beiden waren auch für die von Wittenberg ausgehende Reformation sehr bedeutend.

Um diese allerdings zur Kenntnis zu nehmen, war vor allem eine technische Erfindung bzw. Erneuerung von ganz entscheidender Bedeutung. Um das Jahr 1450 erfand Johannes Gutenberg in Mainz die Kunst des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Dies bildete den vielleicht entscheidenden Moment für den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit, denn diese Erfindung ermöglichte eine beliebige Vervielfältigung von Schriften aller Art. Schriftliches Wissen lagerte nun nicht mehr in staubigen Klosterbibliotheken, sondern wurde nach und nach der breiten Bevölkerung zugänglich und sorgte für eine zunehmende und sich rasant beschleunigende Verbreitung neuer und, wie im Fall der Reformation, umwälzender schriftlicher Ideen[5]. Auf die Rolle des Buchdrucks bei der Ausbreitung der Reformation soll in einem späteren Abschnitt noch eingegangen werden.

[...]


[1] Vgl.: Müller, Helmut M.: „Schlaglichter der deutschen Geschichte. Sonderausgabe für die Landeszentralen für politische Bildung.“ Mannheim: Brockhaus Verlag 2002, S. 91f.

[2] Stupperich, Robert: „Die Reformation in Deutschland“. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1972, S. 7

[3] vgl.: ebd., S. 12

[4] vgl.: Müller 2002, S. 92f.

[5] vg.: ebd., S. 90f.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640959921
ISBN (Buch)
9783640960101
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175116
Note
13 Punkte
Schlagworte
reformation europa punkte

Autor

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