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Die Umsetzung Milton Friedmans neoliberalen Gedankenguts in der Reagan Administration

Oder: ist Reagan ein Chicago-Boy?

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das neoliberale Gedankengut Milton Friedmans
2.1 Monetarismus
2.2 Friedmans Gesellschaft: freier Markt und zurückgenommener Staat
2.3 Bildungs- und Sozialpolitik

3. Reagan vs. Friedman
3.1 Monetarismus
3.2 Freier Markt und limitierter Staat
3.2.1 Freihandel
3.2.2 Verteidigung
3.3 Reagans Innen- und Sozialpolitik – ein Anschlag auf den Wohlfahrtsstaat?
3.3.1 Steuerreformen

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Wirtschaft des mächtigsten Landes der Erde, der USA, sah sich in den siebziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts mit einer Reihe von Krisen konfrontiert. Diese ließen nicht mehr mit den bis dato gängigen wirtschaftspolitischen Methoden, wie dem Einsatz fiskalpolitischer Mittel zur antizyklischen Nachfragesteuerung, lösen. So schlitterte auch der Keynesianismus langsam aber sicher in eine Identitätskrise.[1] Eine Dekade später machte dieser Umstand den Weg frei für neue ökonomische Ansätze, darunter auch der Monetarismus Milton Friedmans, der eine Entlastung des Staates von konjunkturpolitischen Aufgaben und eine stetige Geldpolitik der Zentralbank fordert. Von diesen Ideen und denen der Angebotsökonomen angetan waren in erster Linie die Republikaner.

Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften unterstütze daher Ronald Reagan bereits in seinem Wahlkampf. Der spätere Präsident und der Chicagoer Professor empfanden dabei großen Respekt füreinander.[2] Aufgrund dessen ist es nicht verwunderlich, dass Friedman – der nie Teil des Regierungsapparates wurde – Reagan mittels eines externen „Think Tanks“ in wirtschaftlichen Fragen beratend zur Seite stand. Aber kann man Milton Friedman deshalb als intellektuellen Architekten der US-Wirtschaftspolitik der achtziger Jahre bezeichnen?

Dieser Frage möchte ich in meiner Arbeit nachgehen. Da es sich um eine politiktheoretische Arbeit handelt, ist es nicht von meinem primären Interesse, ob die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Reagan-Ära auch von ökonomischem Erfolg gekrönt waren. Ob sie also gewirkt haben. Entscheidend für meine Analyse soll nur sein, was Reagan von den liberalen Ideen Friedmans wirklich umgesetzt hat und was nicht. Wie viel sich also von den theoretischen Überlegungen Friedmans letztlich in der Administration Ronald Reagans wieder finden lässt. Auch möchte ich die Ideen, die Friedman äußerte nicht in irgendeiner Weise werten oder ihre Erfolgsaussichten bewerten oder schauen ob diese sich bewahrheiteten.

In einem ersten Schritt werde ich daher die zentralen Aspekte in der Friedmans Theorie kompakt darstellen, um dann in einem zweiten Schritt zu betrachten, wie viel davon in der Reagan-Administration umgesetzt wurde. In diesem Zusammenhang werde ich die Friedmansche Theorie um einige zeitgenössische Ansichten erweitern, die er auf verschiedenen Wegen publizierte, wie beispielsweise in seiner Kolumne im Magazin „Newsweek“.

Zur Forschungsliteratur ist zu sagen, dass es zu Lehre Friedmans – neben seinen eigenen Werken – eine Reihe von englisch- und deutschsprachigen Gesamtdarstellungen gibt. Eine ebenso große Fülle an Literatur kann man auch für die Amtszeit Reagans feststellen. In diesen spielt die Wirtschaftspolitik eine bedeutende Rolle. Den Versuch, die beiden Protagonisten meiner Arbeit mit einander zu vergleichen hat Elton Rayack bereits 1987 vorgenommen. Er konzentrierte sich jedoch nicht nur auf die USA, sondern untersuchte darüber hinaus, wie sich die polit-praktische Umsetzung der Vorschläge Milton Friedmans in anderen Ländern der Welt, wie beispielsweise Chile ausgewirkt hat.

2. Das neoliberale Gedankengut Milton Friedmans

Aus politikwissenschaftlicher Sicht im Allgemeinen und bezogen auf das Thema meiner Arbeit im Besonderen ist nennenswert, dass Milton Friedman stets um eine Anwendung seiner Theorien auf zeitgenössische Probleme bemüht war. Diese praktischen Umsetzungen waren so konzipiert, dass sie am Status quo ansetzten und dann mit Hilfe des Staates, der Marktkräfte freisetzt, eine Transformation herbeiführen sollen.[3] Den Staat will Friedman dabei begrenzen, weshalb man ihn zu den liberalen Theoretikern zählen kann.

Im 20. Jahrhundert stellt er die große Antipode zu John Maynard Keynes dar. Vor allem deshalb, weil er das Ausbrechen der Weltwirtschaftskrise 1929 auf eine andere Art und Weise begründet. Während Keynes die Ursachen in einem real hervorgerufenen Nachfrageschock sieht, also eine Fehlfunktion des Marktes vorzufinden meint, sucht Friedman Antworten auf einer anderen Ebene. Er wirft den staatlichen Institutionen Versagen vor, was einen massiven monetären Nachfrageschock ausgelöst habe. Genauer: Die Zentralbank hätte es versäumt, einen Rückgang der Geldmenge zu vermeiden, wodurch es zu dem Bankenkrach käme und eine ausreichende Kreditgewährung nicht mehr möglich wäre.[4]

2.1 Monetarismus

Wie an dieser kurzen Erläuterung der Erklärung Friedmans für die Weltwirtschaftskrise deutlich wird, ist für ihn das Angebot an Geld der entscheidende, die Volkswirtschaft beeinflussende Faktor. Im Kern löst eine Veränderung der Geldmenge die Entwicklung des nominalen Volkseinkommens.[5] Friedman plädiert daher für eine strenge, am jährlichen Wachstum des Bruttosozialprodukts orientierte Geldpolitik, die dafür sorgt, dass das Angebot an Geld in gleicher Weise mitwächst.[6]

Die aufgrund dieser Konzentration auf die Geldmenge Monetarismus genannte Theorie Friedmans verfolgt allerdings auch eine ordnungspolitische, und zwar liberale Grundausrichtung. Dabei geht der Monetarismus von einer stabilen Marktwirtschaft aus. Das heißt, der Marktmechanismus sorgt stets dafür, dass Abweichungen vom gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht von allein, also ohne Eingreifen des Staates, korrigiert werden.[7] Die Koordination verläuft entlang des Preises.

In diesem Zusammenhang betont Friedman die Rolle der individuellen Erwartungen der Wirtschaftssubjekte bei ihren Entscheidungen. Hier sieht er die Gefahr konjunkturpolitischer Eingriffe, da sie die Erwartungshaltung der Akteure stören. Eine funktionierende Geldpolitik hingegen stabilisiere die Erwartungen. Daher sei auch die Inflation keine naturgegebene, unausweichliche Katastrophe, sondern ein durch Menschen verursachtes Problem. Genauer gesagt ein monetäres Phänomen, für das die Geldpolitik Verantwortung trage.[8]

Friedman fordert daher, dass Zielvereinbarungen für das Geldmengewachstum getroffen und publik gemacht werden, um so die Erwartungen langfristig zu festigen.[9] In der Geldpolitik sieht der Wirtschaftswissenschaftler aus Chicago allerdings kein Allheilmittel. So sei der Wachstumspfad der Wirtschaft eine ebenso wenig durch die Geldpolitik beeinflussbare Größe wie die auch bei Wachstum vorzufindende Arbeitslosigkeit. Ein solcher, von staatlicher Seite ausgeübter, Versuch führe nur zu nicht intendierten und daher schwer kontrollierbaren Konjunkturstörungen.[10] Der Monetarismus zeichnet sich daher insgesamt durch seine langfristige Wahrnehmung und sein Bemühen um die Sicherung des Geldwertes aus, das für stabile Preise sorgen soll.[11]

Um jedoch die Gefahr zu vermeiden, dass die Geldpolitik von der Politik missbraucht wird, schlägt Friedman vor, die Zentralbank zur Verfolgung eines konstanten Geldmengewachstums zu verpflichten.[12]

[...]


[1] Vgl. Kreile, Michael: Aufschwung und Risiko. Die Wirtschafts- und Haushaltpolitik der Reagan-Administration, in: Hartmut Wasser (Hg.): Die Ära Reagan. Eine erste Bilanz, Stuttgart 1988,, S. 166.

[2] Vgl. Rayack, Elton: Not so free to choose. The political Economy of Milton Friedman and Ronald Reagan, New York u.a. 1987, S. 1.

[3] Vgl. Pies, Ingo: Theoretische Grundlagen demokratischer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. Der Beitrag Milton Friedmans, in: Ingo Pies/ Martin Leschke: Milton Friedmans ökonomischer Liberalismus. S. 22.

[4] Vgl. Hansjürgens, Bernd: Milton Friedmans Wirtschafts- und Gesellschaftstheorie. Ad-hoc-Liberalismus oder konsistente Konzeption?, in: Ingo Pies/ Martin Leschke: Milton Friedmans ökonomischer Liberalismus, S. 220.

[5] Vgl. Polleit, Thorsten: Monetarism Matters. Milton Friedmans Monetarismus, in: Ingo Pies/ Martin Leschke: Milton Friedmans ökonomischer Liberalismus, S. 25.

[6] Vgl. Rayack, S. 5.

[7] Vgl. Polleit, S. 27.

[8] Vgl. Ebenda, S. 43.

[9] Vgl. Hansjürgens, S. 221f.

[10] Vgl. Polleit, S. 43.

[11] Vgl. Ebenda, S. 44.

[12] Vgl. Ebenda.

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640959853
ISBN (Buch)
9783640960040
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175107
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Seminar für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
umsetzung milton friedmans gedankenguts reagan administration chicago-boy

Autor

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