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La Gazette en France

Die Etablierung der Zeitung in Frankreich

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Vorbedingungen für die Entstehung der periodischen Presse

3. Vorläufer der periodischen Presse

4. Frankreich erste Zeitung – die „gazette“
4.1 La Gazette du 17. Sept
4.2 Die Konkurrenten der Gazette
4.3 Die Leserschaft

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis- und Quellenverzeichnis
6.1 Literatur
6.2 Internet
6.3 Quellen

Anhang

1. Einleitung

Selbst ein Abriss über die Geschichte der Etablierung der ersten Zeitung in Frankreich – der „gazette“ – kann nicht mit dem Tag ihrer Erscheinung beginnen. Wichtig ist es vor allen Dingen erst einmal die Entwicklungen zu betrachten, die es überhaupt erlaubten bzw. die dazu führten, dass eine Zeitung in Frankreich publiziert wurde. Diesen relevanten gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Prozessen, die die Grundlage schufen für eine Zunahme der regelmäßigen Informationsverbreitung, werde ich in dieser Arbeit zunächst versuchen auf den Grund zu gehen. Anschließend daran möchte ich zeigen, welches die ersten Schriftstücke waren, die auf den geschaffenen Wegen die neusten Nachrichten und Berichte verbreitet haben.

Aufbauend darauf zeige ich, wie auf Grundlage der ersten Informationsschriften, die erste Zeitung in Frankreich initiiert wurde. Dabei steht vor allem die Frage im Vordergrund, wer überhaupt im zentralistisch organisierten und absolutistisch regierten Frankreich des 17. Jahrhunderts[1] finanzkräftig und mächtig genug war, ein solches Projekt zu tragen? Wer hatte darüber hinaus überhaupt ein Motiv, sich das finanzielle Abenteuer zuzumuten? Deshalb werde ich untersuchen, wer aus welchen Gründen und mit welchen Zielen an der Gründung der „gazette“ beteiligt war. Daran schließt sich die Frage an, ob es neben der „gazette“ noch andere Zeitungen gab, die in direkter Konkurrenz zu ihr standen, auch was den Inhalt anging. War es überhaupt möglich, dass eine Zeitung einen anderen Inhalt bringen konnte, ohne von einer wie auch immer gearteten Zensur dafür gerügt zu werden?

Konnte die Leserschaft, auf dessen Zusammensetzung ich ebenfalls kurz eingehen möchte, sich aus mehreren Quellen über das Geschehen am Hof, in der Politik und im Ausland informieren und sich so ein differenziertes Bild verschaffen? Oder erhielten sie nur einen eindimensionalen (staatlichen) Blick auf die Vorkommnisse um sie herum?

Was den Forschungsstand angeht, so muss man feststellen, dass es sich hierbei um ein klar nationales Thema handelt. Von der deutschen Forschung wurde es daher weitgehend ausgelassen. Dort steht vielmehr die deutsche Pressegeschichte im Vordergrund. Auch deshalb, weil Frankreich erst viele Jahre nach Deutschland, den Niederlanden und England eine regelmäßig erscheinende Zeitung vorweisen kann. Daher ist es ausnahmslos französische Literatur, die die Geschichte der französischen Presse und damit auch der Etablierung von Zeitungen in Frankreich beleuchtet.

Größeres internationales Interesse ist dann erst wieder bei der Rolle, die die Presse, und damit auch die Zeitung, in der französischen Revolution spielte, festzustellen.

2. Vorbedingungen für die Entstehung der periodischen Presse

Die Entstehung einer periodischen Presse im Europa der frühen Neuzeit ist auf eine Reihe von Entwicklungen und verschiedene Faktoren zurückzuführen. Die Lust am Wissen, an neuen Informationen hat die Menschen schon immer begeistert. Das 15. und 16. Jh. ließ aufgrund seiner zahlreichen dynamischen Prozesse den menschlichen Wissensspeicher exponentiell ansteigen. Zu diesen gehörten die Reaktivierung, aber vor allem der Ausbau von Handelsrouten und damit zusammenhängend auch die Erschließung neuer Länder und Märkte. Zudem spielte die Weiterentwicklung der Technik eine große Rolle. Darüber hinaus bestimmten Entdeckungen, Erfindungen, Wissenschaft und Unternehmergeist diesen Zeitraum.[2] Von dieser großen Phase des Umbruchs waren ebenfalls die politischen Systeme betroffen, die sich im Wandel begriffen.

All diese Entwicklungen führten zu einem Anstieg des Gesamtangebots, aber auch der Nachfrage an Informationen. Es entstanden regelrechte Informationszentren, die sich meist an den Knotenpunkten von bedeutenden Fernhandelsstraßen befanden. Man könnte diese Phase zu Recht als „Globalisierung“ bezeichnen. Damals wie heute wurde dieses Phänomen vor allem von wirtschaftlichem Ehrgeiz getragen und von einer Weiterentwicklung der Kommunikationsmittel begleitet. Zurückzuführen ist dies vor allem darauf, dass Händler Informationen aus den Ländern brauchten, aus denen sie Produkte importierten bzw. in die sie welche exportierten. Dies war essenziell für die Bildung von Preisen auf den wichtigsten europäischen Märkten wie z.B. in Venedig, welches außerdem zum ersten Zentrum der Sammlung und Verbreitung von Informationen wurde. Italienische Banken verschickten Berichte, die Auskunft gaben über die Lage der Märkte. Dabei waren es zwei Neuerungen des 15 Jh., die, neben dem ökonomischen Aufschwung, ausschlaggebend waren für die schnellere und preiswertere Verbreitung von Wissen.[3] Zum einen handelt es sich dabei um die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, und zum anderen um die Etablierung und Weiterentwicklung des Postwesens.

Ersterer wurde von Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jh. in Deutschland erfunden.[4] Diese quasi-industrielle Herstellung von Büchern war allerdings immer noch sehr teuer, weshalb sehr viel Kapital bereitgestellt werden musste. Dass dieses Vorhanden war, kann wieder auf die wirtschaftliche Prosperität und eine intellektuelle Bewegung, die nach Vervielfältigung von Wissen strebte, zurückgeführt werden. Zudem mussten die fertigen Drucke schnell verkauft werden, da die Lagerhaltungskosten immens waren. Viele Drucker waren daher darauf bedacht, leichtere Werke zu produzieren, wie Flugschriften, Almanache, Grammatiken oder Kalender und später auch Zeitungen, welche ebenfalls nur wenige Seiten umfassten.

Schnell fasste der Buchdruck auch in Frankreich Fuß. Lyon war die erste Stadt, in der sich Drucker niederließen und in der 1473 das erste Buch gedruckt wurde.[5] Von großer Bedeutung war auch die steigende Popularität des Papiers, das im 12. Jh. seinen Weg von China nach Europa fand, wo es sich im 14. Jh. weit verbreitet hatte. Frankreich wurde dank seiner vielen Flüsse, die zum Betreiben der zur Papierherstellung benötigten Mühlen gebraucht wurden, zum ersten europäischen Papierexporteur und konnte 2000-3000 Blätter am Tag fertigen. Das Papier verdrängte schnell Pergament und Papyrus, da deren Fertigung aufwändiger und sie schwerer zu bedrucken waren. Dazu kam, dass die Preise für Papier im 16. Jh. zurückgingen.[6]

Existenziell für die Verbreitung der fertigen Druckwerke und damit von gespeicherten Informationen und Wissen war die Entwicklung der Post.

Waren es zunächst Netzwerke, organisiert zwischen Klöstern Händler, Herrschern, Städten und Universitäten, die für die Verbreitung von Wissen sorgten, etablierte Kaiser Friedrich III. nach dem Fall Konstantinopels im Jahr 1453 ein königliches postalisches System, mit dem er die Bewegungen der Türken überwachen wollte. Die Familie von Turn und Taxis organisierte dann erste Routen zwischen Innsbruck (Residenzstadt im Norden) und Italien. Diese Routen wurden weiter ausgeweitet. 1516 zu Beginn der Herrschaft Karl V. kamen die Boten bereits bis nach Spanien und in die Niederlande und durchquerten dabei Frankreich, Deutschland, Rom und Neapel.[7]

In Frankreich etablierte Ludwig XI. 1480 die „maitres de la poste“, die mit der Beförderung der königlichen Schreiben betraut wurden. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jh. beförderte die Post auch die Depeschen von Privatleuten, da sie darin eine neue Einkommensquelle fand. Unter der Herrschaft von Henri IV. wandelte sie sich mehr und mehr zu einer Art öffentlichen Einrichtung, die nicht nur dem Adel vorbehalten war. Sie stand aber weiterhin unter der Aufsicht des monarchischen Staates und besaß das Monopol auf die Zustellung jeglicher Briefe und ähnlicher Güter und später auch der Zeitungen. Auf diese Weise entstand ein durch Regelmäßigkeit gekennzeichnetes postalisches Systems, was eine Grundvorrausetzung für das Entstehen einer periodischen Presse ist, denn ihr wird so ein Vertriebskanal geboten.[8]

Unter der Regentschaft von Kardinal Richelieu wurde das postalische Netz in Frankreich dann, vor allem in Norden, weiter ausgebaut. Dazu wurden die bestehenden Routen immer häufiger frequentiert. Auch die Geschwindigkeit der Kuriere war für die damalige Zeit enorm. Sie ist darauf zurückzuführen, dass die Boten bei Tag und Nacht geritten sind und an verschiedenen Posten ihre Pferde wechseln konnten.[9]

3.0 Vorläufer der periodischen Presse

Auf diesen Routen wurden, bevor sie für den Vertrieb von Zeitungen genutzt wurden, eine ganze Reihe anderer Informationsschriften verbreitet. Dazu gehörten in Frankreich die „bulletins“. Dies waren kurze Nachrichtenberichte, die seit Ende des 15 Jh. beispielsweise über die Entwicklungen der kriegerischen Auseinandersetzungen in Italien berichteten.

Sie stellen eine Form von Gelegenheitsberichten („occasionnels“) dar, welche immer dann gedruckt wurden, wenn es etwas von einem großen Ereignis zu berichten gab. Der französische König entdeckte in ihnen schnell ein Propagandamittel, während sie für die Drucker eine bequeme und einfache Einkommensquelle darstellten, da sie schnell gedruckt und dank der Post ebenso rasch verbreitet werden konnten.[10] Auf diese Weise erfuhren die Franzosen relativ schnell von einem Ereignis, nachdem es passierte. Dank einer verbesserten Papierqualität, konnte das Format verkleinert werden (10,5 X 13cm). Die Anzahl der Seiten variierte, blieb aber unter acht. Was die äußere Form und die Anordnung angeht, so ähnelten sich die „bulletins“, nicht aber was die Sprache anging, welche zum damaligen Zeitpunkt noch in keinster Weise fixiert war.[11] Diese gedruckten Nachrichten verdrängen bald die handgeschriebenen.

[...]


[1] Von jetzt an als Jh. abgekürzt.

[2] Vgl. Stöber, Rudolf: Deutsche Pressegeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Konstanz 2005, S. 15.

[3] Vgl. Bellanger, Claude: Histoire générale de la presse française. Teil 1: Des origines à 1814, Paris 1969, S. 28.

[4] Vgl. Stöber, S 21.

[5] Vgl. Feyel, Gilles: La presse en France des origines à 1944. historique politique et matérielle, Paris 1999, S. 6.

[6] Vgl. Ebenda und Stöber, S. 31.

[7] Vgl. Feyel, S. 9.

[8] Vgl. Ebenda.

[9] Vgl. Ebenda, S. 10.

[10] Vgl. Feyel, S. 8.

[11] Vgl. Bellanger, S. 29.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640959532
ISBN (Buch)
9783640959754
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175105
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Seminar für mittlere und neuere Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
gazette france etablierung zeitung frankreich

Autor

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Titel: La Gazette en France