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Geschichte der Genussmittel (18.-20.Jahrhundert)

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist eine Konsumgesellschaft?

3. Die Welt der Genussmittel

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Seit Jahrhunderten haben Genußmittel im Alltag jedes einzelnen Menschen eine überragende Bedeutung, die nicht nur auf ihre geschmacklichen Eigenschaften zurückzuführen ist, sondern in weit höherem Maße auf ihre kulturellen Zuschreibungen und Bewertungen.“[1]

Dieses Zitat verdeutlicht, dass Genussmittel seit jeher ein besonderes Erlebnis für unsere Geschmacksnerven darstellen, aber darüber hinaus auch in jeder Gesellschaft und Kultur in unterschiedlicher Art und Weise genutzt und bevorzugt sowie entsprechend ihrer variierenden Konventionen überall anders konsumiert werden. Doch was sind Genussmittel? Genussmittel können zum einen hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe von übrigen Nahrungsmitteln abgegrenzt werden. Sie weisen Inhaltsstoffe auf, die beim Genuss eine angenehmes Gefühl auslösen und außerdem wegen ihrer „anregenden oder dämpfenden Wirkung auf das Nervensystem, die Geschmacksorgane, das Gefäßsystem und die Verdauungsdrüsen“[2]gerne konsumiert werden. Trotzdem ist eine Abgrenzung von Genussmitteln von übrigen Lebensmitteln nicht grundsätzlich möglich, denn manche, beispielsweise Honig, Zucker und Schokolade, werden sogar als solche geführt. Genussmittel wie Alkohol hingegen kann man wegen ihrer Schädlichkeit nicht zu Lebensmitteln zählen. Des Weiteren sind einige Genussmittel sogar suchtgefährlich und manche sind - international unterschiedlich - verboten oder nur eingeschränkt gestattet.

Doch neben ihrer Einordnung in den ernährungswissenschaftlichen Bereich haben Genussmittel außerdem eine erhebliche sozialwissenschaftliche Bedeutung. So hat ihre Entwicklung vom Luxusgut zum Genussmittel unsere Gesellschaft stark beeinflusst. Doch wie haben Genussmittel zur Entstehung moderner Konsumgesellschaften beigetragen? Diese Frage möchte ich in der folgenden Hausarbeit unter Einbeziehung der Ausbreitung und „Demokratisierung“ bedeutender Genussmittel eingehen.

2. Was ist eine Konsumgesellschaft?

Zu Beginn des Einstiegs in die Thematik ist eine Definition des Begriffs „Konsumgesellschaft“ nötig. Doch wie ist eine Gesellschaft charakterisierbar, der ein solcher Begriff als Eigenschaft zugeschrieben wird?

Denn bereits unter dem Wort „Konsum“ als solches werden „sämtliche Aktivitäten von Einzelpersonen oder privaten Haushalten verstanden, die auf die Entnahme von Gütern oder Dienstleistungen aus dem Markt gerichtet sind. […] Soziologisch gesehen ist Konsum soziales Handeln mit umfassenden gesellschaftlichen und individuellen Funktionen.“[3]

Dies verdeutlicht, dass eigentlich jede Gesellschaft in ihrer eigenen Art und Weise am Konsum beteiligt ist, es aber trotzdem eine weitere Abgrenzung zum Begriff der „Konsumgesellschaft“ gibt. Hierbei muss man beachten, dass eine „Konsumgesellschaft“ aus zweierlei Hinsicht betrachtet werden muss.

Zum einen beschreibt der Begriff eine Wohlstandsgesellschaft, „in der keine Versorgungslücken mehr auftreten“[4]und „alle Menschen immer mit den nötigen Konsumgütern versorgt werden können.“[5]

Diese Möglichkeit des Zugangs zu einer Vielzahl von Konsumgütern schafft einen Raum für die stetig wachsenden Bedürfnisse und hatte sicherlich auch einen erheblichen Einfluss auf die Entstehung moderner Konsumgesellschaften. Trotzdem gibt es parallel zu dieser recht positiven Definition des Begriffs auch zunehmend kritische Stimmen, die mit der Konsumgesellschaft einen Lebensstil beschreiben, der eher mit „unsolidarischem und egoistischem Handeln“[6]gleichgestellt wird. Dabei wird hier besonders der Konsum von Waren und Dienstleistungen, die nicht essentiell zum Leben nötig sind und heutzutage den Lebensmittelpunkt vieler Menschen ausmachen, kritisiert.[7]

Im Folgenden möchte ich nun darauf eingehen, welchen Einfluss Genussmittel auf die Entstehung moderner Konsumgesellschaften hatten und haben.

3. Die Welt der Genussmittel

3.1 Die Etablierung der Genussmittel in Europa

Der zunehmende Schiffshandel und die ständig wachsenden Handelsverflechtungen brachten nach und nach die vormals fremden Genussmittel in die vorindustrielle Welt. Zu Beginn der Globalisierung der Genussmittel im 17. Jahrhundert[8]war der Konsum fast ausschließlich dem Bürgertum und den oberen Schichten vorbehalten, da die Preise durch den aufwendigen Handel und die schwierige Produktion sehr hoch waren. Doch gerade bei den Oberschichten waren die Genussmittel aus dem Grund sehr beliebt, denn genau dieser „demonstrative Konsum […] verlieh ihnen jenes Prestige, das ihre Durchsetzung ermöglichte.“[9]So gelang es der höfischen Gesellschaft, sich weitestgehend vom Konsum der unteren Schichten abzugrenzen, weil zum Beispiel Schokolade und Kaffee als „Luxusprodukte, Zeichen des Überflusses und des demonstrativen Konsums“[10]galten. Eine wichtige Errungenschaft dieser Zeit war die Entstehung des Kaffeehauses, welches den wichtigen Stellenwert von Heißgetränken bei der bürgerlichen Elite verdeutlichte. Doch hier standen neben dem intellektuellen und kulturellen Vergnügen vor allem der „anregende[n] und konzentrationsfördernde[n] Tasseninhalt selbst“[11]im Vordergrund.

In den Kaffeehäusern wurde allerdings nicht nur Kaffee konsumiert, sondern auch Tee und Schokolade erfreuten sich großer Beliebtheit. Dies führte zur wachsenden Popularität der Heißgetränke[12]und zur Weiterverbreitung erst in die bürgerlichen Haushalte und später auch in untere Schichten.

Trotzdem wollten auch die Arbeiter und Bauern an diesen neuen Geschmackserlebnissen teilhaben, wenn dies auch nur sehr beschränkt möglich war, aber sie versprachen eine Abwechslung von dem tristen Arbeiteralltag[13]oder eine „festliche Krönung bäuerlicher Mahlzeiten“[14].

Dies resultierte in einem allmählichen Zurückdrängen der Autarkie[15]und der Subsistenzwirtschaft, da jeder, der es sich von seinem meist geringen Lohn leisten konnte, am Konsum dieser Güter teilhaben wollte. Das führte zu einer stetigen Kapitalisierung und Verbreitung der Genussmittel. Doch bald wurden „Alkohol, Kaffee, Zucker und Tabak […] zu den zentralen Einkommensquellen des sich formierenden Steuerstaates“[16], denn die staatlichen Instanzen wollten sie kontrollieren und somit kam es zur staatlichen „Stabilisierung und Domestikation“[17]. Als Folge dessen entbrannte ein Abwehrverhalten der Gesellschaft, die sich nicht dem steigenden Einfluss des Zentralstaates und der zunehmenden Kapitalisierung und Kommerzialisierung hingeben wollte und die Abneigung gegen dieses System durch Schmuggel, Verweigerung und Proteste deutlich machte.[18]

Deshalb wird deutlich, dass die Genussmittel zum Ersten einen enormen Einfluss auf viele Lebensbereiche hatten und haben, denn sie sind Bestandteil von „Steuerpolitik und Gesundheitsvorsorge, […] Zivilisationsentwicklung und modische[m] Wandel, Initiationsriten und Erwachsenwerden, gesellschaftliche[n] Kontaktformen, Zeitverständnis, schichtspezifische[n] Konsumunterschiede[n] oder geschlechtsspezifische[m] Rollenverhalten“[19].

Doch wir haben die Genussmittel und den Umgang mit ihnen beeinflusst und verändert. Durch die wachsende Globalisierung und die steigende Schnelllebigkeit setzte sich zum Beispiel die schlanke Zigarette gegen die Pfeife durch.[20]Auch die Konventionen und der Umgang mit den Genussmitteln haben sich verändert. So gilt es heute als schlechtes Benehmen, wenn man Tabak kaut und auf die Straße spuckt, während es damals ein völlig normales Alltagsbild war.

Auf Grund der Fülle an Genussmitteln, die von Essbarem wie Zucker und Honig, von Trinkbarem wie Alkohol, Kaffee, Tee oder Schokolade bis zu Rauchbarem wie Tabak reichen, habe ich beschlossen, im Folgenden nur einen Auszug aus der Welt der Genussmittel zu präsentieren. Dabei habe ich mich für Alkohol, Kaffee und Zucker entschieden, deren Verbreitungsgeschichte und Bedeutung ich im Folgenden näher erläutern möchte.

[...]


[1]Hengartner, Thomas/Merki, Christoph Maria (Hg.), Genussmittel. Ein kulturgeschichtliches Handbuch, Frankfurt/Main 1999, S. 7.

[2]Ebd., S. 13.

[3]Schneider, Norbert F., Konsum und Gesellschaft, in: Rosenkranz, Doris/ Schneider, Norbert F., Konsum. Soziologische, ökonomische und psychologische Perspektiven, Opladen 2000, S. 11f.

[4]Hügle, David, Konsumgesellschaft, in: www.gesellschafteninfo.de/Konsumgesellschaft.html (letzter Zugriff: 16.02.2010).

[5]Ebd.

[6]Hügle 2010.

[7]Vgl. Ebd.

[8]Vgl. Menninger, Annerose, Genuss im kulturellen Wandel. Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa (16.-19. Jahrhundert), Stuttgart 2008, S. 320.

[9]Sandgruber, Roman, Genussmittel. Ihre reale und symbolische Bedeutung im neuzeitlichen Europa, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte; 1/1994, S. 77.

[10]Ebd.

[11]Menninger 2004, S. 323.

[12]Vgl. Ebd.

[13]Vgl. Sandgruber 1994, S. 88.

[14]Ebd.

[15]Vgl. Sandgruber, Roman, Bittersüße Genüsse. Kulturgeschichte der Genußmittel, Wien; Köln; Graz 1986, S. 9.

[16]Ebd., S. 10.

[17]Ebd., S. 9f.

[18]Vgl. Ebd., S. 10.

[19]Ebd., S. 10.

[20]Vgl. Ebd., S. 10.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640958085
ISBN (Buch)
9783640958375
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175007
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,0
Schlagworte
geschichte genussmittel jahrhundert) Konsum Geschichte von Kaffee Zucker Wein

Autor

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Titel: Geschichte der Genussmittel (18.-20.Jahrhundert)