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Brücken - mehr als nur monumentale Bauwerke?

Brücke als Bauwerk und Symbol

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Kulturwissenschaften - Europa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Brückenbaus
2.1 Ursprung und Motive des Brückenbaus
2.2 Die Aspekte des Brückenbaus
2.3 Brückenbau heute

3. Phasen des Brückenbaus
3.1 Urbrücken
3.2 Brückenbau in der Antike und erste Steinbrücken
3.3 Brückenbau im Mittelalter
3.4 Brückenbau in der Renaissance und in der Aufklärung
3.5 Industrielle Revolution und erste Eisenbrücken
3.6 Größere Weiten, höhere Spannkraft – Hängebrücken
3.7 Das 20. Jahrhundert – Zeitalter des Betons

4. Auf jeder Brücke unerlässlich – der Brückenpatron
4.1 Was ist ein Brückenpatron?
4.2 Wer war Nepomuk?

5. Die Brücke als Symbol

6. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

„Die Brücke war […] das seltsam geflügelte Wesen ohne Augen, das mich zwischen den beiden Ufern in der Schwebe hielt.“[1]

Schon seit jeher ist das Überqueren einer Brücke ein besonderer Moment. Egal, ob die Brücke lang oder kurz, die Höhe hoch oder niedrig oder ob man über ein Gewässer, durch eine Stadt oder durch Landschaft fährt, der Ausblick ist immer wieder etwas Besonderes. Man sieht alles aus einer Perspektive, die einem sonst vorbehalten bliebe, wenn man nur auf dem einen oder dem anderen Ufer stehen würde. Auch das oben erwähnte Zitat von Henry Miller macht deutlich, welche Magie von einer Brücke ausgehen und wie unser Befinden sich verändern kann, wenn man sich über eine Brücke bewegt.

Doch was versteht man unter einer Brücke? Brücken werden definiert als „im Verlauf von Verkehrswegen künstlich angelegte Überführungen, die Hindernisse überqueren.“[2]Doch ist das alles? Sind Brücken nur Bauwerke, die uns Menschen helfen, von Punkt A nach B zu gelangen?

In der folgenden Hausarbeit soll auf die wesentlichen Punkte der Brückenentstehung eingegangen werden. Die für jede Epoche beziehungsweise zu jedem Baustoff hauptsächliche Brückenbauart wird in diesem Zusammenhang näher beleuchtet.

Wenn man sich das Bauwerk „Brücke“ betrachtet, ist es ebenfalls wichtig, auf den Schutzpatron der Brücken einzugehen. In diesem Zusammenhang möchte ich klären, wie es zur Entstehung von Patronen kam und werde dabei Nepomuk als den bekanntesten vorstellen.

Des Weiteren möchte ich nicht nur auf die Brücke als Bauwerk eingehen, sondern auch den symbolischen Wert näher beleuchten, denn Brücken haben auch eine unermessliche symbolische Bedeutung, die zum Beispiel die Kommunikation zwischen Kulturen ermöglichen soll. Dazu werde ich Ivo Andrićs Werk „Die Brücke über die Drina“ heranziehen, um zu verdeutlichen, welchen Einfluss eine Brücke auf zwei Kulturen haben kann, deren Leben sich durch den Bau einer Brücke komplett verändert hat.

2. Die Entstehung des Brückenbaus

2.1 Ursprung und Motive des Brückenbaus

Zu Beginn der Menschheitsgeschichte führten unsere Vorfahren ein „Leben von der Natur“[3]welches dann allmählich zu einer „zielgerichteten Umgestaltung“[4]überging, die auf der Ausbreitung des Handels und des Handwerks beruhte. Durch die steigende Zahl der agrarischen Erzeugnisse in Menge und Vielfalt kam es zu einem Überschuss und daraus folgend zu einem zunehmenden Austausch. Der Handel entstand. Zunächst fand der Handel nur mit benachbarten Orten statt, der sich dann stetig weiter ausbreitete. Allerdings konnte der Fernhandel nur realisiert werden, wenn er sich „feste Wege suchte“[5]und er war umso schneller und sicherer, je weniger Hindernisse es auf dem Weg zum Bestimmungsort gab. Schließlich wurde das Rad erfunden und das sollte den Handel enorm erleichtern. Aber auch nach dieser Erfindung stiegen die Anforderungen stark an, denn die Strecken mussten gut begehbar sein und ständig kontrolliert werden. Dabei verlangten vor allem Wasserläufe und Schluchten eine „befestigte Überführung“[6], denn diese Unterbrechungen stellten „empfindliche Behinderungen“[7]dar. Für diese Probleme galt es eine Lösung zu finden.

2.2 Die Aspekte des Brückenbaus

Für den Ursprung des Brückenbaus gibt es zwei Aspekte, die hierfür ausschlaggebend waren. Zum Ersten förderten wirtschaftliche Aspekte den Bau, denn altertümliche Städte entstanden überwiegend an Flüssen. Dies ist sowohl im alten Babylonien, in den Reichen ägyptischer Pharaonen als auch im antiken Griechenland zu beobachten[8]. Dafür gibt es viele Gründe: der Boden ist sehr fruchtbar, die Wasserversorgung ist meist gewährleistet, umliegende Äcker können leicht bewässert werden und es gibt gute Transportmöglichkeiten, die den Handel erleichtern. Zugleich waren die Flüsse aber eine große Behinderung, da man den Verkehr an den Städten vorbeileiten musste, um die Flüsse zu umgehen. Deshalb wurden vor allem an den alten Handelszentren erste Brücken errichtet, wie durch Relikte aus der damaligen Zeit noch heute sichtbar ist.

Der zweite Aspekt, der auf den Brückenbau großen Einfluss hatte, war der politische, der parallel zum wirtschaftlichen Aspekt entstand. In den Handelszentren etablierte sich geistliche und weltliche Macht und erste Staaten entstanden, die zentral verwaltet wurden. Dies war eine weitere Motivation zum Brückenbau, denn das Territorium musste „schnell zum Zwecke der Verwaltung und Verteidigung erreichbar sein.“[9]Deshalb musste das Wegenetz optimiert und von Hindernissen befreit werden.

Die beiden Aspekte entwickelten sich weltweit und unabhängig voneinander in Vorderasien, Nordafrika und Südeuropa.

Überall erlernten die Menschen den Brückenbau, um ihre Verkehrswege leistungsfähiger zu machen.[10]

2.3 Brückenbau heute

Wenn man durch die Landschaft fährt, sieht man häufig große Brücken, die jeden Blick auf sich ziehen und die Landschaft, in der sie liegen, enorm verändern und prägen. Brücken sind deshalb „monumentale Zeichen der Baukultur einer Epoche.“[11]Obwohl die Brückenbaukunst im 19. und 20. Jahrhundert zwar eine hochentwickelte Ingenieurwissenschaft ist, die jedes Konstruktionsproblem lösen kann, werden die Brücken selbst immer „phantasieloser und häßlicher.“[12]Heute ist die Brücke kein Kunstelement mehr, sondern ein reiner Zweckbau. Der dominierende Baustoff der heutigen Zeit ist Stahlbeton, der Holz fast komplett verdrängt hat, da er sehr stabil ist, den Anforderungen bei der Konstruktion entspricht und einfach im Umgang ist. Der Brückenbau ist heutzutage nicht mehr so konstruktiv und gestalterisch vielfältig wie früher, sondern eher einfältig: der „simple Balken aus Stahlbeton ist meist Mittel der Wahl.“[13]Dabei wird aus Kostengründen auf die Schönheit dieser monumentalen Bauwerke verzichtet, denn es gibt gewisse „Regelwerke“[14], die sich bei den zunehmend strenger werdenden Sicherheitsfragen etabliert haben und diese werden von den Bauingenieuren aus Bequemlichkeitsgründen bevorzugt, denn wieso „zusätzliche Arbeit bei gleichem Honorar“[15]einhandeln?

Heutzutage appelliert man also an die Brückenbauverwaltung, kreativer zu sein und mit neuen Herstellungsmethoden Neues zu wagen und sich von dem rationalen Baustil zu entfernen.

3. Phasen des Brückenbaus

„Die Brücke schwingt sich leicht und kräftig über den Strom. Sie verbindet nicht nur schon vorhandene Ufer.“[16]

3.1 Urbrücken

Die Natur selbst war der erste „Lehrmeister“[17]des Brückenbaus, denn durch umgestürzte Baumstämme und Steinplatten wurden die ersten Brücken geschaffen. Sie wurden dann stetig verbessert durch weitere Stämme, die nebeneinander gelegt wurden und durch stützende Elemente. Somit war die Balkenbrücke geboren, die „es dann zu allen Zeiten gegeben hat.“[18]So gab es bereits 1200 bis 1000 v.u.Z. diese Brücken, wie es zum Beispiel die Clam-Bridges (siehe Abb. 1) in England beweisen. Außerdem findet man heute auch noch in China und Indien Relikte aus dieser Zeit.[19]Trotzdem waren diese Vorläufer noch lange nicht mit den heutigen Brücken zu vergleichen. Ein höheres Maß an Stabilität wurde dann erst durch zusätzliche Pfeiler und Verstrebungen geschaffen, wo vor allem die Römer durch ihr gut ausgereiftes Zimmermannshandwerk wertvolle Pionierarbeit leisteten. Aber auch in holz- und steinarmen Gegenden gab es Urformen von „primitiven“ Brücken.[20]So entstanden erste Hängebrücken (siehe Abb. 2), die aus kunstvoll geflochtenem Gras, Bambus, Bast oder Schilf gebaut wurden. Hier wurde vor allem in Asien und in den Gebirgsregionen Amerikas großer Fortschritt geleistet und es entstanden kühne Gebilde. Sie waren allerdings „sehr fragil und wacklig […] und nicht für größeren Verkehr geeignet.“[21]Doch die „Königin der Brücke“[22]diente als Vorbild für zum Beispiel die „Golden Gate Bridge“ (siehe Abb. 3) in den USA und die „Store Bælt Brücke“ (siehe Abb. 4) in Dänemark, denn keine andere Brückenbauart erreicht ähnlich hohe Spannweiten.[23]

Insgesamt kann man sagen, dass die Urbrücken wertvolle Vorarbeit leisteten und vielen Brückenkonstrukteuren Modell standen und auch heute bewähren sie sich noch oft unverändert in vielen, vor allem schlecht zugänglichen, Regionen der Erde.

[...]


[1]Miller, Henry in: Dietrich, Richard J.,Faszination Brücken. Baukunst-Technik-Geschichte,München: Callwey, 1998, S. 22.

[2]Erler, Uwe,Brücken.Historisches, Konstruktion, Denkmäler,Leipzig: VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1988, S. 9.

[3]Erler 1988, S. 7.

[4]Ebd., S. 7.

[5]Ebd., S. 8.

[6]Ebd.

[7]Ebd.

[8]Vgl. Ebd.

[9]Erler 1988, S. 8.

[10]Vgl. Ebd.

[11]Dietrich 1998, S. 10.

[12]Ebd.

[13]Ebd.

[14]Ebd.

[15]Dietrich 1998, S. 14.

[16]Heidegger, Martin in: Dietrich, Richard J.,Faszination Brücken. Baukunst-Technik-Geschichte,München: Callwey, 1998, S. 21.

[17]Erler 1988, S. 14.

[18]Dietrich 1998, S. 78.

[19]Vgl. Erler 1988, S. 14.

[20]Vgl. Ebd., S. 16.

[21]Dietrich 1998, S. 82.

[22]Nebel, Bernd: inBrücken. Architektur, Technik, Geschichte, in: http://www.bernd-nebel.de/bruecken/html in 2003 (letzter Zugriff 15.08.2009).

[23]Vgl. Nebel 2003.

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640963430
ISBN (Buch)
9783640963713
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v175003
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,0
Schlagworte
Die Brücke über die Drina Brücke als Symbol Brückenentstehung Geschichte der Brücke Brückenpatron Brückenbau

Autor

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Titel: Brücken - mehr als nur monumentale Bauwerke?