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Cash Management von Unternehmen in Krisenzeiten

Hausarbeit 2010 27 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung

2 Einführung

3 Theoretische Grundlagen und begriffliche Abgrenzung
3.1 Cash Management und sein Anwenderkreis
3.2 Cash Management Systeme
3.3 Bedeutung von Liquidität
3.4 Abgrenzung des Begriffes „Krisenzeit“

4 Wirkungskreis und Instrumente des Cash Management
4.1 Aufgabenbereiche
4.2 Ausgestaltungsmöglichkeiten

5 Strukturen des Cash Management
5.1 Aktualität und Notwendigkeit
5.2 Aufgaben und Ziele

6 Beurteilung von Cash Management
6.1 Vorteile und Chancen
6.2 Nachteile und Risiken

7 Perspektiven

Verzeichnis der Abbildungen

Abb. 1-1 Anzahl der Insolvenzen im Europäischen Vergleich

Abb. 2-1 Phasengliederung der Unternehmenskrise

Abb. 4-1 Zielsystem des Cash Management

Abb. 4-2 Maßnahmen der optimalen Liquiditätsdisposition

1 Zusammenfassung

Die Erfahrungen vieler Großkonzerne haben gezeigt, dass ein aktiv betriebenes Cash Mana- gement wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen kann. Es sichert das laufende Tagesge- schäft, macht Unternehmen hinsichtlich strategischer Vorhaben und Investitionen flexibel, reduziert Kosten, erhöht die Flexibilität und maximiert die Rentabilität von überschüssigen liquiden Mitteln. Darüber hinaus verschafft die Planung der optimalen Unternehmensliquidi- tät kurz- wie mittelfristig die notwendigen Informationen um den Geldmittelbedarf des Un- ternehmens zu optimieren. Ferner kann unter Cash Management damit die Gesamtheit aller Aktivitäten verstanden werden, die direkt sowie indirekt eine zielgerichtete und aktive Gestal- tung der kurzfristigen Finanzplanung eines Unternehmens unterstützen. Besonders in Krisen- zeiten zeigt sich die enorme Bedeutung des Cash Managements, weil sich die allgemeinen Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, beispielsweise in Form von Bankkrediten, auf- grund steigender Risikostrukturen verschlechtern. Knappes Risikokapital der Banken sowie eine entsprechend niedrige Kreditvergabekapazität sind maßgebliche Faktoren dieses Um- standes. Daher nimmt die Bedeutung der effektiven Planung und Steuerung der vorhandenen liquiden Vermögensmittel erheblich zu. Bei den Darstellungen zum Cash Management in Krisenzeiten konnten Erkenntnisse über wesentliche Unterschiede gewonnen werden, welche sich insbesondere in veränderten Risikostrukturen wiederspiegeln.

Darüber hinaus wird in den Ausarbeitung deutlich, dass Cash Management anwendende Un- ternehmen häufig über eine zu geringe Risikoausstattung und nur unzureichende Sicherheiten oder sonstige Mittel im Sinne eines angemessenen Risikomanagements verfügen. Dieser Zustand wird insbesondere in Zusammenhang mit der Risikoverlagerung deutlich, aufgrund derer die Krise einer Konzerngesellschaft ein Bonitätsrisiko für den Gesamtkonzerns darstellt.

Neben der Ausgestaltung einer umfangreicheren Risikoausstattung kann eine Lösung zur Einschränkung verschiedener Risiken des Cash Management, im Abschluss eines entspre- chenden Vertrages liegen, in dem die Einstandspflichten der Muttergesellschaft sowie Ver- zichte und Ansprüche der Tochtergesellschaften geregelt werden. Ein derartiges Vertragswerk könnte jedoch in Krisenzeiten, durch die besondere Finanzlage und eine mögliche Existenz- bedrohung des Konzerns, unter Umständen weitestgehend gegenstandslos sein.

2 Einführung

Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa lag 2009 bei gut 185.000. In dieser auch als Krisenjahr bezeichneten Periode ist allein in Deutschland die Anzahl der Unterneh- menszusammenbrüche um 16 Prozent, von 29.800 auf 34.300, gestiegen (Creditreform, 2010: 2). Die Gründe für den Niedergang der einzelnen Unternehmen sind vielfältig. Sie stehen aber alle in einem direkten Zusammenhang, denn neben einem vergleichbaren Krisenverlauf, weisen sie am Ende vor allem eines auf: fehlende Liquidität.

Abb. 1-1: Anzahl der Insolvenzen im Europäischen Vergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Creditreform, 2009: 4.

Mit der Anzahl der Insolvenzen ist auch die Zahl der Unternehmenskrisen in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Krisen entstehen dabei in der Regel nicht über Nacht sondern werden während der Zeit ihres entsprechend langen Vorlaufes schlicht ignoriert und häufig erst endgültig erkannt, wenn infolge von Umsatzeinbrüchen und Gewinnrückgängen bereits eine angespannte Liquiditätssituation entstanden ist (Hutzschenreuther, 2006: 5 f.).

Nicht erst in Krisenzeiten gewinnt Cash Management daher an Brisanz und nimmt eine zent- rale Stellung in der Sicherung der unternehmerischen Solvenz ein. Neben der reinen Geldmit- telverwaltung müssen Finanzabteilungen an einer aktiven, zielorientierten Steuerung der Li- quidität arbeiten um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens dauerhaft gewährleisten zu können.

In diesem Zusammenhang geht der vorliegende Artikel der Frage nach, welche Potenziale und Gefahren Cash Management insbesondere in schwierigen Unternehmenslagen aufweist und warum es zu einem unverzichtbaren Bestandteil in der Unternehmensfinanzierung von Konzernen avanciert ist. Um im Rahmen dieses Artikels ein ausführliches Verständnis über das Cash Management zu vermitteln wurden in den einzelnen Kapiteln zunächst die Grund- züge des regulären Cash Managements erläutert und darüber hinaus jeweils auf die in Krisen- zeiten auftretenden Besonderheiten eingegangen. Der Artikel zeigt ferner, unter der Einbezie- hung eines angemessenen Praxisbezuges, welche Dimension Cash Management insbesondere in der kurzfristigen Finanzplanung von Unternehmen einnimmt und wie groß seine Bedeu- tung für jederzeitige Aufrechterhaltung der Unternehmensliquidität ist. Dabei wird den Aus- führungen ein bereits implementiertes Cash Management zugrunde gelegt und die Einführung eines solchen Systems daher nicht einbezogen. Ebenso wird auf die Berücksichtigung rechtli- cher Grundlagen und Fragestellungen verzichtet.

3 Theoretische Grundlagen und begriffliche Abgrenzung

Um der zentrale Fragestellung vollumfänglich nachgehen zu können, ist einleitend die umfangreiche Darstellung und Abgrenzung grundlegender Begrifflichkeiten unumgänglich.

3.1 Cash Management und sein Anwenderkreis

In der einschlägigen Fachliteratur besteht eine außerordentliche Fülle unterschiedlicher Defi- nitionen des Cash Management Begriffs. Neben der Verwendung von synonymen Begriff- lichkeiten aus dem Finanzwesen oder der Darstellung einzelner Instrumente, welche in die- sem Artikel eingehend betrachtet werden, als gesamtes Cash Management-System, erfolgt die Definition gleichermaßen über Wortbilder oder die Erläuterung einzelner Aufgabengebiete (Müller-Bullinger, 1999: 9 ff.).

Der aus dem Englischen stammende Begriff Cash Management kann in die deutsche Sprache wie folgt übertragen werden: Als „Cash“ wird die Gesamtheit liquider Mittel einer Unterneh- mung bezeichnet. Darunter fallen neben Bargeld und Bankguthaben auch die kurzfristig ver- flüssigungsfähigen Vermögenswerte des Umlaufvermögens. Der Anglizismus „Management“ entspricht den deutschen Begriffen Führung, Leitung oder Verwaltung. Zusammenfassend ergibt sich aus den einzeln übersetzten Begriffen die Entscheidung über eine zielgerichtete Planung, Disposition und Kontrolle der liquiden Vermögensmittel einer Unternehmung (Werdenich, 2008: 11). Damit umfasst Cash Management, als Instrument der kurzfristigen Finanzplanung, alle finanzwirtschaftlichen Maßnahmen und Entscheidungen, die einen kurzfristigen Zeithorizont aufweisen und unterstützt in diesem Zusammenhang die zentrale finanzielle Führung des Unternehmens. Schwierigkeiten in der Absteckung des Wirkungskreises von Cash Management entstehen weniger in der Abgrenzung liquider Mittel, sondern in der Festlegung des Aufgabenspektrums (Eistert, 1994: 2 ff.).

Wenngleich das Cash Management in den vergangenen Jahren Einzug in die mittelständische Wirtschaft erhalten hat, wird es vordergründig weiterhin von internationalen wie auch natio- nalen Unternehmensgruppen und Konzernen angewendet, beziehungsweise ist in diesem Nutzerkreis als eine Form der Unternehmensfinanzierung seit vielen Jahren standardisiert (Vetter et al, 2003: 1 f.). Vor allem größere und international aufgestellte Unternehmen verfü- gen regelmäßig über ein ausgeprägtes Cash Management als Teil des Treasury Manage- ments,1 dass in Abhängigkeit von der jeweiligen Ablauforganisation eines Unternehmens die gesamte Finanzierungs- und Finanzrisikosteuerung organisiert (Nitsch et al, 1997: 17).

Aus diesem Grund basieren die nachfolgenden Ausarbeitungen weitestgehend auf der Grund- lage eines Konzernunternehmens. Unter Unternehmensfinanzierung ist grundsätzli]ch die Planung und Durchführung einer Strategie über die Beschaffung, Verwendung und Erhaltung von finanziellen Ressourcen zu verstehen. Das bedeutet im Wesentlichen, die Beschaffung von finanziellen Mitteln (Kapitalbeschaffung) zum Erhalt und zur Entwicklung eines Unter- nehmens. Das Cash Management in Konzernen hingegen zentralisiert neben der Beschaffung auch die Verwendung von Kapital und bildet damit einen Spezialfall einer (zentralen) Kon- zernfinanzierung ab. Zentral besagt in diesem Zusammenhang, dass die Finanzierungmaß- nahmen durch eine zentrale Instanz erfüllt werden über deren Handlungen die Unternehmens- führung entscheidet (Müller-Bullinger, 1999: 5 ff.).

3.2 Cash Management Systeme

Mit der gestiegenen Präsenz des Cash Management, haben infolge der technologischen Ent- wicklung sowie des zunehmenden Konzernisierungsgrades in den Unternehmensstrukturen der Wirtschaft, Cash-Management-Systeme einen festen Platz in den Unternehmensorganisa- tionen eingenommen. Sie übernehmen innerhalb von Konzernstrukturen die einheitliche und zentrale Liquiditäts- und (kurzfristige) Finanzplanung (Rittscher, 2006: 19). Dabei bedienen sich die Unternehmen regelmäßig der Unterstützung von Banken, da diese über EDV- gestützte Systeme verfügen, welche die Kommunikation zwischen Kunde und (Haus-) Bank bereichern und zur optimalen Steuerung des internen Cash Managements maßgeblich beitra- gen.

Cash Management Systeme sind an den Schnittstellen zwischen Bank- und Nutzersystemen vorzufinden. Aus Sicht des nutzenden Unternehmens ist die Verbindung zu den unterneh- menseigenen Finanzsystemen von entscheidender Bedeutung, weil darüber die notwendigen und aktuellen Informationen für das System zur Verfügung gestellt werden (Eistert, 1994: VI). Das Leistungsangebot in der Verwendung von Cash-Management-Systemen reicht dabei vom einfachen “Balance Reporting“, bei dem Informationen von sämtlichen Konten des Kon- zernunternehmens jederzeit als elektronischer Kontoauszug abgerufen werden können, über den sogenannten Money Transfer, welcher die Vornahme von Zahlungen und Umbuchungen zur Vereinfachung der Disposition liquider Mittel ermöglicht, bis hin zum komplexeren “Poo- ling“, das die automatische Konsolidierung aller Konto-Salden der beteiligten Konzernunter- nehmen vornimmt. Das in Literatur verbreiteteste und in der Praxis bedeutungsvollste Cash- Management-System ist das Cash-Pooling. Daher wird hierauf an späterer Stelle, in Verbin- dung mit den Ausgestaltungsmöglichkeiten des Cash Management, ausführlich eingegangen.

3.3 Bedeutung von Liquidität

Befasst man sich mit dem Thema Cash Management, ist dies zwangläufig mit der Auseinan- dersetzung der unternehmerischen Liquidität verbunden, da diese den Brennpunkt des Prozes- ses bildet (Frotzler, 1991: 13). Liquidität nimmt in diesem Zusammenhang die Bedeutung eines positiven Zahlungsmittelbestandes ein. Genauer gesagt wird sie als die Fähigkeit eines Unternehmens bezeichnet, seinen Zahlungsverpflichtungen jederzeit fristgerecht und uneinge- schränkt nachkommen zu können (Boettger, 1994: 18 f.). Damit stellt Liquidität nicht nur ein Primärziel der Unternehmensfinanzierung dar, sondern nimmt darüber hinaus für die Existenz eines Unternehmens einen ebenso hohen Stellenwert ein, wie für den Menschen die Luft zum atmen. Die Sicherstellung eines regelmäßigen Überblickes über den Liquiditätsstatus ist daher unerlässlich und von der Unternehmensführung mit größter Sorgfalt zu betrachten (Hormuth, 1998: 27 ff.).

Ist ein Unternehmen nicht mehr in der Lage, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, liegt der Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit vor, mit dem die Überschuldung des Unternehmens einhergeht. Daraus folgend ist zwingend das gerichtliche Insolvenzverfahren einzuleiten. Die Bemessung der quantitativen Liquidität erfolgt durch international anerkannte Kennzahlen, welche durch das Verhältnis des Umsatzes oder der Bilanzsumme in Relation zu den liquiden Mitteln gebildet werden.

Die Möglichkeiten der Liquiditätsverbesserung nehmen in Krisenzeiten in der Breite ab, da die Chancen der Fremdkapitalaufnahme sinken. Daher rückt in dieser Zeit das Cash Management als Maßnahme der Liquiditätsgewährleistung und -Verbesserung zusätzlich in den Mittelpunkt der Unternehmensfinanzierung, zumal die Kosten der Kapitalaufnahme in Krisenzeiten zusätzlich steigen (Finance Magazin, 2010: 1 f.).

3.4 Abgrenzung des Begriffes „Krisenzeit“

Nachdem die Begriffe Cash Management und Liquidität allgemein veranschaulicht und abgegrenzt wurden, gilt es nachfolgend den ferner im Mittelpunkt der Ausarbeitungen stehenden Begriff der Krise respektive seinen temporären Prozess zu erläutern und für die voranstehende Ausarbeitungen festzulegen.

Der Terminus einer Unternehmenskrise liegt vor, wenn grundlegende Ziele eines Unterneh- mens bedroht sind und die Nichterreichung dieser Ziele eine konkrete Existenzgefährdung darstellen. Somit kann eine Unternehmenskrise als Endstadium eines vom Unternehmen un- gewollten Prozesses betrachtet werden (Grape, 2006: 7 f.). Die Existenz einer Unternehmens- krise lässt sich in der Regel anhand diverser Symptome erkennen, die Rückschlüsse auf die Art und damit auf das Stadium der Krise zulassen. Ein direkter Rückschluss spezifischer Kri- sensymptome auf die Ursachen der Unternehmenskrise, genauer gesagt auf die auslösenden Faktoren welche die Krise herbeigeführt haben, ist aufgrund seiner zumeist mehrstufigen Beweggründe sowie der komplexen Zusammenhänge und Verknüpfungen unterschiedlicher Unternehmensbestandteile nahezu unmöglich. Um gegen eine Unternehmenskrise vorgehen zu können, ist die Kenntnis ihrer Ursachen jedoch Grundvoraussetzung.

[...]


1 Der Bereich Treasury umfasst die Maßnahmen und Instrumente zum aktiven Management von Zins- und Währungsrisiken. Es wird häufig als Überbegriff verwendet oder als organisatorisch hauptverantwortliche Stelle über das Cash Management Gestellt (Werdenich, 2008: 11).

Details

Seiten
27
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640956371
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174872
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen – School of International Business
Note
1,3
Schlagworte
Cash Management Cash Pooling Liquiditätsmanagement

Autor

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Titel: Cash Management von Unternehmen in Krisenzeiten