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Der Konflikt zwischen Danton und Robespierre in Georg Büchners "Dantons Tod"

Hausarbeit 2007 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

0 Einleitung

1 die titelfigur Danton
1.1 Büchners Danton
1.2 Der historische Danton

2 DIE figur robespierre
2.1 büchners Robespierre
2.2 Der historische Robespierre

3 Die Begegnung zwischen Robespierre und Danton
3.1 Das Aufeinandertreffen
3.2 Der Konflikt im Gesamtzusammenhang

4 Die sprachliche Form des Dramas

5 ZUSAMMENFASSUNG

6 LITERATURVERZEICHNIS
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
6.3 Quellenangaben

Einleitung

Georg Büchner wurde von seinen Zeitgenossen kaum beachtet, zählt aber heute mit seinem schmalen Werk zu den größten deutschen Dichtern.1 Bei Dantons Tod handelt es sich um ein historisches Drama, welches um Authentizität bemüht ist und von Büchner 1835 im Alter von nur 22Jahren vollendet wurde. Den historischen Hintergrund bildet in seinem ersten Drama die Französische Revolution. Die dargestellten Vorgänge umfassen jedoch nicht einmal einen Zeitraum von zwei Wochen. Schauplatz des Dramas ist die Stadt Paris.

Georg Büchner lässt die Handlung beginnen, als Danton bereits jegliche politische Aktivitäten eingestellt hat und zu der Auffassung gelangt ist, dass er den Verlauf der Revolution ganz sicher nicht mehr lenken kann. In seinem Werk stellt Büchner die beiden Hauptakteure Danton und Robespierre als Gegner einander gegenüber, wobei sich diese sowohl in ihren Grundeinstellungen zum Leben als auch zur Revolution unterscheiden. Sie vertreten unterschiedliche politische Auffassungen und widersprechen sich auch in ihren persönlichen Eigenschaften. Dem radikalen Robespierre, der eine Vernichtung aller Feinde der Revolution fordert, steht ein gelassener und genusssüchtiger Danton gegenüber, der in politischer Hinsicht passiv bleibt und seine Aufmerksamkeit lieber den schönen Dingen des Lebens widmet. Der Kontrast dieser Eigenschaften wird bei einem Zusammentreffen der Hauptakteure am Ende des ersten Aktes äußerst deutlich.

Ziel dieser Arbeit ist es zum einen, die figuralen Eigenschaften der beiden Kontrahenten, Danton und Robespierre, darzustellen und zum anderen, den Konflikt zwischen den Beiden im Gesamtzusammenhang des Dramas zu erläutern. Abschließend wird die von Büchner verwandte sprachliche Form näher beleuchtet und eine knappe Zusammenfassung geliefert.

1 Die Titelfigur Danton

1.1 Büchners Danton

Der träge und zynische Danton ist die Titelfigur des Dramas. In 16 Szenen von den 32, die das Stück zählt, hat er seinen Auftritt, steht in deren Mittelpunkt oder taucht zumindest am Rande der Szene auf.2 Das Drama beginnt zu einem Zeitpunkt, an dem Danton schon längst die Bühne der Revolution verlassen und seinen revolutionären Elan vollständig verloren hat. Ungewöhnlich ist der Dramenbeginn, da Büchner ein Bordell als den Handlungsort der ersten Szene wählte. Während Dantons Freund Hérault-Séchelles und einige Damen am Spieltisch sitzen, Karten spielen und die ein oder andere obszöne Bemerkung machen, sitzt Danton abseits zu den Füßen seiner Gattin Julie. Die Gemütslage Dantons ist jedoch keineswegs unbeschwert, da seine Gedanken um Dinge wie Tod und Einsamkeit kreisen. Durch den Auftritt von Dantons Freunden, Philippeau und Desmoulins, erhält die Szene eine politische Wendung. Sie berichten über die aktuellen Ereignisse in Paris und darüber, dass Dantons Gegenspieler Robespierre den radikalen Revolutionär Hérbert und seine Anhänger hat hinrichten lassen. Der Versuch, Danton zum Handeln zu bewegen, scheitert. Auf Camilles Aufforderung: „Danton du wirst den Angriff im Konvent machen“3, reagiert Danton lediglich mit den Worten: „Ich werde, du wirst, er wird. Wenn wir bis dahin noch leben, sagen die alten Weiber.“4 Anhand dieser zynischen Reaktion lässt sich Dantons politisches Desinteresse erkennen. Auffallend ist die Handlungsarmut dieser Szene. Die Titelfigur verweigert sich jeglicher politischer Aktion.5 Von vornherein geht Danton auf Distanz zur Sphäre politischen Handels.6 Als Danton beschließt zu gehen, erhält Julie als Begründung für den Aufbruch: „Ich muss fort, sie reiben mich mit ihrer Politik noch auf.“7 Als durch Robespierres Rede vor dem Jakobinerklub die Situation für die Dantonisten in eine wirkliche Bedrohung umschlägt, zeigt Danton weiterhin wenig Bereitschaft, etwas zu unternehmen. Lacroix, ebenfalls ein Freund Dantons, warnt ihn eindringlich: „Wir müssen handeln.“8 Dantons knappe Antwort hierauf: „Das wird sich finden.“9 Schließlich verspricht er Lacroix, sich am darauf folgenden Tag zu Robespierre zu begeben.10 Diese Begegnung jedoch wird dazu führen, dass Danton als Opfer der Revolution stirbt.

1.2 Der historische Danton

Georges Jacques Danton wurde 1759 geboren und starb am 5. April 1794 durch die Guillotine. Er war Advokat und radikaler Demokrat, der auch als Justizminister agierte. Im Jahre 1793 rief er das Revolutionstribunal ins Leben, bei dem es sich um einen politischen Gerichtshof handelte, der Berufungen gegen Urteile keinesfalls zuließ.

Danton war für ein Ende der Schreckensherrschaft und gegen die zahlreichen Hinrichtungen, die meist aufgrund völlig haltloser Verdächtigungen erfolgten. Jedoch stieß er dabei auf den Widerstand Robespierres, „der die Regierung nur gesichert sah, wenn sowohl Radikale (die Hérbertisten) als auch Gemäßigte (die Girondisten) ausgemerzt würden“11. Robespierre sorgte dafür, dass Danton verhaftet und nach kurzem Prozess hingerichtet wurde.

2 die figur robespierre

2.1 Büchners Robespierre

Bei Robespierre ist auffällig, dass im gesamten Drama lediglich vier Auftritte seiner Person zu verzeichnen sind, wobei sich diese ausschließlich auf die ersten beiden Akte beschränken. Im Gegensatz zu Danton ist seine Präsenz somit eine viel geringere. Dennoch ist seine Rolle von zentraler Bedeutung, da er auch ohne weitere Auftritte allgegenwärtig ist. Bei Robespierre handelt es sich um Dantons Gegenspieler, der Eigenschaften wie menschliche Kälte, Sittenstrenge, Aktivität und leidenschaftlichen Fanatismus in sich vereint. Er hetzt das Volk gegen Danton und dessen Anhängerschaft auf, indem er ihm vorwirft, die Sache der Revolution verraten zu haben.12 Die Revolution ist für ihn der Kampf der Tugend gegen das Laster, und als solche ist die Revolution jederzeit und gegenüber jedem gerechtfertigt. Träger der Tugend ist für ihn das Volk, Träger des Lasters ein Adel, der sich historisch überlebt hat. Der größte Feind der Revolution sind diejenigen, die ihre Sache verraten haben und sich nun an die Stelle des Adels setzen und dessen Privilegien zu genießen versuchen.13 Robespierres Feindbild ist eindeutig und klar definiert. Seinen ersten Auftritt hat Robespierre in der ersten Volksszene des Dramas (1.Akt, 2.Szene), in der er versucht, das aufgebrachte Volk mit den Worten „Im Namen des Gesetzes“14 unter Kontrolle zu bringen. Mit diesem Ausspruch bezieht er sich auf eine Autorität, der seiner Meinung nach alles unterzuordnen ist. Robespierre weiß genau, was das Volk hören möchte und hebt deshalb dessen Macht, Größe, Tugend und Pflichtbewusstsein besonders hervor. Jedoch warnt er das Volk auch vor seinen Feinden. Bei seinem zweiten Auftritt im Jakobinerklub hält Robespierre eine Rede, in der er den Terror rechtfertigt und das Laster, welches durch die Dantonisten personifiziert wird, als den zu vernichtenden Gegner identifiziert.

In einer Republik ist es nicht nur ein moralisches sondern auch ein politisches Verbrechen; der Lasterhafte ist der politische Feind der Freiheit, er ist ihr umso gefährlicher je größer die Dienste sind, die er ihr scheinbar erwiesen. […] Ihr werdet mich leicht verstehen, wenn ihr an Leute denkt, welche sonst in Dachstuben lebten und jetzt in Karossen fahren und mit ehemaligen Marquisinnen und Baronessen Unzucht treiben.15

Robespierre glaubt an das, was er sagt und fühlt sich in seinem Handeln gerechtfertigt. Es wird deutlich, dass er in seinem Revolutionswahn bereit ist, mit aller Gewalt seine Vorstellungen durchzusetzen.

2.1 Der historische Robespierre

Maximilien Marie Isidore de Robespierre lebte von 1758 bis zum 28. Juli 1794. Er war Advokat, führender Kopf des Jakobinerklubs und der Bergpartei sowie unversöhnlicher Feind der Monarchie. Tugend bestimmte seine Lebenshaltung und trug ihm den Beinamen „der Unbestechliche“ ein.16 Nach der Hinrichtung der Dantonisten fand auch Robespierre kurze Zeit später seinen Tod durch die Guillotine.

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Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640954988
ISBN (Buch)
9783640954940
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174657
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Dantons Tod Georg Büchner Robespierre

Autor

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